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Die Wahrheit · 1931-07-03 · Heft 27 (3.7.1931) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 27 (3.7.1931)
Date
1931-07-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT 1*. t if ' i?!1 i »!:!J! Ü' f u tt •< I, bin ich ein armer Teufel, und wenn in mir die Wut kocht und schäumt, muß etwas geschehen! Also muß mein Pintschchen daran glauben." . . . Ja, Herr Dr. v. Schaukai. Es kann einem der Blaublütigen gar nicht einleuchten, daß auch ein Jude, der mit hundert Verbeugungen in der alten guten Zeit vor ihnen erschienen war, auf den sie zuweilen, wenn es dem adeligen Herrn Spaß bereitete, die wilde Dogge losließen, zur Intelligenz zählen soll und darf. Die Nelke und die Rose haben freilich verschiedenartige Düfte. Der Adelige dünkte sich stets duftend, den Juden aber bezeichnete er aber als . . . Ich bin dessen sicher, daß weder Ihr Artikel, noch hundert andere, die die „Schönere Zukunft" mit und ohne Kommentar bringt, tatsächlich eine schönere Zukunft der leidenden und darbenden Menschheit bringen werden; die Menschheit wird erst dann glücklich werden, wenn sie den häßlichen Rassenhaß wird abschütteln, wenn als adelig jenes Individuum gelten wird, das edel und human lebt, für sich und alle, die guten Willens sind, zu leben und zu sterben bereit ist. Insolange aber der Haß lebt und als lebenswert bezeichnet wird, ist die Nächstenliebe ein Märchen. Die schönere Zukunft ist noch lange nicht in Sicht! Armin W i 1 k o w i t s c h. Das Hakenkreuz in Saloniki, Antijüdische Ausschreitungen in Saloniki. Saloniki. Hier kam es am 23. und 24. Juni zu judenfeindlichen Ausschreitungen schwererer Natur. Griechische Studenten verteilten unter der Bevölkerung Flugzettel, in denen die Christen zurr, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Boykott der Juden aufgefordert wurden. In den Flugzetteln wurde behauptet, daß der Salonikier jüdische Sportklub Makkabi antigriechische Propaganda betriebe. Gleichzeitig überfielen Studenten jüdische Passanten in den Straßen und mißhandelten sie schwer. Unter der jüdischen Bevölkerung Salonikis herrscht wegen dieser Angriffe und falschen Beschuldigungen starkeErregung. Die jüdischen Abgeordneten von Saloniki erklärten im Parlament, daß die gegen den Salonikier jüdischen Sportklub Makkabi und gegen die jüdische Bevölkerung Salonikis im allgemeinen vorgebrachten Beschuldigungen der Illoyalität gegen den Staat vollkommen grundlos seien. Die Judenschaft Salonikis weise solche Beschuldigungen mit Entrüstung zurück und fordere, daß die Regierung gegen die Urheber der Beschuldigungen und die Veranstalter der antisemitischen Straßenausschreitungen vorgehe. Die Regierung veröffentlicht einen Aufruf, in welchem die Bevölkerung aufgefordert wird, Ruhe und Ordnung zu bewahren und die jüdischen Mitbürger, deren Loyalität gegenüber dem Staate außer allem Zweifel stehe, nicht zu belästigen. Auch am 25. Juni kam es zwischen Christen und Juden in Saloniki zu kleineren Zusammenstößen. Die Mehrheit der christlichen Bevölkerung verurteilt die antisemitischen Ausschreitungen. Der Gouverneur von Mazedonien, Gonostas, hat verfügt, daß alle antisemitischen Flugschriften zu beschlagnahmen seien und daß gegen die Verfasser ein Verfahren eingeleitet werde. Sturm auf das Haus der jüdischen Gemeinde in Saloniki. Am 25. Juni griffen etwa 200 Mitglieder der nationalistischen Liga, darunter Reserveoffiziere, das Haus der jüdischen Gemeinde Saloniki an und versuchten es in Brand zu stecken. Mehrere Personen wurden verwundet. Auf die Interpellation der jüdischen Abgeordneten in der Kammer erwiderte Ministerpräsident Venizelos, es bestünde nicht die mindeste Begründung für die Ausschreitungen. Die Manifestanten seien schlechte Griechen und verdienten exemplarische Bestrafung. Auch die Führer der Opposition verurteilten entschieden die antijüdische Hetze in Saloniki. Gespannte Atmosphäre in Saloniki. Saloniki Ein Teil der Presse Salonikis feiert die antisemitischen Exzedenten als nationale Heroen und stellt die Mitglieder des jüdischen LEBENS VERSICHERUNGSGESELLSCHAFT pbönii WIEN. 1. BEZIRK, RIEMERG ASSE 2 Versichenragsbestand per Mitte 1930......... - 24S0 Millionen Schilling Prämienand Zinseneinnahmeo im lahre 1929 ...... 125 , » Garaotiemittel per Ende 1929 ■ 200 „ „ Auszahlungen an die Versicherten im Jahre 1929 ...... 