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Die Wahrheit · 1931-08-07 · Heft 32 (7.8.1931) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 32 (7.8.1931)
Date
1931-08-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT der amerikanisch-jüdischen Kongregationen, Mitglied des Hauptkomitees des American Jewish Committee, Mitglied des Advisory Council der Palestine Economic Corporation, seit 1924 Mitglied des Komitees für die Jewish Agency, Vizepräsident des Kuratoriums der Hochschule für jüdische soziale Fürsorge. Mitglied des Verwaltungsrates der jüdischen Fiüchtlingshilfe, Mitglied des Präsidiums der Nationalkonferenz für jüdische soziale Fürsorge, Mitglied der Leitung des United Jewish Campaign. Er war Mitbegründer und führendes Mitglied des amerikanischen Nationalkomitees der OSE und ein Förderer des OSE-Werkes. Auch der Arbeit von ORT brachte er tätiges Interesse entgegen. Im vorigen Jahre sprach er auf einer Konferenz des von ORT inaugurierten Volkswerkzeugs-Campaign über die Wichtigkeit des ORT-Aufbauwerkes. Im Jahre 1927 bereiste Doktor Lee K. Frankel Palästina als führendes Mitglied der von Louis Marshall und Dr. Chaim Weizmann organisierten Expertenkommission und war seither an der Gründung des nichtzionistischen Teiles der Jewish Agency intensiv beteiligt Der Council der Jewish Agency wählte ihn in seiner letzteri Basler Tagung neben 0. E. d'Avigdor Goldsmid zum Mitvorsitzenden. B Herrenind Dieieir Nur Ia-Qualitäten nach Maß und fertig lagernd, eventuelle Zahlungserleichterungen bis zu 1 Jahr werden gewährt Einigkeit tut not. ER-UNIOl §kWNVLKuern«t&6 TeLB20M Wir veröffentlichen nachstehende Betrachtung unseres rumänischen Mitarbeiters B. RippeL deren Nutzanwendung auch anderwärts gezogen werden sollte. (Die Red.) Es ist schon eine unvermeidliche Eigenschaft unseres Volkes, daß, wo vier Glaubensgenossen zusammen sind, sich bald drei Meinungen bilden und zwei Vereine entstehen. Ist das ein Fehler? Nein. Es ist ein Zeichen von Ehrgeiz, Selbstbewußtsein und Ambition. Diese Erscheinungen haben aber auch eine Kehrseite: Einer kommt an die Spitze. Der andere opponiert Meinungsverschiedenheiten entstehen. Sie fordern zum Kampf heraus. Es wird ein „eigener" Verein gebildet Haß und Versöhnung wechseln, so daß eine Einigkeit selten oder gar nicht zu finden ist Die jüdische Bevölkerung Großrumäniens zählt etwa eine Million Einwohner. Bei ihrer geistigen Kapazität und ihrer Stellung als wirtschaftlicher Faktor, — welche Bedeutung könnte diese Volksinasse erlangen, wenn sie geeinigt wäre! Zu diesem Zwecke, nämlich zur Einigung der Judenschaft Großrumäniens besteht bekanntlich d.e U. E. R., deren Aufgabe es ist sämtliche Juden dieses Landes, ohne Rücksicht auf ihre religiöse oder nationale Einstellung zu einem organischen Ganzen zu vereinigen. Bei der Entwicklung des Programmes der U. E. R. hat ihr Präsident Herr Dr. Fildermann, oft betont, daß derselben alle Juden, Orthodoxe, Zionisten, Fortschrittler etc. angehören können, ohne in ihrer Gesinnung hiedurch beeinträchtigt zu werden. Die Uniunea Evreilor Romane ist daher in bezug auf die Politik eine Union sämtlicher Juden Rumäniens im wahrsten Sinne des Wortes, welche über das ganze Land verbeitet ist und den Willen der jüdischen Bevölkerung zum Ausdrucke bringt Vom Standpunkte der Logik und der Zweckmäßigkeit ist dies auch