Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 31 (31.7.1931)
- Date
- 1931-07-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite o DffiWAHRtiEn nQMLRflb H ERRENHODE WIEN II., FRfiTERSTR TELEFON K 49-4-99 39 seien in der Regel Anzeichen eines bevorstehenden Krieges. Daher müsse jeder, der gegen den Krieg sei, auch den Antisemitismus als Ausdrucksform niedrigster menschlicher Instinkte bekämpfen. Mehrere Kommunisten, die während der Rede Cafflaux* Unruhen hervorzurufen versuchten, wurden aus dem Saal entfernt. Jüdische Tote während der Sturmkatastrophe .in Lublin. Während der Sturmkatastrophe, von der die Stadt Lublin und Umgebung heimgesucht wurden, sind einige Juden ums Leben gekommen, mehrere andere wurden verletzt Auch sind eine Anzahl jüdischer Familien, denen der Sturm die Häuser zerstört hat, obdachlos geworden. In den Straßen von Lublin wurden drei Juden getötet. K&&W&T^SäF&3xr**? i Hakenkreuz am Werk. Protestantismus und Nationalsozialismus. Der Evangelische Bund, der sich für politisch unparteiisch erklärt, hatte auf seiner diesjährigen Generalversammlung der Frage „Nationalsozialismus und Protestantismus", ein Referat gewidmet, das von dem rheinischen Bundesführer D. Hermann Kremers gehalten wurde. Die „Nachrichten für evangelische Gemeinde- und Sonntagsblätter (Mitteilungen des Evangelischen Bundes)" widmen dem Vortrag offiziell eine rückhaltlos zustimmende Besprechung, in der darauf hingewiesen wird, daß der Nationalsozialismus heute die wichtigste geistige Bewegung sei und daß Kremers mit diesem. Referat „eine wirklich grundlegende und wegweisende Arbeit geleistet hat". In dem Erwachen des Nationalsozialismus, heißt es in der Auslassung des erwähnten Organs des Evangelischen Bundes, begrüßt der Verfasser einen Aufbruch der deutschen Seele, die grundsätzlich zu bejahen ist: Volkstum ist Gottesschöpfung, es ist Träger einer eigenen Idee. Das ist Lutherscher Geist, der hier spricht. Und diesem Geiste gegenüber hat der Protestantismus Aufgaben. Als ein Verdienst des Nationalsozialismus bezeichnet das Mitteilungsblatt des Evangelischen Bundes das Aufwerfen der Rassenfrage, wenn auch der Protestantismus jede Rassenvergötzung entschieden ablehnt In diesem Sinne sei der Staatsgedanke des Nationalsozialismus — der Staat kein Zweckverband, sondern Blutsverband — nicht abzulehnen. Ein Hindenburg-Wort. Einem Bericht der „Elbinger Freien Presse" entnimmt die „C.-V.-Zeitung" folgenden Vorfall: Reichspräsident v. Hindenburg kam auf seiner Rückreise von Neudeck nach Berlin durch das kleine westpreußische Städtchen Rosenberg, wo sich eine große Anzahl Einwohner zur Begrüßung versammelt hatte. Ais Hindenburg den Wagen verließ, wurde ihm von nationalsozialistischer Seite zugerufen: „Deutschland erwache!" Hindenburgs Antwort war: „Heute regieren Männer und nicht Lümmel s!" Verschärfte antisemitische Propaganda in Polen. Das Zentralorgan der nationaldemokratischen Partei „Gazetta Warszawska" hat in ihren beiden letzten Nummern Artikel veröffentlicht, die heftige Angriffe und ernste Drohungen gegen die jüdische Bevölkerung enthalten, in den Artikeln werden die Juden für die gegenwärtige schwierige ökonomische Lage in Polen verantwortlich gemacht und erklärt, in den nationalen Kreisen Polens werde der Unmut über die Juden wachsen, wenn diese weiterhin die Politik der Regierung stützen. Wenn von der polnischen öffentlichen Meinung ein Feldzug gegen die Juden eröffnet werde, so sei dies nur die natürliche Folge der jüdischen Politik in Polen. Die jüdische Presse kommentiert lebhaft diese Artikel, die als eine direkte Drohung gegen die Juden aufgefaßt werden. Die Zeitungen weisen darauf hin, daß schon lange nicht so gehässige antisemitische Artikel in Polen veröffentlicht wurden. Pogromhetze in Wolhynien. Die jüdische Bevölkerung des Städtchens Refalowka in Wolhynien ist von lebhaften Befürchtungen wegen der möglichen Folgen einer antisemitischen Hetzrede erfüllt, die der Ortsgeistliche am letzten Sonntag gehalten hat. Im