Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 31 (31.7.1931)
- Date
- 1931-07-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEH bette »- zuweisen. Nun wohl, die Verantwortung fällt auf ihn selbst. So schwer es uns um der von ihm vertretenen Sache willen wird, vor diesem Verein zu warnen, müssen wir es doch um unserer Selbstachtung willen tun. Denn er verachtet zwar den Juden — doch keineswegs das jüdische Geld. Eine prominente jüdische Persönlichkeit, die von ihm um geldliche Unterstützung ersucht wurde, stellte an ihn die Gretchenfrage: „Wie hältst. Du es mit dem Arierparagraphen" — und siehe da: verschämt sandte ihm der Verein anstatt einer direkten Antwort seine Satzungen, und dort heißt es in § 2: „Abwehr jedes deutschfeindlichen, also auch jüdischen Einflusses auf allen Gebiete n." Und zu dem zynischen und lügnerischen Vorwurf, den dieser Satz zum Inhalt hat, gesellt sich dann der, die Mitgliedschaft betreffende Inhalt des § 6: „Mitglieder des Vereines können Stammesdeutsche (Arier!) ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht . . , werden." Wie aber steht es mit den Beiträgen und freiwilligen Zuwendungen, den Veranstaltungen und wirtschaftlichen Unternehmungen, durch welche der Verein satzungsgemäß die notwendigen Geldmittel beschaffen will? Da hat er, wie sein Verhalten zeigt, viel' weniger Angst vor dem jüdischen Einfluß. Da wäre es ihm recht lieb, wenn dieser Einfluß sich in Gestalt großer jüdischer Zuwendungen zeigte; die Zünder beispielsweise, die der Verein m Tabak- Trafiken verkaufen läßt, fehlen keineswegs in den von Juden stark bevölkerten Stadtgegenden. Noch ist die antisemitische Tendenz dieses Vereines zu wenig bekannt und die Zünder werden in der Absicht, das deutsche Schulwerk zu unterstützen, sehr viel von Juden gekauft. Leider erreicht die gute Absicht einen schlechten Zweck. Anstatt der Deutschenliebe, wird der Judenhaß unterstützt. Ftr. Worte ohne Musik. Zitate von der Basler Tagung. Große Politik beginnt erst in dem Augenblick, wo sie nicht identisch ist mit Propaganda und mit Wunschbildern. Es kommt darauf an, festzustellen, was möglich ist. Für die Judenstaatsidee, d. h.. den Gedanken der reinen Souveränität bedeutete Palästina eine Belastung. Darum haben sich die Territorialisten nach einem anderen Lande umgesehen ... Es kommt nicht darauf an, was wir sagen, sondern darauf, was wir können. Manche glauben freilich, angesichts ihrer Impotenz, Kraft bedeute Proklamation. Immer diente Kriegsgeschrei mehr dazu, sich selbst Mut zu machen, als den anderen Schrecken einzujagen . . . Der Wanderer, der im Dunkeln singt, überwindet zwar seine Angst, aber es wird deshalb nicht heller .... Es ist bekannt, daß England immer nur Chancen gibt und nur für solange, als der andere Kraft hat, daraus eine Wirklichkeit zu machen. (Kurt Blumenfeld, allgem. Zionist) * * i * Jeder Zionist weiß, daß, wenn es uns nicht gelingt, in Palästina Bedingungen zu schaffen, unter denen das jüdische Volk sich selbst bestimmen kann, es keinen Zionismus gibt......Wenn man eine Majoritätsformel ausdrücklich proklamiert, so proklamiert man damit das Interesse der Bewegung, irgend jemand in eine Minoritätsstellung zu drängen..... Wir sehen für alle Zukunft, die uns mit den Arabern verbindet, in dem gleichen konstitutionellen, politischen; nationalen und bürgerlichen Rechte die einzige tragfähige Grundlage einer zionistischen Politik. (Dr. Arlosoroff, Arbeiterpartei, Palästina.) * ' * * Die Mauern Jerichos fielen beim lauten Schall der Trompeten und des Kriegsgeschreis, ich habe nie ge- YORNEflriE FAMILIEN - PENSION |HBStaapat1on,HatlBßhaDS täglich 5-Uhr-Tee ISEMMElllNO TELEPHON H iHochstraße 43 neben Hotel Panhans g Mäßige Preisd Zimmer mit Pension S 12.