vollkommen gerechtfertigt. Denn der Antisemitismus, welcher in den jüngsten Jahren sein Haupt so mächtig erhoben hat richtet sich nicht gegen eine Partei, nicht gegen einenationaleoderreligiöseGruppe, sondern vollends gegen das gesamte jüdische Volk. Aus diesem Grunde müssen auch alle Juden in einer geschlossenen Front diesem Unheil gegenüber standhalten. Die Leitung dieser Vereinigung nehmen die Führer der U. E. R. für sich in Anspruch, indem sie ins Treffen führen: sie stünden mit dem rumänischen Volke seit vielen Jahren im engsten Kontakte, seien mit der Sprache, den Sitten und Bräuchen des Landes vertraut: infolge ihrer Bodenständigkeit und des mit dem rumänischen Volke geteilten Schicksals in schweren Tagen erfreuen sie sich des Ansehens und Vertrauens, welches geeignet ist, den Ansprüchen der U. E. R. auch den angemessenen Nachdruck zu verleihen. Selbstredend ist es auch nicht ausgeschlossen, daß bei einem Ausbau der Union auch noch andere prominente Persönlichkeiten des jüdischen Volkes an der Leitung dieser jüdischen Zentrale in Bucuresti mitwirken. Nun kommen die jüdischen Führer aus den angeschlossenen Gebieten und sagen: „Ihr seid unseren persönlichen Ambitionen zu gefährlich. Wir verzichten auf die Einigkeit der Judenschaft und ihre Bevormundung aus dem Regat Wir wollen unsere eigenen Herren sein und auch unsere eigenen Wege wandeln. Wenn wir mit unserem jüdisch-national-zionistischen Programm auch keine Erfolge erzielen, so haben wir dafür die Unabhängigkeit und ziehen auch dadurch auf uns die Aufmerksamkeit." Und so segeln sie unter der Flagge der jüdischen Nationalität, die an und für sich sehr lobenswert sein mag, in Rumänien aber nicht im besonderen Rufe steht Sie verfolgen dasselbe Ziel, wie die U. E. R., nur in anderer Richtung, welche einen weiten Umweg bedeutet. Wer hat nun Recht? Es ist ja wahr: die angeschlossenen Gebiete weisen eine größere Anzahl Juden auf, als jene im Regate und deshalb wähnen sich auch die Führer der ersteren im Vorrang. Aus den bescheidenen Erfolgen der jüngsten Wahlen, welche wir unserem Volke aus vollem Herzen gönnen, dürfen aber keine Trugschlüsse gezogen werden. Denn zu diesem Ergebnisse hat auch der Umstand wesentlich beigetragen, daß die U. E. R. keine Kandidaten nominiert hat, weshalb eine bedeutende Anzahl ihrer jüdischen Stimmen infolge der bekannten Umstände der Liste des Reichsblocks zugefallen ist. Andererseits müssen die Führer der nationalen Partei sich auch vor Augen halten, daß die U. E. R. als eine Reichspartei der rumänischen Juden auch dadurch dem rumänischen Volke und dessen Regierung näher steht, als der Reichsblock, dessen Mitglieder noch mit Vorliebe sich der deutschen, ungarischen und russischen Sprache bedienen. Darauf ist denn auch der Ausspruch des Premierministers Prof. Jorga zurückzuführen, welcher bei einer Wählerversammlung in Czernowitz betonte: „Die Juden der angeschlossenen Gebiete können als Minoritäten betrachtet werden, jene des Regats aber nicht." Damit ist schon sehr viel gesagt. „Wie gut und wie anmutig ist das Beisammensein aller Brüder in einer Vereinigung!" ruft schon der Psalmist so überzeugend. Wie schön und nützlich zugleich wäre es, wenn das Band der Einigkeit alle Juden Rumäniens umschlingen würde. In der Stunde der Gefahr finden sich ja alle jüdischen Herzen! Muß man erst Gefahren, Ungemach