Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 27 (3.7.1931)
- Date
- 1931-07-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Obwohl sämtliche Angeklagten die Teilnahme an den Ausschreitungen in Abrede stellten, wurden drei von ihnen zu Gefängnisstrafen von drei bis sieben Tagen verurteilt. Die übrigen wurden freigesprochen. In 14 Tagen findet abermals ein Prozeß gegen eine Gruppe von Teilnehmern an den Exzessen in Radom statt Beschlagnahme der Großen Synagoge in Irkutsk. Die vor 50 Jahren erbaute große Synagoge von Irkutsk wurde vom Stadtsowjet beschlagnahmt und in einen Geselligkeitsklub für die Arbeiter der ersten Sowjet-Konfektfabrik umgewandelt. Dagegen wurde die vor zwei Jahren beschlagnahmte Handwerker- Synagoge ihrem ursprünglichen Zweck zurückgegeben. Diese Maßnahme wird mit der Abnahme der jüdischen Bevölkerung von Irkutsk und der dadurch bedingten geringeren Inanspruchnahme der Synagoge begründet. „Rnhmestat" französischer Hakenkreuzler. Den deutschen Hitlerbuben wollen auch die französischen Rowdies nicht nachstehen. Vor einigen Tagen haben unbekannte Täter auf dem historischen Judenfriedhof zu Rosenwiller im Elsaß zwanzig Grabsteine umgeworfen und zum Teil zertrümmert. Darunter befindet sich auch der Grabstein des berühmten Rabbiner Jochanan Levy aus Obernai und seiner Frau. Es ist dies der erste Fall einer Schändung eines jüdischen Friedhofes in Frankreich. (Diese deutsch-französische Verbrüderung im Zeichen des Hakenkreuzes wird sicher nicht der Welt die Befreiung von allen Uebeln bringen). Ungeheuerliche Hetze des „Völkischen Beobachters" gegen Amerika and die amerikanischen Juden. Ungeachtet des Eingreifens des Präsidenten der Vereinigten Staaten Herbert Hoover und der amen% tonischen Wlrtecfaaftskreäse, natüriSch auch der jüdischen, zugunsten einer Stundung der deutschen Reparationszahlungen veröffentlicht der von Adolf Hitler herausgegebene „Völkische Beobachter" hemmungslose hetzerische Angriffe gegen Amerika und insbesondere die amerikanischen Juden. Das Blatt läßt sich aus Chikago meiden: „Firn-. Radio-. Rundftokprogramine — drahtloser Nachrichtendienst — sowjetrussische Propagandastationen, Großbanken, Tributbank in Basel, alles dieselben Personen! Die beherrschenden „amerikanischen" Elektrizitätsfirmen sind die General Electric Co. und die Westinghouse Electric Co. Die G. E. C. wird von J. P. Morgan und die W. E. C. von dem jüdischen Bankhaus Kuhn, Loeb and Co. kontrolliert Beide zusammen besitzen die Radio Corporation of America (R. C. A.). Deren Direktor ist der russische Jude David Sarnoff, der, nie Soldat gewesen, es zum amerikanischen Oberst gebracht hat Sarnoff ist aber nichts anderes als der „junge Mann" Owen Youngs, des „Erfinders" des Youngplanes, der Deutschland zum Aushungern bringt Owen Young wieder ist gemeinsam mit J. P. Morgan (kontrolliert" die G. E. C.) der Hauptmacher der Bank für Internationale Zahlungen (Tributbank). Die Radio- Corporation of America (R. C. A), also Sarnoff-Young- Kuhn Loeb & Co. J. P. Morgan, wiederum ist mit einigen Millionen Dollar an den sowjetrussischen Rundfunkanlagen beteiligt die Europa mit jüdisch-bolschewistischer Propaganda versorgen! . . . Die Tributbank beherrscht — durch ihre enge Liierung mit den Zentralnotenbanken (Bank von Frankreich, Reichsbank, Bank of England, Federal Reserve Bank in Amerika, die wieder mit J. P. Morgan und der sogenannten deutschiüdischen Gruppe der Kuhn, Loeb & Co., Warburg usw. zusammenhängt) tatsächlich den