Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 31 (31.7.1931)
- Date
- 1931-07-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Ziel unserer Sache zu führen. Die Juden beginnen nach Palästina ohne Glauben und ohne Freude zu streben. (Dr. Wise. allgem. Zionist, Amerika.) * * Die Jewish Agency war die Grablegung der Zionistischen Organisation. Damit haben wir auf das verzichtet, was der Sinn der zionistischen Bewegung war. Es scheint, daß der Zionismus anfängt, eine ParaUelerscheinung des jüdischen Liberalismus der Fiünfzigerjahre in Deutschland, eine Angelegenheit von Sonntagsrabbinern zu werden, eine schöne Sache von Freunden von Banketten, auf denen man sein gutes jüdisches Herz ausschüttet, über die Beteiligung an einer jüdischen Sache in Erez Israel. (Lichtheim, Revisionist) * * Die Mehrheit der Juden bekannte sich nicht zu allen Artikeln des zionistischen Programms, aber dennoch fühlten viele von ihnen, daß sie gern an dem Aufbauwerk in Palästina mitwirken würden. Zu diesem Zweck ist die Jewish Agency geschaffen worden----- Die nicbtziomstfschen Mitglieder halben sich auf politischem Gebiete als ein starker Pfeiler erwiesen; sie haben uns aufrichtig und weitherzig in unseren politischen Kämpfen unterstützt Es ist das finanzielle Gebiet wo leider unsere Erwartungen viel weniger in Erfüllung gegangen sind. Der Kongreß wird eine ehrliche Anstrengung zu machen haben, um unseren nichtzionistischen Partnern in der Agency zu helfen, ihre Anhänger zusammenzuschließen und die beiden Gruppen zu einem harmonischen Ganzen im Dienste des palästinensischen Aufbaues zu gestalten. Ein anderer Weg wäre verhängnisvoll für unser Werk in Palästina und indirekt für die Wohlfahrt der zionistischen Organisation. (Dr. Weizmann.) ' * * Die Jewish Agency muß gerade leistungsfähige Gruppen jener jüdischen Kreise für Palästina gewinnen, die dem Gedanken der nationalen Volksorganisation noch fernstehen. Kann sie diese Aufgabe nicht erfüllen, so war sie ein geniales, aber mißlungenes Experiment .... Noch in allen Ländern gibt es Antizionisten und Nichtzionisten, die von uns in einem großen Angriff erschüttert und gewonnen werden können. (Felix Rosenblüth.) * * * Schekelzahler und Wähler sind Zionisten des Zufalls, die auf der Straße gefunden werden. (Torczyner, allgemeiner Zionist Belgien). * * Wir dürfen das Endziel des Zionismus nicht verkleinern, damit verkleinern wir die Anziehungskraft des Zionismus auf die Jugend. (Naiditsch, allgemeiner Zionist). Weizmann ist derselbe Maximalist wie jeder von uns im Saale____Wenn Weizmann heute geht, so wird er morgen oder übermorgen zurückgeholt werden, weil wir keinen zweiten haben (Torczyner, allgemeiner Zionist, Belgien). * * * Seit Jahren wird in Erez Israel ein Kampf gegen die religiösen Arbeiter geführt. Die religiöse Jugend ist von diesem Verhalten der zionistischen Institutionen enttäuscht____Die Linke will den religiösen Arbeiter aus Erez Israel verdrängen. (Delegierter Schapira.) Das Prinzip des Minderheitsrechtes hat sich durchgesetzt und ist international garantiert worden. Wir haben gesiegt aber nur auf dem Papier. Dabei aber reichen im Ualuth nirgends mehr die alten Formen unserer Anpassung aus, wir brauchen nicht nur Aufhebung alter Begrenzungen, wir brauchen positive Rechte, das Recht die jüdischen Gemeinschaften auf einer neuen nationalen Basis zu organisieren, das Recht unsere Jugend nach unserem Bedürfnis und in unserer Kultur zu erziehen.... Die Religion hat ihre Herrschaft über das jüdische Leben verloren, andere Formen herrschen jetzt und wer keinen Zusammenhang mit der Erez Israel hat für den bleibt die Sprache der einzige Zusammenhang mit dem Volke, die einzige Form des nationalen Lebens. (Jitzchaik Grünbaum). * * * Es geht nicht an, daß die religiöse Erziehung in Palästina sozusagen nur geduldet ist An der Spitze der Arbeit für die sogenannte „allgemeine" Erziehung dürfen auch nicht Männer stehen, die sich öffentlich als nichtreligiös bezeichnen. (Rabbi Meir, Berlin, Misrachist) * * * Der jüdische Stamm bildet eine Einheit, welche absolut die Grenzen Palästinas und die Grenzen jeglicher Partei in Palästina überschreitet Es ist eine Einheit von Blut und Tränen und Leiden und Opfer für die Treue gegenüber unserer geistigen Bestimmung. Auf dem Standpunkt der Einheit des jüdischen Stammes stehend, beanspruche auch ich absolute Denkfreiheit Keiner kann mich aus dem jüdischen Volke ausschließen, weil ich eine nationalistische Auffassung ablehne. Für mich kommt zuerst Gott und dann das Volk Israel, das größer ist als Palästina. Es war vor Palästina da und wird auch nach Palästina sein. Und wenn Palästina durch ein Erdbeben verschlungen werden sollte, so wird es immer ein jüdisches Volk geben. In der tragischen Situation unseres Stammes dürfen wir unsere Aufmerksamkeit nicht nur auf Palästina konzentrieren. Wo ein Jude lebt und leidet dort schlägt unser Herz. (Rabbi Samuel Shulman, Amerika, nichtzionistisches Mitglied der Agency.) atfäre kein Wandel geschaffen werden. Es muß von höchster Stelle ein für allemal festgestellt werden, daß nach den Bestimmungen unserer Verfassung alle Bürger des Staates vollkommen gleichberechtigt und gleichverpflichtet sind und daß allen Bürgern innerhalb unserer Republik volle Freizügigkeit gewährleistet ist Es muß festgestellt werden, daß die Beschlüsse dieser Gemeindevertretungen den österreichischen Gesetzen widersprechen und von den übergeordneten Behörden rücksichtslos aufgehoben werden müssen. Erst dann wird es sich mit dem menschlichen Ehrgefühl jedes Juden vereinbaren lassen, Oesterreichs Sommerfrischen zu unterstützen und zu fördern. Dr. E. F. ■§■■' Sommerfrischen in Not Der gigantische wirtschaftliche Kampf, den das Deutsche Reich führt, hat die Reichsregierung gezwungen, Notverordnungen zu erlassen, um der Kapitalsflucht zu begegnen. Unter anderem wurde eine Reisesperre verfügt, die die Ausreise aus Deutschland nur nach Leistung einer Taxe von RM 100.— zuläßt Mit einem Schlage war auf diese Weise der sommerliche Reiseverkehr, welcher der Erholung und dem Vergnügen dienen sollte, außerhalb Deutschlands für die Deutschen fast lahmgelegt worden. Aber auch Deutsche, die ihren Urlaub oder ihre Erholungsreise bereits angetreten hatten, brachen diese Reise ab und kehrten besorgt nach Hause zurück, um in diesen schweren Tagen der Krise nicht fern von der Heimat zu leben. Mit einem Schlage waren viele österreichische Sommerfrischen, die von redchsdeutschen Kurgästen besonders gern aufgesucht werden, beinahe von allen Fremden verlassen. Unwillkürlich erinnert man sich, wenn man von den österreichischen Sommerfrischen hört, daran, daß Gemeindevertretungen und „Verschönerungs"-Vereine so mancher dieser Sommerfrischen, stolz auf ihre reichsdeutschen Besucher, den Beschluß gefaßt haben, Juden den Aufenthalt in ihrem Gemeindegebiet nur auf die Dauer von 24 Stunden zu gestatten. Man erinnert sich daran, daß die Interventionen der „Union" bei der Fremdenvericlit^erseffteppi^ durchwegs günstige Gelegenheitskäufe, werden mit ganz kleinem Nutzen im WIEDNER MÖBELHEIM Intl. JULIUS GÖTZL Handig. beeid. Sacbv. o. Schatzmeister IV.,SCHLEIFHÜHLGASSE1a TELEPHON B 24-1-62 billigst abgegeben; daselbst sind auch elegante Schlaf- und Speisezimmer, Herrenzimmer, teils neu, teils gebraucht zu verkaufen. kehrskommission, bei den zuständigen Ministern und bei den österreichischen Behörden zur Beseitigung dieser gewiß verfassungswidrigen Beschlüsse nicht immer von Erfolg begleitet waren. Wenn man in verschiedenen Reiseführern, auf Plakaten und anderen Werbezwecken dienenden Ankündigungen einzelner österreichischer Sommerfrischen immer wieder lesen muß, daß Juden gleichsam als aussätzige Menschen sich in diesen Sommerfrischen nicht aufhalten dürfen, dann könnte man vielleicht, wenn man von der gleichen Denkungsart jener Stadtväter wäre, die diese Beschlüsse gefaßt haben, eine gewisse Schadenfreude darüber empfinden, daß nunmehr diese Sommerfrischen in Oesterreich die ihnen gebührende Strafe erhalten hätten. Wie gern würden gerade diese Sommerfrischen jetzt die „Herren Juden" wieder bei sich begrüßen, um den Ausfall zu decken, den sie durch die Abreise und das Ausbleiben deutscher Sommergäste erlitten haben. Der Antisemitismus, der in Oesterreich immer mehr im Ansteigen begriffen ist veranlaßt gar viele österreichische Juden, während des Urlaubes Oesterreich zu verlassen und im Ausland das Geld zu verbrauchen, das der österreichischen Wirtschaft zugute kommen sollte. Jetzt wäre der Moment gekommen, wo mit allem Nachdruck von den verantwortlichen österreichischen Behörden verlangt werden müßte, daß jene Beschlüsse, die den Juden den Aufenthalt verbieten, aufgehoben werden. Wenn aber trotz dieser krisenhaften Erscheinungen und trotz aller gerade von jüdischer Seite ausgehenden Versuche auf Gleichstellung der Juden in jeder Beziehung, auch bezüglich der Freizügigkeit innerhalb des österreichischen Staates, weiterhin nicht endlich radikaler Wandel mit dem Sommerfrischen-Antisemitismus geschaffen werden wird, dann muß trotz der Schwere der Wirtschaftskrise und trotz der furchtbaren Konsequenzen, die diese Krise in ihrem Gefolge hat, der Stolz des Juden zu seinem Rechte kommen und jedem anständigen Juden verbieten, Sommerfrischen aufzusuchen, die heute den Juden aus wirtschaftlicher Not entgegenkommen, um sie morgen wieder hinauszuwerfen. Mit einer einfachen Beschlußfassung der Gemeindevertretungen kann in dieser österreichischen Skandal- Nur Arier in der Praterstraße. Unsere Notiz unter obiger Spitzmarke hat ein amüsantes Echo geweckt, das uns zunächst kündet, daß zu den aufmerksamen Lesern unseres Blattes auch der — wenn auch durch nichts anderes, so doch durch seine blutrote Aufschrift auffallende „Kampfruf" gehört ein in Wien erscheinendes nationalsozialistisches Hetzblatt, das nach bewährtem Muster das Kunststück zusammenbringt, bei all dem Traurigen und Beklagenswerten, das uns die gegenwärtigen Zeiten in Politik und Wirtschaft beschieden haben, einen Zusammenhangmit dem Judentum zu konstruieren. So ist denn auch unsere Briefkasten-Notiz dem aufmerksamen Auge der „Kampfruf-Redaktion nicht entgangen. Unter der Ueberschräft „Jüdische Politik" prangert sie die Haltung unseres Blattes ani indem sie darauf hinweist, daß in derselben Nummer der „Wahrheit" (vom 17. d. M.) unter „Verlautbarungen der israelitischen: Kultusgemeiiide" eine Sekundar-Arzt-Stelie i m Spitalder Israelitischen Kultusgemeinde ausgeschrieben und hiebet der Nachweis der Zugehörigkeit zum Judentum gefordert wird. Das nationalsozialistische Blatt hat gleichzeitig an den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeiiide die Anfrage gerichtet mit welcher Begründung in dem Spital der jüdischen Kultusgemeinde „nur Juden" angestellt werden. — So naiv auch diese Frage sein mag, so dürfte ihr von der Kultusgemeinde die entsprechende Antwort folgen, soferne sie es überhaupt für angezeigt hält, einem Blatte, das derart von mittelalterlichem Judenhaß trieft eine Antwort zu geben. Sie liegt auch so sehr auf der Hand, daß sie sich wahrlich erübrigen würde. Das sieht doch jedes Kind, daß zwischen einem jüdischen SpitaL das ausschließlich von jüdischem Geld gegründet und durch die israelitische Kultusgemeinde für jüdische Spitalsbedürftige erhalten wird — und einem Privatumternehmen. das fast ausschließlich von jüdischer Kundschaft frequentiert wird, eine Vergleichsbasis überhaupt nicht gegeben ist Doch wir wollen ja diesem Blatte mit dem blutrünstigen Namen keine» Aufklärung geben, auf die es ja selbst sicherlich keinen Wert legt, sondern nur annagela welch gründliche Blamage es sich durch seine Voreiligkeit geholt hat. Es fordert nämlich seine deutschen Volksgenossen auf, ihm „sämtliche in den Bezirken vorhandenen Apotheken mit Angabe, ob arische oder jüdische Angestellte, zu melden" und appelliert im besonderen an die Parteigenossen in der Leopoldstadt künftighin — wenn auch der Besitzer der Apotheke, um die es sich in dieser Sache handelt, nicht Parteigenosse ist — bei Einkäufen diese Apotheke zu bevorzugen. — Wir können uns — und wir tun dies mit Vergnügen — die verblüfften Gesichter in der Redaktion des „Kampfrufes" vorstellen, als man da in der nächsten Nummer der „Wahrheit" die Feststellung des betreffenden Apothekers las. der den Irrtum lückenlos aufklärte und sich entschiedenst dagegen verwahrte, als Antisemit angesehen zu werden. Tableaii! Doch Blamage hin, Blamage her. der „Kampfruf" wird sich zu helfen wissen; er w:rd sicherlich in semer nächsten Nummer giftgeöchwcllen und racheschnaubend an diesem Beispiele wieder „die Allmacht dies Judentums" aufzeigen, die auch diesen ..arischen Geschäftsmann auf die Knie zwingt und zum Sklaven des jüdischen Ueldes macht '. Angesichts der Kampfmethoden der natio.idlsozialistischen Presse ist es vergeblich darauf hinzuweisen, daß" der betreffende Geschäftsmann seit Jahrzehnten, auch in anderen weniger üüüSschen Bezirken zum Teil jüdische Angestellte hatte, daß er mit seinen Mitbürgern ohne Unterschied des Glaubens im besten Einvernehmen lebte und lebt und daß er also nicht etwa unter „jüdischen Druck" gesetzt wurde. Unsere Leser wissen sehr gut. daß uns — wenn es auch gegenüber dem antisemitischen Wirtschaftsboykott begreiflich wäre — nichts ferner liegt als das Motto aufzustellen: Kauft nur bei Juden, oder nehmet nur jüdische Angestellte! Wir wollen so wenig wie politisch so auch nicht wirtschaftlich abgeschlossen werden, uns aber auch nicht selbst von den christlichen Mitbürgern abschließen. Aber ebenso wie wir mit aller. Entschiedenheit gegen jüdische Mitbürger auftreten, die gru nds ätz lieh nur nichtjüdische AngesteMte beschäftigen, so wenden wir uns auch gegen jene „arischen" Firmen, die wohl das Geld jüdischer Konsumenten nicht zurückweisen. Jüdische Angestellte aber ablehnen. Wir hoffen, daß auch weiterhin der „Kampfruf" zu unseren Lesern zählen und vielleicht auch — die „Wahrheit" beherzigen werde. m. 1.