Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 27 (3.7.1931)
- Date
- 1931-07-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT utm 7 Dr. HANS KAISER Kurarzt in Bad Hall ordiniert Hauptplatz 9 werte Spenden oder Beiträge habe, sondern sich nur auf die unermüdliche Arbeit ihrer Mitarbeiterinnen verlassen könne, wurden der abtretende Vorstand sowie die 2 Revisoren per Akklamation wiedergewählt: Regine Ulmano, Vorsitzende; Sophie Grünfeld, Herrnfne Kadisch, Margarete Grunwald, Vorsitzendestellvertreterinnen; Ida Beriälner. Helene Stein, Rose Schur, Schriftführerinnen; Helene Kuranda, Malvine Schütz, Kassierinnen. Unter großem Beifall wurden hierauf die geschMtsfütaende Vizepräsidentin Hermine Kad'isch, Frau Helene Kuranda und Fräulein Röschen Schur wegen ihrer großen Verdienste um den Verband zu Ehrenmitgliedern «Jer „Weiblichen Fürsorge" erwählt Unter den Anwesenden bemerkte man fast sämtliche im Wiener Wohlfahrtsleben tätigen Frauen und die Herren Obmann Kommerzfelrat Kiemperer. Dr. Sigmund Stiaßny von den Bnfei Birth, Medizinal rat Dr. Braun. Gustav Planer und die Spitzen der Aemter der Kultusgemeinde. Einberufung des Zentralrates der Agudas Jisroel- Weltorganisation. Der Präsident des Zentralrates der Agudas Jisroel-Weltorganisation, Seimdeputierter Oberrabbiner Lewin in Rzeszow, hat den Zentralrat der Agudas Jisroel für Dienstag, den 5. Elul (18. August), nach Königswart bei Marienbad einberufen. Am Tage vorher findet am gleichen Orte eine Plenarsitzung des Geschäftsausschusses der Agudas Jisroel unter Teilnahme von Vertretern des Rabbinischen Rates statt Es ist zu erwarten, daß, nachdem aus Ersparaisrücksichten seit der Kenessio Gedaulo eine Vollsitzung des Zentralrates nicht stattfand, es diesmal zu recht lebhaften Auseinandersetzungen über die organisatorischen und politischen Probleme der Aguda-Bewegung kommen wird. Insbesondere erfordern die politischen und wirtschaftlichen Erez-Jisroel-Fragen, in denen es an gegensätzlichen Auffassungen innerhalb der Aguda-Führung nicht fehlt, in vielen Punkten einer baldigen grundsätzlichen Klärung. Die bevorstehenden Aktionen gegen die geplante Kalenderreform. Wie bekannt, hat das jüdische Komitee betreffend die Kalenderreform auf seiner Frankfurter Sitzung vom 12. Mai beschlossen, daß ein einmütiger Protest der gesamten Judenheit gegen eine die Stabilität des Sabbath gefährdende Kalenderreform erhoben werde. Da sich der Weg der Einzelunterschriftensaimriilung als undurchführbar erwiesen hat, hat sich das Komitee dafür entscMeden, daß der Protest durch die Gemeinden als die offiziellen Vertrter der Judenheit erklärt werde und daß in jedm Lande jede Jüdische Gemeinde aufgefordert werden müsse, eine formelle Protestresolution gegen jede Kaienderänderung zu beschließen', welche die Kontinuität der Wochentagszählung durchbricht Talmud-Thora-Prüfung, Wien XXL Freitag, deD 21. Juni 1. J., fanden die Prüfungen der Lese- und Bibelschulkinder unter Leitung des Herrn Rabbiners Doktor Rosenmann, Inspektors für den israel. Religionsunterricht statt. Anwesend! waren die Herren: Obmann des Bethausvorstandes Gabriel Dukes, Obmann der Talmud-Thora Dr. Max Tic ho, Med.