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Die Wahrheit · 1931-07-24 · Heft 30 (24.7.1931) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 30 (24.7.1931)
Date
1931-07-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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-.-^ Dr. HANS KAISER Kurarzt in Bad Hall ordiniert Hauptplatz 9 Vorberatnng über Einberufung eines indischen Weltkongresses. Die auf Initiative des Amerikanisch-Jüdischen Konsresses in Angelegenheit der Einberufang eines jüdischen Weltkongresses tagende Beratung hat bei Fortsetzung ihrer Beratung in Basel grundsäztlich die Notwendigkeit der Einberufung eines jüdischen Weltkongresses anerkannt und folgendes beschlossen: 1. Die Wahl einer Kommission für den alljüdischen Weltkongreß vorzunehmen und diese Idee unter den Juden der ganzen Welt zu propagieren. 2. Fühlungnahme mit den Vertretern der wichtigsten jüdischen Organisationen der Welt, um dieselben über die programmatischen Punkte der geplanten Konferenz aufzuklären. 3. Vorbereitung einer Vorkonferenz für den Sommer 1932, an der offiziell Vertreter der jüdischen Institutionen und Körperschaften aus Palästina, Europa, Amerika, Afrika usw. sich beteiligen sollen, deren Aufgabe es sein soll, die Postulate für die Zusammensetzung des alljüdiscnen Weltkongresses vorzubereiten und zu beschließen. 4. Ein provisorisches Komitee von Vertretern verschiedener Länder zu wählen, das sich mit der Organisation des Kongresses sowie mit der Propaganda zu befassen hat Es wurde ein Komitee gewählt, aus desstfn Mitte ein Rat von 17 Herren zur Führung der laufenden Arbeiten bestimmt wurde. Diese wählten wiederum ein provisorisches Präsidium, bestehend aus Dr. Stephen Wise und Bernard Deutsch, New York, Dr. Leo Motzkin, Paris, Abg. Jizchak Grünbaum, Warschau, Dr. Oskar Cohn, Berlin, und Abg. Mordechai Nurok, Riga. Die Persönlichkeit des neuen Präsidenten der zionistischen Organisation. Nahum Sokolow, der neugewählte Präsident der zionistischen Weltorganisation, ist als jüdischer Politiker, hebräischer Schriftsteller und Sprachforscher von gleich hohem Range. Er wurde 1861 in Wyscogrod bei Plock (Polen) als Kind einer sehr angesehenen jüdischen Familie geboren, widmete sich sehr früh schriftstellerischer Tätigkeit und trat 1884 in die Redaktion der Warschauer hebräischen Tageszeitung „Hazefirah" ein, deren Leitung er kurz darauf ganz übernahm. Er wurde hier der eigentliche Begründer der modernen hebräischen Journalistik. Seine glänzend geschriebenen Leitartikel und Feuilletons dienten einem großen Kulturwerk, indem sie der gerade dem Ghetto entwachsenden jüdischen Leserschaft die Kenntnis Europas und der Moderne vermittelten. Der zionistischen Bewegung schloß sich Sokolow nach dem ersten Zionistenkongreß an. Nach Herzls Tode wurde er (1905) Generalsekretär der Zionistischen Organisation und redigierte dort das zionistische Zentralorgan „Die Welt", sowie das von ihm begründete hebräische Zentralorgan der Bewegung Jiaolam". 1909 begleitete er Wolffsohn in einer politischen Mission nach Konstantinopel. Er trat seitdem auf dem Gebiete der Politik, der Propaganda und Kulturarbeit mehr und mehr in den Vordergrund der zionistischen Bewegung und wurde vom 10. Zionistenkongreß (1911) in das engere Aktions- Koinitee gewählt Während des Weltkrieges übersiedelte Sokolow von Berlin nach London, wo er gemeinsam mit Weizman eine großzügige politische Tätigkeit für die Einbeziehung der zionistischen Palästinaforderungen in die englische Politik entfaltete und so an der Erlangung der Balfour-Deklaration mitarbeitete. Seit dieser Zeit ist er an allen politischen Aktionen des Zionismus führend beteiligt Es gelang ihm u. a„ bei den Regierungen