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Die Wahrheit · 1931-06-05 · Heft 23 (5.6.1931) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 23 (5.6.1931)
Date
1931-06-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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DBE WAHRHEIT Saite ä Die Zahl der Juden in Europa. J. Koralnik veröffentlicht in der von ihm und Dr. Jacob S e g a 11 geleiteten „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" (Berlin) eine eingehende Untersuchung über die Zahl der Juden in Europa zu Beginn des Jahres 1931, in der er auf die Zahl von insgesamt 9,785.000 Juden kommt. Der Stärke ihrer jüdischen Bevölkerung nach lassen sich die Länder wie folgt ordnen: Polen 3,125.000 Juden, europäischer Teil der Sowjet-Union 2,970.000 Juden, Rumänien nicht über 800.000 Juden, Deutschland 585.000, Ungarn 473.000, Tschechoslowakei 380.000, England und Irland 300.000, Oesterreich 220.000, Litauen 167.000, Frankreich nicht über 160.000, Holland 120.000, Lettland 96.000, Griechenland 73.000, Jugoslawien 67.000, europäische Türkei 50.000, Bulgarien 50.000, Belgien 45.000, Italien 45.000, Schweiz 18.000, Danzig 9000, Schweden 6000, Dänemark 5500, Estland 5000, Saargebiet 4500, Spanien 3000, Portugal 2500, Finnland 1800, Luxemburg 1750 und Norwegen 1450. Hinsichtlich der Zahl der jüdischen Bevölkerung in Sowjetrußland weist Koralnik darauf hin, daß die amtliche Schätzung von 2,700.000 Juden Ende 1930 zu niedrig gegriffen ist, da sie lediglich die Bevölkerung jüdischer Nationalität umfaßt. Er ist mit dem bekannten sowjetrussischen Wirtschaftspolitiker J. Larin der Ansicht, daß zirka 10 Prozent des jüdischen Gesamtbestandes sich anderen Nationalitäten zugezählt haben. Als stark übertrieben erweisen sich im Lichte der neuesten Daten die bisherigen Schätzungen der jüdischen Bevölkerung in Rumänien, die von verschiedenen Autoren auf 1,000.000 bis 1,130.000 bemessen wurde. Bei der Berechnung der Zahl der Juden in Deutschland trägt der Verfasser dem Umstand Rechnung, daß bei der Volkszählung im Jahre 1925 ein Teil der deutsch-jüdischen Be¬ Zuwachs des rumänischen Judentums ergibt eine Zahl von 110.000 Köpfen für die letzten zehn Jahre bei einer Auswanderung von zirka 60.000 Juden. Das Endergebnis von 9,785.000 Juden bezeichnet Koralnik als die Höchstziffer der jüdischen Bevölkerung Europas Anfang 1931. Die Bevölkerung der Juden auf der Erde. Die „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" bringt eine von Raymond Pearl, Leiter des Biologischen Instituts an der J. Kopkih-Universität, hergestellte Statistik der Bevölkerung der Erde, wonach der gegenwärtige Stand der Menschheit auf 1.849,500.000 Seelen bemessen wird. Die Bevölkerung mosaischen Glaubens ist an dieser Gesamtheit mit nur 0,8 Prozent beteiligt. Den 0,8 Prozent Israeliten stehen 36,9 Prozent Christen und 62,3 Prozent NichtChristen gegenüber. Den absoluten Stand des Gesamtjudentums gibt Raymond Pearl mit 15,630.000 Seelen an. Die absoluten Zahlen für die Bällä VORNEHME FAMMEN - PENSION |HntaBPation,HaffBihaB5 täglich 5-Uhr-Tee PEMMERING TELEPHON 11 Hochstratte 43 neben Hotel Panhans m Mäßige Preise, Zimmer mit Pension S 12.