Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 30 (24.7.1931)
- Date
- 1931-07-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Dffi WAHRHEIT 3en» 7 Rohe in Saloniki. Seit der Nacht vom 8. zum 9. Juli, in der eine Rotte Natonalisten einen Angriff auf eine Synagoge im Campbell-Viertel, in der etwa 50 durch den Brand obdachlos gewordene jüdische Familien untergebracht waren, ausführte und sämtliche Fensterscheiben einschlug, ist in Saloniki die Ruhe nicht wesentlich gestört worden. Der Gouverneur von Saloniki, General Gonatas, hat den Präsidenten der Jüdischen Gemeinde, Herrn Benusigliu, verständigt, daß die Regierung weitere Hilfsmaßnahmen für die jüdische Bevölkerung in Erwägung ziehe. EineAb ordnungderJüdischenGemeinde Salonikis sprach bei General Gonatas vor, um gegenüber der Behauptung der Zeitung „Macedonia" in Sofia, daß ein Teil der Juden Salonikis die Forderung nach Loslösung Macedoniens von Griechenland unterstütze, die Versicherung abzugeben, daß die Judenheit Salonikis in ihrer Loyalität gegenüber Griechenland unerschütterlich sei und sich mit dem hellenistischen Macedonien identifiziere. Die Abordnung bekräftigte die seinerzeit vom Oberrabbiner Salonikis Jacob Mehr, jetzt Oberrabbiner der sephardischen Juden Palästinas, abgegebene Loyalitätserklärung. Die Niederbrennung des jüdischen Stadtviertels Campbell durch die griechischen Nationalisten hat das seit dem Riesenbrande in Saloniki im Jahre 1917 latente Problem der jüdischen Wohnungsnot in Saloniki wieder akut werden lassen. Der neue Stadtbauplan von Saloniki sieht die Niederreißung der Reste der damals verbrannten Häuser und der elenden Wohnbaracken vor, so daß die jüdische Gemeinde Saloniki jetzt vor der Notwendigkeit steht, für etwa 1500 jüdische Familien Wohnungen zu beschaffen. Xitctatut The Pentateuch and Haftorahs. Hebrew Text, English Translation and Commentary edited by the Chief Rabbi Dr. J. Ii. Hert z. Oxford, University Press, London, Humphrey Milford 5689, 5691. Es gab bis nun keine von jüdischer Hand und aus jüdischem Geiste stammende, der vorliegenden gleiche oder ähnliche englische Ausgabe des Textes, der Uebersetzung und Kommentierung des Pentateuchs. von dem jetzt Genesis und Exodus vorliegen. Es ist nötig, zu bemerken, daß Chief Rabbi Hertz einen populären Kommentar schreiben wollte und nicht einen kritisch-wissenschaftlichen. Der mit dem Urtext halbwegs vertraute Leser soll eine genaue, gewissenhafte, der Tradition getreue Uebersetzung und eine für ihn durchaus und leicht faßbare Erklärung empfangen — zum Gebrauch für Synagoge, Schule und Haus. — Bedenkt man, daß der Engländer ein fleißiger Bibelleser und guter Bibelkenner ist, dann darf das um so mehr bei dem jüdischen Engländer angenommen werden. Wir Juden sind das Volk der Bibel und des Buches. Sollten es wenigstens sein. Man kann aber leider beim Durchschnitt der nicht in lebendigen Judenzentren aufgewachsenen und erzogenen jüdischen Masse die Kenntnis des hebräischen Bibeltextes, ja nicht einmal die Fähigkeit zum fehlerlosen Lesen dieses Textes nicht voraussetzen. Ein nicht kleiner Teil der Juden kann der Thorah-Vorlesung nicht mit Verständnis folgen und folgt ihr auch nicht Diese Tatsache ist eine der bösesten Feinde und eine der größten Gefahren für den Wert des synagogalen Gottesdienstes, dessen Zentrum und Kern eben die Thorah-Vorlesung bildet. Von häuslicher, gewissenhafter Vorbereitung für die