-Rat Dr. Sam. Russ, Dr. Rhoden samt Frau, Dr. S. Gälft, Simon Czaczka, Naft. BrauneisL Sigmund' Mass und viele Eltern der Kinder. Die Schüler, vorbereitet von den Lehrern Eibenschütz und Heller, beantworteten sämtliche Fragen in exakter Weise und es war erhebend anzuhören, wie manche dieser Kinder aus der Tefüah auswendig vortrugen. Herr Rabbiner Doktor. Rosenmann hielt an die Eltern und Kinder eine eindrucksvolle Ansprache, wobei er den Lehrern für ihre emsigen Leistungen den Dank zollte. Ihm schlössen sich in gleicher Weise der Obmann der Talmud-Thora Doktor Max Ticho und Obmann des Bethausvorstandes Gabriel Dukes an. Eine Anzahl wertvoller Prämien wurde den Kindern überreicht Ehrung eines Kultusbeamten. Der festlich geschmückte Josefstädter Tempel in der Neudeggergasse war am letzten Sabbat, den 27. Juni, der Schauplatz einer solennen Feier, an welcher der gesamte hier weilende Vorstand mit Herrn Präses Anton Stein an der Spitze, und zahlreiche Tempelbesucher teilnahmen. Der erste Tempeldiener. Herr Moritz Pascihkus, beging seinen 70. Geburtstag und war der Gegenstand mannigfacher Ehrungen, die von der Beliebtheit dieses fleißigen, pflichterfüllten Beamten Zeugnis ablegten. Nachdem Herr Oberkantor Landau einen dem Anlaß entsprechenden MTscheberach feierlich vorgetragen, richtete der Rabbiner Dr. Bauer im Namen des Vorstandes herzliche Begrüßungsworte an den Jubilar, in denen er das Wirken dieses „treuen Dieners" in allen Tempel- und Ver- «dnsobliegenheiten rühmend und ehrend schilderte, und Iffelcfte Familie wäre geneigt, unseren 16jährigen Sohn während der Ferienzeit nach Wien zu nehmen, wogegen der Sohn oder die Tochter dieser Familie zu uns kommen könnte. Gegenseitig geben wir den Pfleglingen Wohnung und Kost. Gefl. Anträge erbittet unter der Chiffre „Koscher", Weiczen Bela, Könnend in Ungarn. überbrachte ihm die GKtek- und Segenswünsche der ganzen Gemeinde, worauf der Jubilar mit bewegten Worten dankte. Herr Präses Stein übergab dem jugendlichen Siebziger ein Ehrengeschenk — gcfldene Uhr samt Kette — des Vorstandes, Sowohl die Tempelfeiier wie auch die Gratuation nach dem Gottesdienste, welche Kinder und Kindeskinder dem Vater und Großvater darbrachten, machte auf alle Teilnehmer dien erhebendsten Eindruck. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, seinem ausgesprochenen Herzenswunsche gemäß, noch viele ungezählte Jaihre in unvenrrintferter Kraft seines Amtes zu walten zu einer eigenen Herzensbefriedigung und zur Freude aller Tetopefbesucber. die er sich zu Freunden und Gönnern gemacht hat! Garn bornch jih'je! o. r. Linz. Am 25. Juli 1931 feierte Herr S. Piskaty, langjähriger und verdienstvoller Sekretär der jüdischen Kultusgemeinde Linz, sein 70. Wiegenfest Derselbe wurde am 25. Juli 1861 in Butschowitz. Mähren, geboren, besuchte nach Vollendung der Volksschule die Unterklassen des Realgymnasiums in Brünn und absolvierte dann vier Jahrgänge der. deutschen Lehrerbadungsanstalt in Brünn. Seine erste Stellung als deutscher Lehrer erhielt Herr Piskaty in Mährisch-Budwitz, woselbst er auch das Amt eines Vorbeters ausübte. Von dort begab sich derselbe nach Wien, um sich im Kantorfache auszubilden, bekam vom Oberkantor des Sritenstetten-Tempelä, Josef Sänger. Unterricht in Stimmenbildung und vom Kantor Schiller in Chasones. Auch legte er eine Prüfung als Religionslehrer beim Landesrabbiner von Brünn Dr. Bernhard P1 a c z e k ab. Im Jahre 1887 wurde Herr Piskaty als Religionslehrer und Rabbinatsverweser nach Mährisch-Kromau berufen, hernach als Oberkantor der Kutüusgemeinde WSschau und kam im Jahre 1895 als Oberkantor zur frommen, altehrwürdigen jüdischen Kultusgemeinde Goltsch Jenäkau in Böhmen. Nach vierjährigem ersprießlichen Wirken in letzter Gemeinde erwählte ihn im Jahre 1898 die jüdische Kultusgemeinde Linz zu ihrem Sekretär und Religionslehrer. Während seiner 33jährigen Linzer Tätigkeit erwarb sich H. Piskaty durch seinen 'besonderen Fleiß, seine gewissenhafte Pflichttreue und durch seinen festen Charakter vielseitig Sympathien. Es ist