Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 25 (19.6.1931)
- Date
- 1931-06-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 OE WAHRHEIT andere von der Palästina-Verwaltung von Zeit zu Zeit herausgegebenen Mitteilungen bezüglich der Westmauer, des gepflasterten Platzes vor ihr und der bezüglich der jüdischen Andachtsübungen an der Mauer zu beobachtenden Formalitäten entgegenzunehmen haben. * Die Judenheit Palästinas stimmt dem Spruch der Klagemauerkommission zu. Nach der Veröffentlichung des Berichtes der Klagemauerkömmission traten die Executive der Jewish Agency, die Leitung der AgudasJisrael und das Rabbinat zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. In der Sitzung wurde zunächst zum Ausdruck gebracht, daß die Vorschläge der Klagemauerkommission die jüdischen Ansprüche nicht ganz befriedigen und daß daher für die Juden kein Anlaß bestehe, sich über den Bericht der Klagemauerkommission zu freuen. Insbesondere stellt das Verbot, Thorarollen am Sabbath zur Klageniauer zu bringen, eine schwere Enttäuschung für die Juden dar. Des weiteren aber wurde festgestellt, daß ein . Appell gegen das Verdikt der Klagemauer- Kommission nicht möglich sei. Von jüdischer Seite wird daher die Entscheidung der Klagemauer-Kommission akzeptiert. Die Berliner Zionisten haben ab' Bewirtschaftet . . . Neuwahl der Repräsentantenversammlung und des Vorstandes der jüdischen Gemeinde Berlin. Am Sonntag, den 7. Juni, trat endlich die neugewählte Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Die Tagesordnung lautete: Verpflichtung der Mitglieder und Wahl des Präsidiums. Die Sitzung trug feierlichen Charakter. Im Namen des Vorstandes begrüßte das liberale Vorstandsmitglied Kammergerichtsrat Leo Wolff die Repräsentanten und hielt an sie eine kurze Ansprache über die Bedeutung des Tages, an welchem die Repräsentanz der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands und einer der größten in der Welt neu zusammentritt, einer Gemeinde, die seit 200 Jahren besteht und eine ehrwürdige Tradition hat. Er dankte allen, die bisher im Dienste der Gemeinde gewirkt haben, und wies darauf hin, daß schon das äußere Bild des Saales sich geändert hat, indem statt wie bisher für 21, nunmehr für 41 Repräsentanten Platz gemacht werden mußte. Diese Versammlung verkörpert den Willen der gesamten Berliner jüdischen Bevölkerung. Dieser Wille ist nicht immer der gleiche. Die vorwärts drängende Entwicklung zeitigt bald diese, bald jene Erscheinung. So ist auch der heutige Tag der Beginn eines neuen Abschnittes in der Gemeinde. Kammergerichtsrat Wolff nahm dann die Verpflichtung der einzelnen Repräsentanten, die durch Handschlag vor sich ging, vor. Den Vorsitz übernahm nun Direktor Gutmann als Alterspräsident. Er ersuchte um Vorschläge zur Wahl des Präsidiums. Auf Vorschlag von Dr. Kurt Fleischer wurde Herr Heinrich Stern (liberal) durch Akklamation zum ersten Vorsitzenden gewählt Rechtsanwalt Stern übernimmt den Platz des Vorsitzenden und dankt den Repräsentanten für den Beweis des Vertrauens, den er umso höher schätzt, als er ja kein Fremder in dieser Versammlung und auf dem Platz des ersten Vorsitzenden ist. Die Repräsentantenversammlung, fuhr er fort, ist an Zahl verstärkt worden, ob sich auch ihr Einfluß und ihre Bedeutung verstärkt, hängt von ihr selbst ab. Er als Vorsitzender werde alles tun, um die Würde der Versammlung zu wahren. Wir gehen einer schmerzlichen Periode entgegen, wir müssen so handeln, als ob wir nicht nur Gewählte, sondern auch Berufene sind. So lange wir zurückdenken, gab es — ausgenommen vielleicht die Jahre 1922 bis 1924 — keine verantwortungsvollere Periode in der Gemeinde als die jetzige. Ich rufe Sie zu Pflichterfüllung ohne Ansehung der Partei auf, als Bürger unseres Vaterlandes, unserer Stadt und unserer Gemeinde. Was wir für die Gemeinde tun, tun wir für die Allgemeinheit. Wir sind nicht nur eine Gemeindemaschine, sondern unsere Aufgabe ist, das jüdische Gemeindeleben zu befruch- LEBENSVERSICHERUNQS-GESELLSCHAFT PHÖNII WIEN. 1. BEZIRK, RIEMERGASSE 2 Veisicherungsbestaod per Mitte 1930......... 2450 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahmen im.lahre 1929 ...... 125 „ Garantiemittel per Ende 1929 300 . , Auszahlungen an die Versicherten im Jahre 1929 ...... 