Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 26 (26.6.1931)
- Date
- 1931-06-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE WAHRHEIT Wer sich rasch und giflddidi verehelichen will, wende sich vertrauensvoll an die MSSdÜlCfilidl jüdische Ehevermittlung „HA-ESER" Wien IL, Förstergasse 10/18 Auf Wunsch Gratäspröspekt! Wäger Dr. Rosenberg wies vor Gericht darauf hin, daß er die Frage der Minderheitenbewegung wissenschaftlich bearbeite, und daß die Unterdrückung der Deutschen in Südtirol einwandfrei festgestellt sei. Diese Unterdrückung werde jedoch durch bestimmte Führer der Nationalsozialisten bagatellisiert. Der Verband der deutschen Volksgruppen Europas habe ausdrücklich gegen diese Preisgabe der deutschen Belange in aller Oeffentlichkeit protestiert. Der Staatsanwalt hielt die fraglichen Aeußerungen Heidrichs für erwiesen und beantragte gegen ihn eine Geldstrafe von 150 Mark. Das Gericht schloß sich dem Antrag des Oberstaatsanwaltes an, verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 150 Mark und sprach dem Nebenkläger Dr. Rosenberg Publikationsbefugnis in mehreren Zeitungen zu. Wo in Palästina gespart wird. Wie der Direktor des Unterrichtsdepartements der Jewish Agency Dr. Berkson der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitteilt, haben sämtliche an'den Schulen der Jewish Agency angestellten Lehrer die Verständigung erhalten, daß ihr Dienstverhältnis am 30. September 1931 zu Ende geht. Die Kündigung wurde ungefähr 450 ständigen Lehrern zugestellt. Sie dürfte die Entlassung von 50 ständigen und 50 zeitweiligen Lehrern zur Folge haben, falls der gegenwärtige Beitrag der Exekutive für Unterrichtszwecke von 77.000 Pfund auf 50.000 Pfund ermäßigt werden wird. Für die Aufrechterhaltung des hebräischen Schulwerkes in seinem gegenwärtigen Umfang wären zumindest 65.000 Pfund erforderlich. Die vorgeschlagene Uebertragung des im Laufe einer Generation sorgfältig aufgebauten hebräischen Schulwerkes in Palästina an die Knesseth Israel (die palästinensisch-jüdische Gemeinschaft) bereitet infolge der damit verbundenen großen Verantwortlichkeiten der Exekutive der Jewish Agency und dem Waad Leumi schwere Sorgen. Einerseits herrscht allgemeine Uebereinstimmung darüber, daß die Last der Erhaltung des Erziehungswerkes so weit als möglich der jüdischen Bevölkerung selbst aufgebürdet werden soll. Anderseits ist der Waad Leumi nicht in der Lage, die Verantwortung im vollen Umfang zu übernehmen. Es verlautet, der Waad Leumi habe den Vorschlag gemacht, statt der geplanten Uebertragung der Schulen in die Verwaltung der Knesseth Israel eine gemeinsame Führung des Schulwesens durch die Exekutive der Jewish Agency und den Waad Leumi zu ermöglichen. Dieser Vorschlag soll in einer unmittelbar vor dem Kongreß in Basel abzuhaltenden Plenarsitzung der zionistischen Exekutive erörtert werden. Die ungarischen Reichstagswahlen. An dem Wahlkampfe anläßlich der ungarischen Parlamentswahlen sind auch in ansehnlicher Zahl führende Persönlichkeiten des jüdischen öffentlichen Lebens beteiligt Sowohl auf den Listen der Regierungspartei als auch auf denen der Opposition befinden sich Juden an aussichtsreicher Stelle, so unter anderen: Dr. Geza Desi, Paul Sandor, Dr. Marzell Baracs, Dr. Ernst Brody, Dr. Keleman Balkany, Dr. Andor Nagy, Dr. Heinrich Marczali, Dr. Ernst Weiler, Dr. Johann Vazsonyi, Dr. Eugen Gal, Dr. Bela Fabian. KMDERFRXULEIN für Budapest zu 4 Kindern (3, 8, 8, 10 Jahre) gesucht Pädagogisch Erfahrene bevorzugt. Anträge mit Referenzen und Lichtbild an Sternberg, VII, Dob-ucca 31, erbeten. VonWodke «u Woihe Ein zweites Todesopier des Budapester Revolverattentates. Nach mehr als zweimonatigem Todeskampfe ist kürzlich ein zweites Opfer des am 3. April im israelitischen Haupttempel in der Dohany-ucca verübten Revolverattentats, der 44jährige Nathan