Verlauf seiner Ausführungen erklärte er, Juden und Bolschewiken seien dasselbe, Die Juden, die Jesus getötet hätten^ beabsichtigen, auch alle Christen zu töten. Der Geistliche, der vor kurzem heimlich Sowjetrußland besucht hat, erzählte, er habe selbst festgestellt, daß alle Kommissare Juden sind. Am Schlüsse seines Vortrages forderte er seine Zuhörer im Namen des Christentums und des polnischen Patriotismus auf, sich aller Juden zu entledigen, denn diese seien durchwegs „erbitterte Feinde Polens". Hakenkreuz in der Bukowina. Im Bezirk Storozynecz werden besonders die kleineren jüdischen Gemeinden von den Anhängern des AntisemitenführersProf. Cuza terrorisiert Ein jüdischer Landwirt und seine Gattin in Unter-Petrautz wurden von dem Cuzisten Hie Kowalski aufgefordert auf ihren Landbesitz zu seinen Gunsten zu verzichten, und, als sie dieser Aufforderung nicht nachkamen, so schwer mißhandelt daß sie zu ärztlicher Behandlung in die Stadt gebracht werden mußten. Die angerufene Gendarmerie von Unter-Petrautz weigerte sich einzuschreiten. In einer in Unter-Petrautz abgehaltenen Cuzisten-Versammlung wurden schwere Drohungen gegen die Judenschaft des Ortes ausgestoßen. In der Nacht nach dieser Versammlung wurde bei dem jüdischen Landwirt Nuchim Rostocker eingebrochen und alles mobile Hab und Gut mitgenommen. In der gleichen Nacht brachen unerkannt gebliebene Banditen in das jüdische Bethaus von Unter-Petrautz ein, zerstörten die innere Einrichtung und zerrissen die Gebetbücher der im Bethause untergebrachten hebräischen Schule. Ritualmordhetze. Em Ritualmordprozeß wurde erneut vor der Großen Strafkammer in Köln verhandelt. Der nationalsozialistische Redakteur Grobe des „Westdeutschen Beobachter" wurde von der Anklage der Beschimpfung der jüdischen Religionsgesellschaft und der Aufreizung zum Klassenhaß freigesprochen. Grohe hatte in einem Artikel die Ritualmordprozesse seines Parteifreundes Dr. Ley besprochen und dabei erneut die Behauptung aufgestellt, daß Ritualmorde vorkommen und erwiesen seien. In der Vorinstanz war Grohe zu RM 300.— Geldstrafe verurteilt worden. Die Freundschaft zwischen dem rumänischen Ministerpräsidenten Jorga und dem Antisemitenführer Cuza. Die überaus freundlichen Beziehungen des Ministerpräsidenten Jorga zu dem Antisemitenführer Cuza, der während der Debatte über die Thronrede in der Kammer sich wiederum in unflätigen Beschimpfungen des Judentums und der jüdischen Religion erging und die Entrechtung der Juden sowie Beschlagnahme ihres Eigentums forderte, werden in der rumänischen Oeffentlichkeit viel bemerkt, sogar die nicht judenfreundliche liberale Presse weist auf das Auffallende dieser Tatsache hin. Die vom Führer der jüdischen Reichspartei Dr. Mayer Ebner herausgegebene „Ostjüdische Zeitung" schreibt dazu: „Uns Juden berührt die neuerwachte Liebe Jorgas zu Cuza sehr peinlich. Insolange diese Liebe nur platonisch ist, kann man von einer Verletzung der politischen Keuschheit Jorgas nicht sprechen. Solange die Juden wegen ihres Judentums nicht leiden, ist es uns gleichgültig, ob der Ministerpräsident in seinem Privatleben Antisemit ist oder nicht. Aber es steht zu befürchten, daß aus der platonischen Liebe eine solche wird, die auch Folgen hat. Es kann eine antisemitische Mißgeburt zustande kommen, die sich für uns und mittelbar auch für den Staat sehr unangenehm auswirken wird. Jetzt haben wir Parlamentsferien, und was sich bis zum Wiederzusammentritt des Parlamentes ereignen kann, das wissen die Götter. Vielleicht wird Herr Jorga darüber nachdenken, ob ihn die Freundschaft eines Cuza denn doch nicht kompromittiert." Jüdische Sommerfrischler in Payerbach-Reichenau bei Gloggnitz unerwünscht. Die Gastwirte im Gloggnitzer Kreise sind stolz: wenn es ihnen auch an ausländischen Sommerfrischlern fehlt, so wollen sie doch auch auf jüdische Gäste Verzicht leisten. Die Fachgenossenschaft der Gast- und Schankgewerbetreibenden sprach sich gegen die Eröffnung eines jüdisch - orthodoxen Speisehauses in Reichenau aus mit