301/, , „ ten. Wir werden oft für und gegeneinander sein, aber niemals dürfen wir vergessen, daß wir nicht nur eine der größten, sondern als Einheitsgemeinde sogar die größte in der Welt sind. Wir müssen Einheitsarbeit leisten. Ich bitte, mich in dieser Aufgabe zu unterstützen. Möge der Geist des Ewigen auf unserer Arbeit ruhen. Die Versammlung schreitet nun zur Wahl der weiteren Mitglieder des Präsidiums. Auf Vorschlag von Prof. Heinrich Loewe wird Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee (Jüdische Volkspartei) durch Akklamation zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden wird, ebenfalls durch Zuruf, Dr. S. London (liberal) gewählt Auch die Wahl von Direktor S. Gutmann (lib.) zum ersten Schriftführer und des Landesgerichtsrates Rau (Volkspartei) zum zweiten Schriftführer geschieht durch Zuruf. * $t Am Donnerstag, den 11. Juni, trat die neue Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin zu ihrer zweiten Sitzung zusammen, um die Wahl von 7 11 Mitgliedern des Gemeindevorstandes vorzunehmen. Der Sitzung gingen interne fraktionelle Besprechungen voraus. Insbesonders zog sich die Sitzung der liberalen Fraktion in die Länge, in der sich eine Strömung gegen die Wiederwahl des bisherigen Gemeindevorsitzenden Direktor Georg Kareski in den Vorstand wegen seiner Haltung in der Angelegenheit der W a h 1 p r oteste bemerkbar machte. Die Atmosphäre war nqgienisdies KönioslicM Seit vielen Jahren das anerkannt beste tD^flÖtM Man achte auf die ges. gesch. Marke „Hyglen. Königslicht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengassse 3 Telephon R 33-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt. Eisschränke Marke »Frlgofor" eissparend, eigene Erzeugung, Zahlungserleichterung. „Elphora", 1., Dominikanerbastei 22 Ecke Kai 7/9 Telephon R 24-4-16 eine gespannte. Die Galerien waren einige Stunden vor Beginn der Sitzung dicht besetzt. Die für 8 Uhr abends einberufene Sitzung wurde vom Präsidenten, Rechtsanwalt Heinrich Stern, um 10 Uhr abends eröffnet. Zunächst gab der Vorsitzende der Liberalen Fraktion Dr. Kurt Fleischer die Erklärung ab, daß seine Fraktion nach Prüfung der Haltung Herrn Kareskis in der Frage der Wahlproteste ihn nicht für geeignet hält, ein Vorsteheramt zu bekleiden, und sich darum an seiner Wahl nicht beteiligen werde. Auch lehne die Fraktion die Verantwortung für eine Vorstandstätigkeit Kareskis ab. Im Namen der Fraktion der Jüdischen Volkspartei gab nun Ministerialrat Hans Goslar eine Erklärung ab, die besagt: Die Fraktion der Jüdischen Volkspartei nimmt mit Bedauern davon Kenntnis, daß die liberale Fraktion sich nicht in der Lage sieht, für Herrn Kareski zu stimmen. Sie hält grundsätzlich an dem Recht der Fraktion fest, ihre Kandidaten zu präsentieren, und zieht aus dieser Auffassung auch die Konsequenz, gegen einen ihr nicht geeignet erscheinenden Kandidaten der Liberalen Fraktion weder Erklärungen noch weiße Zettel abzugeben. Die Fraktion der Jüdischen Volkspartei übernimmt gerne und willig die Verantwortung für die Vorstandstätigkeit dieses Mannes, den sie auf keinen Fall im Vorstand der Gemeinde missen will. Bruno Woyda erhebt sich nun zu einer Erklärung, wobei er vom Vorsitzenden der Liberalen Fraktion Dr. Kurt Fleischer durch die Bemerkung unterbrochen wird, daß Herr Woyda im eigenen Namen, nicht aber im Namen der Liberalen Fraktion hier spricht. Herr Woyda teilt seinerseits mit, daß er, um sich in der Sache Kareski freie Hand zu behalten, aus der Liberalen Fraktion ausgetreten sei. Wohl, fährt er fort, haben die bisher abgegebenen zwei Erklärungen diplomatisches Feingefühl bekundet, aber die Wähler wollen eine klare Sprache hören. Er für seine Person halte es nicht für tragbar, daß Kareski dem Vorstande weiter angehört. Alfred Berger (Volkspartei) teilt mit, daß seine Fraktion nicht die Absicht habe, auf die Ausführungen Woydas zu erwidern. Unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten Doktor London wird nun an die Wahlen zum Vorstande geschritten. Ueber die Wahl jedes einzelnen Kandidaten wird durch Zettel abgestimmt. Die Liberalen Direktor Dr. Wilhelm Klee mann und Kammergerichtsrat Leo Wolff werden einstimmig gewählt. Direktor Georg K a r e s k i wird mit den Stimmen der Volksparteilichen Repräsentanten gewählt, die Liberalen geben weiße Zettel ab. Die Wahl der weiteren Mitglieder des Vorstandes erfolgt mit mehr oder weniger Stimmeneinhelligkeit. Der neue Gemeindevorstand setzt sich insgesamt aus 7 Liberalen, 3 Volksparteilern und 1 Konservativen zusammen. Nachdem noch diverse Ausschüsse gewählt wurden, schließt der Vorsitzende Herr Heinrich Stern die Sitzung mit dem Wunsche, daß die nun vorgenommenen Wahlen den Anfang neuen Gedeihens der Gemeinde bezeichnen mögen. Verlag Josef Brenner, Wien IL Soeben erscheint Marburg, Dr. Fritz: Der Antisemitismus in der deutschen RepuDliK steif broschiert........Mark 2 — mit zahlreichen aktuellen Illustrationen auf 16 Kunstdrucktafeln. Vorrätig in allen Buchhandlungen. Wo nicht lagernd, verlange man direkt vom Verlag.