Thorah-Vorlesung in der Synagoge, die religionsgesetzlich vorgeschrieben ist, kann in vielen Kreisen kaum die Rede sein. Das gilt natürlich nicht für solche jüdische Gemeinschaften, deren Schulen die Jugend bis zur Kenntnis des Pentateuch führen und deren Familien diese Kenntnisse aus Religiosität pflegen und behüten. Ich weiß nicht, wie es in England damit steht Es scheint aber, daß die bekannte Bibeltreue und Bibelfestigkeit dort bei Juden und Nichtjuden vorhanden sind. Hertz hat das offensichtliche Bedürfnis nach Bibelübersetzung und Bibelerklärung mit Eifer, Geschick und Erfolg erfüllt. Sein Standpunkt ist ein konservativer. So wie er dem masoretischen Texte folgt so ist er in der Erklärung traditionstreu. Er benützt aber alle Ergebnisse der neuesten Forschung und Erforschung der den Urtext beleuchtenden Wissenschaft Aegyptologie, Assyrologie, vergleichende Religionsgeschichte, Religionspilosophie, älteste und neueste Bibelkommentare werden ausgiebig benützt; Talmud und Midrasch bei passenden Gelegenheiten herangezogen. Eine Fülle von eigenen Gedanken und Betrachtungen in kleineren oder ausführlichen Notizen, Zusammenfassungen der Textinhalte und deren Bedeutung für das jüdische Wesen und Leben ergänzen den fortlaufenden Kommentar. Der fachwissenschaftlich nicht gebildete Leser lernt leicht und bequem ungemein Vieles, was unbedingt zum Verständnis der Texte gehört und was er nie durch eigenes Studium der ungeheuer großen Fachliteratur erlernen könnte. Denn diese Literatur ist riesengroß und kann kaum vom Fachmanne ganz übersehen und beherrscht werden. Sie ist endlos. Bibelkenner sein heißt Kenner der Weltgeschichte sein. Und gründliche Vertrautheit auch nur mit dem Pentateuch erfordert Unsummen von Wissen. Es ist aus diesem Grunde verdienstvoll, einen nützlichen Extrakt aus dieser erdrückenden Fülle zu schaffen. Das hat Chief Rabbi Hertz unternommen und es ist ihm gelungen. Man kann mit Vielem, was in diesem Kommentar enthalten ist nicht einverstanden sein. Das ganze Werk verdient volle Anerkennung. Hoffentlich folgen bald nach Genesis und Exodus die anderen Teile. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß Hertz .in dem Ehepaar Leo Schärf in London Gönner gefunden hat, die das große Werk auf ihre Kosten erscheinen lassen. Druck und Ausstattung sind ausgezeichnet Dr. D. Feuchtwang. Baeumler-Schroeter, Handbuch der Philosophie, B. Groethunysen, Philos. Anthropologie. (II und III), München 1931, O. Oldenbourg. Diese neuen Hefte des ausgezeichneten Werkes, dessen dritte Abteilung nun abgeschlossen mit Namen- und Sachregister vorliegt zeigen wieder, wie unentbehrlich ein solches Handbuch nicht nur für den Fachphilosophen, sondern für jeden ist der sich in der Geschichte des menschlichen Denkens zurechtfinden will. Der Mensch der Renaissance ist das Thema, das zunächst im Vordergrunde steht Mit vorbildlicher Klarheit wird dann der Menschbegriff Luthers, eines Erasmus, eines Montaigne behandelt Neue Lichter fallen auf Cervantes und Shakespeare. Gebührende Beachtung findet der Einfluß des alttestamentlichen Denkens auf die Gestaltung des modernen Menschentums. Ein Leone Ebreo findet hier seine Stelle. Cassierers Arbeiten kommen in ihrer Bedeutung für diese Kulturepoche zur Geltung. Die neue Anthropologie in ihren Gründen zu verstehen, muß man auf diese ihre Vorgänger zurückgreifen. Insbesondere wird der jüdische Leser z.B. bei der „Entmy thisierang", die