— aufwärts H Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser H| in jedem Zimmer. m Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein, Besitzer limiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiii« anderen Religionen lauten wie folgt: Römisch- Katholiken 331,500.000 (17,9 Prozent der Gesamtbevölkerung der Erde); Protestanten 206,900.000 (11,2 Prozent); Orthodoxe und andere Christen 144,000.000 (7,8 Prozent); Mohammedaner 209,020.000 (11,3 Prozent); Buddhisten 150,180.000 (8,1 Prozent); Hindus 230,150.000 (12,5 Prozent); Anhänger von Konfuzius und Taoiten 350.600.000 (19,0 Prozent); Animisten 135,650.000 (7,3 Prozent); sonstige NichtChristen 75,870.000 (4,1 Prozent). ■■■11M1» Der internationale religionspsychologische Kongreß. „Nur ein Narr spricht in seinem Herzen, es ist kein Gott." Es konnte in unserem psychologischen Zeitalter nicht ausbleiben, daß die Religion, als psychisches Phänomen genommen, ihre Betrachtung fand. Ueber das Verhältnis des modernen Menschen zur Religion, über die Beschaffenheit des religiösen Menschen auf Grund von Beobachtung und Experiment Aufschluß zu geben, fanden sich Männer von verschiedenen Richtungen — in der Uebexzahl Theologen — auf dem Ersten internationalen religionspsychologischen Kongreß zusammen. Wenn auch einzelne Redner in christliche Dogmatik abbogen und darüber die Psychologie vergaßen, so brachte der Kongreß auch Ergebnisse von allgemeiner Gültigkeit, die hier angeführt werden sollen. Ueber „Unglaube in psychoanalytischer Beleuchtung" sprach Dr. Pfister (Zürich), der zu dem Ergebnis kam, daß in vielen Fällen der scheinbare Unglaube nichts anderes ist, als eine Verdrängung des religiösen Bewußtseins. Welche moralische Bedeutung die Religion besitzt, ergab sich aus einer Statistik, die Polizeivizepräsident Dr. Brandl in seinem Vortrag: „Die Glaubensverfassung der Kriminellen" anführte. Von hundert männlichen Eigentumsdeliktsverbrechern, die in der kriminalbiologischen Untersuchungsanstalt der Polizeldirektion untersucht wurden, waren 34 gläubig und 66 ungläubig. Von den Untersuchten waren 65 leichtere und 35 schwerere Fälle (Gewohnheitsverbrecher). Erstere setzten sich aus 31 Gläubigen und 34 Ungläubigen die Berufen Sie sich auf die „Union" bei Abschluß von Versicherungen bei der Städtischen Versicherungsanstalt völkerung sich in die Gruppe der Konfessionslosen und unbekannten Glaubensbekenntnisse eingetragen hat. Der amtlichen Ziffer von 564.000 Juden im Jahre 1925 wird man nicht mehr als 30.000 bis 40.000 hinzuschlagen müssen. Man gewinnt auf diese Weise rund 600.000 Personen mosaischen Glaubens in Deutschland 1925. Ende 1930 ist diese Zahl auf 585.000 heruntergegangen. Hervorzuheben ist die Feststellung Koralniks, daß die Zahl der Juden in U n g a r n Anfang 1930 auf derselben Höhe steht wie 1920, infolge der ungünstigen Bilanz der natürlichen Bewegung des ungarischen Judentums und der Austrittsbewegung. Diese hat in den letzten Jahren zwar abgenommen. So betrug der Ueberschuß der Austritte über die Wiedereintritte in den zwei Jahren 1919_20 8766, während die Jahre 1921—28 einen Ueberschuß von nur 1725 Personen ergaben. Ebenso ist die jüdische Einwohnerschaft Oesterreichs auf derselben Höhe wie 1923 (rund 220.000 Köpfe) geblieben. Die jüdische Bevölkerung in der Tschechoslowakei hat seit 1921 nur um rund 26.000 Seelen zugenommen. Die skandinavischen Länder weisen einen Rückgang der jüdischen Bevölkerung auf. Die