Frankreichs und Italiens die Zustimmung zur Balfour-Deklaration zu erlangen. Er hat wiederholt Verhandlungen mit dem Vatikan geführt und wurde 1917 von Papst Benedikt XV. empfangen. Während der Friedensverhandlungen wurde Sokolow Präsident des Comitd des DSIegations juives. Ebenso ist die Zustimmung des amerikanischen Parlaments zur Gründung einer jüdischen Heimstätte in Palästina und die wiederholten Sympathieerklärungen vieler Regierungen, u. a. Polens, Rumäniens, Südafrikas, für diese Politik auf Sokolows politische Tätigkeit zurückzuführen. Auf der Londoner Jahreskonferenz 1920. sowie auf den ihr folgenden Zionistenkongressen wurde er zum Präsidenten der Zionistischen Exekutive, bei der Gründung der erweiterten Jewish Agency (1925) auch in deren Executive gewählt. Seit 1921 war Sokolow Präsident aller Zionistenkongresse, bis auf den XVII. Kongreß, dem Leo Motzkin präsidert. Sokolow veröffentlichte in hebräischer Sprache zahlreiche literarhistorische, sprachwissenschaftliche, politische und belletristische Schriften, Biographien, eine Monographie über Baruch Spinoza, eine zweibändige Geschichte des Zionismus in englischer Sprache, in der er zum ersten Male den Versuch einer historischen Darstellung des zionistischen Gedankens gemacht hat Ins Hebräische übersetzte er eine große Reihe wichtiger Werke der europäischen Literatur, u. a. auch Herzls „Alt-Neuland" und G. Karpeles' „Geschichte der jüdischen Literatur". Jahressitznng des Kuratoriums der Moses Mendelssohn- Stiftung. Im Schloß zu Wörlitz (Dessau) fand unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Hesse (Dessau) die diesjährige Sitzung des Kuratoriums der Moses Mendelssohn-Stiftung statt, in der über die Verteilung der Stifrungserträgnisse Beschluß gefaßt wurde, die satzungsgemäß am Geburtstage des Philosophen (6. September) erfolgen soll. An der Sitzung nahmen außer den Vorstandsmitgliedern teil: Professor Albert Einstein, Generaldirektor Heck (Dessau), Professor Dr. Junkers (Dessau), Paul von Mendelssohn- Bertholdy (Berlin), Professor Dr. Spranger (Berlin), Reichskunstwart Dr. Redslob (Berlin), Landesrabbiner Dr. Walter (Dessau) und Arnold Zweig. Die Stiftung hat bekanntlich im vorigen Jahre beschlossen, eine Preisaufgabe über das Thema „Die Aufklärungsphilosophie im geistigen Leben Berlins" zur Ausschreibung zu bringen, und als Preis dafür die Summe von 5000 Reichsmark ausgesetzt. Da die Einreichungsfrist noch nicht abgelaufen ist, wurde beschlossen, für dieses Jahr von der Ausschreibung einer neuen Preisaufgabe abzusehen. Dagegen konnten aus den vorhandenen Mitteln wieder eine größere Anzahl Beihilfen für wissenschaftliche Forschungsarbeiten gewährt werden. Der Rest der Erträgnisse wurde dem Vorstand zum Zwecke der Bewilligung von Studienbeihilfen zur Verfügung gestellt Jüdische itkwentafel Möntague Buxton, der in seiner kleinen litauischen Geburtsstadt auf den Namen Motel Rubinstein hörte und Rabbiner werden sollte, ein heute weit über die Grenzen Englands hinaus bekannter jüdischer Philanthrop, der insbesondere die verschiedensten WoWtätigkeits- und kulturellen Anstalten fördert, wurde dieser Tage in Anerkennung seiner großzügigen Freigibigkeit und seiner bedeutenden industriellen Tätigkeit vom König von England in den Ritterstand erhoben. Buxton-Rubinstein begann vor etwa 30 Jahren in London seine Laufbahn als Schneiderlehrling, errichtete dann mit erspartem Gelde einen Konfektionsbetrieb und besitzt heute mehr als 400 GeschäffsfHäalen in allen größeren Handelszentren Englands. Professor Samoilowitsch, der hervorragende russische Polarforscher, der als wissenschaftlicher Leiter für die P o 1 a r f a h r t des „Graf Zeppelin" ausersehen ist traf in Berlin ein. Am 24. Juli wird er mit dem deutschen Luftschiff zur Polarfahrt aufsteigen. Prof. Samoilowitsch, der bekanntlich Jude ist hat sich als Leiter der Rettungsexpedition für die im Polargebiet gestrandete „I ta Ii a"-Mannschaft Weltruhm erworben. Qemeinde*tftronifr. Diamantene Hochzeit. Samstag, den 25. Juli d. J. (Sabbath Nachamu), feiern im Ottakringer Gemeindetempel, 16. Hubergasse 8, Herr Max Deutsch und seine Gattin Johanna, geb. Schönfeld, das schöne und seltene Fest der Diamantenen Hochzeit. "A^*.