Taglicht, seinen Verletzungen erlegen. Die Vorstehung der Pester israelitischen Religionsgemeinde hielt unter Vorsitz des Hofrates Samuel Stern eine außerordentliche Sitzung ab, in der der Vorsitzende in pietätvollen Worten des Ablebens Nathan Taglichts gedachte. Die Vorstehung beschloß, im Einvernehmen mit der Chewra Kadischa Nathan Taglicht als ihren Toten zu betrachten und über dessen Ableben eine besondere Traueranzeige auszugeben. Er wurde in einem von der Chewra Kadischa gewidmeten Ehrengrabe auf dem Rakoskereszturer israelitischen Friedhofe beigesetzt. Auf dem Friedhofe hatte sich ein vielhundertköpfiges Publikum eingefunden, das in stummer Trauer auf dem geräumigen Platz vor der Zeremonienhalle Aufstellung genommen hatte. Die Ordnung hielt ein Ehrendetachement der Polizei aufrecht, um die Bahre bildeten Pfadfinder die Ehrenwache. Zu Häupten des Sarges lag ein prachtvoller Kranz des Oberbürgermeisters Dr. Franz R i p k a mit einer Schleife in den Farben der Hauptstadt. Das Kultusministerium ließ sich durch Ministerialrat Dr. Paul v. Gerloczy vertreten. Die Pester israelitische Religionsgemeinde, die Chewra Kadischa, sämtliche jüdischen Institutionen und Vereinigungen sandten Abordnungen. Neben dem Sarge standen die Witwe und die beiden Kinder des Opfers. Oberkantor Emanuel Abrahamson leitete in Begleitung des Tempelchors die Trauerfeierlichkeit ein. Sodann hielt Rabbiner Dr. Siegmund Großmann eine tiefempfundene Trauerrede, nach der der Präsident der Pester israelitischen Religionsgemeinde Hofrat Samuel Stern dem Toten einen innigen Nachruf widmete. Nach einem letzten Abschiedswort des! Rabbiners Dr. Max Weiß am offenen Grabe und nach dem letzten Gebet wurde der Sargen das Grab gesenkt. Die Berliner Zionisten haben abgewirtschaftet... Der am 14. Juni eingeführte Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat sich in einer am Dienstag, den 16. Juni abends, abgehaltenen Sitzung, die sich bis in die frühen Morgenstunden des Mittwoch hinzog, konstituiert. Es wurden gewählt zum Vorsitzenden Direktor Dr. h. c. Wilhelm Kleemann (liberal), zu stellvertretenden Vorsitzenden Kammergerichtsrat Wolff (liberal) und Schoyer (konservativ). Aus der hierauf vorgenommenen neuen Aemterverteilung ergibt sich die Verlagerung des Schwergewichtes nach der liberalen Seite. Wie verlautet, erklärten sich die Liberalen bereit, den Zionisten Dr. Köllen s c h e r zum ersten Vorsitzenden-Stellvertreter zu wählen. Da aber die Volkspartei ihrerseits nur Kareski für dieses Amt präsentieren wollte und die Liberalen Kareski nicht wählen wollten, blieb die Volkspartei ohne Vertretung im Vor Standspräsidium. Auch die Warschauer Zionisten haben abgewirtschaftet. Die neugewählte Repräsentantenversammlung der Warschauer Jüdischen Gemeinde hielt am 19. d. M. ihre erste Sitzung ab. Zum Präsidenten der Repräsentanz wurde der Agudah-Führer Itsche-Meer Lewin gewählt. Der Agudah ist es gelungen,'durch Vereinigung mit den kleineren Gruppen eine Mehrheitskoalition in dieser größten jüdischen Gemeinde des europiäschen Kontinents zu schaffen, in der bisher die Zionisten tonangebend waren. Der bisherige Präsident der Warschauer jüdischen Gemeinde war der Misrachist H. Farbstein. Die Repräsentanz wählte eine Kommission, bestehend aus den Agudisten Trockenheim und Mase, dem Handwerkervertreter Burgin, dem Assimilanten Kohn, dem nichtagudistischen Chassid Feigenblatt, deren Aufgabe es ist, Vorschläge betreffend die Wahl eines neuen Gemeindevorstandes zu unterbreiten. Herr Dr. Szyper gab im Namen der Zionistischen Fraktion eine Erklärung ab, daß die Zionisten die Verantwortung für die weiteren Wahlen nicht tragen wollen. Nach dieser Erklärung verließen die Zionisten und Herr und Frau JACQUES BALOG laden alle ihre Freunde und Bekannten, welche infolge unrichtiger od^r mängelhafter Adressierung oder irrtümlicherweise