als Leistung Luthers gepriesen wird, an Hermann Cohen denken, der gerade im Gegensatz zum Mythus eine Grundeinstellung des Judentums hervorgekehrt und betont hat G. Dubnows „Geschichte des Chassldismus" beendet Von Simon Dubnows „Geschichte des Chassidismus" erscheint jetzt im jüdischen Verlag, Berlin, der zweite Band, mit dem das Werk vollständig vorliegt. Professor Dubnow, der Verfasser der zehnbändigen „Weltgeschichte des jüdischen Volkes", vollendete damit eine in seiner Jugend begonnene Arbeit für die er ein immenses, meist handschriftliches, vielfach bisher unzugängliches Urkundenmaterial verwertet hat Julias Ofners gesammelte Vorträge und Aufsätze. Ein Kreis von Freunden und Verehrern Julius Ofners hat es übernommen, seine gesammelten Vorträge und Aufsätze herauszugeben. Diese Sammlung, betiteil „Recht und Gesellschaft", soll — einem letztwilligen ausdrücklichen Wunsche Julius Ofners entsprechend — das Wichtigste seines schriftstellerischen Lebenswerkes (das zum größten Teil vergriffen oder in längst verschollenen Zeitschriften zerstreut ist) der Vergessenheit entreißen. Die Sammlung wird eine Auswahl aus den überaus zahlreichen Publikationen Ofners (die von 1878 bis 1924 reichen) enthalten; für die Auswahl bestimmend war einerseits der Gesichtspunkt ein möglichst erschöpfendes Bild der geistigen Persönlichkeit Julius Ofners zu geben, anderseits das Bestreben, dasjenige zu erhalten, was durch seine inhaltliche Bedeutung und durch die Aktualität der behandelten Probleme einen dauernden Wert besitzt Das Werk wird, wenn die Subskription ein entsprechendes Ergebnis zeitigt in einem Leinenband von etwa 320 Seiten Umfang im Verlage von Carl Gerolds Sohn, Wien VIII,, erscheinen. Der Preis beträgt für Subskribenten S 18.—, im Buchhandel S 25.—. Es ist eine Dankespflicht für jeden, der das Wirken Ofners und seine Persönlichkeit gekannt und geschätzt hat dazu beizutragen, den letzten Willen dieses wertvollen Menschen zu erfüllen. Subskriptionsanmeldungen erbeten an: „Julius Omer-Komitee", XVI., Kirchstetterngasse 49. Dr. Paul Abel, Vizepräsident der Rechtsanwaltskammer,* Wilhelm Börner, Schriftsteller; Professor Dr. Ludwig Braun; Dr. Hermann Eckel, Präsident der Rechtsanwaltskammer; Doktor Friedrich Engel, Präsident des Handelsgerichtes; Professor Dr. Emil Gold mann; Professor Dr. Josef Hupka; Dr. Siegfried Kantor, Vizepräsident der Rechtsanwaltskammer; Hofrat Professor Dr. Heinrich Klang; Hof rat Dr. Eduard Leisching; Professor Dr. Emil Reich; Dr. Paul V i 11 o r e 11 i, Minister a. D. und Präsident a. D. des Verfassungsgerichtshofes. Für das vorbereitende Komitee: Rudolf Goldscheid, Dr. Siegfried Norbert Rumpier, Dr. jur. et phil. Walter Eckstein, als Herausgeber. Ueber „Religiöse Erkenntnis",alsdas einzige Mittel zur Lösung der Hauptprobleme der Gegenwart, hielt dieser Tage der bekannte Schriftsteller und wissenschaftliche Forscher Otto Lang vor einer interessierten Zuhörerschaft einen einleitenden Vortrag. Anmeldungen zur Mitarbeit werden erbeten an Otto Lang, IX., Seegasse 9. Jene Bezieher sl noch mit ihren Abonnementsbeiträgen im Rüdestand sind, werden dringendst gebeten, umgehend die Begleichung dieses Rtidtstandes vorzunehmen. Die Administration der „Wahrheit" SBrie/ftosfen. „Nur Arier in der PraterstMute." Unter dieses Spitzmarke haben wir in unserer letzten Nummer auf ein Inserat in der „Pharmazeutischen Post" vom 27. Juni d. J. aufmerksam