-'. ■ Promotion. Herr Arpäd N e u m a n n, ein Sohn des Sekretärs des Margaretner Tempels, Herrn David N e u m a n n, wurde am 21. Juli 1. J. an der Wiener Universität zum Doktor der Rechte promoviert Herr Georg Fried jung, ein Sohn des ehemaligen Kultusvorsteher sDoktor Ernst Friedjung, wurde am 22. d. M. im Festsaale der Wiener Universität zum Magister der Pharmazie promoviert * Hofrat Samuel Berstel ist dieser Tage in Baden bei Wien gestorben. Mit ihm ist ein Mann dahingegangen, der Zeit seines Lebens in allen Stellungen, die er bekleidete, sein aufrechtes Judentum betont und betätigt hat, ein Mann, der sich des größten Ansehens und Verehrung auch in der andersgläubigen Bevölkerung erfreute und der. wo immer er nur konnte und durfte, seinen eigenen Glaubensgenossen hilfreich zur Seite stand. Hofrat Berstel war lange Jahre hindurch der Leiter der Steueradministration Leopoldstadt, sodann der Steueradministration Wieden und Chef der Steuerstrafabteilung sowie Vorsitzender des Steuerstraf - Senates. Besonderes Verdienst erwarb er sich während des Krieges als Präsident des Zweigvereines Leopoldstadt des „Vereines vom Roten Kreuz" und als Obmann eines .Kriegsspitals in Kaisermühlen. Seine innigste Teilnahme wendete er den bedauernswerten Kriegsblinden zu und linderte als Obmann der von ihm ins Leben gerufenen Blinden-Sektion des „Roten Kreuz" viel Elend, insbesondere unter den jüdischen Opfern des Krieges. Anspruchslos und bescheiden, wie Hofrat Berstel immer gelebt, so war auch nach seinem Wunsch die Beisetzung der sterblichen Ueberreste im Wiener Zentralfriedhof. Oberkantor David Müller, der auch in Wien bestens bekannte Bruder des Herrn Oberkantor J. L. Müller (Pazmanitentempel), wurde nach einjähriger erfolgreicher Tätgkeit in Sombor auf Grund eines glänzend gelungenen Probevortrages zum Oberkantor der Kultusgemeinde Brüx, Deutschböhmen, bestellt und tritt sein neues Amt am 1. August an. Mailand. Anläßlich seines 50jährigen Rabbinerjubiläums wurde in Anwesenheit aller jüdischen und zahlreichen andererNotabilitäten dem Oberrabbiner von Mailand, Commendatore da Fano vom Regierungskommissär Cavaliere Jarach die Insignien eines Großoffiziers des Ordens der Krone Italiens mit einem eigenhändigen Schreiben des Königs Victor Emanuel überreicht Da Fano, der bekanntlich den gegenwärtigen Papst in hebräischer Sprache unterrichtet hat und als Ehrenpräsident unserer ehemaligen Königswarterstiftung in Meran vielen .österreichischen Juden Gutes angedeihen ließ, erhielt hiermit einen Orden, den bisher noch kein Rabbiner bekommen hat Salzburg. Am 12. Juli 1. J. feierte in Salzburg der echt humane Kirchenfürst Dr. Ignatius Rieder sein goldenes Priesterjubiläum sowie das Fest der zwanzigjährigen Bischofswürde. Aus diesem Anlasse erschienen beim offiziellen Empfang der verschiedenen Behörden in der fürsterzbischöflichen Residenz die Vertreter der hiesigen Kultusgemeinde, und zwar Herr Rabbiner Dr. Margules und der Kultusvizepräsident Herr Max Koehler. Gleich beim Eintritt begrüßte der Jubilar den Rabbiner, welchen der Fürsterzbischof von früher her gut kennt. Herr Kultusvorsteher Koehler entbot dem leutseligen Kirchenfürsten in einfachen Worten die aufrichtigsten Glückwünsche der israelitischen Kultusgemeinde, worauf Rabbiner Dr. Margules an den edelmütigen Repräsentanten der katholischen Konfession eine feierliche Ansprache hielt, in der er die Pflicht zur Teilnahme an dem Doppelfest aus dem doppelten Gebot der „Lehre der Priester" ableitete, nämlich: „Vor der hochbetagten Person erhebe dich,, das Antlitz des weisen Greises begrüße ehrerbietig, so ehrfürchtest du wahrhaftig deinen Gott" (Lev. 19. 