keine Einladung erhalten haben, auf diesem Wege zur Trauung ihrer Tochter LIZZI mit Herrn JOSEF MATZNER welche am 28. Juni 1931 um 3 Uhr nachmittags im Seitenstetten-Tempel staltfinden wird, höflichst ein. Misrachisten die Sitzung. Sie werden sich an der Wahl des neuen Gemeindepräsidiums, nicht beteiligen. (Die Warschauer Gemeinde wird das überleben.) Budapest. Die Repräsentanz der Pester israelitischen Religionsgemeinde hielt am IS. d. M. unter dem Vorsitz des Präsidenten Hofrates Samuel Stern ihre ordentliche Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung standen die Schlußrechnungen für das Jahr 1930. Der Vorsitzende gedachte der Opfer des Attentats im Tempel in der Dohany-ucca, Eugen Roth und Nathan T a g 1 i c h t. Schließlich begrüßte er den pensionierten Generalsekretär Dr. Julius. Gabor anläßlich dessen Ernennung zum Oberregierungsrat, den Direktor des Mädchengymnasiums Koleman Wirth zu seiner Ernennung zum königlichen Oberstudiendirektor und den Primarius des jüdischen Spitals Dr. Aladar Fischer, dem der Titel eines außerordentlichen Professors an der Peter Pazmany-Universität verliehen wurden. Der Vorsitzende gab schließlich ein Expose der Finanzlage der Gemeinde und wies auf die notwendigen Sparmaßnahmen hin, mit denen die Gemeinde ihr finanzielles Gleichgewicht wahren wolle. Zu diesen gehöre auch der allmähliche Abbau der Knaben- und Mädchen- Bürgerschule. Nach eingehender Debatte akzeptierte die Generalversammlung die vom Generalsekretär Alexander E p p 1 e r unterbreiteten Beschlußanträge und erteilte den Funktionären der Gemeinde das Absöluiorium. Nach einer Rede des Präsidentenstellvertreters. Di. Samuel Glücksthal wurde auch der auf den allmählichen Abbau der Knaben- und Mädchen-Bürgerschule bezügliche Antrag angenommen. ..Ehrt Eure großen Meister!" Anläßlich der imposanten Enthüllungsfeier des Bloch-Bildes in Floridsdorf erhalten wir folgende Zuschrift Ein Flbridsdorfer meldet sich hier, der schon vor 50 Jahren als ganz junger Mensch Dr. Bloch gehört und sich durch Inhalt und Form seines Sprechens in die Höhen echter Begeisterung tragen gelassen hat. Die Jugend hat ja einen besonderen Sinn für Kampf und. Mut, und so haben wir es damals bald herausgefunden, welch Feuergeist sich da mit der Welt auseinandersetzte. Das Wien jenseits der Donau, von 1880, im zähen Aufstieg begriffen, aber durchwühlt von politischen Attentaten und vielfach im Ausnahmszustand, war ein heißer Boden. Aber Dr. Bloch war der Letzte, sich darum irgendwie zu kümmern. So läßt er in dieser gärenden Zeit eine öffentliche Versammlung plakatieren, mit der Ankündigung, über „Die Schule zur Zeit Jesu Christ" referieren zu wollen. Er spricht über dieses Thema im gedrängt vollen Saal zu vorwiegend Nichtjuden, und es wagt keiner, zu entgegnen (auch nicht der anwesende Pater Eichhorn). So spricht er ein anderesmal über das Thema: „Der Arbeiter zur. Zeit Jesu Christ". Wenn am Jaumkipur nach Mussif eine Pause notwendig wird, füllt er sie aus, indem er irgend ein aktuelles, politisches Thema zum Vorwurf seines Vortrages nimmt und es in seiner Art von der Kanzel herab behandelt. (Z. B.: über Bismarck.) Wir jungen Leute waren begeisterte Zuhörer, während die Altert, diese Art der Tätigkeit nicht gerne sahen. Vor 50 Jahren schon haben eine Anzahl Mitglieder der Kultusgemeinde Floridsdorf ihre Gefühle für die Tätigkeit des Dr. Bloch durch die Herausgabe einer Broschüre „Worte des Dankes" kundgetan. Von den An- GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNM1HI imHMnaMMÜ^HHaHMMMM WIEN IX., BEROQASSE NR. 19 FILIALE* XVIII., WAHRINQERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-349und A 16-9-34 Uafarant für HsllanataKM AbteilungemürKoscherfleisch unter Aulsicht des ehm. Rabbinatas dar Isr. Kultuagemefnda man. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen