Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 27 (3.7.1931)
- Date
- 1931-07-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seile 5 Städtische Vmichuiiiinsaitstalf Direktion: Wien I-, Tuchlauben Nr. S Telephon U 27-5^-40 Alle Versicheruitqszweiae rranzcnslNid § Schödling am Attersee. Alle Wirte, mit Ausnahme des Gasthofes „Blaue Traube". Spital am Phyrn. Im Gasthaus „Zur Post", Eigentümer Grundner, in der Einfahrt Inschrift: „Juden nicht erwünscht". Traunkirchen. Hotel „Am Stein". St. Veit. Mühlviertel. Nur für Arier. Vorderstoder. Steinerwirt. Wallern bei Schallerbacb. Gasthöie Eberstaller und Renner. Wartberg a. d. Krems. Weyr a. d. Enns. Der Verschönerungsverein schreibt, daß „Juden nicht erwünscht" seien. Weyregg am Attersee, Lehrerheim. Nur für Arier. Salzburg. Abtenau-Bad. Bad-Gastein. Haus Reichl, Hotel Schillerhof, Hotel Krone, alles „Arische Kurhäuser". Neumarkt am Wallersee. Niedernsiii bei Zell am See. Gasthof Hutter. Seeham bei Mattsee. Seekirchen am Wallersee. Tamsweg im Lungau. Wald im Oberplnzgau. Zell am See. W'la Olga, Villa Schmitteintal, Gasthof Traube. Steiermark. AH-Aussee. Edlauer, „Neue Post". Murau. PöUau. „Arische Sommerfrische ersten Ranges". Puch. Zentralverband. Pürgg. (Am Eingang des steirischen Salzkammergutes.) Schladming, Obersteiermark, versieht seine Prospekte mit dem Vermerk: „Juden nicht erwünscht". Trofalach. Die Kurverwaltung annonciert: „Angenehmer Aufenthalt für christliche Familien". Waldbacb a. d. Lafnitz. Pension Langenecker. Kärnten. Afritz am Afritzersee. „Arische Sommerfrische". Agathendorf, Post Hirt. Kolbnitz. Kötschach im Gailtal. Stempel „Nichtarier unerwünscht" auf einem Briefe eines dortigen Gasthofbesitzers. Krumpendorf am Wörthersee. Villa Streicher. St Margarethen, Rosental. St. Martin bei Klagenfurt. Gasthof Seebacher. Möllbrücken. Rosenbach, Gasthof Matschnigg. Seebad Döbriach am Miilstättersee. Gasthof und Pension Ebner und Pension Brunner. Velden am Wörthersee. Gasthof und Pension Bürger. Weißensee. Juden sind am Weißensee in sämtlichen Sommerfrischen ungebetene Gäste, da gemäß einem Beschlüsse der dortigen Fremdenverkehrsverbände die Sommerfrischen „judenrein" zu sein wünschen. Winkiern, Mölltal. Hängeplakat „Juden müssen in Eilzugstempo durchreisen". Tirol. Finkenberg bei Mayerhofen. Krölls, Privatpension. Fügen. Gries im Selirainral. Gasthof „Zur Post". Hall. „Goldener Engel." Hopfgarten. St. Jacob am Pillersee. Gasthof Post. Jerzens. Gasthaus „Zum Lamm". Si Johann. Caie Rainer. Judenstein ob. Hall. Pension Wälsung. Kossen. Gasthof Brennerwirt. Kufstein. „Andreas Hofer." Mieders, Stubaital. Hakenkreuz am Gasthaus „Alte Post". Dorf Oberlängenfeld im Oetztal: Der Gasthof „Zum Hirschen" und dessen Dependence „A n t o nshaus" (Bes. Geschw. Skrein) nehmen jüdische Gäste nicht auf. Die Inhaber des Gasthofes „Z u m Hirschen" sind auch Besitzer von K u r b a d und Pension Lengenfeld". Seefeld. Hotel „Zur Post", Inh. Fritz Werther. Volderwildbad bei Hall nimmt laut Prospekt „nur arische Gäste auf". Walcbsee bei Kufstein. Gasthof Kramerwirt lehnt die Aufnahme jüdischer Gäste ab. Vorarlberg. Gaschurn i. Montafon. Hotel „Rößle-Post". Der Besitzer Keßler ziert seine Schreiben mit einem Hakenkreuz. Derlangi in Cafes usw. „Die WalirliBir! Grand-Restauration „Fürstenhof4* streng orthodoxe Küche iB3 SIMON RAAB Bis 30. September geöffnet! j VonWtMfke zu Worte Die Propaganda iür einen jüdischen Weltkongreß. Konferenz jüdischer Journalisten in Paris. Am 17. Juni fand in Paris eine Konferenz von Vertretern verschiedener jüdischer Zeitungen in Frankreich und der Korrespondenten ausländischer jüdischer Zeitungen statt, in der die Möglichkeit der Einberufung einer internationalen Journalistenkonferenz zur Propagierung des Gedankens eines jüdischen Weltkongresses erörtert wurde. Sämtliche Redner wiesen auf die Notwendigkeit hin, dem in fast allen Ländern festzustellenden Vorstoß des Antisemitismus auf Grund eines wohl durchdachten Planes zum Schutze jüdischen Lebens und Eigentums und der Rechte der Juden entgegenzutreten. Die wirtschaftliche Lage der jüdischen Bevölkerung in Osteuropa erfordere eine einheitliche Aktion zur Bekämpfung ihrer katastrophalen Folgen. Auch mit der Palästinafrage werde sich der Kongreß zu befassen haben. Es wurde einstimmig eine Resolution gefaßt, in der die von einer Gruppe jüdischer Journalisten in Deutschland zur Einberufung einer internationalen jüdischen Journalistenkonferenz ergriffene Initiative begrüßt wird. Konstituierung eines Rates der Sephardim Spaniens. Unter dem Vorsitz des Präsidenten der Jüdischen Gemeinde Madrid, Ignacio Bauer, hielt am 24. Juni der neugebildete Rat der Verbände spanischer Sephardim seine erste Sitzung ab. Es wurde beschlossen, eine Kommission zur Erforschung der nationalen Archive und zum Studium rabbinischer Angelegenheiten einzusetzen, ferner jüdische Gelehrte aus dem Ausland einzuladeji, die sich dem Studium der Judenfrage und der jüdischen Geschichte in Spanien widmen sollen. An die Weltjudenheit soll der Appell gerichtet werden, Mittel für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. Das Mitglied des Rates Ortega wurde ermächtigt, sich an die Regierung mit der Bitte um Wiedereröffnung der berühmten im Jahre 1357' von Abulafia erbauten Synagoge El Transite in Toledo zu wenden. Grundsteinlegung zur ersten jüdischen Siedlung Groß Gaglow. Am Sonntag, den 21. Junf. fand auf dem von der jüdischen Landarbeits-G. m. b. H. im vorigen Jahre mit Hilfe eines Darlehens der jüdischen Gemeinde Berlin erworbenen Gut Groß Gaglow bei Cottbus die feierliche Grundsteinlegung zum ersten Siedlerhaus der jüdischen gärtnerischen und landwirtschaftlichen Kolonie statt, deren Errichtung auf dem Gelände des Gutes geplant ist. Die Besiedlung von Groß Gaglow stellt die erste Etappe in der Durchführung des vom Reichsbund für jüdische Siedlung in Deutschland propagierten Programms der Seßhaftmachung deutscher Juden auf deutschem Boden mit staatlicher Siedlungshilfe und damit einen Versuch dar, dem von führenden Kreisen der deutschen Judenheit aller Richtungen besondere Bedeutung im Hinblick auf die künftige Gestaltung des Schicksals des deutschen Judentums beigemessen wird. Allgemeine Sterblichkeit und Kindersterblichkeit unter den Juden Palästinas. Wie aus einem vom Sekretariat für Gesundheitswesen des Waad Leumi soeben veröffentlichten Mitteilungsblatt hervorgeht, ist die Sterblichkeit der Juden in Palästina mit 9,6 pro Mille die niedrigste der ganzen Welt. Die Kindersterblichkeit unter den palästinensischen Juden ist in den letzten fünf Jahren um 50 Prozent gesunken und ist jetzt mit 69 pro Mille niedriger als die Kindersterblichkeit in Deutschland oder England. Die Kindersterblichkeit unter der jüdischen Bevölkerung im Emek beträgt bloß 30 pro Mille und stellt damit die niedrigste Kindersterblichkeit in der Welt dar. Nlffitnurln Wien, auch im Haushalte der Pester Israelitischen Kultusgemeinde haben die unbedeckten Mehrausgaben bereits die Höhe von 300.000 Pengö erreicht Im abgelaufenen Wirtschaftsjahre stehen den Einnahmen in der Höhe von 2,2 Millionen Pengö Ausgaben von 2,4 Millionen Pengö gegenüber. Auf eine Erhöhung der Einnahmen ist hei den gegenwärtigen schweren Wirtschaftsverhältnissen nicht zu rechnen. In 5000 Fällen mußte die Kultussteuer, obwohl ihre Einhebung ebenso vollstreckbar ist wie die der staatlichen Steuern, als uneinbringlich abgeschrieben werden und auch andere sonst ergiebige Einnahmequellen der Kultusgemeinde sind versiegt. Der Präsident der Kultusgemeinde, Hofrat Samuel Stern, hat nun durch energische Sparmaßnahmen das Gleichgewicht im Haushalt der Kultusgemeinde wieder hergestellt. Zu diesem Zweck hat er die