abwarten, um sich die brüderlichen Hände entgegenzustrecken, die Vereinigung der jüdischen Kräfte herbeizuführen? Im Interesse der großen jüdischen Sache ist es ein dringendes Gebot der Notwendigkeit, daß sich die Juden enger an einander schließen, anstatt sich gegenseitig zu befehden und nach Außenhin zu offenbaren, daß die Judenschaft zerspalten, zerklüftet und deshalb auch geschwächt sei. Alle jüdischen Führer wollen für ihr Volk doch nur das Beste. Warum also nicht mit vereinten Kräften, auf geeigneter Basis das erhabene Ziel verfolgen, anstatt geschwächt verschiedene Richtungen anschlagen? Wenn je, so ist gerade jetzt eine Einigkeit im jüdischen Lager dringend notwendig. Denn die parlamentarischen Kämpfe nehmen ihren Anfang. Bald wird auch die antisemitische Strömung ihren Lauf verstärken. Da muß rechtzeitig für eine starke Front, für eine wirkungsvolle Abwehr Vorsorge getroffen werden. Während unsere Feinde sich täglich vermehren, täglich erstarken, nehmen unsere Kräfte jedesmal mehr ab. Infolge der würgenden Wirtschaftskrise wächst bei unserem Volke die Zahl der zusammengebrochenen Existenzen und das Heer der Brotlosen erhält immer neuen Zuwachs. Angesichts dieser tristen Umstände sollen alle persönlichen Gegensätze in den Hintergrund zurücktreten. Die so notwendige Einigkeit muß geschaffen und eine starke Einheit befestigt werden. In diesem Falle wird auch unserem Volke jenes Ansehen und jene Macht zuteil werden, welche kraft seiner numerischen Anzahl und seiner Intelligenz ihm tatsächlich zukommt. ia*araM«MMM < 30Jaftre Hilfsverein der deutschen Juden Organisationen, des Hilfskomitees für die notleidenden osteuropäischen Juden in Frankfurt a. M. und der Jewish Colonisation Association (JCA) an den Hilfsverein Worte des Dankes für die Vertiefung der jüdischen sozialen Arbeit und sprach seine herzlichsten Glückwünsche zum Jubiläum aus. * * :£ Das Werk des Hilfsvereines der deutschen Juden. Aus der Ansprache von Dr. Mark Wischnitzer, Generalsekretär des Hilfsvereines der deutschen Juden. Die Arbeit des Hilfsvereines erstreckt sich auf einen' großen Teil der Welt, auf Deutschland, auf Osteuropa, ja, sie reicht sogar bis an überseeische Länder heran. In Polen herrscht neben der allgemeinen wirtschaftlichen Krise eine spezielle jüdische Not, erzeugt durch Steuerdruck, Verstaatlichung von Betrieben, übermäßige Konzessionspolitik. Die Juden werden aus bestimmten Gewerben verdrängt. Die Arbeitslosigkeit unter den jüdischen Arbeitern hat 80 Prozent und mehr erreicht Es herrscht eine wahre Epidemie von Selbstmorden, Schulkinder brechen vor Hunger zusammen. Die Juden sind gezwungen, die Sonntagsruhe einzuhalten. In Litauen, wo 8000 jüdische Staatenlose leben, wurde gedroht, zum Schutze, der Arbeit der einheimischen Bevölkerung Ausländer auszuweisen. Nach den beruhigenden Erklärungen der Regierung scheint die Gefahr abgewandt zu sein. Im ganzen gesehen, hat sich die Lage der Juden in Osteuropa in den letzten Jahren dauernd verschlechtert; sie wird durch verschärfte Pauperisierung und Untergang des Mittelstandes am deutlichsten gekennzeichnet. Vor fünfundzwanzig Jahren war die Massenauswanderung ein Ausweg. Hunderttausende konnten sich in Bewegung setzen. Heute ist keine Möglichkeil gegeben, eine nennenswerte Zahl von Juden in überseeischen Ländern unterzubringen. Nach einem im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten eingebrachten Antrag soll sogar die bisherige Quote auf 10 Prozent reduziert werden. Kanada. Brasilien und Argentinien bleiben den Juden so gut wie verschlossen. Trotz der neuen Regierung Pilsudski ist in Polen der wirtschaftliche Druck noch immer sehr groß. Für die rumänischen Juden war 1930 ein sehr schweres Jahr. Wieder haben Exzesse stattgefunden, die durch die antisemitische Hetze des ins Parlament gewählten Professors Cuza veranlaßt wurden. Wie im Jahre 1907 hängen auch die jetzigen Unruhen in Rumänien mit der Agrarkrise zusammen. Damals haben Dr. James Simon und Dr. Paul Nathan beim Auswärtigen Amt zugunsten der verfolgten Juden in Rumä- Die diesjährige, aus allen Teilen des Reiches stark besuchte Generalversammlung des Hilfsvereins der deutschen Juden, die vor einiger Zeit im Kaiserhof zu Berlin stattfand, stand im Zeichen des 30jährigen Bestehens dieser in ihrem sozialen, kulturellen und humanitären Wirken weit über Deutschlands Grenzen hinausreichenden Organisation. Der Vorsitzende, Dr. James Simon, hob in seinen einleitenden Worten die mannigfache, in den abgelaufenen drei Jahrzehnten geleistete Arbeit hervor. Besonderes Interesse fand die Mitteilung, daß der im vorigen Jahre verstorbene berühmte Bakteriologe Professor Waldemar Haffkine, ein gebürtiger Russe, dem Hilfsverein — gleichsam als Vergeltung für sein gutes Werk — W» Millionen Schweizer Franken vermacht habe, deren Erträgnisse der Förderung der Talmudhochschulen (Jeschiwot) in Osteuropa bestimmt sind. Der interessante Tätigkeitsbericht, den Generalsekretär Dr. Mark Wischnitzer erstattete, ist weiter unten auszugsweise wiedergegeben. Nachdem der stellvertretende Schatzmeister Doktor Sigmund Wassermann (Berlin) den Finanzbericht verlesen hatte, dem Vorstand Entlastung erteilt und den Vereinsorganen der Dank für die im stillen geleistete opferfreudige! Arbeit ausgesprochen war, entwarf Dr. Bernhard Kahn, der europäische Direktor des Joint Distribution Committee, in kurzen Strichen ein Bild von der Tätigkeit des Hilfsvereins in den ersten drei Jahrzehnten seines Bestehens. Er rief die Erinnerung an die fürchterlichen russischen, rumänischen und galizischen Pogrome und ihre zahlreichen Opfer wach, kennzeichnete die großen jüdischen Wanderungen nach dem Westen als die Struktur der Juden in der ganzen Welt grundlegend ändernde Geschehnisse und gedachte vor allem der durch, den Weltkrieg für die Juden eingetretenen Erschütterungen. In allen diesen Fällen, zu aller Zeit habe sich die humanitäre Arbeit, die materielle Hilfe, die moralische Unterstützung, die der Hilfsverein vielen Hunderten und Tausenden notleidender Juden und Nichtjuden zuteil werden ließ, bestens bewährt Bankier Max M. War bürg (Hamburg) gab in launigen Worten und unter lebhaftem Beifall der zahlreichen Anwesenden als Ueberraschung die Errichtung einer „James-Simon-Stiftung" bekannt. Sie sei das Geschenk einiger Freunde zum bevorstehenden 80. Geburtstag de^. ehrwürdigen Vorsitzenden und Mitbegründers, ein Zeichen der Dankbarkeit für seine aufopferungsvolle 30jährige Tätigkeit im Hilfsverein, und solle insbesondere der Förderung des jüdischen Schulwerks in Osteuropa dienen. Zum Schluß richtete Justizrat Dr. Julius Blau (Frankfurt a. M.) im Namen zweier befreundeter

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