Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 24 (12.6.1931)
- Date
- 1931-06-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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yFel^HoIiaend^ Dreiundsechzig Jahre alt, mit noch unerloschenem Schaffenswillen und heißblütig gebliebenem Temperament ist einer der besten zeitgenössischen Geister von uns gegangen, ein Mann von kleinem Wuchs, aber mit einem Haupt, das er hochtragen durfte, und das er kühn jedem Unrecht entgegengehalten hat. Er war Journalist, Kritiker, Romanschriftsteller, er war Dramaturg, Theaterregisseur und Bühnenleiter, und wenn andere dies auch sein können, so wird in einer so vielfältigen Betätigung die Linie eines einheitlichen Charakters sonst nicht mit der gleichen Deutlichkeit wahrnehmbar wie bei diesem nun Entschwundenen. Was immer er trieb und schrieb, stets bekannte sich seine Natur als die eines Mannes, der an Entwicklung glaubte, an „Hinaufpflanzung", um mit Nietzsche zu sprechen, der Gewesenes nur dann noch pflegte, wenn es Keime der Zukunft trug, der es aber ablehnte, wenn es sich mit überaltertem Selbstgefühl gegen den Fortschritt abzäunte. Auf jedem Gebiete war er ein flammender Anti-Reaktionär. Nur die Aristokratie des Geistes erkannte er an und die Auslese derer, die in der Kunst, in der Wissenschaft, im sozialen Empfinden vorwärtsdrängten. Deshalb galt seine Liebe als Kritiker und Bühnenleiter den Neueren, die den Ton der Zeit als einer sozial bestimmten Zeit anschlugen. Deshalb setzte er sich für Henrik Ibsen ein, deshalb schlug er sich für Gerhart Hauptmann mit den immerdar Gestrigen herum. Die Freiheit des Individuums und die bürgerliche Freiheit gingen ihm über alles. Wie er dann dem Antisemitismus gegenüberstand als einer Seuche, welche das gesunde Blut eines auf gegenseitige Anerkennung gegründeten modernen Gemeinwesens zersetzt, braucht nicht erst gesagt zu werden. Sohn einer mehr mit Kindern als mit. Renten gesegneten Leobschützer Arztfamilie, die dann nach Berlin zog und sich mühsam mit Pensionären durchbrachte, kannte und teilte er die Schwierigkeiten des Daseins, aber auch das heiße Streben nach Bildung und geistiger Entwicklung. Hier war die Not des Tages kein Hindernis, hier war sie der Antrieb zur Unermüdlichkeit. In einem sehr lesenswerten Buch „Unser Haus" hat Hollaender, indem er seine Nächsten und sich selber zeichnete, ein typisches Bild des aufstrebenden deutschen Judentums aus dem vorigen Jahrhundert gegeben. Auch in dem nachher dramatisierten Roman „Salomons Schwiegertochter" hat er das Judenproblem angefaßt. Er zeigt, wie nicht die „Rasse", sondern der Mensch den Menschen macht und sein Schicksal bestimmt. Das war sein wahrhaft humaner Glauben, und der Idee der Humanität hat er gedient sein Leben lang. Fritz Engel, Berlin. Exkönig Hussein von Hedsdias gestorben Der frühere KönigHussein von Hedschas, der in den letzten Jahren auf Cypern in der Verbannung gelebt hat und vor einiger Zeit zu Besuch seines Sohnes, des Emirs Abdullah von Transjordanien, nach Amman gekommen war, ist dort am 4. d. M. gestorben. Er erkrankte vor einigen Monaten sehr schwer, die Presse meldete bereits seinen Tod. Diese Nachricht erwies sich als falsch; Hussein erholte sich wieder. Vor einigen Tagen hatte er in Amman einen schweren Rückfall, er verfiel in Bewußtlosigkeit und bald trat der Tod ein. Mit Hussein von Hedschas ist einer der hartnäckigsten Feinde* der zionistischen Bewegung und der Idee der Errichtung eines jüdischen Nationalheims in Palästina dahingegangen. Seine Leiche wurde nach Jerusalem gebracht und dort unter außerordentlich starker Beteiligung in der Omarmoschee bestattet Hussein ibn Ali aus dem Geschlecht der Haschimiten hat ein Alter von 78 Jahren erreicht Jahrzehntelang war er unter der türkischen Regierung Emir und Großscherif von Mekka. Im Kriege war er Parteigänger Englands und schloß mit England ein Freundschaftsabkommen, betreffend die Errichtung eines arabischen Reiches. 