Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1931-08-14 · Heft 33 (14.8.1931) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 33 (14.8.1931)
Date
1931-08-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3064453-3064485--18489-3083525
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DIE WAHRHEIT Sott« 4 Deutschen Studentenschaft zu entsenden. Das dritte Vorstandsmitglied ist Mitglied des katholischen farbentragenden Cartell- Verbandes (C. V.). Es sind nicht nur die Nationalsozialisten, die diesem Vorgange eine tiefe, symbolische Bedeutung für das ganze Volk zuerkennen. Der Reichsführer des nationalsozialistischen Studentenbundes schreibt im „Völkischen Beobachter" vom 2.13. August, daß seit dem 14. September 1930 d i e Macht Hitlers noch nie so anschaulich offenbart worden sei. Auch wir verkennen keineswegs die Wichtigkeit dieser Wahl. Sie konnte diejenigen, die die Verhältnisse an den Hochschulen kennen, kaum überraschen. Daß aber diese Wahl einstimmig erfolgt ist, daß dies geschah, nachdem in den letzten Monaten Krawalle übelster Art auf den deutschen Hochschulen stattgefunden haben — das läßt die ernste Befürchtung aufkommen: die Mai- und Juli-Vorgänge in Wien, Berlin, München, Köln und anderwärts sind vielleicht nur ein Anfang gewesen. Man wird mit ernster Aufmerksamkeit die weitere Entwicklung beobachten müssen. Gerichtsassessor Hans Lennhoff, Berlin. VORNEHME fANUIEN - PENSION Die mißglückte Machtprobe. Von unserem Berliner Korrespondenten« Es ist nicht wahr, daß am 9. August die preußischen Wähler über die Frage zu entscheiden hatten, ob im größten deutschen Bundesstaat Neuwahlen zur Volksvertretung stattfinden sollen oder nicht. Der Preußische Landtag wird im Frühjahr des kommenden Jahres ohnehin zu bestehen aufhören, weil die Zeit, für die er gewählt ist, abgelaufen ist. Selbst wenn der Volksentscheid gelungen wäre, wären die Wahlen nur einige Wochen früher abgehalten worden, als sie beim natürlichen Ablauf der Dinge vor sich gehen werden. Wegen eines Zeitgewinnes also von nur einigen Wochen wurden die preußischen Staatsbürger aufgerüttelt, wurde durch das ganze Land eine mit schärfsten Mitteln durchgeführte Agitation getragen und wurde das Ausland in lebhafte Unruhe versetzt. Und diese Unruhe wurde erzeugt in einem Augenblick, wo das deutsche Volk nichts nötiger hat als Ruhe, nichts dringender braucht als die Möglichkeit, in ungestörter täglicher Arbeit die außerordentlichen Schwierigkeiten zu bereinigen. Dreizehneinhalb Millionen Stimmen wären notwendig gewesen, um am vergangenen Sonntag den Volksentscheid durchzubringen. Die hinter dem Volksentscheid stehenden Rechtsparteien unter Führung der Nationalsozialisten konnten beim Volksbegehren nur rund sechs Millionen Stimmen erlangen. Die Niederlage am 9. August wäre daher auf jeden Fall eine sichere genheit versäumten, das Beginnen der Rechtsradikalen als Betrug zu stigmatisieren, schienen nun den Hakenkreuzlern die Rettung für ihr schon verloren gegebenes Unternehmen bringen zu können. Man war denn auch, wie man aus den Versammlungen der Nationalsozialisten ersehen konnte, in diesen Kreisen durch die Mithilfe der Kommunisten, die der Führer der Berliner Hakenkreuzler Dr. Goebbels in seinem „Angriff noch am 30. Juli als „ J u d e n c 1 i q u e" bezeichnet hatte, hoffnungsfroh gestimmt worden. Die Hoffnungen sollten sich aber als trügerisch erweisen. Beinahe drei Millionen Stimmen weniger als bei den letzten Wahlen haben die vereinigten Hakenkreuzler und Kommunisten am vergangenen Sonntag zusammen aufgebracht. Es ist ja möglich, daß dieses Minus auf die auffallende Wahlzurückhaltung der Kommunisten und auf die ganz geringe Beteiligung der deutschen Volkspartei zurückzuführen ist. Sicherlich aber hatten auch die Nationalsozialisten einen sehr starken Rückgang zu verzeichnen, was vom deutschen und vom jüdischen Standpunkte aus nur erfreulich ist Es spricht dies schon für eine gewisse Geklärtheit des Urteils im deutschen Volke. Wer für eine ruhige und stetige Entwicklung ist, wer den preußischen Staat und das Deutsche Reich vor Erschütterung bewahren will, der mußte wünschen, daß der Volksentscheid nicht gelingt. iHBstaupatioB.rJaHBBbans | täglich 5-Uhr-Tee If iSErMEMN«! TELEPHON 11 B [Hochstraße 4SI neben Hotel Panhans M Mäßige Preise, Zimmer mit Pension S 12.