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Die Wahrheit · 1931-07-24 · Heft 30 (24.7.1931) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 30 (24.7.1931)
Date
1931-07-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seit« 5 Städtische Versichcruiiqsanstalt 4\ Direktion: Wien. I., Tudilauben Nr. S Telephon U27~5-<-40 Alle Versirfierunqszweiae VonWodke zu Woche Der neue Oberkommissär für Palästina. Zum Nachfolger des gegenwärtigen britischen High Commissioners von Palästina, Sir John Chancellor, wurde General Grenfell Wauchope bestimmt. General Wauchope, der sein neues Amt als palästinensischer Oberkommissar am 1. November antreten soll, ist eine prominente Persönlichkeit der englischen Generalität. Während des Weltkrieges befehligte er eine englische Heeresgruppe an der französischen Front und wurde mehrere Male verwundet. Später war er Militärkommandant von Nord-Irland. In den Jahren 1924 bis 1927 war er Chef der britischen Sektion der Internationalen Abrüstungskommission in Berlin. Der Landentwicklungsdirektor für Palästina ernannt Zum Landentwicklungsdirektor für Palästina, dem die Durchführung des neuen Development Schema obliegen wird, ist Louis French ernannt worden. French war bisher im Indian Civil Service tätig. Rumänische Minister im neugegründeten ORT- Komitee für Rumänien. Der Arbeitsminister im gegenwärtigen rumänischen Kabinett sowie eine Reihe von Staatsmännern, die in früheren Kabmetten das Ärbeitsportefeuille inne hatten, haben sich bereit erklärt, dem neugegründetenKomiteedesVerbandesORT zur Förderung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden beizutreten. Dieser Beitritt hervorragender Staatsmänner zu einer jüdischen Organisation stellt für Rumänien ein Novum dar, das in der rumänischen Oeffentltchkeit lebhaft besprochen wird. Der Führer der antisemitischen Partei, Prof. Cuza, nahm heftig dagegen Stellung, daß Mitglieder der gegenwärtigen und früheren Regierungen an dem zu Ehren des Mitglieds des Präsidiums der Zentralverwaltung ORT Dr. A. Singalowsky veranstalteten Bankett teilgenommen haben, und warnte davor, die Bestrebungen der Gesellschaft ORT zu fördern, da diese darauf abzielen, neue wirtschaftliche Machtpositionen für die Juden zu erobern. Industrieminister Mihail Manoi- 1 e s c u erklärte, aus der von Dr. Singalowsky auf dem ORT-Bankett gehaltenen programmatischen Rede sei hervorgegangen, daß es die Hauptbestrebung von 0RT in Rumänien sein soll, die in ihrem Berufe gescheiterten jüdischen Kleinhändler neuen produktiven städtischen Berufen zuzuführen. Die wirtschaftliche Umschichtung von Bevölkerungsteilen, die in bestimmten Berufen zusammengedrängt sind, ihre Ueberführung in wirtschaftlich gesunde Berufe, verdiene jede Förderung. Ich glaube, sagte Minister Manoilescu zum Schlüsse, daß kein Rumäne behaupten, kann, ein Minister, der für dieses jüdische Aufbauwerk Sympathie bekundet hat, sei darum kein Patriot und handle den Interessen des Landes zuwider. f ranzensbad!!K Grand-Restauration „Förstenhof'f "IStt streng orthodoxe Küche -|TO Badezimmer- Einrichtungen Modernste Ausführung — Zahlangserleiditerttng — KostenüberschUge gratis „Elphora". I., Dominikanerbastei 22 Ecke Kai 7/9 Telephon R 24-4-16 L, SIMON RAAB Bis 30. September geöffnet! ,.J Als Cuza bemerkte, die Minister hätten durch ihre Teilnahme an dem Bankett eine bedenkliche Situation geschaffen, wurde er vom ehemaligen Arbeitsminister Trancu-Jasi darauf aufmerksam gemacht, daß dies ein Standpunkt sei, der vielleicht in Privatgesprächen, keineswegs aber vor dem Parlament aufrecht erhalten werden kann. Bei der Bevölkerung, der die Tätigkeit von ORT zugute kommen soll, handle es sich um rumänische Staatsbürger, die auch in wirtschaftlicher Beziehung darauf Anspruch haben, der übrigen Bevölkerung des Landes gleichgestellt zu sein. Die energische Verteidigung der jüdischen Interessen durch Minister Manoilescu und Exminister Trancu-Jasi hat auf die Mitglieder der Kammer tiefen Eindruck gemacht. Elend unter den Juden Warschaus. Dem Bericht des Zentralen Rettungskomitees für das Budgetjahr 1930/31 ist zu entnehmen, daß 6926 Familien, etwa ein Fünftel der Warschauer jüdischen Bevölkerung, durch Darlehen und Liebesgaben im Gesamtbeträge von 1,064.565 Zloty vom Rettungskomitee unterstützt wurden. Hakenkreuz am Werke. Nationalsozialisten demonstrieren gegen eine ungarisch-jüdische Musikkapeue. In Karlsruhe kam es dieser Tage zu einer Ausschreitung:, gegen eine ungarische Musikkapelle, deren Mitglieder zum Teil Juden sind. Die Nationalsozialisten verlangten die Entfernung der Musikkapelle und riefen „Deutschland erwache! Juda verrecke!" Synagogenschändung in Ostpreußen. Die Fenster der von der Synagogengemeinde Königsberg verwalteten Synagoge im ostpreußischen Kurort Cranz wurden kürzlich mit Steinen eingeworfen. Die Täter flüchteten, als Synagogenbeamte herbeieilten. Der Verdacht politischer Motive liegt nahe. Schändung einer