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Die Wahrheit · 1931-06-26 · Heft 26 (26.6.1931) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 26 (26.6.1931)
Date
1931-06-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 5 Eisschränke Marke „Frigofor" eissparend, eigene Erzeugung, Zablungserleichterung. „Elphora", 1., Dominikanerbastei 22 Ecke Kai 7/9 Telephon R 24-4-16 Warum so verschwiegen? Der jüdische Schriftsteller Marcus Silberschatz lenkt in einer Zuschrift die Aufmerksamkeit der jüdischen Oeffentlichkeit darauf, daß die neueste Auflage des Brockhaus-Lexikons den Eindruck erweckt, als ob der Verlag bemüht wäre, die jüdische Abstammung sehr vieler Geistesgrößen zu verschweigen; nicht nur mit jüdischen Berühmtheiten, die in der 15. Auflage des Brockhaus zum ersten Male genannt werden, wird so verfahren, sondern auch mit gar manchen, die in irüheren Auflagen als Juden angeführt erscheinen. So wird z. B. die jüdische Abkunft von Georg Brandes, Sarah Bernhardt, Jacques Fromental fialevy, Justizreformer Julius Glaser, Michael und Wilhelm Beer in der 14. Auflage erwähnt, in der 15. jedoch nicht mehr. Von sonstigen Personen, deren Zugehörigkeit zum Judentum oder deren jüdische Abstammung der Brockhaus nicht angibt, seien herausgegriffen: die Nobelpreisträger Asser, Barany, Bergson, Ehrlich, Einstein, Franck, Fried, Haber; ferner: Max Abraham; Alfred, Friedrich, Guido, Max und Viktor Adler; Ballin, Ludwig Bamberger, Ludwig, Viktor Barnowsky, Salvatore Barzilai, Eduard Bendemann, Arzt Moritz Benedikt, Theodor Beniey, Elisabeth Bergnen Jakob und Michael Beritiays, Georg Bernhard, Eduard Bernstein, Henry Bernstein, Artur Berson, die Bethmanns, denen bekanntlich Cosima Wagner entstammte, Otto Brahm, -Adolf Brodsky, Bizet, Ignatz Brüll, Jakob und Nikodem Garo, Jules Claretie, Ernst Deutsch, Ludwig Doczi, Leo Fall, S. Fischer, Frankl-Hochwarth, Sigmund-. Freud, Carl Fürstenberg, Goldmark, Samuel ■Gömpers; Theodor und Heinrich Gömperz, Karl •Grürihut, Ludwig Gumplowicz, Hugo Haase, Joseph und Ludovic Halevy, Maximilian Harden, Hilferding, Felix und Viktor Holländer, Eduard Husserl. In einer Zeit, in der die Juden durch gewisse Kreise systematisch herabgesetzt werden, wäre es doppelte Aufgabe eines wirklich unparteiischen Lexi- "kon-Verlages, den Anteil der Juden an der Kultur Glicht zu verheimlichen. Ueber die Bedeutung des Konversationslexikons wird sich niemand im unklaren sein; der Brockhaus-Verlag nennt es „eine unentbehrliche Buchgattung der Kulturwelt". Für den Fall, daß jemand der Meinung sein sollte, der Verlag setze sich über Abstammungsfragen überhaupt hinweg, seien folgende Beispiele als Gegenbeweis genannt: Im Artikel über Hoover heißt es diesbezüglich: „... aus einer kleinen Quäkerfamilie von ehemals (!) deutscher Herkunft..."; über Becquer findet man: „spanischer Dichter, von 'deutscher Abstammung". Noch ist es möglich, das an den Juden begangene Unrecht teilweise wieder gutzumachen: Der jnit I beginnende 9. Band, der auch den Buchstaben „J" enthalten wird, ist noch nicht erschienen; in einem Artikel „Judische Geistesgrößen" ließe sich eine entsprechende ergänzende Liste anführen. Daß in den Bänden, die erst erscheinen werden, eine Schmälerung der jüdischen kulturellen Leistungen vermieden werden müßte, ist eine -•selbstverständliche Forderung. Jüdisihe thtentafel Warschau. Der Warschauer Wojwode Herr Jaroszewicz überreichte dem jüdischen Journalisten "Dr. J. Gottlieb persönlich das ihm vom Präsidenten -der polnischen Republik Prof. M o s c i c k i vor kurzem "verliehene Offizierszeichen des Ordens „Polonia restitute" (wiedererstandenes Polen). Doktor J. Gottlieb dankte für die Auszeichnung und führte da- "bei aus: „Ich bin mir dessen bewußt, daß die Regierung durch meine Auszeichnung unterstreichen wollte, daß die jüdische Publizistik und Presse gleich der übrigen republikanischen Presse an dem Staatsaufbau anit wirken könne." Städtische Versicheiunasanstalt iiiyiijiiiiiiiiiii Direktion: Wien I., Tnctilcinneiit Nr. 8 Telephon U2T~5~40 Alle Veisicherangsiwetae Veröffentfidjungen der "Union österreidjisdjer Juden. Union-Frühlingsfest Vom herrlichsten Wetter begünstigt fand am 20 d. M. abends im reservierten Garten des Kaffee>-Restaurants Konstantinhügel in der Hauptallee das Frühlingsfest der „Union" statt Schon Wochen lang waren umfassende Vorbereitungen für ein restloses Gelingen dieser Veranstaltung getroffen worden und der schöne Erfolg des Abends krönte die Bemühungen, an denen alle Unterorganisationen der „Union", insbesondere aber der „Union- Frauenklub" unter Leitung ihrer tatkräftigen Präsidentin Frau Reg.-Rat Lenk und die „U n i o n" - J u g e n d g r u p p e unter Führung des Obmannes Oskar Hirschfeld redlichen Anteil hatten. Den vereinten Kräften gelang ein Werk, das allgemeinen Gefallen bei dem distinguierten Publikum fand, das in überaus großer Zahl der Einladung gefolgt war. Eingeleitet wurde der Abend durch eine Modenschau der Firma Julius Krupn i k, die prächtige Sommer- und Reisemodelle vorführen ließ. Es folgte eine von Herrn Siegfried Mahner konferierte ganz ausgezeichnete Akademie, ausgeführt von hervorragenden Künstlern des Kabaretts „Simplizissimus". Besonderen Beifall lösten die Darbietungen der kleinen Vor- Verlag Josef Brenner, Wien H. Soeben erscheint Marburg, Dr. Fritz: Der Anflsemiflsmns in der deatsdien BepnbllK steif broschiert........Mark 2.— mit zahlreichen aktuellen Illustrationen auf 16 Kunstdrucktafeln. Vorrätig in allen Buchhandlungen. Wo nicht lagernd, verlange man direkt vom Verlag. tragskünstlerin Dita Kunodi und die Gesangvorträge des Wiener Radiolieblings G r ü n h u t aus. Hierauf trat die Jugend in ihre Rechte, die sich zu den Klängen der. Jazz ,3 i g B a n d" unter Leitung des talentierten jungen Fritz A11 m a n n beim Tanze erfreute. Starke Zugkraft übte der mit Spenden von Mitgliedern und Freunden der „Union" reichlich bedachte Juxbasar aus, der unter der umsichtigen Leitung von Frau Dir. G. Kolmin stand, der Frau Irene Wechsler, unermüdlich assistierte. Der Jugend war das von ihr sehr geschmackvoll arrangierte Blumenzelt überantwortet, in dem die Damen Martha Back, Herta Dubsky, Rosl Fürst, Blanka Gersten, Pauly F e 11 n e r, Elly K o v a z s, Sophie L ö w y, Geschwister P i s k und Grete Schulz mit Hingabe für den überaus rasch vonstatten gegangenen Verkauf von Rosen sorgten. Aus der damit verbundenen Konkurrenz ging Fräulein Sophie L ö w y als Rosenkönigin und die Damen Pauly Fellner und Elly Reinhol dt als ihre