— aufwärts § Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser §1 S in jedem Zimmer. M M Zum Besuch ladet höflichst ein Ecksteint Besitzer §§ InniMi^ ■ ■"t.T-SfPffi-s^ ^■^TTA r^'-fr^W^i ^««ferf, ■u:- ■^ismSsis&B: hört, daß mit solchen Mittel» Mauern aufgerichtet wurden. .... Die ständige Formulierung maßloser Forderungen ist nur eine Gefahr für die Sicherheit des Mandates. (Dr. Weizmann.) s * & Das Ziel des Zionismus, welches unter den Ausdrücken „Judenstaat", „Nationales Heim" oder „Oeffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte" zu verstehen ist, ist die Schaffung einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit in Palästina auf beiden Seiten des Jordans. (Jabotfnsky.) * * >; Es war eine Zeit, da wir Juden nicht nur die Mehrheit in unserem Lande waren, sondern die Gesamtheit und man hat uns vertrieben. (Ussischkin, allgem. Zionist.) * * * Die Erktärung Weizmanns in Berlin („Ich glaube nicht an den Judenstaat.....") war nicht ein Verzweühingsschrei, sondern eine neu« Theorie, nämlich Zionismus ohne Zion.....Man sagt uns, es sei unpolitisch, vom Endziel zu sprechen. Wenn wir Juden aber mit der Politik des Verschweigens und des Verleugnens kommen, dann ist begreiflich, daß diejenigen, die unsere Arbeit von Ferne betrachten, zur Ansicht kommen, daß in unserer Arbeit keine Wahrheit liegt... Man hat heute in Erez Israel dieselbe Lage wie in der Diaspora geschaffen, man hat in Erez Israel um Minoritätenrechte zu kämpfen. (Farbstein, Misrachist.) 3 * & Ein freies Volk, das über sich und sein Land Gewalt hat — dafür gibt es keine andere Form, als den Staat.....Wir brauchen nicht zu fürchten, daß un- Was bedeuten „historische Rechte?" Erez Israel ist iür uns das Land der Verheißung; wonn wir die Religion beiseite setzen, worauf können wir uns noch berufen? Nicht darauf, daß wir einmal, vor 1900 Jahren dort waren, die Araber sind länger dort als wir jemals im Lande waren. Es ist wenig damit getan, wenn in Palästina sozialistische Experimente gemacht werden, die mehr an Marx und Lenin erinnern, als an die Propheten. Soziale Ideen gibt es auch in der Bibel, sie beruhen aber freilich nicht auf Klassenkampf, sondern am" der Idee Gottes und der Gotteikindschafr...... Schlimmer noch ist es. wenn Juden in geistigem Chauvinismus erzogen werden. (Dr. Isaak Unna, Deutschi.; * * Wir werden uns von England vielleicht trenntii müssen. Wir werden nicht eine antienglische Politik machen, aber vielleicht müssen wir eine Politik ohne England machen oder uns nach anderen umsehen.' 4 (Dr. Thon, allgem. Zionist.) 4 * '■ Die feindliche Front gegen den Zionismus zieht sich von Moskau bis Mekka und von Rom bis Jerusalem____ Wir müssen uns an das Prinzip halten: immer daran denken und nie davon sprechen......Es genügt nicht. eine Mehrheit zu wollen, man muß auch die Kräfte linden, eine Mehrheit zu schaffen..... Aber die Zeit arbeitet gegen uns. (Dr. Ringel, allgem. Zionist) * * * Die Zionistische Organisation steht auf dem Spiele und kann nur durch eine Koalition aller Parteien gerettet werden und mit ihr der Zionismus. (Dr. Thon, allgem. Zionist) * * * Das äußere Gebäude der zionistischen Organisation ist einigermaßen unbeschädigt geblieben, aber die Organisation ist innerlich krank. Aus den Reihen der Bewegung ist ein Teil der alten Freudigkeit gewichen und hat in gewissem Maße einer Organisations-Verdrossenheit Platz gemacht Die Zionisten fühlen sich heute in der zionistischen Organisation nicht mehr ganz sicher und glücklich. (Felix Rosenblüth.) * * * Ich sehe mit Schrecken, daß der Zionismus Elemente und Embleme aufnimmt, die im Gegensatz stehen zu dem Gedanken der Erneuerung jüdischen Lebens. Und das Schlimmste dabei sind die Helfershelfer. (Kurt Blumenfeld, allgemeiner Zionist) Berufen Sie sich auf die „Union" bei Abschluß von Versicherungen bei der Städtischen Versicherungsanstalt daß Juden im 10. Jahrhundert Jerusalem besuchten. Aronfius berichtet in seinen Regesten folgenden interessanten Vorfall: Um den Erzbischof von Mainz in seinem prahlerischen Dilettantismus und Eigendünkel zu schwächen, veranlaßte Karl der Große zwischen 787 und 813 einen jüdischen Kaufmann, der oft Palästina zu besuchen und unbekannte und wertvolle Luxusgegenstände von dort nach dem Westen zu bringen pflegte, dem Kirchenfürsten einen Streich zu spielen. Der Jude verkaufte ihm infolgedessen eine Maus zu einem hohen Preise und redete ihm vor. daß dies ein seltenes Tier sei, das er aus Judäa mitgebracht habe. Am Anfang des 11. Jahrhunderts gab es eine vollständig organisSerte jüdische Gemeinde mit einem Beth Din in Ramleh. einige Wegstunden von Jaffa entfernt. Aber Juden pflegten Palästina nicht in größerer Zahl zu besuchen, bis schließlich Saladin gegen Ende des 12. Jahrhunderts das Heilige Land wieder unter mohammedanische Herrschaft brachte. Von jener Zeit an wurden die Pilgerfahrten der Juden häufiger, aber der wirkliche Zustrom der Juden nach Palästina datiert erst von 1492, als viele der aus Spanien Vertriebenen sich dort ansiedelten und den Kern der gegenwärtigen sephardrschen Bevölkerung bildeten. Im ganzen darf man sagen, daß im Mittelalter die Reise nach Palästina mit soviel Schwierigkeiten verbunden war, daß es von den Männern sehr rücksichtsvoll war, in den meisten Fällen ohne ihre Frauen: dorthin zu ziehen. Und es muß ferner betont werden, daß in der Regel der Jude, der fortzog, um den Lebensunterhalt für seine Familie zu verdienen, nicht daran denken konnte, seiner Frau zu gestatten, die Gefahren und die Anstrengungen des Weges zu teilen. Im Elul 1146 kehrte Simon der Fromme aus England, wo er mehrere Jahre gelebt hatte, zurück, er begab sich nach Köln, um von dort aus das Schiff heimwärts nach Trier zu nehmen. Auf dem Wege in der Nähe von Köhl wurde er von Kreuzfahrern niedergeschlagen, weil er sich weigerte, die Taufe zu nehmen. Die Jüdische Gemeinde in Köln kaufte den Leichnam von den Bürgern und begrub ihn auf dem jüdischen Friedhof. s e r Staat ein Instrument der Unterdrückung sein wird. (I. Grünbaum, radikal.) * * * Der Kernpunkt, von dem wir nichts ablassen können, ist die jüdische Volkssouveränität, wir wollen in unserem Heime wirklich zu Hause sein. (Dr. Thon, allgemeiner Zionist) « * V Wem der Boden gehören wird, der wird der Herr des Landes sein. Werden wir den Boden unter den Füssen haben, sind 20 Passfields für uns nicht gefährlich. Haben wir den Boden nicht, werden 20 Balfours uns nicht helfen. Juden für Erez Israel werden wir immer bekommen. Aber Erez Israel für die Juden ist eine Frage der nächsten Jahre. Mit dem Boden stehen wir und mit dem Boden fallen wir. (Ussischkin.) * * * Der Zionismus kann nur leben, wenn er als politische Bewegung sich selbst ernst nimmt, wenn er die Kraft hat die beherrschende Macht im jüdischen Volke zu werden, nicht eine feindlich-gehässige Macht, die alles beschimpft und bespeit sondern eine sittlich-überwältigende Kraft...... Der Weg, den die Revisionisten gehen und gehen müssen, bedeutet Untergang und Tod für die Bewegung. Es wird hier ein neuer Pseudo-Messianismus geschaffen, aber wir sind keine Sabbatai-Zwi-Bewegung. (Kurt Blumenfeld, allgem. Zionist.) e * * Die religiöse Idee war in der ganzen jüdischen Geschichte die Grundlage der Zionsliebe. Daran hat der Zionismus angeknüpft Die Nichtzionisten lehnen zum großen Teil die rein nationale Idee ab, aber auch sie müssen etwas haben, was an das Tiefste rührt, und das ist die religiöse Idee. Die Grundlage des jüdischen Volkes ist die Thora, der Zionismus aber erstrebt Verweltlichung. Es werden Schulen gegründet, in denen die Religion keinen Platz hat, Kolonien ohne Synagoge, das bedeutet einen Bruch mit der Geschichte. Das erregt nicht nur bei uns Mißfallen, sondern auch bei den Christen wird der Sache unseres Nationalheims dadurch der Nimbus genommen. Die Betonung dieses Momentes könnte auch unser Verhältnis zu den Arabern bessern. In der zionistischen Organisation sollen nur diejenigen zu bestimmen haben, die durch Beiträge, die wirkliche Leistungen darstellen, sowohl die Organisation als Mitglieder sowie den Autbau Palästinas als Steuerzahler unterstützen. Es ist fraglich, ob es sich mit der Berufung auf Demokratie rechtfertigen läßt, daß derjenige über die Wahl der Leitung und über die Verwaltung eines großen Budgets mitentscheidet der einmal in zwei Jahren einen Schekel entrichtet, der noch dazu so bemessen ist daß er zwar einen Bettrag, aber keire Leistung darstellt. (Felix Rosenblüth.) * * Die 200.000 Juden von Berlin geben iür die Bedürfnisse der lokalen Gemeinde eine größere Summ.: her, als das ganze jüdische Volk für die Erneuerung seiner Heimat in Erez Israel hergibt. (Ben Gurion; Arbeiterpartei.) * * Es gibt in Palästina seit August 1929 keine physischen Pogrome mehr, aber es gibt doch ununterbrochen geistige Pogrome. Die gesamte arabische Presse hetzt unaufhörlich gegen die Juden, sie droht und erklärt, daß sie keine Verantwortung übernehmen kann. Man überfällt hier und dort einen Juden. Die Polizei kommt, aber immer eine Stunde zu spät......Wir hatten noch die größten Hoffnungen auf Erez Israel und wir sind mehr als irgendeine andere Gruppe enttäuscht. (Farbstein, Misrachist.) " * * Schon jetzt gibt es in Palästina unter gewissen Gruppen der jüdischen Intelligenz Zeichen von englischer Assimilation, und wenn wir noch aui lange Zeit hinaus eine unbedeutende Minorität in Palästina bleiben, so werden wir auch eine arabische Assimilation erleben- (Ben Gurion.) « * # Wenn es in der Balfour-Deklaration hieße: Seiner Majestät Regierung ist bestrebt, die Schaifung des jüdischen nationalen Heimes zu hindern und zu hemmen, zu verzögern und unmöglich zu machen — dann wäre die Deklaration wirklich schon reichlich erfüllt...... Die Leitung hat ihren Glauben an sich selbst und an ihre Kraft verloren, das jüdische Volk zum großen