Geldmarkt der Welt Sie kann Länder „trocken" setzen, wie jetzt Deutschland, England usw., oder im Goldüberfluß ersticken, wie Amerika und Frankreich. Von Basel aus wurde die neue spanische (Juden) republik durch Goldüberweisungen „stabilisiert". Schwere antijüdische Ausschreitungen in einem polnischen Kurort. Die Kette der antijüdischen Exzesse in Polen, die in Zloczow begann und in Radom sich fortsetzte, hat noch kein Ende gefunden. Am letzten Sonntag Abend war der Kurort Michalin der Schauplatz schwerster antisemitischer Ausschreitungen. Gegen 11 Uhr abends postierte sich vor der Villa des Herrn Liwszyz in der Ruszano-Gasse eine größere Gruppe Huligans, die alle vom abendlichen Spaziergang in ihre Wohnungen zurückkehrenden jüdischen Kurgäste überfielen und mit Messern, Knüppeln und Eisenknütteln bearbeiteten. Es entstand eine ungeheure Panik. Sehr viele jüdische Kurgäste wurden verletzt unter ihnen einige sehr schwer. Polizei war weit und breit nicht zu sehen. Von dem wenige Minuten entfernt liegenden Bahnhof war niemand den Ueberfallenen zu Hilfe gekommen. König Carol verleiht dem Antisemiten Cuza eine hohe Auszeichnung. Großes Aufsehen erregte die Mitteilung des Ministerpräsidenten Jorga am Schlüsse der Kammersitzung vom 21. v. M. daß König Carol dem Führer der antfcemSöschen Partei, Professor Cuza, der Alterspräsident der neuen Kammer war, wegen der Art, wie er die Debatte in der Kammer geführt hatte, jJen Großkordon des rumänischen Kronenordens verliehen hat Die hohe Auszeichnung Cuzas hat in poetischen Kreisen sehr ungünstige Kommentare hervorgerufen. Uebertalle auf jüdische Passanten auch in Warschau. Am letzten Sonntag fanden in Warschau kommunistische Kundgebungen statt wobei es zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei gekommen ist Hierbei machte die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch. Dabei wurde das neunzehnjährige Mitglied der Linken Poale Zion, Abraham Steinlaui, der mit der Demonstration nicht direkt zu tun gehabt hat durch Kopfschuß getötet Eine Gruppe Zivilpersonen ergriff die Gelegenfreit des Tumults, um mit Stöcken und anderen Schlagwaffen jüdische Passanten zu überfallen. Dabei erhielten zehn Juden erhebliche Verletzungen. Die Hakenkreuz-Internationale marschiert. Den nationalsoziaHistischen Exzessen in Wien folgten Ausschreitungen gegen die Juden an den Universitäten in Berlin, München und Hamburg. thumifi der. Worte. Der Vizepräsident der Kultusgemeinde und Präsident der „Union österreichischer Juden" Dr. Jakob Onistein hat vor einigen Tagen zur Absolvierung seines Urlaubes Wien verlassen. Oberkantor Ludwig Mandel nach Wien berufen. Der Oberkantor der Novisader Kultusgemeinde (Jugoslawien) Ludwig Mandel, der vor einigen Wochen amFünfhauserGemeindetempel und hierauf vor Fachexperten im Tempel in der Seitenstettengasse Probevorträge absolvierte, die allgemeinen Beifall fanden, wurde über einhelligen Vorschlag des Bethausvorstandes des XV. Bezirkes am 23. Juni 1. J. vom Vorstande der Kultusgemeinde Wien als Nachfolger des verewigten 1. Kantors Jakob Schleifer, zum 1. Kantor am Fünfhauser Gemeindetempel bestellt. Gablonz a. d. N. Der in Wien bestbekannte Oberkantor Ignatz Trag er wurde nach einem während der Schewuoth-Feiertage abgehaltenen erfolgreichen Probevortrage von der Israelitischen Kultusgemeinde Gablonz a. d. N. einhellig zum Oberkantor gewählt und wird diese Stelle am 1. August 1. J. antreten. Religiöse Erkenntnis. Ueber dieses interessante Thema wird der