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Die Wahrheit · 1931-06-05 · Heft 23 (5.6.1931) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 23 (5.6.1931)
Date
1931-06-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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öette 4 DIE WAHRHEIT rangen des Erzherzogs Joseph zu erwidern. Wir alle, sagte er, stimmen darin überein, daß die untalentierten Elemente von den Universitäten fern gehalten werden müssen, denn diese vermehren das geistige Proletariat. Auf jeden Fall muß der Weg zu den Universitäten allen Talenten erschlossen werden und diese Konzeption hat mich auch geleitet, als ich in Verbindung mit dem Gesetze über den Numerus clausus nicht zugestimmt habe, daß dieses G-esetz in konfessioneller Richtung irgendwie zugespitzt werde, und nach Beruhigung der im Lande herrschenden Stimmung ist dem Abgeordnetenhause eine Novelle vorgelegt worden, die in diesem Belange den Einschränkungen ein Ende bereitet. Heute ist in erster Reihe das erreichte Resultat bei der Aufnahme an den Universitäten richtunggebend und es ist uns gelungen, eine gewisse gerechte Verteilung unter den verschiedenen Beschäftigungszweigen durchzuführen namentlich nach der Richtung, daß jene jungen Leute, die mit Auszeichnung maturiert haben, ohne Rücksicht auf ihre gesellschaftliche Stellung und ihre Nationalität, an einer ungarischen Hochschule Platz finden sollen. Man sieht also, daß wir bestrebt waren, jenes Prinzip der Gerechtigkeit zur Geltung zu bringen, auf das S e. Hoheit hingewiesen hat. Der Nationalitätenkampf in Ostgalizien und die Lage der Juden. Von HJU Rogoff. Der Artikel des Mitarbeiters am New- Yorker „Vorwärts" erinnert vielfach an Jüdische Probleme in der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie. Ostgalizien ist heute eine der vielen kranken Stellen am europäischen Körper. Vor einigen Monaten hat die polnische Regierung den Versuch unternommen, diese Krankheit mittels einer lebensgefährlichen Operation zu heilen. Sie hat eine Strafexpedition entsandt, die Menschen tötete. Häuser in Brand steckte und Felder verwüstete. Keiner glaubt daran, daß die Operation jene Wirkung haben wird, die die „Doktoren" im polnischen Kabinett von ihr erwarten. Eher wird sie das Entgegengesetzte erreichen. Die Lage in Ostgalizien hat sich verschlechtert, die Gefahr, die daraus für Europa erwächst, ist größer geworden. Die furchtbare Strafexpedition war ein Verzweiflungsakt in einem Kampfe, der nicht von heute datiert, sondern seit der Zeit, da Polen Ostgalizien mit seinen fünf Millionen Ukrainern erhalten hat Die polnische Regierung ist entschlossen, die Ukrainer zu Polen zu machen, und die Ukrainer sind entschlossen, sich zu wehren. Der Kampf wird auf der ganzen Linie des wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Lebens geführt Die Ukrainer suchen, auf alten Gebieten festen Fuß zu fassen, und die Polen sind bemüht sie aus jeder eroberten Position zu verdrängen. Wie wirkt sich dieser Kampf auf die Hunderttausende von Juden aus, die in Ostgalizien wohnen? Wie stehen die Juden zu den kämpfenden Parteien und wie verhalten sich die. beiden Gegner den Juden gegenüber? Die Frage hat mich sehr interessiert und ich habe mit vielen Menschen gesprochen, die einen guten Ueberblick über die Lage haben. Was sie mir erzählt haben, war leider sehr traurig.. Es ist die alte Geschichte: Wie immer der Jude handelt — es ist schlecht Wird er den Ukrainern Freundschaft zeigen, dann werden ihn die Polen als „Verräter" brandmarken. Wird er mit den Polen halten, dann ist er für die Ukrainer der Lakai der Unterdrücker. Bleibt er aber neutral, dann werden beide Teile ihn der Freundschaft mit dem „anderen" verdächtigen. Bei den vergangenen Sejm-Wahlen haben die Juden in Ostgalizien (mit Ausnahme der Bundisten) die Pilsudski-Liste gestützt Sie haben das getan aus Motiven, die mit der ukrainischen Frage nichts zu tun haben. Es wurde in den Kreisen der Zionisten und der Agudah eine gewisse politische Situation geschaffen, die beide Gruppen in das Lager Pilsudskis drängte. Das Schicksal wollte es aber, daß gerade in diesem Augenblick die Regierung ihre Terroraktion gegen die Ukrainer unternahm. Dann sagten die Ukrainer, die Juden hätten ihren ärgsten Feinden geholfen. Manche der Führer erklärten sogar unverblümt daß eine Zeit kommen werde, in der die Juden das bezahlen würden. Was das bedeutet errät jeder. Jeder