gemacht, wonach die Apotheke „Zur alten Jägerzeile", II., Praterstraße 66, für die Urlaubsvertretung auf unbestimmte Zeit „nur Arier" sucht. Wir gaben hiebet der Anschauung Ausdruck, daß dem Mann in der „judenreinen" Praterstraße geholfen werden könne. Unsere Notiz hat den gewünschten raschen Erfolg gehabt. Der Eigentümer der betreffenden Apotheke, Herr Heinrich Wondra, stellt in einem an die „Union österreichischer Juden" gerichteten Schreiben fest, daß das betreffende Inserat von der Stellenvermittlung der Pharmazeuten ohne sein Wissen eingeschaltet worden sei und erklärt, daß wohl niemand von ihm als Geschäftsmann eine derartige Verirrung für möglich halten könne, um so weniger, als er ständig einen Magister israelitischer Konfession in seiner Apotheke beschäftige und nach dessen fünfwöchigem Urlaub auch weiter beschäftigen werde. Herr Wondra verwahrt sich dagegen, als Antisemit angesehen zu werden, zumal er mit den Juden des 2. Bezirkes in bestem geschäftlichen und privaten Einvernehmen stehe. Die Schriftleitung der „Pharmazeutischen Post" erklärt in einer Zuschrift, daß ihr das betreffende Inserat von der Stellenvermittlung zugekommen sei und daß dieser offenbar eine Verwechslung mit einer Vakanz in einer anderen Apotheke unterlaufen sei. Wir geben diesen Feststellungen gerne Raum, zumal über Verlangen der „Union" die nächste, am 25. d. M. erscheinende Nummer der „Pharmazeutischen Post" die Erklärung der Stellenvermittlung veröffentlichen wird, daß die eingefügten Worte „nur Arier" durch ein Versehen der Stellenvermittlung in das Inserat hineingeraten seien. Allerdings ist dieses Inserat bereits am 27. Juni in der „Pharmazeutischen Post" erschienen und Herr Apotheker Wondra hätte sehr leicht durch eine rechtzeitige spontane Richtigstellung die Veröffentlichung in der „Wahrheit" überflüssig machen können. St Marein am Pickelbach (Bezirk Umgebung Graz) annonciert sich als „Arische Sommerfrische". Das fast ausschließlich von jüdischen Reisenden frequentierte Hotel Weitzer (Florian) in Graz, Griesgasse 15, ist das Hauptlager det anläßlich des Deutschen Studententages gegenwärtig hier versammelten national-sozialistischen Studentenschaft und prangt aus diesem Anlasse im Hakenkreuzschmucke. r. <L flmtndje VerfautÖarungen ber Jsraeßtisdfen Xuftasgemeinbe Wim Israelitische Kultusgemeinde Wien. Z. 4918 ex 1931. Wien, im Juli 1931. Kundmachung. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien gibt hiemit bekannt, daß der Bedarf an Religionslehrern für Volks-, Haupt- und Mittelschulen, sowie für verwandte Lehranstalten für längere Zeit überdeckt ist und daß daher Prüfungen von Kandidaten(innen) für dieses Lehramt bis auf weiteres von der vom Kultusvorstande hiefür eingesetzten Prüfungskommission nicht mehr vorgenommen werden. Der Vorstand. Exegetischer Vortrag in der Gemeinde- Synagoge, XVIII., SchopenhauerstraBe 39. Samstag, den 25. Juli 1931 wird bei dem um M>9 Uhr vormittags beginnenden Morgengottesdienste in der Gemeindesynagoge, XVIII., Schopenhauerstraße 39, ein exegetischer Vortrag (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang) abgehalten werden. Realitäten-Verkehrs- und Verwaltungs-Bureau Rudolf Szilägyi Wien ix., Rote Telephon A10-5-69 3/8 übernimmt HaBSTerWOltMItfCB. vermittelt Ao- und Verkauf sowie Tausch JCOer Alt RCOBtaten, LanowtrtsdiatieB, Botels. raMMc»» HalicenAnser, Besfaurmiraca etc. Beschafft I. u. II. Sätze und Reparaturkredite.