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Die Wahrheit · 1931-07-03 · Heft 27 (3.7.1931) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 27 (3.7.1931)
Date
1931-07-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DOS WAMHIHT Sett* 9 Die Universität mit dem Hakenkreuz. Nach den Exzessen und tief bedauerlichen "Vorgängen, deren Schauplatz die Aula der Wiener Universität und deren Umgebung war, wäre es angesichts der hohen Protektion, die die akademischen Rowdies und deren Kameraderie genießen, gar nicht zu verwundern, wenn mit hochlöblicher Erlaubnis auf dem Universitätsgebäude das Hakenkreuz, dieses Symbol nationalistischer Verhetzung und Verblendung, prangen würde. Es ist allerdings zu bezweifeln, ob sich der benachbarte eiserne Rathausmann lange diese Verunzierung der Wiener Ringstraße gefallen ließe. Unzweifelhaft ist jedenfalls nur eines: Daß die Wiener jüdische Bevölkerung einen Grad! von Zurückhaltung, um nicht zu sagen, Lammsgeduld gegenüber diesen immer wieder sich wiederholenden Gewalttätigkeiten an den Tag legt, der fast beschämend ist. Sind wir Juden in dieser Stadt Wirklich so ohnmächtig, sind wir durch die wirtschaftlichen Verhältnisse schon so zermürbt, daß wir nicht den Mut und die Kraft zur Auflehnung, zum Widerstand gegen derartige kulturwidrige Scheußlichkeiten aufbringen? Sieht denn die jüdische Bevölkerung nicht ein, wohin es führen muß, wenn sie weiter in der bisherigen äußerlichen Gleichgültigkeit verharrt? Diese Indolenz unter uns Juden, die sich mit fruchtlosen Wehklagen und Hilferufen begnügt, wird sich an uns und unseren Kindern rächen! Noch ist es Zeit, noch stellen wir in dieser Stadt und in diesem Staate, wenn wir einträchtig zusammenstehen und unsere Abwehrorganisation mit Rat und Tat nach besten Kräften unterstützen, einen Machtfaktor dar, der diese feigen, nihilistischen Ausschreitungen in die Schranken zu weisen vermag. In ernsten, eindringlichen Worten erhebt die Repräsentanz der Wiener Judenschaft, der Vorstand der israelitischen Kul- tusgemeinde, den folgenden energischen Protest an die Adresse der für das Anwachsen des Radauantisemrtismus verantwortlichen Faktoren: Der Vorstand der israelitischen Kultnsgemeinde Wien als die gesetzliche Repräsentanz der Wiener Judenschah hat in seiner Plenarsitzung vom 24. Juni d. J. einmütig beschlossen, entschiedensten Protest dagegen zu erheben, daß ein Urteilsspruch des höchsten Gerichtes in Oesterreich an den Wiener Hochschulen zum Anlaß genommen werden konnte, um unter Duldung der akademischen Behörden! die verfassungsgesetzlich gewährleistete Gleichberechtigung der jüdischen Studierenden auf das Gröblichste zn verletzen, jüdische Studenten zu mißhandeln nnd zn beschimpfen, ihnen die Lerofreiheit gewaltsam zu entziehen und an dem aus den Steuergeldern aller Bundesbürger errichteten und erhaltenen Universitätsgebäude unbehindert aufreizende Anschriften auszuhängen, durch welche den jüdischen Hörern der Eintritt in die Universität untersagt wird. Unser Protest und unsere Entrüstung richtet sich nicht in erster Linie gegen die irregeleitete und verhetzte Jugend, die sieb offenbar der Verwerflichkeit ihres Vorgehens nicht bewußt ist, sondern vor allem gegeit die höchsten akademischen Behörden, die kein Wort der Mißbilligung der schändlichen Ausschreitungen gefunden haben, sondern durch ihre Demonstration gegen das Erkenntnis des höchsten Gerichtes die deutschvölkische Studentenschaft zu ihrem gewalttätigen und strafgesetzwidrigen Vorgehen geradezu ermutigt haben. Der Kultusvorstand stellt mit Empörung fest, daß die jüdische Studentenschaft auf akademischem Boden den organisierten brutalen Gewaltakten einer rohen Uebermacnt wehrlos preisgegeben ist und nirgends, insbesondere nicht bei den hierzu berufenen akademischen