wahrhaftig ein Geschenk des Ewigen, wenn H. Piskaty heute ebenso wie bei seinem Amtsantritte vor der Thora seine Stimme erhebt um Gott, den Allmächtigen, zu preisen und die andächtigen Zuhörer zu frommem Gebete mitreißt Möge es ihm gegönnt sein, noch vüefe Jahrei sedner nicht immer leichtert, aber dafür um so erhabeneren Berufe zur Freude seiner Familie und der Kultusgemeinde Linz ausüben zu können. m. TodesfalL Am 26. Juni l. J. verschied nach langem schweren Leiden Frau Ernestine Fleischer. Gattin unseres Vereinsmitgliedes Herrn Prokurist Karl Fleischer im Alter von 49 Jahren nach einer 24jährigen, überaus glücklichen Ehe. Die edle, gute Frau wurde Sonntag, den 28. Juni 1931, zu Grabe getragen. Unser Zentralvorstandsmrtgfied Herr Fürsorgerat Rudolf HJawatsch Welt der leider allzufrüh Dahingeschiedenen einen vom Herzen kommenden und zu Herzen gehenden tief errrpfundenen Nachruf. Jüdisdke thtentafel Eine epochale Entdeckung ist dem Direktor des Childs-Spitals und Forschungsinstitutes in Wien, Primarius Dr. Edelmann, neuestens geglückt Gelegentlich seiner Studien über die krankhafte Vermehrung der weißen Blutkörperchen (Leukämie) fielen ihm im normalen Blut eigenartige Gebilde auf, die ein bisher unbekanntes Blutelement darstellen. Mit der Entdeckung dieses vierten Blutelementes, das sich im Blut Gesunder und Kranker vorfindet erfahrt die Blutforschung eine bahnbrechende Bereicherung, die sich auch praktisch in der Medizin auswirken wird. 100. Geburtstags Adolf Neubauers. In diesen Tagen jährte sich zum hundertsten Male der Geburtstag des jüdischem Orientalisten und Bibliograph e n A d o 1 f N e u b a u e r, der in den Jahren 1868 bis 1900 an der Bodleiana in Oxford und seit 1884 auch als Lektor an der dortigen Universität tätig war und zahlreiche bedeutende Arbeiten auf jüdisch-wissenschaftlichem Gebiet veröffentlicht hat. Anläßlich der Hundertjahrfeier seines Geburtstages fanden in Oxford mehrere festliche Veranstaltungen statt. Prof. Karl Herxheimer. Ordinarius für Dermatologie in Frankfurt a. M., vollendete am 26. Juni sein 70. Lebensjahr. Seine Untersuchungen und Veröffentlichungen über Hautkrankheiten sind über Deutschland hinaus bekannt Nach ihm benannt ist die „Herxheimersche Reaktion". Dr. Cäsar Seligmann. In einer Festsitzung hat das Hebrew Union College in Cincinnati (das repräsentative liberale Rabbinerseminar Amerikas) Herrn Rabbiner Dr. Cäsar Seligmann, Frankfurt a. M.. zum Doktor honoris causa ernannt Das Diplom hat folgenden Wortlaut: ,J3ie Fakultät und das Kuratorium des Hebrew Union College ernennen hiermit zum Doctor of Hebrew Law Herrn Rabbiner Dr. Cäsar Seligmann, den gelehrten und hingebungsvollen Rabbiner, geistigen Führer zweier Generationen, Interpret des geschichtlichen Judentums, den unerschrockenen, schöpferischen Vorkämpfer des liberalen Judentums, den maßgebenden Geschichtsschreiber seines Entstehens und seines Wachstums und Wegebahner seiner Wiedergeburt in Deutschland, den eifrigen Mitarbeiter an der Organisation und dem Wirken der World Union for Progressive Judaism und Verständnis- und verantwortungsvollen Mitberater an deren Zielsetzung und Programm." Dr. Franz Weisl gestorben. In Wien verstarb im Alter von 74 Jahren, plötzlich der bekannte österreichische Strafrechtsreformer Dr. Franz Weisl, der Vater GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNMEHL ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■HHHM piimui xvul, wAmmionniiiun tt TttepbMNr. A 17-Mfoa« A IM-S4 I lalwt IB> HmWwImWm AbtellungeirarKoscherfleisch Mter JlafsteM rt«s mhrm. »■»!■■!