Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 29 (17.7.1931)
- Date
- 1931-07-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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OIE WAHRHEIT Seite 3 Die Geschichte einer Delegation. wmmmwmmwnm Die „JüdischeTelegraphischeAgen-' tur" verbreitet unter dem Titel „Ein Vertreter der österreichischen Nichtzionisten im Council der Jewish Agency" folgende Nachricht: „Der Neutrale Keren Hajessod lür Oesterreich hat Herrn Dr. Moritz Schnabl als Mitglied des Rates der Jewish Agency nominiert." Diese Meldung, die schon früher Eingang in ein Wiener zionistisches Blatt gefunden hat, veranlaßt uns, aus der Reserve herauszugehen, die wir uns bisher aus wohlverstandenen Gründen in der meritorischen Frage der Vertretung der österreichischen Nichtzionisten bei der diesjährigen Tagung des Councils der Jewish Agency auferlegt hatten. Wir werden ohne jegliche Rücksichtnahme auf die wohl zu erwartende zionistische Empörung jene Tatsachen aufzeigen, die dieser recht merkwürdigen Basler Delegation vorangegangen sind, wobei wir gleich einleitend betonen, daß es uns vollkommen ferne liegt, jenem Manne, der diese Delegation nun übernommen hat, irgendwie nahezutreien, daß wir im Gegenteil angesichts der hervorragenden Qualitäten des Herrn Dr. Moritz Schnabl an der Entsendung gerade dieser Persönlichkeit keinen Anstoß nehmen, daß wir aber an der Art und Weise, wie diese Entsendung zustande kam, notwendige und — wie sich zeigen wird — berechtigte Kritik üben müssen. Bekanntlich war bisher die österreichische nichtzionistische Judenschaft im Council der Jewish Agency durch die „U n i o n" vertreten, die gemeinsam mit dem Klub der unionistischen Kultusvorsteher Wiens zu der vor zwei Jahren stattgehabten konstituierenden Tagung des Councils zwei Vertreter nominiert hatte. Bereits im April dieses Jahres wurde Präsident Dr. J. Ornstein vom Organisations-Departement der Londoner Exekutive der Jewish Agency verständigt, daß mit Rücksicht auf die die dadurch schwer in Mitleidenschaft gezogenen heimischen jüdischen Institutionen. Davon abgesehen, war aber auch bei der Ablehnung der Umstand sehr maßgebend, daß die Situation im Zionismus vorderhand völlig ungeklärt ist und daß man derzeit nicht absehen kann, welche Richtung die Oberhand gewinnen würde, die gemäßigte, mit der ein Zusammenwirken in der Jewish Agency immerhin noch denkbar ist, oder die radikale, die ein solches Zusammengehen gänzlich ausschließt. Die beklagenswerten desolaten Zustände auf dem Basler Zionistenkongreß haben bewiesen, daß diese Vorsicht im Interesse der österreichischen Judenschaft sehr am Platze war. Die „Union österreichischer Juden" hat von ihrem ablehnenden Beschlüsse selbstverständlich sofort das Zionistische Landeskomitee verständigt. Sie wußte, daß sie die Jüdischnationalen durch ihre Absage in einige Verlegenheit bringen würde, aber auf diese Gefühle konnte bei einer so hoch politischen Entscheidung keine Rücksicht genommen werden. Die Zionisten haben sich nun aus dieser Verlegenheit in einer Weise herausgeholfen, die zur schärfsten Kritik herausfordert. In dem obzitierten Schreiben vom 5. Juni hatte das Zionistische Landeskomitee mitgeteilt, daß es sich bezüglich des zweiten Mandats an die Bnai Brith-Logen wende. Diese dürften aber begreiflicherweise abgewinkt haben. Doch das Landeskomitee weiß sich zu helfen: reicht auch sein Einfluß nicht weit genug, um die Bnai Brith-Logen zu einer Ueberschreitung ihres Wirkungskreises zu bestimmen, so vermag es dies immerhin beim „Neutralen Keren Hajessod", diesem jüngsten Geschöpf seiner geschäftstüchtigen Betriebsamkeit. Niemand weiß besser als die Herren Zionisten, zu welchem engumschriebenen Zweck sie derartige neutrale Organisationen, ob sie nun Jewish Agency oder Keren m YOBNEDriC FANILlfN-PENSION HBstaDFitiaD.HaffBBbaiis! täglich 5-Uhr-Tee SEÜMERIN6 TELEPHON 11 Hochstraße 43! _^ neben Hotel Panhans S Mäßige Preise, Zimmer mit Pension S 12.