Koscherfleisch-Versorgung mit der Kaschrusverwaltung der Budapester autonomen orthodoxen Kultusgemeinde in gemeinsamer Regie vereinigt, so daß die bisherigen Kosten von jährlich 189.000, bzw. 150.000 Pengö, zusammen also 340.000 Pengö, auf die Hälfte reduziert werden und sich in dieser Position eine Ersparnis vom mehr als 100.000 Pengö erhoffen läßt. Es wurde auch beschlossen, aus Ersparungsrücksichten einen stufenweisen Abbau der Knaben- und Mädchenbürgerschulen der Gemeinde durchzuführen. Dr. Weizmann mußte sich dieser Tage einer neuerlichen Halsoperation unterziehen. Der gesundheitliche Zustand des Präsidenten der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency bessert sich zusehends nach dieser glücklich verlaufenen Operation. Die zionistischen Kreise zweifeln, ob Dr. Weizmann, der sich immerhin Schonung auferlegen muß, in der Lage sein wird, sein vorgesehenes politisches Referat auf dem Kongreß zu halten. Sollte ihm sein Gesundheitszustand dies nicht erlauben, so wird sein Referat von Prof. Brodetsky verlesen werden. Die Sepharden Jugoslawiens und die neue Ordnung in Spanien. Auf die von republikanischen Kreisen Spaniens ausgehende Propaganda für Rückkehr und Naturalisation sephardischer (spaniolischer) Juden nach Spanien haben die Sepharden Jugoslawiens negativ reagiert. In der Belgrader Zeitung „Vreme" präzisiert Leo A. Amar den Standpunkt der Sepharden Jugoslawiens wie folgt: Die jugoslawischen Juden fühlen sich in Jugoslawien sehr wohl; das Volk dieses Landes hat — wie kein zweites in der Welt — den Ausspruch: ..Lieb ist uns jeder Bruder, wes Glaubens er auch sei" wahr gemacht. Die jugoslawischen Juden wurden nie verfolgt und sie denken nicht daran, das Land zu verlassen, für das sie ihr Blut vergossen haben. An Spanien bindet sie nichts mehr. Die Hoover-Aktion und Warburg. Die deutsche Presse hebt die Verdienste der amerikanischen Wirtschaftsführer um die Aktion des Präsidenten Hoover zur Entlastung Deutschlands bei der Zahlung der Reparationssummen hervor und teilt mit, daß die führenden Männer von Wallstreet, u. a. auch das Haus Warburg, in den letzten Tagen einen starken Druck auf Hoover ausübten und nun seiner Aktion ihre herzliche Zustimmung geben. Die materiellen Leistungen der amerikanischen Juden für Palästina. Ueber 7 Millionen Dollar seit 1929. New York. Der Landesvorsitzende der von der Jewish Agency gegenwärtig in Amerika durchgeführten Palästina-Kampagne, Morris Rothenberg, hat am 25. Juni ein zur Vorlage an den Zionistenkongreß und an den Council der Jewish Agency bestimmtes Memorandum veröffentlicht, aus dem hervorgeht, daß die amerikanischen Juden in der Zeit seit August 1929 einen Betrag von 7,331.253 Dollar für öffentliche und halböffentliche Institutionen sowie in Form von Investitionen für Arbeiten rekonstruktiver Hilfe und wirtschaftlicher Entwicklung in Palästina zur Verfügung gestellt haben. In dieser Summe sind 500.000 Dollar, die der Jewish Agency für ihr Budget im Wege einer Anleihe der Deutschen Bank in Berlin auf Grund persönlicher Garantien von Felix Warburg und Oskar Wassermann zur Verfügung gestellt wurden, sowie ein Darlehen von 100.000 Dollar, das Felix Warburg dem Keren Hajessod in Jerusalem gewährt hat, nicht inbegriffen. Das größte Krebsforschungsinstitut der Welt wird am Budapester jüdischen Spital mit Unterstützung der amerikanischen Rockefeller-Stiftung, des englischen Hauses Rothschild und des bekannten amerikanischen Bankiers Otto H. Kahn mit einem Aufwände von mehreren Millionen Pengö errichtet werden. Echte|Penert^ durchwegs günstige Gelegenheitskäufe, werden mit ganz kleinem Nutzen im WIEDNER MÖBELHEIM Inh. JULIUS GÖTZL Handig. beeld. Sachv. u. Schatzmeister IV.,SCHUWMOmOASSS1« TELEPHON B 24-1.03 billigst abgegeben; daselbst sind auch elegante Schlaf- und Speisezimmer, Herrenzimmer, teils neu. teils gebraucht, zu verkaufen.