Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 31 (31.7.1931)
- Date
- 1931-07-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064453-3064483--18475-3083509- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Oflg WAHRHEIT Seite 7 Gemeinde -thronik Todesfall. Am 15. d. M. verschied der Vizepräsident des Prater-Bethausvereines „Tefilath Jeschurun" und des Prater jüdischen Hilfsvereines Herr Leopold Kammer im 65. Lebensjahre nach langer, schwerer. Krankheit. Bescheiden und liebenswürdig als Mensch, hat er sich die Hochachtung und Verehrung weiter Kreise erworben und kam diese Verehrung auch bei seinem am 19. d. M. stattgefundenen Leichenbegängnisse zum Ausdruck. Der Gesamtvorstand und zahlreiche Mitglieder des Tempelvereines und des jüdischen Hilisvereines unter Führung der Obmänner Heinrich Edelstein und Salo Nato wie scharten sich um den Sarg. Mit tiefempfundenen Worten schilderte Herr Rabbiner Dr. M. Bach die trefflichen Tugenden des braven Mannes, seine Frömmigkeit und Selbstlosigkeit und die besondere Zärtlichkeit seiner Familie gegenüber. Sodann nahm tiefbewegt der Obmann Heinrich Edelstein von dem Verewigten Abschied, dankte ihm für sein Wirken im Bethausverein. Die kantorale Funktion versah Oberkantor Wahrmann in überaus würdiger Weise. — Der jüdische Hilfsverein Prater hielt aus Anlaß des Hfnscheidens seines erfolgreichen Vizepräsidenten eine überaus zahlreich besuchte Trauerandacht ab, in welcher Obmann Salo N a t o w i c und Vorstandsmitglied Theodor Kürt innige Dankesworte dem Verstorbenen widmeten. Besonders Obmann Salo Natowic hielt einen tiefempfundenen Nachruf, in welchem er versicherte, daß der Verein und alle Mitglieder solch hervorragende Leistung stets in ehrenvoller Erinnerung behalten werden. Prag. Der Präsident der Prager israelitischen Kultusgemeinde, Herr Dr. Ludwig Singer, ist dieser Tage im 55. Lebensjahr gestorben. Er war auch Abgeordneter des tschechoslowakischen Parlaments, in das er im Jahre 1929 als erster jüdischnationaier Abgeordneter gewählt worden war. * Diamantene Hochzeit. Samstag, den 25. Juli d. J., fand im festlich beleuchteten Ottakringer Gemeindetempel eine erhebende Feier statt. Herr Max Deutsch und seine Gattin Johanna, geb. Schönfeld feierten an diesem Tage dn voller Rüstigkeit das schöne und seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Der Jubilar, welcher einer frommen Familie aus Frauenkirchen entstammt, wurde in feierlicher Weise als „Mafn'r" zur Thora aufgerufen, und nachdem Herr Oberkantor Kogan einen hebräischen Segensspruch wirkungsvoll vorgetragen hatte, hielt Herr Rabbiner Dr. Bach an das Jubelpaar eine sehr gehaltvolle Ansprache, die in dem Wunsche ausklang, es möge dem Jubelpaare gegönnt sein, noch viele Jahre in Freude zu leben. Namens des Präsidiums der Israelitischen Kultusgemeinde beglückwünschte Kultusvorsteher Herr Börserat Ignaz Glück das Juoelpaar auf das herzlichste und überreichte demselben eine künstlerisch ausgeführte Gratulationsadresse und ein Ehrengeschenk. Für den Bethausvorstand gratulierte der Obmann Bundesfürsorgerat Sigmund Weiler in sinnigen Worten. Auch der Sohn des Jubelpaares, der durch seinen Wohltätigkeitssinn bestens bekannte Juwelier Herr Samuel Deutsch. Vize-Präsident des Vereines zur Ausspeisung armer israelitischer Schutkinder und Vorsteher der Chewra Kadischa für den 16. und 17. Bezirk, wurde zur Thora aufgerufen und spendete einen größeren Betrag für wohltätige Zwecke. Nach dem Gottesdienste, welchen Oberkantor Kogan mit dem Tempelchore in vorzüglicher Weise versah, wurde das jubilierende Ehepaar allseits beglückwünscht. * Am Dienstag, den 21. Juli, fand in der Restauration „Wienea" die Suda Brith-Mila des zweiten Sohnes des Kuitusvorstehers Hugo Reiniger statt. An der Mahlzeit, die einen sehr würdigen Verlauf nahm, haben folgende Herren das Wort ergriffen: Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Ehrenfeld, Mattersburg, Oberrabbiner Dr. Weiß. Wr.