Synagoge in der Bukowina. In Czernowitz sind unerkannt gebliebene Täter in die Synagoge „Kalus" zu Wiznitz eingebrochen, haben die Bundeslade zertrümmert, eine Thorarolle herausgenommen und sie mit Messern zerschnitten. Außerdem wurden Gebetbücher zerrissen und die Inneneinrichtung demoliert Das letzte Opfer des Bombenattentats auf den Elisabethstädter Klub. In Budapest ist der Kaufmann Leopold Breitner, der bei dem Bombenattentat auf den Elisabethstädter Klub — bei welchem mehrere prominente ungarische Juden teils getötet, teils schwer verletzt wurden — durch Bombensplitter so schwer verwundet worden war, daß ihm ein Bein amputiert werden mußte, dieser Tage verstorben. Er hatte infolge der Detonation auch das Gehör eingebüßt und siechte langsam dahin. Er wurde in der Märtyrer-Parzelle des jüdischen Friedhofes bestattet. Er hat ein Alter von 77 Jahren erreicht Milde Bestrafung eines nationalsozialistischen Hetzers. Vor dem Liegnitzer Schöffengericht hatte sich der bekannte nationalsozialistische Versammlungsredner Friedrich Wilhelm Lött aus Lüneburg wegen Beleidigung zu verantworten. Den Berliner Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß bezeichnete Lött als plattfüßigen Juden, den er „gerne aufbaumeln würde, wenn er nicht die beste Propaganda wäre". Der Staatsanwalt beantragte gegen Lött sechs Monate Gefängnis. Das Gericht verurteilte ihn zu 400 Mark Geldstrafe oder 14 Tagen Gefängnis. Strafen für die Berliner Universitätskrawafle. Der Senat der Berliner Universität hat im Zusammenhang mit den Universitätskrawallen bei sieben Studierenden, vier Nationalsozialisten und drei Kommunisten auf Entfernung von der Universität Berlin erkannt Drei Monate Gefängnis für den Urheber der Kölner Krawalle. Der Kölner Schnellrichter verurteilte den 24jährigen Studenten Baidur von Schirrach aus München, Reichsleiter des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes, wegen Vergehens zu drei Monaten Gefängnis. Schirrach hatte am 3. Juli die Protestkundgebung vor der Universität Köln veranstaltet, die in einen antisemitischen Exzeß ausartete. Erhöhung der Gefängnisstrafe für einen Frfedhofsschänder. Die Strafkammer in Gleiwitz hat die vom Schöffengericht über einen Teilnehmer an der im September 1930 verübten Schändung des jüdischen Friedhofs in Kiefernstädtel (Schlesien) verhängte Strafe von 9 Monaten Gefängnis auf eineinhalb Jahre erhöht In der Begründung heißt es, die Tat zeuge von niedriger Gesinnung. Da der Angeklagte ehrlos gehandelt hat, wurden ihm gleichzeitig die bürgerlichen Rechte abgesprochen. Die Polizei erzwingt die stille Bestattung des Pogrom-Opfers von Radom. Im Warschauer jüdischen Spital verstarb» Ascher Pinchas Litwak, der während des Pogroms in Radom schwere Verletzungen erlitten hatte. Auf Wunsch der Radomer jüdischen Gemeinde sollte der Tote nach Radom zur Bestattung überführt werden, die Polizei verbot aber die Ueberführung und ordnete an, daß der Tote in Warschau in aller Stille in der Nacht bestattet werde. Nur die engsten Familienangehörigen des Verstorbenen durften der Bestattung beiwohnen. Neues Material in der Hatsmann-Affäre. Der Verteidiger im Halsmann-Prozeß, Doktor Preßler, überreichte bei der Staatsanwalt* schaff des Landesgerichtes Innsbruck eine neue Strafanzeige gegen den Hilfsarbeiter Johann Schneider. Schneider hatte sich im Laufe des Prozesses beschuldigt, die Tat begangen zu haben, später aber das Geständnis widerrufen und einen Alibibeweis erbracht Halsmann-Atmosphäre. Die „Wiener Neuesten Nachrichten", das in weitesten Kreisen unbekannte Organ des auch mit vielen jüdischen Stimmen gewählten Nationalrates und Ministers Schober, will scheinbar ein wenig die Konkurrenz mit den Wiener Hakenkreuzler-Blättern aufnehmen. Dieser Tage stand eine jüdische Schuhmachersgattin, die von ihrem Mann geschieden ist, vor Gericht unter der Anklage wegen versuchter schwerer Körperbeschädisung. da sie, wie sie zugab, Revolverschüsse gegen ihren Mann abgefeuert hat. Sicherlich eine beklagenswerte Sache, doppelt beklagenswert, wenn sie sich in einer jüdischen Familie ereignet. Es läßt sich darüber streiten, ob der beisitzende Schöffe (offenbar ein Jude) recht daran tat, im Laufe des Prozesses die Bemerkung zu machen: „Es ist in der Geschichte noch nicht vorgekommen, daß eine Jüdin Mörderin ist". — Der Staatsanwalt wies diese Bemerkung als eine Entgleisung zurück umt fügte hinzu, übrigens beweise die kriminelle Erfahrung auch, daß die Behauptung des Schöffen unrichtig sei. Wie dem auch immer sei. bemerkenswert ist jedenfalls die Haltung des eingangs zitierten Blattes, das diesen Prozeßbericht In besonderer Aufmachung bringt und darüber die Ueberschrift - Halsmann-Atmosphäre setzt L. Swaßem XoHal I. oder 11. Bezirk, aas mehreren Räumen bestehend, insgesamt zirka 150 m\ wird für Vereinszwecke itt Ml«t«ngasucM. Ofterte an die Administration des Blattes.

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