1919—1924 war er König von Hedschas. Sein Sohn Feisul nahm an der Friedenskonferenz teil und wurde später König von Irak. Der zweite Sohn, Abdullah, wurde Emir von Transjordanien. Der Versuch einer auf die Dynastie der Haschemiten aufgebauten arabischen Konföderation mißlang. Als die Türkei 1923 das Kalifat abschaffte, proklamierte sich Hussein zum Kalifen aller Moslems. Seine Hoffnung, von der gesamten islamischen Welt anerkannt zu werden, erfüllte sich jedoch nicht Hussein bekämpfte später die Politik des englischen Mandats in Palästina und die Errichtung eines jüdischen Nationalheimes in diesem Lande. Er weigerte sich, den Städtische VctsiclicfiiiiqtamtaH ihm von England vorgelegten Anglo-Hedschas-Vertrag zu unterzeichnen, weil in diesem Vertrage die Anerkennung des Palästinamandates und also auch der Balfour-Deklaration gefordert war. Er behauptete, die ihm von England während des Krieges gemachten Versprechungen verbürgten ein unabhängiges Palästina. Als 1924 die alten Gegner der Haschimiten- Dynastie, die Wahabiten, unter Führung Ibn Sauds, des Sultans von Nedschd, in das Reich Husseins einiielen, erklärte England seine Neutralität Hussein unterlag und mußte Hedschas räumen, sein Entschluß, den Anglo- Hedschas-Vertrag nun doch zu unterzeichnen, kam zu spät Im Oktober 1924 mußte er abdanken, er ging nach Cypern in die Verbannung. Da auch sein Sohn Ali sich gegen die Wahabiten nicht halten konnte, ging das Königreich Hedschas in die Herrschaft Ibn Sauds über. Verlag Josef Brenner, Wien IL Soeben erscheint Marburg, Dr. Fritz: Der Antisemitismus in der deutschen Depnbllh steif broschiert........Mark 2.— mit zahlreichen aktuellen Illustrationen auf 16 Kunstdrucktafeln. Vorrätig in allen Buchhandlungen. Wo nicht lagernd, verlange man direkt vom Verlag. Jüdische Ifkrentafel Der bekannte Wiener Primarius Dr. Kurt Tschiaßny, der Vorstand des-Ambulatoriums für Halskrankheiten im Rothschild-Spital, wurde kürzlich telegraphisch nach Reichenhall berufen, wo sich bekanntlich Riehard Tauber zur Kur aufhält. Dr. Tschiaßny begab sich mit dem Flugzeug nach Reichenhall und nahm dort eine genaue Untersuchung des erkrankten Künstlers vor. Das Resultat der Untersuchung Tschiaßnys war absolut zufriedenstellend. Prof. Hofrat Dr. Julius Mannaberg, langjähriger Leiter der Poliklinik in Wien, wurde anläßlich seines Rücktrittes in den Ruhestand durch die Verleihung des SilbernenVerdienstkreuzes durch den Bundespräsidenten geehrt. Rom. Im Großen Saal der römischen Universität fand ein feierlicher Empfang zu Ehren des hervorragenden jüdisch-italienischen Gelehrten Cesare Vivanti, der wegen seine hohen Alters sein Lehramt an der Universität niedergelegt hat, statt Cesare Vivanti ist eine Autorität auf dem Gebiete des Handelsrechtes, sein Kodifikations-System für Handelsrecht wurde außer von Italien auch von anderen Staaten akzepiert. Während des Festaktes wurden Begrüßungstelegramme für den greisen Gelehrten verlesen, die