-Neustadt, Kultusvorsteher-Stellvertreter S. Mandl, Obmann* der Chewra Kadischa Samuel F r a n k 1, ferner Redakteur Aron Weiß, und im Namen der Beamten sprach Sekretär Sonnenschein. « Am 5. August 1931 vollendet Professor Doktor Aron Freimann, stellvertretender Direktor der Frankfurter S tadt b ib lio t h e k und Leiter der von ihm selbst eingerichteten hebräischen Abteilung dieser Bibliothek, sein 60. Lebensjahr. Prof. Freimann wurde in Filehne «■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ Im Max Freiherr v. Springer'schen Waisenhause, Wien, XIV., Goldscblagstraße 84. werden im Schuljahre 1930/31 einige Waisenknaben zur unentgeltlichen Pflege und Erziehung übernommen. Gesuche, mit Pesonaldokumenten versehen, für 6- bis 11jährige Knaben, die ganz oder väterlicherseits verwaist sind, sowie für solche, die mütterlicherseits verwaist sind, deren Vater aber erwerbsunfähig Ist, sind bis spätestens 15. August 1931 an das Kuratorium in Wien, L, AugustinerstraBe 8, einzusenden. (Posen) als Sohn von Rabbiner Israel Meir Freimann geboren und ist mütterlicherseits ein Enkel von Oberrabbiner Jakob Ettlinger aus Altona. Er studierte an der Berliner Universität Geschichte und orientalische Sprachen und besuchte gleichzeitig das Berliner Rabbinerseminar. In den Jahren 1900 bis 1921 gab er gemeinsam mit Oberrabbiner Prof. Heinrich Brodie (Prag) die „Zeitschrift für hebräische Bibliographie" heraus, ist gegenwärtg Mitredakteur der „Zeitschrift für die Geschichte de Juden in Deutschland". Zusammen mit Brann redigierte er das historisch-lexikographische Werk „Germania Judaica". Er ist Vizepräsident der Publikationsgesellschaft „Mekize Nirdanim*'. Prof. Freimann hat auch die hebräische Abteilung der Vatikan-Bibliothek in Rom eingerichtet, der von ihm verfaßte Katalog wirdl demnächst erscheinen. Er ist auch Vorsitzender der „Soncino- Gesellschaft". Vor Jahren gehörte er auch dem Vorstand der Israelitischen Gemeinde in Frankfurt an. * Der New Yorker Bankier und Philanthrop James Speyer, Seniorchef der Bankfirma Speyer & Co.; vollendete am 22. Juli 1. J. sein 70. Lebensjahr. James Speyer, dessen Haus eines der führenden in der amerikanischen und internationalen Finanzwelt ist, ist auch in der sozialen Fürsorge in Amerika und Europa hervorragend tätig. Er ist unter anderem Direktor des Mount Sinai Hospital und Leiter anderer jüdischer und nichtjüdtscher karitativer Institutionea W Linz. Am 25. Juli 1. J. feierte der Sekretär der israelitischen Kultusgemeinde Linz, H. S. Piskaty, den 70. Geburtstag. Die Kultusgememde hatte die Mitglieder zu einer Feier im Rahmen des sabbatliehen Gottesdienstes eingeladen, die tatsächlich sehr würdig verlief. Nachdem die beiden Söhne und der Schwager des Herrn Sekretärs zur Thora gerufen waren, hielt der Präsident der Kultusgemeinde, Herr Benedikt Schwager, eine Ansprache an denselben, in welcher er die Verdienste, die vielfache Verwendung und insbesonders den Fleiß und das Pflichtgefühl des