■■ ter. KaltMgMraM« Sämtliche Fleiscbsorten von ausschliefilich Prfas-Qualität za den billigste» Marktpreiiea m " 1 111 das bekannten Schriftstellers und Revisionistenfahrers Dr. Wolfgang Weisl. Der Verstorbene, Verfasser von 31 wissenschaftlichen Arbeiten über internationales Strafrecht, war seinerzeit Präsident, später Ehrenpräsident der Internationalen Advokatenkammer und war wegen seiner Verdienste um die Wissenschaft und die Organisierung des österreichischen Auswanderungswesens in den Adelsstand erhoben worden. In der letzten Zeit war seine Gesundheit infolge der Aufregungen nach der schweren Verwundung seines Sohnes im Verlauf der Palästina-Unruhen im August 1929 erschüttert Max Liebermann In der Londoner National Gaflery. Die National Gallery in London hat die erste Fassung des Gemäldes „Die Gedächtnisfeier in Kösen" von Max Liebermann aus dem Besitz von Bruno Cassirer erworben. Das Bild ist 1888 gemalt Daß die Londoner National Gallery Besitzerin der ersten Fassung dieses Liebermannschen Gemäldes wurde, bedeutet eine große Ehrung für den Berliner Akademiepräsidenten, der am 20. Juli sein 84. Lebensjahr vollendet Zum ersten Mal im neuen Polen wurde einem Juden an der Lemberger Universität die Dekanwürde verliehen. Der Senat hat Professor Hugo Steinhaus zum Dekan der mathematischen Fakultät gewählt Enthüllung euws Lu2zatt]-Denkmals in Vlcenza. Die Stadt Vicenza, in der der verstorbene große jüdischitalienische Staatsmann Luigi Luzzatti die erste Genossenschaft begründet hatte, errichtete Luzzatti ein Denkmal, das feierlich enthüllt wurde. Die Weihrede tafelt der frühere Finanzminister Alberto de Stefani, ein Schüler Luzzattis. der die großen Verdienste Luzzattis um das italienische Volk hervorhob und ihn In die Reihe der größten Italiener stellte. Wißbegierig. Robert Kronfeld, der mutige Segelflieger, ist in Wien geboren und Jude. JlmtRdje Verfautßarungen der JsraefitiscQen Xuftusgemeinöe Wim Kundmachung. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien hat Seine Ehrwürden Herrn Dr. Albert W e i n e r in seiner Eigenschaft als Rabbiner des Israelitischen Tempel- und Schulvereines im X. Bezirke, Wien X., Humboldtgasse 27, :m Sinne des § 44 des Gemeindestatuts zum Gemeinderabbiner bestellt Nachdem gegen diese Bestellung zufolge Erlasses des Magistrates Wien als politischer Landesbehörde vom 23. Juni 1931, M.-Abt. 49/4393/31 eine Einwendung nicht erhoben wurde, erfolgt hiemit gemäß §§ 36 und 46 des Gemeindestatuts die allgemeine Verlautbarung. Wien, 26. Juni 1931. Der Vorstand der isr. Kultusgemeinde Wien. Kunst und JCiieraiiir Der eben erschienene XLVIII. Bericht über die Tätigkeit der Israelitischen Allianz zu Wien, iür die Jahre 1929 und 1930 enthält in knapper, jedoch erschöpfender Darstellung das Wesentlichste über die Verhältnisse unserer Glaubensgenossen in all den Ländern, wo sie als Juden zu leiden haben; er beginnt daher folgerichtig mit der Verschärfung des Antisemitismus bei uns in Oesterreich und der nationalsozialistischen Bewegung in Deutschland. Er konstatiert die Wandlung der Form der Bedrückung in Rumänien aus der offiziellen in die nicht minder schädliche latente und sriH-stetige. Am schrecklichsten erscheint die seelische und physische Not in Rußland; deprimierend wirkt die Zwangslage, hier untätig zusehen zu müssen, nicht helfen zu können. Sehr instruktiv sind die Daten über Emigration und Wanderfürsorge, sowie das Novum der Förderung der Roickkehr der Marrannen nach Spanien und Portugal. BedauerlicherweJse ist die finanzielle Lage auch dieses Vereines, wie die jedes anderen, ungünstiger geworden, so daß ein beträchtliches Deiizit zur Ein-