— aufwärts s H Zentralheizung:, fließendes Warm- und Kaltwasser §3 3 in jedem Zimmer. ü Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein» Besitzer §§ IlHllM^ , Jjgr^jjjjjjS '-k-7;"*JPP*j /V S^smmMm w ' ^cXmaiiSB^^ri Die preußischen Juden verwarfen den Volksentscheid, weil er in einem Augenblick, in dem Politik und Wirtschaft die Ruhe nötiger denn je brauchten, sich als hervorragendes Element der Unruhe erwies. Schon nach dem Septembertag, der bei den Reichstagswahlen den Erfolg der Nationalsozialisten brachte, hat die deutsche Wirtschaft die Folgen einer solchen Unruhe zu spüren bekommen, und wäre am 9. August der Volksentscheid gelungen, dann wäre die Beunruhigung noch viel größer geworden. Die jüdischen Wähler in Preußen haben am vergangenen Sonntag die richtige Entscheidung getroffen, obwohl von keiner offiziellen jüdischen Seite eine ausdrückliche Parole ausgegeben worden war, schon weil anzunehmen war, daß Staatsbewußtsein und Sinn für Verantwortung die jüdischen Wähler davon abhalten würden, zur Vermehrung der Unruhe in Staat und Reich beizutragen. Wir erleben genug an den blutigen Zusammenstößen, die täglich aus allen Teilen des Reiches gemeldet werden. Nach dem Mißlingen des Volksentscheides kommt es jetzt darauf an, die Stimmung der Bevölkerung weiter zu verbessern, alles hängt davon ab, daß in den Städten und auf dem Lande die notwendige Arbeit geschieht, und diese Arbeit kann nur ungestört vor sich gehen, wenn politische Verwicklungen vermieden werden. Die deutschen Juden werden an dieser notwendigen Arbeit allen Anfeindungen zum Trotze weiter ihren redlichen Anteil nehmen. A. N. Berufen Sie sich auf die „Union" bei Abschluß von Versicherungen bei der Städtischen Versicherungsanstalt Gespannte Lage in Palästina. gewesen, wenn die Kommunisten sich nicht entschlossen hätten, für den Volksentscheid einzutreten. Dadurch sah es diesmal gefährlicher aus. Denn die Kommunisten, die noch beim Volksbegehren ihren ganzen Vorrat an Hohn über die Stahlhelmleute ausgössen, die damals keine Gele- Kanisza, Schwarz — Brünn, riecht — Bielitz, Löwenstamm — München, Kaiser — Baltimore, und noch viele, andere. Kaum hatten aber Sulzer und seine Zeitgenossen die Augen geschlossen, war diese Aera auch schon zu Ende. Es entstand in der Führung des Gottesdienstes ein förmliches Chaos. Jeder Vorbeter arrogierte steh das Recht, den Gottesdienst nach seiner Idee einzurichten, ohne daß die kompetenten Stellen dagegen Einspruch erhoben hätten. Auch an diesem Rückgange tragen die Gemeindeleitungen die Schuld. Während von den Rabbinern, den Lehrern, vom Schochet, ja von allen sonstigen Gemeindebeamten der Nachweis einer entsprechenden Vorbildung verlangt wurde, nahm man von dieser Forderung gerade bei Anstellung des Kantors Abstand. Wenn nichtsdestoweniger noch Kantoren existieren, die alle erwünschten und erforderlichen Qualifikationen, und zwar im höchsten Maße besitzen — man kann sie an den Fingern abzählen —, ist dies nur das Ergebnis eines Zufalles. Die Leiter der Gemeinden wollen noch immer nicht einsehen, welch ungeheuere Werbekraft ein würdiger Gottesdienst auch für den kulturbedürftigen Teil der jüdischen Bevölkerung hat; sie erkennen den Gottesdienst noch immer nicht in seiner eigentlichen Wesenheit, sehen