Palastdamen hervor und wurden mit schönen Preisen bedacht. Der Garten selbst war in geradezu herrlicher Weise geschmückt; um die Dekoration hatten sich die Herren Erich Wechsler und Georg Schönherz eifrig bemüht Eine Reihe von Firmen hatte bei der Festdekoration in selbstloser Weise mitgewirkt, von denen hier folgende besonders angeführt seien: Ing. Josef Eisner, Julius Feldstein, Edmund Hofmann, Paul Planer A. G„ Pollak & Neuron, Isidor Schönherz. Der Oesterreichische Rundfunk - Vertrieb hatte eine tadellos funktionierende Lautsprecher-Anlage aufgestellt, die bis zum Beginn des Tanzes ein schönes Schallplattenkonzert zum besten gab. Für Speise und Trank hatte der Direktor des Etablissements Hauptmann Steiger bestens gesorgt Ueberdies hatte die Firma Petyan & Co. ein koscheres Selchwarenbüfett aufgestellt Das Fest nahm einen glänzenden, überaus animierten Verlauf und so war alles voll des Lobes und der Anerkennung ob der ausgezeichneten Regie und der tadellosen Durchführung des Programmes. Unter der Gesamtleitung des Sekretariats der „Union" hatten viele eifrige Mitarbeiter in dankenswerter Weise zusammengewirkt, um das Fest zu dem zu gestalten, was es wirklich wurde: ein Höhepunkt der heurigen Wiener jüdisch-gesellschaftlichen Saison und für die „Union" ein gewaltiger propagandistischer Erfolg. Wahrheiten Ja&e Um Sudtirol. Der stellvertretende nationalsozialistische Gauleiter für Ostpreußen, Georg Heid rieh, stand dieser Tage wegen Beleidigung des Berliner Rechtsanwalts Dr. Werner Rosenberg, der als Nebenkläger zugelassen war, vor dem Schöffengericht in Königsberg. Dr. Werner Rosenberg hatte in der Berliner „C. V. - Z e i t u n g" in einem Aufsatz „Die deutschen Minderheiten gegen Hitler" eine Redewendung Heidrichs zitiert: „Diese an* gebliche Unterdrückung der SUdtlroter sei eine von den Freimaurern erfundene Lüge; außerdem käme es nicht auf das Schicksal von einigen tausend armseligen Südtirolern an." Diese Aeußerung Heidrichs hatte Dr. Rosenberg in entsprechender Weise gegeißelt und darauf hingewiesen, daß die deutschen Brüder in Südtirol in erheblichem Maße unter der Bedrückung des Faschismus zu leiden hätten. Irrtümlicherweise hatte Dr. Rosenberg dabei erklärt, daß Heidrich seine Ausführungen in einer Versammlung in Augsburg getan habe. Daraufhin veröffentlichte Heidrich im „Ostdeutschen Beobachter", dessen Verleger er war, eine Erklärung, in der er sagte, daß er noch nie in seinem Leben in Augsburg gewesen sei, infolgedessen auch dort in einer Rede nicht die von der „C. V.-Zeitung" angeführten Sätze gesprochen haben könne. Er erklärte weiterhin den Schreiber dieser Sätze, Dr. Werner Rosenberg, für einen Lügner und Verleumder. Der Landesverband Ostpreußen des C. V. konnte feststellen, daß Heidrich diese Aeußerungen nicht in Augsburg, dagegen aber in Anger bürg gemacht habe. Zwei einwandfreie Zeugen, ein Ingenieur und ein Schachtmeister aus Angerburg, bekundeten vor Gericht die Richtigkeit der Angaben des Rosenbergschen Artikels. Heidrich behauptete, er habe die Aeußerung in anderer Form getan. Der Neben- Franiensimdl I i ||| Bis SO. September geöffaet! J Grand-RestauraUoit „Fflrstenhof *f "W3 streng orthodoxe Küche ITC SIMON RAAB

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