Behörden Schutz findet Die Kultusgemeinde fordert die Staatsgewalt auf, die Sicherheit der jüdischen Studentenschaft, wo immer sie gefährdet wird, pflichtgemäß zu schützen, die sich seit Jahren immer von neuem wiederholenden, eines Kulturstaates unwürdigen Vorkommnisse mit allen Machtmitteln des Staates zu verhindern und das gleiche Recht der jüdischen Studentenschaft auf die ungeschmälerte Benützung der von der Gesamtheit erhaltenen Hochschuleinrichtungen zu gewährleisten. Die Wiener Judenschaft gibt sich der Erwartung hin, daß die zuständigen Behörden und Persönlichkeiten! unbeschadet aller Nebenrücksichten in Zukunft ihre gesetzlichen Pflichten erfüllen werden. An uns Juden aber liegt es, uns selbst gegenüber jene Pflichten rechtzeitig zu erfüllen, die uns die Sorge um uns und unserer Kinder Zukunft auferlegt. JA. L. VORNEHME fAHUIEN-PENSION fr-r^-w^ W T' A pv;S 'UJuLtiUli! iiäM^d1 lHBStaflratto9,HattBBbans täglich 5-Uhr-Tee ISEW1EMN6 TELEPHON 11 [Hochstrafie 43 neben Hotel Panhans I Mäßige Preise, Zimmer mit Pension S 12.— aufwärts I Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser §H in jedem Zimmer. H Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein» 3HH den kann! Alle „Politik" aus dem Spiele gelassen: es handelt sich zunächst um nichts als um Naturgeschichte. Die Rose duftet, wie eben Rosen und nicht Nelken duften; die Tulpe aber ist geruchlos." Wir hätten gegen die Naturgeschichte Schaukals nichts einzuwenden, wenn sie auch voll Scholastik ist. Denn schließlich ist eine Rose keine Nelke und eine Kurze keine Virginia. Der Mensch aber, der im Ebenbilde Gottes geschaffen ist (die Herren von der „Schöneren Zukunft" sind nämlich bibelfest) verkörpert eine gleiche Würde, insolange er unbescholten ist. Ganz gleichgültig, ob er Friese oder Zillertaler, Italiener oder Schotte ist, womit Herr v. Schaukai stark argumentiert und jongliert. In der Genesis der Bibel ist gewiß nicht gesagt, ob Adam und Eva Friesen oder Zillertaler waren. Es wurde bloß unterstrichen: Insolange sie das Gebot Gottes nicht verletzt hatten, durften sie im Eden bleiben, kaum aber, daß sie widerspenstig wurden, mußten sie hinaus. Der Autor mit dem Blaublute stimmt Pierre Referennes bei, wenn jener sich höchlich darüber erbost, daß Sara Levy ihren Roman mit „Ma chere France" betitelt. Wer kann was dagegen tun, wenn sich die jüdische Autorin als Französin fühlt, daß sie die Scholle, wo sie geboren, liebt! Es wäre doch eine Undankbarkeit, wenn dies nicht der Fall wäre» Schaukai ist außer Rand und Band, daß die franzö- Berufen Sie sich auf die „Union" bei Abschluß von Versicherungen bei der Stadtischen Versicherungsanstalt Zionistenkongreß und Jewish Agency. Die Judenschaft der ganzen Welt bückt in diesen Tagen nach Basel. Auch die Gegner der Judenstaats-Idee können den Vorgängen auf dem XVII. Zionistenkongreß und der Mitte Juli folgenden Tagung der Jewish Agency nicht teilnahmslos gegenüberstehen. Abgesehen davon, daß große Teile der Judenschaft heute im Banne der zionistischen Ideologie stehen, werden ohne Zweifel die Bedingungen, unter denen die Millionen Juden auf den verschiedenen Kontinenten leben, den Auswirkungen der auf den beiden Tagungen gefaßten Beschlüsse ausgesetzt sein. Wir Nichtzionisten vermögen die Zionisten nicht daran zu hindern, den von ihrer Mehrheit für richtig gehaltenen Weg Die Welt verzweifelt ob unserer wirtschaftlichen Not. In Parlamenten und auf Universitäten zerbrechen sich unsere klügsten Zeitgenossen die Köpfe, eine schönere Zukunft der Menschheit in Aussicht zu stellen — natürlich ohne Erfolg. Allein in Wien erscheint eine periodische Zeitschrift, die sich direkt „Schönere Zukunft" heißt. Sie erscheint bereits mehrere Jahre und es soll eigentlich Wunder nehmen, daß sie bis zu dem heutigen Tage