bekannte Schriftsteller Otto Lang Mittwoch, den 8. d. M., um ^8 Uhr abends im Klubsaal des Promenaden-Cafe, IX, Ro3auerlände27 (nächst der Stadtbahn- Haltestelle Roßauerlände) einen frei zugänglichen Vortrag halten. Otto Lang, der sich seit Jahrzehnten wissenschaftlich mit diesem Problem befaßt, insbesondere auch den Anteil der jüdischen Denkweise an den erzielten Forschungsergebnissen dartut, wird in seinem aktuellen Vortrag; den Nachweis zu erbringen suchen, daß nur auf dein Boden der religiösen Erkenntnis ein Ausweg aus dem Wirrsal der Gegenwart gefunden werden könne. Bad Hall. Die alljährlich immer wiederkehrenden Gerüchte, wonach sich der in Bad Hall tätige Kurarzt Dr. Kaiser habe taufen lassen, sind', vollkommen unwahr und sind lediglich Ausdrücke einer böswilligen Gesinnung. Die Generalversammlung des Verbandes von Wohlfahrtsvereinen „Weibliche Fürsorge" fand Donnerstag,. 346 Uhr, im großen Sitzungssaale der Israelitischen Kultusgemeinde statt, der sich trotz der vorgerückten Jahieszeit für die zahlreich Erschienenen zu klein erwies. Die Vorsitzende Regine Ulmann begrüßte die- Anwesenden und gedachte der Verstorbenen, namentlich der Ehrenpräsidentin Charlotte Koenigswarter, des Ehrenmitgliedes Jenny Schur, der Frau Professor Regine Pick, der engeren Mitarbeiterinnen Erna P i o v a 11 i, Bertha D o n r e i c h und Else Spitzer,, der Präsidenten und Präsidentinnen der angeschlossenen- Vereine, Bernhard Hofbauer, Direktor Benno. K a h a n e, Notar Dr. Julius B e r m a n n, Amalie. Beck» Bertha Hopfinger, Ida Hermann, Emilie Weiß' und Laura Krenberger, sowie der Gönner Bernhard G o 1 d s t e i n, Bergrat Max v. G u t m a n n, Baron Hermann Königswarte r, Baron Sigismund' Springer und Obberrabbiner Dr. C h a j e s, der Frauen Ella Sauerbrunn und Marie Te 1 eky, zu deren Ehren die Versammlung sich von den Sitzen erhob. Hierauf feierten der Präsident der Kultusgemeinde- Pro'essor Dr. Alois Pick und Kultusvorsteber Börserat Glück (im Namen der FürsongezentraJe) die Verdienste von Regine Ulraar.n um die Zusammenfassung dt;r Wiener Frauenvereine. Frau Hundcsfürsorgerat Id-a Berliner erstattete den Tätigkeitsbericht über die Arbeit der „Weiblichen Fürsorge", die sich infolgeder schwierigen Krfsenverhältnisse immer mühsamer gestallt. Sie wurde nur ermöglicht durch Schaffung von Fonds, u. zw. des Charlotte Königswarte r-, Jenny- Schur-, Sofie Grünf eld-May-, Ehepaar Dr. Grunwald.-Fonds und des Bertha Donreich-Fonds_ Anläßlich des 80. Geburtstages der verehrten und geliebten Vorsitzenden wurde der Regme Ulmann- Fonds gebildet; durch den Hermine Kadisch- Fonds wurden unter tätiger Mitarbeit der Frau Bundesfürsorgerat Selma Klar 106 tuberkulös gefährdete Kinder nach Rimini entsendet. Der Bericht erwähnt noch die seither aufgelassene Studentenhilfe, durch welche zahlreiche Studenten, die durch den Numerus clausus aus den Nachfolgestaaten vertrieben ware^ versorgt wurden, und der Kohlenaktion, durch die über Initiative von Sofie Gr Ante ]d während der KäMekatastrophe im Februar 1928 tonerhalb 3 Taigen 3060 SchHing verteilt wurden. Hierauf erstattete Helene Kuranda den sehr interessanten Kassebericht, der von den Revisoren, Buchsachverständigen Hermann Berliner und Kommerzialrat Hugo Kadisch genehmigt wurde. Ueber Vorschlag Seiner Ehrwürden Herrn Dr. M. Rosen mann, der in zündenden Worten die Tätigkeit der „Weiblichen Fürsorge" feierte, die die Gärten der Wohltätigkeit aus dem. Nichts schaffe, da sie weder Subventionen, noch nennens-