Schritt, der in diesem Kampfe unternommen wird, ob nun von seiten der Polen oder von jener der Ukrainer, geht zu den Köpfen der Juden hinaus. Wir wollen das mit einigen Beispielen illustrieren: Eine der Aktionen, die die Ukrainer planmäßig durchführen, ist die Festigung ihrer wirtschaftlichen Position im Dorf. Um das zu erreichen, haben sie in allen Dörfern und Städten Kooperativen errichtet Die Bauern verkaufen jetzt ihre Produkte an die Kooperativen und decken bei diesen auch ihren Bedarf. Der Handel, den jetzt die Kooperativen besorgen, war früher in den Händen der Juden. Die Kooperativen sind ein großer Erfolg und die Juden können mit ihnen nicht konkurrieren. Die Kooperativen haben dem Juden nicht nur den Handel mit dem Bauern unmöglich gemacht, sondern ihn auch vom Handel mit den anderen Teilen der Bevölkerung ausgeschaltet, mit den. Bewohnern der Stadt. Man erzählte mir, daß sogar die Juden in Lemberg Milchprodukte von den ukrainischen Kooperativen kaufen, ganz einfach deshalb, weil die Ware dort billiger und frisch ist. Die ukrainischen Führer versuchen auch, auf die Bauern Einfluß zu nehmen, sie mögen das Trinken aufgeben. Die Folge dieser Prohibitionsagitation ist, daß s!■ GEBIET Auskunft Lehrer Jakob Eisenberg, II., Ma'zg. 16 Streng orthodoxes Erbolungslielni für Kinder Arzt im Hause Pädagog. Leitung: staatlich gepr. Lehrer Aufnahme beschränkt Vom l./VI. bis I5./IX. viele Schenken gesperrt werden. Darunter leiden, weil der Branntweinschank größtenteils in jüdischen Händen war, natürlich wieder zahllose jüdische Familien. Es muß gesagt werden, daß jeder einsieht, daß die Prohibitionsagitation der Kooperativen auch ihr Gutes hat. Der ukrainische Bauer gewinnt in ökonomischer und kultureller Hinsicht. Aber das macht die Lage der Juden nicht leichter, die ihr Brot verlieren und vor dem Nichts stehen. Ich habe auf diese zwei Fragen hingewiesen — aber das sind nur Beispiele. Dasselbe Prinzip wird überall praktiziert Die Ukrainer bemühen sich, ihr Leben immer mehr mit ukrainischer Kultur zu durchsetzen, sie haben eine große Presse, eigene Schulen, sie entwickeln ihre eigene Kultur und ihr eigenes Handwerk. In jede Institution bringen sie eigene Menschen. Der Jude wird überall ausgeschlossen. Auch die Polen machen ihrerseits dasselbe; sie suchen alles zu polonisieren und zur Verwirklichung dieser Zwecke bringen sie Polen nach Ostgalizien — und die Juden bleiben wieder draußen. Alle Regierungsbeamten in Ostgalizien sind Polen; alle Arbeiter in Regierungsunternehmungen sind Polen; für Waldarbeiten, für Bauten bringt die Regierung Arbeiter aus Polen — selbst wenn sie sie aus einer sehr weiten Gegend herholen muß. Sie „importiert" Polen nach Galizien und siedelt sie dort im Lande an, obzwar sie sich dessen bewußt ist, daß die Ukrainer an Land Mangel haben. Die spärlichen Möglichkeiten des ostgalizischen Dorfes werden auf diese Art zwischen Ukrainern und Polen geteilt Für den Juden bleibt natürlich gar nichts. Die Ukrainer behaupten, daß die Juden der Regierung in der Polonisierung von Ostgalizien helfen, durch den Gebrauch der polnischen Sprache» durch die polnische Erziehung ihrer Kinde'r. Nun muß man sich vorstellen, in welcher Lage~sich die Juden befinden würden, wenn sie die. polnische Sprache im öffentlichen Leben ablehnen, oder wenn sie ihre Kinder nicht in die polnischen Schulen schicken, sondern warten würden, bis das jüdische Schulwerk ausgebaut ist. Vorläufig ist es den Juden gelungen, einer unmittelbaren Verwickelung in diesem Kampf aus dem Wege zu gehen, und das ist ein Glück. Denn falls eine: der Parteien sehen wird, daß die Juden sich aktiv beteiligen und ihrem Gegner helfen, wird sie ihr ganzer „Zorn" treffen. Statt den Gegner zu schlagen, wird der Jude geschlagen werden. DlHHCDlSdlCS KönifisliclU MI Seit vielen Jahren das anerkannt beste tas^riow Man achte auf die ges. gesch. Marke „Hyglen. Königslicht" und Name Schub Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengassse 3 Telephon R 33-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt. Verlag Josef Brenner, Wien II, Soeben erscheint Marburg, Dr. Fritz: Der Antisemitismus in der deutschen Republik steif broschiert........Mark 2 — mit zahlreichen aktuellen Illustrationen auf 16 Kunstdrucktafeln. Vorrätig in allen Buchhandlungen. Wo nicht lagernd, verlange man direkt vom Verlag. Schwierigkeiten der englischen Emigration. Frankreich. In den letzten Tagen fand in