301/, . Sportklubs Makkabi als die Urheber der Unruhen hin. Es wird behauptet, daß die mit Bulgarien sympathisierenden jüdischen jungen Leute die griechischen Patrioten angegriffen hätten. Diese Presse macht sich auch zum Träger der gegen die Juden gerichteten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Boykottpropaganda. Nachdem am Donnerstag abends die Huligans zwei jüdische Stadtviertel angegriffen und durch Steinbombardements starke Verwüstungen angerichtet hatten, bildete sich ein besonderes jüdisches Wachkorps aum Schutze der Gebäude, in denen jüdische Institutionen untergebracht sind. Die lokalen Behörden verhalten sich gegenüber den Exzedenten auch weiterhin passiv. Es wurde noch nichts unternomen, um die Exzedenten und die Agitatoren einer Bestrafung zuzuführen. Die verantwortlichen jüdischen Kreise sind empört darüber, daß seitens der verantwortlichen Behörden und Gesellschaftskreise Salonikis nicht versucht wird, wenigstens einen moralischen Druck auf die Exzedenten auszuüben. Der Direktor des staatlichen Presseamtes ermutigt offen die antisemitischen Agitatoren. Die Polizei trifft auf dem Schauplatz der Unruhen immer verspätet ein, wenn die Huligans ihr Zerstörungswerk vollendet und das Weite gesucht haben. Auf die Rede des jüdischen Abgeordneten für Saloniki, Bessantchi, in der griechischen Kammer, erwiderte der Ministerpräsident Venizelos, man müsse der Lage der Juden Salonikis Verständnis entgegenbringen. Unter der türkischen Herrschaft sei es ihnen besser gegangen als jetzt; man habe von ihnen nicht erwarten können, daß sie die Griechen mit offenen Armen empfangen würden. Heute aber seien die Juden Salonikis durchaus patriotisch und den Griechen loyal gesinnt; sie sind jetzt auf dem Wege allmählicher Anpassung an Griechenland und das griechische Volk. Die gegen die Ju- Hgglcnisdics KOnigslichl ..IM Seit vielen Jahren das anerkannt beste üyhr7K&2 Man achte auf die ges. gesch. Marke »Hyglen. Königslicht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengasise 3 Telepb»iTR 33-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt Eisschr äiike Marke „Frigofor" eissparend, eigene Erzeugung, Zahlungserleichterung. „Elphora", l., Dominikanerbastei 22 Ecke Kai 7/9 Telephon R 24-4-16 den erhobenen Beschuldigungen Grundlage. hätten keinerlei Die Unruhen in Saloniki dauern fort. Saloniki. Obwohl die Polizei die immer wieder sich bildenden Gruppen von antisemitischen Agitatoren zerstreut, dauertdieUnruheimmer noch an. Am Mittwoch abends stürmte der Mob den Makkabi-Klub, zertrümmerte die gesamte Einrichtung und mißhandelte die jüdischen Sportler. Einige jüdische Jugendliche erlitten erhebliche Verletzungen. Die etwas spät eingetroffene berittene Polizei trieb die Menge auseinander. Die Verteilung antisemitischer Flugschriften durch Studenten in den Straßen von Saloniki wird fortgesetzt. Die jüdische Bevölkerung lebt in Furcht vor erneuten Ausschreitungen, da die Aufrufe von Regierung und Behörden gegen die Veranstalter der Unruhen bisher nicht vermocht haben, die Ruhe wieder herzustellen. * In der Nacht zum 30. Juni erneuerten die griechischen Hakenkreuzler die Ueberfälle auf die Juden und steckten einen Teil des Judenviertels in Brand. Die Juden wehrten sich tapfer mit der Waffe in der Hand. Es gab viele Tote und Verletzte. Sommerfrischenantisemitismus. Mit den Schwalben zieht alljährlich in unsere reizenden Alpentäler ein verstärkter Antisemitismus ein. Die wirtschaftliche Not hat wohl in den letzten Jahren die eine oder andere Gemeinde, den einen oder anderen Wirt veranlaßt, seine reinrassigen Gefühle im Interesse seines Geldsackes für die Sommerzeit zu unterdrücken, doch immerhin ist die Anzahl der Orte und Gaststätten, die jüdische Gäste offen ablehnen oder als unerwünscht bezeichnen, noch ziemlich groß. Man 'geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß diese strammen Antisemiten sich der Hoffnung hingeben, durch die Hervorhebung des „judenreinen" Betriebes ein gutes Geschäft zu machen, denn wenn schon Antisemitismus, dann soll er auch etwas tragen. Wir unsererseits hoffen, daß die unten angeführten Orte und Gaststätten auch wirklich heuer „judenrein" sein werden. Ob sie aber dadurch wirklich an' Reinheit gewinnen werden, wollen wir bezweifeln. Zur gefälligen Darnachachtung eine kleine Liste auf Grund unserer Erhebungen: Niederösterreich. Aggsbach-Markt, Wachau. Nur an Katholiken. Edlitz. Gasthor Lackner. Emmersdorf a. d. D., Wachau. Nur Arier. Gobelsburg am Kamp. Krems a. d. D. Die Verwaltung der Stiftswälder untersagt den jüdischen Kurgästen das Betreten der Wälder. Luberegg, Wachau. Pension Schloß Luberegg. Scheiblingkirchen a. d. Aspangbahn. Scbönberg am Kamp. Türnitz. Yöbsitz. Oberösterreich. Aigen-Schlägl. Gasthaus „Zur Post". Aitmünster. Pension Dr. Müller. Frankenmarkt. Freistadt St Georgen im Attergau. Der Gasthof „Bauern-Löckner" inseriert: „Nur christliche Sommergäste erhalten Unterkunft" Guttau bei Kefermarkt. Mühlviertel. . . Haunsberg, Posf St. Johann im Mühlviertel. Nur christliche Gäste. Lambach. Hotel Menschik. Mattighofen. Micheldorf. Pension Haindl. Neufelden, Mühlkreis. Gasthof Rachinger. Neuhaus a. d. D. Gasthof Ernst Neuhofen a. d. Krems. Nußdorf am Attersee. Obermühl a. d. D. Reichenthal, Mühlviertel. Nur Arier. Scharnstein im AlmtaL Pension Herrenstraß.

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