32). Sichtlich gerührt dankte der Jubilar dem Rabbiner für die zutreffende Gratulation. Der neugegründete jüdische Landesmuseumsverein für Ungarn hat sich in Budapest konstituiert. An der Gründung beteiligten sich die Pester Israelitische Religionsgemeinde und die Israelitische Ungarische Literaturgesellschaft. Die bereits bestehende Sammlung wird im neuerbauten Kulturhause der Religionsgemeinde untergebracht und durch eine auf das ganze Land auszudehnende Sammlung ergänzt werden. Zum Präsidenten des Museumsvereins wurde Adolf Wertheimer, zu Vizepräsidenten wurde Dr. Wilhelm Grauer und Doktor Adolf Krieszhaber gewählt. In das Museum werden Kunstgegenstände, Bücher, Urkunden, Bilder usw., die sich auf die Geschichte des Judentums, auf seinen religiösen Kult auf das geistige und Wirtschaftsleben beziehen, aufgenommen. Verschollen. Das Rabbinat der Israelitischen Synagogengemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin (N 24, Artilleriestraße 31) bittet um die Verbreitung folgender Mitteilung: Jizchak Schmidt aus Secureni, Bez. Hotin, Rumänien, 26 Jahre alt, Mittelgröße, dunkelblond, aus Brasilien, anscheinend geisteskrank, im April 1931 nach Bremen in Begleitung eines Herrn Wenger zurückgekehrt, ist seitdem verschollen. Nachricht erbittet Rabbiner Dr. E. Münk, Berlin. Maturaschule. Ferialkurse. Fremdsprachen. Vorbereitung zur Reifeprüfung durch staatlich angestellte Mittelschulprofessoren. Die ganzen Ferien hindurch Maturakurse. Anmeldungen im: Privat» Lehrinstitut „Universum". Wien IX., Freiheitsplatz 14 (Mezzanin). Tel. B 49-2-63. Privat-Realg.ymnasium L Klasse für Knaben und Mädchen (gesondert). Individuelle Behandlung, Das Oeffentüchkeitsrecht wird angestrebt werden. Anmeldungen im: Privat-Lehrinstituf „Universum", Wien IX, Freiheitsplatz 14 (Mezzanin). Tel B 49-2-63. Verein „Oesterr. Seehospiz in Grado". Für die Anfang August abgehende dritte Kolonienserie in das eigene Heim des Vereines „Oesterr. Seehospiz" in Grado (Italien), sind noch einige Plätze für israelitische Knaben und Mädchen im Alter von 7—13 Jahren frei. Auskünfte im Vereinsbüro, IX., Türkenstraße Nr. 17, Telephon A 11-1-63. „Taufschein." Gleich wie die Technisch-gewerbliche Bundeslehranstalt (siehe die letzte Nummer unseres Blattes) hatte auch die Bundeslehranstalt für Maschinenbau und Elektrotechnik, X., Pernerstorfergasse 81, auf einem Plakat ihrer Anstalt den Vermerk: Taufscheinistvorzulegen. Auf Einschreiten der „Union österreichischer Juden" bei der Direktion der genannten Anstalt teilte diese mit, daß lediglich (!) aus dem Bestreben, die Textie r u n g der Plakate kurz zu halten, das Wort „Geburtsschein" ausgelassen wurde, daß aber in den Prospekten selbst dieses Wort benutzt erscheint und bei einer Neufassung der Plakate das Wort „Geburtsschein" verwendet werden wird. UnsereLesermögen aus dem raschen Erfolg des Einschreitens der „Union" die Lehre ziehen, gegenüber derlei, oft als kleinlich erachteten Verstößen nicht gleichgültig zu bleiben, sondern die Intervention der „Union" anzurufen. sämtliche Parfümerie-, Rasier- und Haushallungssrlikel durch Max FeCdsberg I., Sterngasse 3 Telephon U 21-2-77 Billigste Preise — Bestellungen telephonisch. — Zustellung ins Haus

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