Gefeierten hervorhob. Als vohlverdiente Auszeichnung überreichte der Präsident Herrn Piskaty eine von Künstlerhand angefertigte Anerkennungsadresse. Sodann würdigte Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. V. Kurrein in einer längeren Rede das Wirken dieses verdienstvollen Beamten, der an der Schwelle des Greisenalters stehend, trotz des Umstandes, daß er sich schon seit Jahren im Ruhestand befindet, noch ununterbrochen tätig ist. Die kantoralen Funktionen versah Herr Oberkantor B. Löwensohn unter Mitwirkung des Chores in sehr erhebender Weise. Kl. * Der Aguda-Führer Eli Mazur Präsident der Warschauer jüdischen Gemeinde. Zum Präsidenten der Warschauer Jüdischen Gemeinde wurde mit acht gegen sieben Stimmen der bekannte Aguda-Führer Herr Eli Mazur gewählt. Den Ausschlag gab die Stimme des Vorstandsmitgliedes Stanislaw Rosenberg, eines früheren Zionisten, der jetzt der Aguda beigetreten ist. Die sieben zionistischen und misrachistischen Vorstandsmitglieder (nationaldemokratischer Block) stimmten Kür den bisherigen Präsidenten Heschel Farbstein. der in der Minderheit blieb. Zum Vizepräsidenten der Gemeinde wurde der Agudist Moses Lerner mit der gleichen Stimmenzahl gewählt, nachdem der zum Vizepräsidenten vorgeschlagene Zionist Herr Moses Feldstein erklärt hatte, daß er eine Verantwortung für die Tätigkeit der jetzigen Mehrheit nicht übernehmen könne. Herr Eli Mazur dankte für die Wahl und erklärte, er werde das Amt eines Präsidenten der größten jüdischen Gemeinde Europas (die Gemeinde Warschau zählt heute über 350.000 Mitglieder) mit Stolz und Verantwortungsbewußtsein ausüben und auf das Wohl der gesamten Gemeinde ohne Ansehung der Partei bedacht sein. Zum Präsidenten der Repräsentantenversammlung der Warschauer Jüdischen Gemeinde wurde der Führer der polnischen Aguda Herr Jacob Trockenhewn gewählt. üeöemalims-Anzeiget Wir beehren uns einem p. t. Publikum höfl. bekanntzugeben, daß wir das altrenommierte, seit vierzig Jahren bestehende Selchwaren-Restaurant Wien II., Czerningasse 9 von Frau Rosa Wermuts käuflich erworben haben und Freitag, den 31. Jali 1931 unter persönlicher Leitung übernehmen. Wir bitten die p. t. Stammgäste, das, dem Unternehmen bisher entgegengebrachte Wohlwollen auch ant uns gütigst zu übertragen, zumal wir bestrebt sein werden, unsere gesch. Gäste durch einen vorzüglichen Mittagstisch wie Abendessen— "UM Hausmannskost, Qualitätsküche—zu billigen Preisen, aufmerksamste Bedienung etc. zufrieden zu stellen. lQSeIdl«aren-VcrSddeli| "TOD Qualitätsware» Neueinführung! Neueinffihrung! Garten-Restaurant Um recht zahlreichen Zuspruch bittet Mm u. Adolf OHngar ■■HBHiBMHBBBHr Erika Morini als Jüdin. Der Weltruhm, den Erika Mormis Violinkunst sich erworben bat, überschattet die Eigenheiten ihrer Persönlichkeit ein wenig. Um so interessanter ist es deshalb, einmal von ihrem Bekenntnis zum Judentum und iher jüdischen Traditionsverbundenheit zu hören. Ein Journalist berichtet über sie: „Ich will mit Ihnen gerne über Juden und jüdische Dinge sprechen", sagte mir Erika Morini. „Denn ich bin außer Künstlerin, auch noch ein treues Kind des Jüdischen Volkes." Hier mengt sich die Sekretärin der KünsÜerin ins Gespräch: „Fragen Sie nicht, was für Not ich mit Fräulein Morini wegen ihrer Frömmigkeit habe. Am Sabbath will sie kein Automobil benutzen und legt' Kilometer zu Fuß zurück. Am Freitagabend muß ich die Sabbathkerzen anzünden. Das heurige jüdische Osterfest verbrachten wir in