Paris eine Sitzung des ZentraJhilfskomitees für jüdische Emigranten unter dem Vorsitz seines Präsidenten M. 0 ualid statt. An der Sitzung nahmen der Generalsekretär R. A Olchansky und der Schatzmeister Rappaport vom Zentralkomitee. Direktor Edouard Oungre und die Sekretäre J. Dijour und Melamede von Hjcem, sowie die Sekretäre M. Alexander und Fräulein Weil! vom Zentralkomitee teil. Aus dem Bericht über die Tätigkeit des Komitees während der ersten vier Monate des Jahres 1931 ging hervor, daß die Lage der jüdischen Emigranten durch die herrschende Arbeitslosigkeit eine weitere Verschärfung erfahren hat Das Komitee wurde in den ersten vier Monaten des Jahres von 5186 Personen gegenüber 4013 Personen im gleichen Zeitraum des Vorjahres in Anspruch genommen. Trotz der intensiven Tätigkeit des Komitees auf dem Gebiete der Arbeitsbeschaffung, an der auch die in diesem Jahre geschaffenen Zweigstellen in Lille und Marseille hervorragenden Anteil hatten, mußten von Jänner bis April bereits 217 Emigranten gegenüber 169 im gleichen Zeitraum des Vorjahres in ihre Herkunftsländer zurückbefördert werden, weil es nicht gelang, ihnen Arbeit oder dauernde Aufenthaltsbewilligung zu verschaffen. Die Kosten des Rücktransportes der jüdischen Emigranten hatten Grand Rabbin Isriel Levi, Hjcem. das Pariser Wohltätigkeitskomitee und eine Reihe von Einzelpersonen auf sich genommen. Cuba. Der Direktion von Hias-Jca-Emigdirect (HJCEM) ist seitens des „Centro Isuaelite de Cuba" nachstehende Information zugegangen: Die wir tschaf tiiehe Lage der Juden; in - Cuba ist gegenwärtig äußerst schwierig. Die einzige Industrie, die sich bisher in jüdischen Händen befand, war die Schuhindustrie. Im Verlauf der letzten Wochen haben jedoch fünf Schuhfabriken den Betrieb einstellen müssen. Die zahlreichen dadurch erwerbslos gewordenen Arbeiter sind, da sie keinerlei Aussicht haben, wieder Arbeit zu finden, von tiefstem Elend' bedroht Beim Komitee in Cuba laufen in großem Anzahl Gesuche um Rückbeförderung in die frühere Heimat ein. Diesen Ansuchen kann nicht in vollem Umfang entsprochen werden, da die nach Europa abgehenden Schiffe nur eine sehr beschränkte Zahl von Rückwanderern zu ermäßigtem Tarif aufnehmen. Viele jüdische Arbeiter, die nach Europa zurückzukehren beabsichtigen, besitzen nicht einmal das Minimum der für die Ueberfahrt notwendigen Mittel. Dazu kommt, daß jedes im Hafen von Cuba landende Schiff neue Einwanderer bringt die die Zahl dieser Unglücklieben vermehren und so zur Verschärfung der allgemeinen Wirtschaftslage der jüdischen Bevölkerung beitragen. Im Hinblick auf die geschilderten Verhältnisse muß vor jeglicher jüdischen Auswanderung nach Cuba in diesem Augenblick dringend gewarnt werden. Kanada. Die Einwanderung nach Kanada ist während des am 31. März abgelaufenen Finanzjahres gegenüber dem Finanzjahr 1929/30 um ungefähr 45 Prozent gesunken. Im letzten Finanzjahr sind 88.223 Einwanderer gegen 163.288 im Finanzjahr 1929130 nach Kanada gekommen. Der Einwanderungsminister W. A Gordon veröffentlicht eine Uebersicht über die Einwanderungsbewegung, aus der zu lersehen ist, daß in den letzten Monaten auf Grund der neuen Einwanderungspolitik der Regierung ein weiteres starkes Sinken der Einwanderung zu verzeichnen war. Auf der vor kurzem stattgefundenen Jahresversammlung der Jewish Immigrant Aid Society von Kanada wurde berichtet daß vom April 1930 bis April 1931 2895 jüdische Einwanderer nach Kanada gekommen sind. Das jüdische Mitglied) des kanadischen Parlaments S. W. Jacobs erklärte in der Versammlung, es bestehe keine Hoffnung auf eine Miidieirung de* Einwanderungsbeschränkungen in nächster Zeit, da sowohl Regierung wie Opposition aus Furcht vor einer Verschärfung der Wirtschaftskrise! Gegner der Einwanderung seien. Er selbst sei zwar davon überzeugt, daß die Politik der verschlossenen Tür Kanada mehr schade als nütze, die politischen Parteien seien aber bisher noch nicht zu dieser Erkenntnis gelangt Michigan. ' Das Parlament des Staates Michigan hat ein Gesetz angenommen, demzufolge alle Ausländer verpflichtet sind, sich polizeilich registrieren zu lassen und die Rechtmäßigkeit ihres Aufenthaltes im Lande nachzuweisen. Das Immigration Department hat sich für das Gesetz eingesetzt um bei der Deportierung illegal eingewanderter Personen staatliche Hilfe in Anspruch nehmen zu können. Das Department für öffentliche

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