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Die Wahrheit · 1931-07-17 · Heft 29 (17.7.1931) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 29 (17.7.1931)
Date
1931-07-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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bette 4 DIE WAHRHEIT 3 U U ' j 4l ff E r*r 11 8. :! «! * »'4 |ir? < ■ i *,• 'fr * n'i $ i Iii: Pf gefesselten Tieren Halsschnitte, die nicht durch ausgebildete Schächter ausgeführt wurden, zeigt, kann in keiner Weise gegen das Schächten ins Treffen geführt werden. Uebrigens berichtet der englische Chirurg Professor Hill von 200 geretteten selbstmörderischen Halsabschneidern, daß nicht ein einziger von ihnen nach dem Halsschnitt Schmerz empfunden hätte. Die als Ersatz für den sofort betäubenden Schächtschnitt empfohlene elektrische „Betäubung" ist, erklärt Junack, gar keine Betäubung. Die von ihm in Berlin und Karlsruhe gesehene Behandlung erwachsener Rinder mit dem Leduc-Strom war sehr umständlich und unsiclierinihrererstrebtenWirkung. Mehrere Schiachthofdirektoren sahen sich genötigt, die elektrische „Betäubung" wegen ihrer Mängel wieder abzuschaffen. Die Tierärzte Prof. Dr. Mayer, Dr. Wenger und Dr. Zimmermann haben an der Münchener Hochschule versucht, die „Elektro-Narkose" bei Hunden zu operativen Zwecken einzuführen. Sie haben gefunden, daß der elektrische Schlaf keine eigentliche Narkose, sondern ein Erregungszustand mit nachfolgender Erschlaffung ist. Leduc selbst war bei Versuchen an seiner eigenen Person nicht bewußtlos oder betäubt, sondern nur in seiner Bewegurigsfähigkeit absolut gehemmt. Cohn und Boruttau wiesen schon 1912 nach, daß es sich bei der „Elektro-Narkose" nicht um eine Bewußtlosigkeit handelt, sondern um die Unmöglichkeit, Empfindungen zu äußern. Diese „Betäubung" hat auch schwere Gehirn- und andere körperliche Schädigungen zur Folge, die nun einmal rituellnichtzulässig sind. Aus allen erwähnten Gründen gibt es keine elektrische Betäubung, die die sofort nach dem vorschriftsmäßigen Schächtschnitt einsetzende Bewußtlosigkeit ersetzen kann. Der vielleicht ungünstige Eindruck der Vorbereitung zum Schächtschnitt an manchen Orten wird restlos durch den Weinberg'schen Apparat beseitigt, der in verwandter Form schon seit vielen Jahren als Operationstisch nach Vinsot erfolgreich in der Tiermedizin gebraucht wird. Die judenfeindlichen Ausschreitungen in Saloniki. Die „Untersuchung" des Justizministers beendet — 2 Millionen Drachmen Schaden. Während in Saloniki selbst allmählich wieder Beruhigung eintritt und die geflüchteten jüdischen Einwohner wieder dahin zurückzukehren beginnen, scheint die antisemitische Agitation in den griechischen Provinzstädtenan Ausbreitung zu gewinnen. So werden aus Drama und D e m o t i k a judenfeindliche Kundgebungen gemeldet. Der Gesamtschaden,, den die Juden in Saloniki durch die Ausschreitungen erlitten haben, wird auf zwei Millionen Drachmen geschätzt Justizminis terAvraam ist nach Abschluß seiner Untersuchungen nach Athen zurückgekehrt Vor seiner Abreise erklärte er, „die Behörden hätten seiner Meinung nach ihre Pflicht voll erfüllt". Die Polizei habe außerordentlich strenge Maßnahmen ergriffen, um den Unruhen so bald als möglich ein Ende zu bereiten. Er habe den Eindruck empfangen, daß auch die Gerichtsbehörden ihre Pflicht erfüllt haben, wenn auch vielleicht etwas verspätet Diese Frage bedürfe noch der „A u f k 1 ä r u n g". Der Generalgouverneur von Saloniki, General Gonatas, bekräftigte Pressevertretern gegenüber die in den Erklärungen des Justizministers zum Ausdruck gebrachte Auffassung und fügte hinzu, durch die Ergebnisse der Untersuchung werde der Beweis erbracht werden, daß die Niederbrennung des Judenviertels nicht auf Mangel an notwendigen Vorkehrungen seitens der Behörden zurückzuführen sei. Auf die Frage des Korrespondenten der athenensischen Zeitung „Kathimerini" (Tagesneuigkeiten), ob es richtig sei, daß diejüdischeGemeindeam Nachmittag vor Ausbruch des Brandes den Gouverneur auf die drohende Gefahr aufmerksam gemacht habe, erwiderte General Gonatas, „er könne sich dessen nicht erinnern." Ein Besuch im zerstörten jüdischen Viertel. Im Auftrag der Jüdischen Telegraphen-Agentur hat sich der Jerusalemer JTA-Vertreter Gerson Agronsky von Basel aus, wo er beim Kongreß weilte, mittels Flugzeug als Sonderberichterstatter nach Saloniki begeben. Herr Agronsky, der auch die August- und Septembertage des Jahres 1929 in Palästina miterlebt hat schildert im Folgenden seine Eindrücke bei einem Besuch des verwüsteten Judenviertels von Saloniki LEBENSVERSICHERUNQS-OESELLSCHAFT PHÖNII WIEN. 1. BEZIRK» RIEMERGASSE 2 Versicherangsbestand per Mitte 1930......... 2450 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnabmen im Jahre 1929 ...... 125 Garantiemittel per Ende 1929 300 . . Auszahlungen an die Versicherten im Jahre 1929 ...... 