Athen, und ich mußte die ganze Stadt absuchen, bis es mir gelang, Osterbrot ausfindig zu machen. Vor zwei Jahren war sie am Sederabend Gast des Oberrabbiners von Melbourne in Australien. Sie trägt eine Brosche, die die zehn Gebote einfaßt, ohne die sie niemals das Podium betritt. Vor einiger Zeit hatte die Künstlerin ein Konzert in Leipzig unter Leitung Wilhelm Furtwänglers, dessen Generalprobe auf den Versöhnungstag angesetzt war, zu absolvieren. Sie ließ Furtwängler wissen, daß sie an diesem hohen Feiertag um keinen Preis spielen werde, und ließ es darauf ankommen, sich vom Impresario die Hälfte ihres Honorars streichen zu lassen." (lsr. F. Bl.) Verein „Ferienheim" Bad Vöslau (Mfihlhof). In der Anfang August abgehenden dritten Kolonienserie des Vereines „Ferienheim" in sein eigenes Heim Vöslau (Mühlhof) sind noch einige Plätze für israelitische Knaben im Alter von 7 bis 13 Jahren frei. Auskünfte im Vereinsbureau. IX.. Tiürkcnstraße 17, Telephon A 11-1-63. Wir lenken die Aufmerksamkeit auf das vorteilhafte Angebot der Firma „Efohora". die sich durch die gediegene Ausführung der modernen Badeeinrlchtungea aller Art auszeichnet. (Seite 5.) Tlmtlicfiz VerfäütÖarungen der Jsraefitisdjen Xuftusgemeinöe Wien Chorelevenkurs der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Zwecks Heranbildung einles geeigneten Nachwuchses an Chorsängern für die Gemeinde- und Vereinstempel wird von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien die Einrichtung eines Chorelevenkurses beabsichtigt. Aumahme in den Kurs linden solche stimmbegabte und! musikalische Bewerber, welche das 30. Lebensjahr nicht überschritten haben und des Hebräischlesens kundig sind. Der Unterricht soll dreimal wöchentlich in den Abendstunden stattfinden, so daß durch die Teilnahme an demselben eine etwaige Berufstätigkeit nicht behindert wird. Gegenstand des Unterrichtes bildet: Liturgie, Blattsingen und synagogaler Gesang. Zur praktischen Einübung werden die Kursfrequentamten im Rahmen des öffentlichen Gottesdienstes herangezogen. Die Aufnahmje in den Kurs wird von dem Erfolge einer kommdssionellen Prüfung abhängig gemacht. Jenen Frequentanten, welche geeignet erkannt werden, an den praktischen Uebungen teilzunehmen, wird ein monatliches Stipendium gewährt. Die Dauer des Kurses ist mit einem Jahre in Aussicht genommen. Absolventen des Kurses werden bei Zutreffen aller sonstigen Voraussetzungen gelegentlich der Besetzung von ChorsängersteUen in den Gemeindeternpeln der Israelitischen Kultusgemeinde Wien tunlichst in erster Linie berücksichtigt, doch wird dien Absolventen ein Rechtsanspruch auf eine Anstellung nicht erwachsen. Geeignete Aufnahmswerber wollen sich ehestens zwischen 10 und 12 Uhr vormittags in der Amtsdirektion der Israelitischer» Kultusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, melden. * Friedhofbesuch durch Kohanim. Das Friedhofamt gibt im Einvernehmen mit dem ehrwürdigen Rabbinatle der Israelitischen Kultusgemeinde Wien bekannt, daß den Kohanim auf Grund der rituellen Vorschriften der Besuch des Neuen Friedhofes durch den Haupteingang und durch das Südtor gestattet ist, jedoch nicht das Betreten des Zeremonien- und des Verwaltungsgebäudes. Auskünfte werden den Kohaniim in der Portierloge, welche über eine teiephorrischfa Verbindung mit der Verwaltung verfügt, erteilt. dornen und Herren verdienen monatlich S 300.— und mehr durch vornehme Werbetätigkeit. Vorzustellen tägt 3—6 Uhr. _ ///.. Pennweg 3314.