—aufwärts § Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser Ü in jedem Zimmer. Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein, Besitzer 1 des Standpunktes anerkannt, daß die „Union österreichischer Juden" die einzige nichtzionistische Vereinigung Oesterreichs darstellt. Das Zionistische Landeskomitee ist offenbar nach der kürzlich erfolgten Ablehnung unserer Organisation, zu der diesjährigen Tagung des Councils der Jewish Agency Vertreter zu entsenden, an den Neutralen Keren Hajessod zwecks Nominierung eines Vertreters für die nichtzionistischen Juden herangetreten. Die „Union österreichischer Juden" erhebt mit aller Entschiedenheit gegen dieses Vorgehen des Zionistischen Landeskomitees für Oesterreich Protest, um einem Präjudiz für alle Zukunft vorzubeugen. Mit dem Ausdrucke unserer Hochachtung Union österreichischer Juden. Der Schriftführer: Der Präsident: Reg.-Rat Dr. Max Lenk. i. V. Dr. Joset Ticho. * Nochmals sei mit aller Deutlichkeit festgestellt: Der Protest der „Union" wie auch unsere heutige Kritik richten sich nicht gegen die Person des Herrn Dr. Moritz Schnabl. Die nichtzionistische Judenschaft Oesterreichs zählt ihn, der zu einer der hervorragendsten Persönlichkeiten der österreichischen Bnai Brith-Logen gehört, mit Stolz zu den ihrigen und darf auch stolz darauf sein, daß er durch die Annahme dieser Delegation aller Welt bekundet hat, daß er sich zu den Nichtzionisten zählt. Berufen Sie sich auf die „Union" bei Abschluß von Versicherungen bei der Stadtischen Versicherungsanstalt bevorstehende Einberufung der heurigen Tagung des Councils der Jewish Agency „die Exekutive demnächst im Sinne der Verfassung bezüglich der Wahl der nichtzionistischen Vertreter aus den .einzelnen Länder die nötigen Schritte einleiten wird". Wie sahen nun diese „nötigen Schritte im Sinne der Verfassung" aus? Eines schönen Tages, am 5. Juni 1931, wandte sich das „ZionistischeLandeskomiteefürOesterreich" an die „Union" mit der Mitteilung, „daß für Oesterreich zwei nichtzionistische Mandate in Betracht kommen, wovon wir eines über Ersuchen der Exekutive Ihnen hiemit anbieten. Bezüglich des zweiten Mandates wenden wir uns an die Bnai Brith-Logen". Man merkt die Absicht und wird verstimmt. Während früher die „Union" beide Mandate besetzen durfte, wurde diesmal — „hn Sinne der Verfassung"? — eine Zweiteilung vorgenommen; die „Union" sollte — wirklich „über Ersuchen der Exekutive"? — nur ein Mandat besetzen, das andere sollten — über wessen Ersuchen? — die Bnai Brith-Logen inne haben, eine Körperschaft, die schon wegen ihrer jüdischhumanitären Tendenzen absolut unpolitisch und vor allem, bisher wenigstens, streng neutral ist, d. h. Zionisten und Nichtzionisten als Mitglieder zur Erreichung der idealen Verbandszwecke aufnimmt. Die „UnionösterreichischerJuden" hat sich, wie letzthin bereits kurz mitgeteilt, nach eingehender Beratung entschlossen, im heurigen Jahre von einer Delegierung zum Council der Jewish Agency abzusehen. Sie tat dies vornehmlich in Anbetracht der derzeitigen katastrophalen wirtschaftlichen Verhältnisse in Oesterreich und mit Rücksicht auf Dr. HANS KAISER Kurarzt in Bad Hall ordiniert Hauptplatz 9 Hajessod-Komitee beißen, ins Leben rufen. Es würde uns wahrlich interessieren, zu erfahren, wie es solch eine neutrale, aus paTterrwBtisch verschieden eingestellten Personen bestehende Institution, die noch dazu nur auf dem Papier steht, technisch zu Wege bringt, irgend eine Person als den Vertreter der nichtzionistischen Judenschaft Oesterreichs zu nominieren. Die „Union österreichischer Juden" hat sofort nach Bekanntwerden der zionistischen Machinationen an das Büro der Jewish Agency in Basel ein Protestschreiben gerichtet. Wir geben im folgenden dieses Schreiben wieder, weil in ihm alles gesagt ist, was zu dieser merkwürdigen Angelegenheit gesagt werden mußte: Die „Union österreichischer Juden" stellt fest, daß der Neutrale Keren Hajessod. worunter offenbar das vor einigen Monaten in Wien gebildete überparteiliche Komitee des Palästina-Aufbaufonds (Keren Hajessod) zu verstehen ist. keine Organisation der Nichtzionisten Oesterreichs darstellt und demnach auch nicht einen Delegierten als Vertretung der österreichischen nichtzionistischen Judenschaft nach Basel entsenden kann. Dieses überparteiliche Komitee besteht, wie dies schon in seinem Namen zum Ausdrucke kommt gemäß seinem Aufgabenkreis aus Zionisten und Nichtzionisten. Die „Union österreichischer Juden" stellt weiters fest, daß sie auf Grund der auf Jahrzehnte zurückreichenden Entwicklung der inneriüdisch-oolitischen Verhältnisse in Oesterreich ausschließlich und allein als politische Organisation der Nichtzionisten Oesterreichs in Frage kommt. Das Zionistische Landeskomitee hat sich sowohl vor zwei Jahren als auch im heurigen Jahre an unsere Vereinigung wegen Entsendung von Vertretern in den Council der Jewisb Agency gewendet, damit also die Richtigkeit Sämtliche Parfumerie-, Rasler- und Haushaltungsartikel durch Max Feidsberg I., Sterngasse 3 Telephon U 21-2-77 Billigste Preise — Bestellungen telephonisch. — Zustellung ins Haus Lediglich die Zionisten haben in einer Sache, die ihnen doch heilig sein sollte, ein für sie beschämendes Manöver aufgeführt; sie haben nichts daran gefunden, eine Körperschaft, die sie selbst ins Leben riefen und die sie als „neutral" ausgaben, zu einer rein politischen zu degradieren. Und das wird man sich bei den künftigen Aktionen des Keren Hajessod-Komitees gut merken müssen. Mehr Wissenschaft Obertierarzt Dr. Max Junack, Leiterdes BerlinerSchlachtho f-L aboratoriums und evangelischer Gemeindeverordneter, gibt in einer Zuschrift an die „Vossische Zeitung" auf Grund seiner v i e 1 j ä h r igen Erfahrungen auf dem Berliner Schlachthof, wo jährlich Tausende erwachsener Rinder geschächtet werden, nochmals die Parole aus: „Mehr Wissenschaft in der Schächtfrage". Er weist auf das SchächtverbotinBraunschweig hin, das er für unberechtigt und inhuman hält, und erinnert an die Erklärung der bedeutendsten Physiologen der Welt, darunter des Nobelpreisträgers Krogh (Kopenhagen), daß die Schächtung „jede berechtigte Forderung der Humanität erfüll t". Nach dem vorschriftsmäßig ausgeführten Schächtschnitt tritt sofortige Bewußtlosigkeit, also Betäubung, ein. Ein propagandistisch aufgeführter Film gegen das Schächten,*) der bei stehenden und nicht vorschriftsmäßig *) Dieser Film wurde auch bei dem Wiener Tierschutzkon«reß vorgeführt. D. Red. 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