noch nicht den Weg zur „Schöneren Zukunft" der irrenden Menschheit gewiesen hat! Zur Mosaik dieser Zeitschrift gehört auch ein Artikel von Dr. Richard v. Schaukai (Wien) mit obiger Spitzmarke, der unter der Gelehrten-Flagge segelt oder schaukelt. Diesen Artikel leitet die Redaktion mit einem großen Vorwort unter der Devise: „Wasch mir den Pelz und mach mir ihn nicht naß!" ein. Der Redakteur windet sich hin und her, zu gehen. Doch wir erwarten von ihrem jüdischen Pflichtgefühl, daß sie jene Besonnenheit an den Tag legen, die die Rücksichtnahme auf die Auswirkungen ihrer Beschlüsse gebieterisch erheischt. Die „Union österreichischer Juden" hat — einem vor kurzem gefaßten Beschlüsse ihres Gesamtvorstandes gemäß — darauf verzichtet, zur diesjährigen Tagung der Jewish Agency als Vertretung der österreichischen Nichtzionisten einen Delegierten zu entsenden. Die schweren Differenzen im zionistischen Lager selbst stehen diesmal im Vordergründe. Wir Nichtzionisten haben auf dem Beobachterposten zu stehen, um zunächst zu sehen, wohin der zionistische Wagen rollt. M. L. legt ein Mäntelchen um das andere an, dennoch ist der Sache nicht abzuhelfen: der Autor mit dem graduierten und adeligen Namen ist ein Antisemit im besten oder schlechtesten Sinne! Die Einleitung: ,JOie Juden klagen stets aufs neue, daß die Humanität (in Gänsefüßchen) unterm gehässigem „Schlagwort" der Rasse leide . . . Als ob nicht, wie denn Ungleichheit überhaupt das Gesetz der Natur ist, unter den Menschen Unterschiede obwalten, die in die Augen springen. Als ob die (zweifelhafte) Würde des Menschen dadurch Gefahr liefe, etwas einzubüßen, daß sich der Mensch dessen bewußt werde, was seine Zuständigkeit, seine Art und deren Eigentümlichkeit ausmacht! Als ob die Würde etwa der Pflanzen darunter Schaden litte, daß die Nelke etwas anderes ist als die Rose, die „Würde" der Tiere darunter, daß der Bär nicht mit der Giraffe verwechselt wersische Literatur verjudet ist, daß Wien, Prag und Budapest von jüdischen Journalisten und Intellektuellen überflutet sind und kommt sukzessive zum weisen Ratschlüsse: „Die Juden müssen dorthin zurückgedrängt werden, woher sie aufgebrochen sind. (Dieses Kapitel durchspickt der ritterliche Autor mit dem gepfefferten Speck, daß die jüdischen Väter, die mit schweren Packen auf dem Rücken gekommen waren, ihre Kinder studieren lassen. Wer wird denn den Rittern vorwerfen, daß ihre Vorväter Raubritter waren, daß sie Klöster und Reisende überfielen, plünderten, Kaufleute auf die Raubschlösser brachten, um hohe Lösegelder zu erpressen! Dadurch entstand kein Klecks im Adelspatent.) Nicht ins „Ghetto", aber, da man sie nicht ein für allemal verabschieden kann — zu stark, unüberwindlich ist ihre die Welt (Amerika) umspannende Organisation, der das zerspaltene, brüchige Gefüge der Nichtjuden niemals etwas Aehnliches auch nur im Traume gegenüberzustellen unternommen hat — in ihre Schranken, d. h. das von den Juden der abendländischen Gesellschaft aufgenötigte geistig-sittliche Unwesen — Unwesen, weil es ihrem Wesen widerspricht — ist in seinem gesamten Umfang abzubauen." In solchen geschwollenen Sätzen geht es weiter und weiter. Zur Illustration: Ein adeliger Herr peitschte mitten auf dem Marktplatz ein ganz winziges Pintschchen. Die Leute eilten herbei und legten gegen diese Tyrannei Protest ein. Darauf der Adelmann: „Ich war reich und mächtig, wenn mir der Grimm kam, wurden zwanzig Leibeigene blutig gepeitscht! ... Da kühlte ich mein Mütchen. Heute Kleider sofort Zahlung später Herren- und Damenkleider nach MaB and fertig nur erstklassige Steife, bis 12 Monate Kredit Kfeiderhaus Werter, Wie» XII., onahrlngerstr. Ii Tel. A21-S01 Um die rechte Wertung und Behandlung derjudenfrage.

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