noch immer nicht, was er in Wirklichkeit ist, nämlich die stärkste Säule des Glaubens. Nur unter der Leitung eines würdigen und voll befähigten Vorbeters ist es möglich, den Gottesdienst auf eine höhere, die richtige und ursprüngliche Stufe zu bringen, ihn zu einem weihe- und andachtsvollen zu gestalten, und nur unter dieser Voraussetzung wird es gelingen, für ihn auch jene Bedeutung zurückzugewinnen, die seinen Gründern einst vorgeschwebt hat. Elul 5691. Heinrich Fischer, Oberkantor im Seitenstettentempel der Wiener isr. Kttlrusgemeindc. Seit einiger Zeit herrscht in Palästina wieder eine recht erregte Stimmung. Trotz mehrfacher Bemühungen der Regierung, die politische Agitation einzudämmen, führt die arabische Presse, wie wir schon letzthin melden konnten, seit mehreren Wochen eine sehr heftige Sprache. Alles erreichbare Material wird herangezogen, um den arabischen Massen das Gefühl beizubringen, daß sie von den Juden bedroht sind. Eines der wichtigsten Elemente dieser Kampagne bildet die Behauptung, daß die Regierung die jüdischen Kolonien bewaffnet habe. Es handelt sich hier um die Aufstellung versiegelter Waffenkasten in einigen besonders exponierten jüdischen Punkten, die einen Schutz gegen plötzliche Ueberfälle, bevor noch Polizei zur Stelle sein kann, ermöglichen sollen. Die Zahl dieser Waffen ist außerordentlich gering und nur für den äußersten Notfall berechnet, für ihre Verwendung bestehen außerdem strenge Vorschriften, deren Mißachtung den Entzug der Waffen zur Folge hätte. Es ist klar, daß hier nicht von einer „Bewaffnung" der Kolonisten die Rede sein kann und daß jede agressive Absicht der Juden ausgeschlossen ist. Die öffentliche Behandlung dieser Frage — auch im englischen Unterhaus wurde eine darauf bezügliche Interpellation gestellt — hat aber leider Uebertreibungen zur Folge gehabt, die jetzt schwer mehr einzudämmen sind, zumal immer wieder arabische Beobachter sich melden, die Schützengräben oder andere militärische Vorkehrungen von Juden gesehen haben wollen. Diese Phantasien werden von der arabischen Hetzpresse planmäßig verbreitet, aber auch durch das in manchen zionistischen Kreisen übliche Gerede von der Notwendigkeit „militärischer Erziehung" der Juden nicht gerade entkräftet. Die arabische Presse fordert Schutz der Araber vor dem drohenden jüdischen Waffengebrauch und vor allem auch Bewaffnung der Araber. Neben dieser Pressehetze erfolgt, wie wir ebenfalls bereits berichtet haben, eine sehr starke arabische Versammlungskampagne gegen die Juden. So hat in Nablus eine von der mohammedanischen Vereinigung junger Männer zum Zweck des Protestes gegen die angebliche Bewaffnung der jüdischen Kolonisten in Palästina einberufene Konferenz stattgefunden, an der 60 Delegierte teilnahmen. Es wurden aufreizende Reden gehalten und drohende Resolutionen angenommen. Aus zahlreichen Städten des Landes waren Anhänger und Gegner des Großmufti erschienen, die einander in Hetzreden zu überbieten suchten. Unter anderem wurden Massendemonstrationen in ganz Palästina am 15. August angekündigt. In einer Resolution wird erklärt, die Araber würden alle notwendigen Gegenmaßnahmen ergreifen, wenn die Regierung fortfahren werde, die jüdischen Kolonisten zu bewaffnen. Es wurde ein Komitee eingesetzt, das beauftragt wurde, von der Regierung die Bewaffnung der arabischen Stämme und Dorfbewohner zu fordern und „die gesamte mohammedanische Welt einschließlich der Könige und Fürsten über den Schaden zu unterrichten, den die Palästinaregierung durch die Bewaffnung der Juden angerichtet hat". Zur Sicherung von Ruhe und Ordnung hatte die Palästinaregierung, die merkwürdigerweise diese Versammlung überhaupt erlaubt hatte, anläßlich der Tagung der arabischen Konferenz Panzer-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.