301/, „ „ Was ich in dem zerstörten Judenviertel gesehen habe, hat mich an das Bild erinnert, das Hebron nach den Massakers im August 1929 bot Seit Tagen ist Militär damit beschäftigt, Schutt und Trümmer wegzuräumen und Türen und Fenster der verlassenen Häuser zu verschalen. Wie nach dem Pogrom in Hebron ist auch hier der Zutritt zum jüdischen Viertel verboten. Ich selbst konnte erst, nachdem ich mir einen vom Salonikier Gouverneur persönlich ausgestellten besonderen Erlaubnisschein verschafft hatte, die Brandruinen besichtigen. Von der großen Synagoge ist außer rauchgeschwärzten Mauern nur die große hölzerne Thoralade übrig geblieben, die durch Flammen und Rauch bloß verfärbt wurde, aber sonst keinen weiteren Schaden erlitten hat, was von den Juden Salonikis wie ein Wunder empfunden wird. Die Vandalen hatten die Thorarollen geraubt und geschändet; die zerrissenen und verstreuten Ueberreste wurden gesammelt und beim Oberrabbiner deponiert. Mühsam und nicht ohne Gefahr über die verkohlten Trümmer kletternd, fand ich hier und da Kannen, die Petroleum und Benzin enthalten hatten, und zeigte sie den beiden Offizieren, die mich begleiteten. Hier war der Beweis, mit welcher Planmäßigkeit der 2000köpfige Mob zu HQgienisdies IfOnlgsllcM Seit vielenjahf en das anerkannt beste nötw Man achte auf die ges. gesell. Marke „Hyglen. Könlgillcht" und Name Schub Fabrik und Büro: Wien »V., Braunhlrichengatsse 3 Telepnan R 33-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht* Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt. Eisschränke Marke „Frlgofor" eissparend, eigene Erzeugung, Zahlungserleichterung. „Elphora'S I., Dominikanerbastei 22 Ecke Kai 7/9 Telephon R 24-4-16 Werke gegangen war, als er das jüdische Viertel überflutete, um 200 wehrlose jüdische Familien in einem Ring von Flammen einzuschließen. Wie es kam, daß niemand den Flammentod fand, ist ein R ä t s e 1, das vielleicht nur dadurch erklärt werden kann, daß zahlreiche Juden des Viertels ehemalige Soldaten waren, die es verstanden, sich zur Wehrzusetzen und das Leben ihrer Frauen und Kinder auch gegen einen gut bewaffneten Feind zu verteidigen, obwohl ihnen selbst keine anderen Waffen als KnüppelundStöcke zur Verfügung standen. Die Ruinen der Bikur Cholim Klinik hätten ebensogut die der Hadassahklinik in Hebron nach dem Massaker im Jahre 1929 sein können; so gründliche Zerstörungsarbeit war hier geleistet worden. Aehnlich wie die Hebroner Klinik hatte die Bikur Cholim Klinik das ganze Gebiet der benachbarten Vorstädte versorgt, einschließlich des Kalawaria-Viertels, aus dem die Angreifer, von denen bisher nur fünf (!) verhaftet wurden, kamen. Auch die Zerstörung des jüdischen Schulhauses wurde mit vollendeter Gründlichkeit besorgt. An den noch stehenden Wänden sieht man Reste von Wahlplakaten mit spaniolischem Text und dem Bild des venizelistischen Kandidaten; denn die Juden Salonikis sind zuverlässige Anhänger des griechischen Ministerpräsidenten. Es ist zwar richtig, daß nur elf Baracken niedergebrannt wurden, aber ebenso richtig ist es, daß kein einziges Haus unversehrt geblieben ist: Was die Flammen nicht zerstört haben, haben die Huligans zertrümmert. Etwa 50 Schritte von der Synagoge entfernt liegt eine Bäckerei, die einzige im jüdischen Viertel, Eigentum zweier christlicher Griechen. Der eine der beiden Besitzer, Leonides Papas, wurde während des Aufruhrs erschossen. Der überlebende Geschäftsinhaber sagte mir, er könne sich das Ge-, schehene nicht erklären. Papas und er hätten mit den Juden des Viertels stets in bestem Einvernehmen gelebt. Es sei unverständlich, daß sein Kompagnon sein Leben lassen mußte, bloß weil er sich weigerte, sich Eindringlingen aus einem anderen Stadtteil gegen seine Nachbarn, Kunden und Freunde anzuschließen. Was ich im Viertel gesehen habe, zwingt mich zu dem Schluß, daß hier ein Pogrom mit der ganzen Leidenschaft und Wut eines Pogroms durchgeführt wurde und daß nur die Wehrfähigkeit der Juden Salonikis ein schreckliches Blutbad verhütet hat. Jüdische Wissenschaft in Not Die weltberühmte Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums legt eben den 48. Jahresbericht vor, der Rechenschaft über ihre Tätigkeit während der letzten zwei Semester gibt. Ihm ist zu entnehmen: Das Interesse am Studium der jüdischen Wissenschait zieht immer größere Kreise und hat die Zahl der Studierenden in unerwartetem Maße ansteigen lassen. Sie betrug 1930 schon rund 120 und hat jetzt wieder eine Zunahme erfahren. So erfreulich diese Erscheinung auch sein mag, so bringt die Ausbildung solcher Massen doch manche Schwierigkeiten mit sich. Auch die Verantwortung für die Zukunft der Studierenden bereitet schwere Sorge; der Zuwachs rekrutiert sich zumeist aus Deutschland selbst, die hier gebürtigen Hörer haben sich im Laufe der Jahre 1928 bis 1930 mehr als verdoppelt. rranzensbad] Grand-Restauration „Fürstenhof4; | IM streng orthodoxe Küche iSD Hl SIMON RAAB g Bfs 30. September geöffnet! ffl

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