von zahlreichen ausländischen Universitäten und wissenschaftlichen Akademien eingelaufen waren. Der Regierungschef Benito Mussolini sandte ein Telegramm, in welchem er dem „berühmten römischen Juristen Cesare Vivanti" seine tiefste Anerkennung ausspricht. Die wissenschaftliche Leistung Vivantis würdigten in längeren Reden Justizminister Alfredo Rocco, der Rektor der römischen Universität Prof. De Francisci und der Vorsitzende der italienischen Delegation beim Völkerbund Senator Scialoia. Die italienischen Zeitungen widmen dem scheidenden Gelehrten eingehende Würdigungen. r—Trau«] Grand-Restauration „FQrstenhof'« £ HP3 streng orthodoxe KQche "W3 1 SIMON RAAB 5 | Bis 30. September geöffnet! J Veröffentlichungen der Union österreichischer Juden. „Union"-FrühItagsfest. Die Bemühungen für ein gutes Gelingen des am 20. Juni im reservierten Garten des C'onstantinhügels, II., Hauptallee, stattfindenden „Union"-Frühlingsfestes sind in vollem Gange. Die einzelnen Bezirksorganisationen, insbesondere die Bezirksorganisation Leopoldstadt, der „Union"-Frauen-Klub und nicht zuletzt die .,Union"-Jugendgruppe sind unter Leitung des Sekretariats der „Union" eifrig bestrebt, alle Vorbereitungen für einen Erfolg dieser Veranstaltung zu treffen. Aus dem reichhaltigen Programm, das für das Fest vorgesehen ist, seien die A k a d e m i e mit ihren künstlerischen Darbietungen, der Tanz im Freien, zu dem die bekannte Amateur-Jazz Fritz A11 m a n n (15 Mann) spielen wird, die Tombola mit besonders schönen Treffern und die für die Unterhaltung bestimmten Jux-Zelte hervorgehoben. Die bekannte Selchwarenfirma Petyan wird am Abend einen eigenen Pavillon errichten, in dem gute Wurstwaren zu mäßigen Preisen erhältlich sein werden. Der Kartenvorverkauf beweist heute schon das große Interesse, das in weitesten Kreisen für diese Veranstaltung besteht. Restliche Karten zum Preise von S 3.— sind noch im Sekretariat der „Union", IX., Berggasse 4, Tel. A 19-2-77, erhältlich, wohin auch Spenden für die Tombola erbeten werden. tttanrneifen Jage >I I) l Die österreichischen Kongreßwahlen. Am 3. Juni fanden in Oesterreich die Wahlen zum XVII. Zionistenkongreß statt. Sechs Parteien waren aufmarschiert und bombardierten die Schekelzahler — und nicht nur diese —, nur ihre Heilsliste zu wählen. Der Erfolg dieses Massenauftriebs an Parteien und Propaganda blieb nicht aus. Die Wahlbeteiligung war eine verhältnismäßig recht starke, 58 Prozent der Schekelzahler gingen zur blau-weißen Wahlurne. Noch interessanter aber ist das Ergebnis der Wahl, es beweist, daß auch in Oesterreich die Opposition an Macht gewinnt, was nicht zuletzt ein persönlicher Erfolg der Agitation Strickers ist. Die Wahlen ergaben nämlich folgendes Resultat: Revisionisten, 2000 Stimmen, 2 Mandate; Allg. Zionisten, 1400 Stimmen, 1 Mandat; Poale Zion, 850 Stimmen, l Mandat; WIENER BET HAMIDRASCH » Wien II., Tempelgasse 3. Das Wiener Bet Hamidrasch und die Israel. Theologische Lehranstalt Wien veranstalten anläßlich des 100. Geburtstages des Herrn Lektor Meir Friedman s. A. eine Gedenkfeier. Dieselbe findet Montag,den 15. Juni 1931, um 19 Uhr 30 abends im kleinen Tempel, II., Tempelgasse 3. statt. Die Gedenkreden werden halten: Für die Wiener Bet Hamkfrasch: Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. M. Rose mann. Für die Israel. Theolog. Lehranstalt: Herr Professor Dr. Samuel Krauss. Für den Vorstand: Ernst Voge 1 m. p. Dr. Jakob Orn-steinm. p. Schriftführer. Präsident.