der Begründung, daß kein Lokalbedarf für die ständig dort wohnenden vier jüdischen Familien bestehe und daß ein Zuzug von Familien, die das konfessionelle oder nationale Moment betonen, unerwünscht und für den Zuzug des internationalen Publikums schädlich sei. Auch die Landesregierung und der Verwaltungsgerichtshof bestätigten den ablehnenden Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Neuhkirchen. (Hoffentlich werden sich die Juden, die Reichenau als Sommerfrische gewählt haben oder zu wählen beabsichtigen, wo anders zu trösten wissen, und wir sind überzeugt, daß auch jene Juden, die das koschere Speisehaus nicht vermissen, die Anständigkeit und das Ehrgefühl besitzen werden, die' Konsequenzen aus dieser Einstellung der Gastwirte des Gloggnitzer Kreises zu ziehen.) Sonunerfriscbenantisemitlsmus. Nachtrag. Aigen im Ennstai, Obers t eie rm a r k, Gasthof Pension Kalhs versendet Prospekte versehen mit einer Stampiglie „Juden rächt erwiänscht". Der Prospekt der Pension Keller enthält den handschriftlichen Vermerk: „Juden nicht erwünscht". * * Selbstmord des Herausgebers des „American Hebrew Magazin". Der Herausgeber des „American' Hebrew Magazin", Bernard Edelhertz, bat Selbstmord durch Erhängen begangen. Edelhertz, in. früheren Jahren ein bekannter Rechtsanwalt, bekleidete in den. Jahren 1917 bis 1922 das Amt eines stellvertretenden Generalstaatsanwalts der Vereinigten Staaten. Im Jahre 1929 wurde er van der Regienuig beurlaubt, um fr* Polen eine Untersuchung über die Judenpogrome durchzufahren. Nach seiner Rückkehr nach Amerika veröffentlichte er eine Serie von Artikeln über die Notlage der Juden in Polen. Er. hat ein Alter von 51 Jahren erreicht_ Briefkasten. Der Redaktion ging dieser Tage eine anonyme Zuschrift zu, worin gegen die Boykottierung jüdischer Aerzte seitens einer österreichischen Krankenkasse Stellung genommen wird. Da wir von anonymen Mitteilungen prinzipiell keinen Gebrauch machen, ersuchen wir den Einsender, da uns die Angelegenheit sehr interessiert, seine Anonymität zu lüften und uns bei der Feststellung des Sachverhaltes an die Hand zu gehen. Die Redaktion. Oesterreichische Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe. Kundmadhun^ Die ffinfundsiebzigste ordenffiche Generalversammlung der Aktionäre der Oesterreichischen Credit-Anstalt für Handel und! Gewerbe findet Dienstag den 4. August 1931. II Uhr vormittags, im Mittleren Konzerthaussaale in Wien, III.. Lothringerstraße 20, statt. Gegenstände der Verhandlung sind: 1. Jahresbericht des Verwaltungsrates. 2. Bericht des Revisionsausschusses über den Rechnungsabschluß des Jahres 1930 und Beschlußfassung über denselben. 3. Beschlußfassung über den Antrag des Verwaltungsrates auf Herabsetzung des Grundkapitals, Zusammenlegung der Aktien und Erhöhung des Grundkapitals durch Airsgabe von Vorzugsaktien, wonach das Grundkapital, und zwar mit Rückwirkung auf den 31. Dezember 1930, 177,500.000 Schilling betragen und in 881.250 Stammaktien zum Nennwerte von je 100 Schilling und 893.750 Vorzugsaktren zum Nennwert von je 100 Schilling zerlegt sein wird. 4. Beschlußfassung über die durch die Rekonstruktion bedingten Statutenänderungen. 5. Wahlen in den Verwalturxgsrat. 6. Wahl des Revisionsausschusses für das Jahr 1931. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche an der Generalversammlung teflzunehmen wünscheru werden hiermit eingeladen, ihre Aktien samt Kupons innerhalb der durch das bereits beschlossene 4. Credit-Anstalt-Gesetz festgesetzten Frist das ist vom 24. Juli bis 29. JuK d. J. zu deponieren, und zwar in Wien bei der' Effektenalbteiiürng der Anstalt, I., Am Hof 6, an Wochen-, tagen von 9 bis 12 Uhr. in Bregenz, Feldkirch, Graz, Innsbruck. Klagenfurt, Leoben. Linz, Salzburg, St. Pölten, bei den Filialen der Anstalt An den übrigem Plätzen findet der Erlag bei den hüfefür bestimmten Anmeldestellen statt Je fünf Aktien geben das Recht auf eine Stimme. Wien, am 23. Juli 1931. Oesterreichische Credit-Anstalt . '__für Handel und Gewerbe.