Untersuchungen von Koralnik gewähren einen interessanten Einblick in die Gestaltung der natürlichen Bevölkerungsbewegung bei der jüdischen Bevölkerung Europas. Für die Zeit Ende 1921 bis Ende 1930 stellt sich die natürliche Zunahme der jüdischen Bevölkerung in Polen auf nicht weniger als rund 509.000 Seelen. Die Auswanderungsziffer während derselben Jahre betrug aber nicht mehr als rund 255.000 Seelen. Der natürliche Kleider sofort Zahlung später Herren- und Damenkleider nach HsB nnd fertig nur erstklassige Stoffe, bis 12 Monate Kredit Kleiderhaus Werter, Wien Xf l., OrtahrlnöCTStr. II Tel. a 21-501 Ueber „Neurose und Unglaube" sprach Dr. Allers (Wien). Er ging von der Erscheinung aus, daß in Zeiten des Unglaubens die Zahl der Neurosen zunehmen. Man kann, meinte der Vortragende, bei jedem Neurotiker das Verlangen beobachten, anders zu sein, als er wirklich ist. eine Erscheinung, die geboren aus der Angst vor seiner Endlichkeit, ihm den Zug der Unechtheit gibt In der Neurose verleugnet der Mensch seine Endlichkeit sowie die Unendlichkeit Gottes vor sich. Durch die Verleugnung Gottes sucht er sich zu verabsolutieren. Die Erkenntnis der eigenen Begrenztheit ist auch schon der Weg zur Heilung. Unglaube ist zwar nicht immer Neurose, aber Neurose erwächst auf dem Beden des mangelhaften Glaubens. Auch hier finde das Wort des Psalmisten: „Nur ein Narr spricht in seinem Herzen, es ist kein Gott", seine Bestätigung. Ueber „Unglaube als psychische Ausfallserscheinung", sprach Frau Dr. Marianne Beth. Die Vortragende meinte, daß der Unglaube bei den einen auf seelische Trägheit zurückzuführen sei, die nur alles handgreiflich anerkenne, bei den anderen fehle es wieder am Ausdruck zur Formulierung des Unbewußten. Der Unglaube in diesem Sinne könne auch Ausdruck eines ganzen Zeitalters sein. Der Genfer Universitätsprofessor Dr. Bergner berichtete in seinem Vortrage: „Das Verhältnis der modernen Zeit zu den religiösen Grundideen" über das Ergebnis einer von ihm veranstalteten Enquete, welche die Stellung des zeitgenössischen Menschen zum Sinn des Lebens und zu den religiösen Grundproblemen zum Gegenstand hatte. Es ergab sich eine große Teilnahmslosigkeit auch bei Gebildeten gegenüber diesen Problemen, die von den meisten überhaupt gar nicht durchdacht worden waren. Eine Analyse des Unglaubens gab Prot Dr. Ciavier (Montpellier). Er führte ihn hauptsächlich auf den Wunsch nach Verteidigung der persönlichen Autonomie und Autarkie zurück, daneben auch auf politische Gründe (Anarchismus, Kommunismus). Gewohnheitsverbrecher aus 4 Gläubigen und 31 Ungläubigen zusammen! Der Vortragende kam zu dem Ergebnis, daß der innerlich religiöse Mensch in der Verbrechensstatistik keinen Raum hat. In diesem Zusammenhang verdient auch das Referat von Prot Stransky: „Subordination und Autorität" Erwähnung, in welchem der Vortragende die Bedeutung der Religion für die Hygienisierung und Eudaimonisierung der Seele betonte. Mit dem Wesen der Religiosität endlich beschäftigte sich Prof. Dr. Thimme (Münster), der die Frage aufwart, ob Religiosität als produktive „Anlage" für die Religion oder als rezeptives „Organ" für das Objekt der Religion zu fassen ist. Im ersteren Falle läge es nahe, sie als Vorzugsanlage einzelner zu verstehen (romantische Auffassung), im letzteren FaJle gäbe es grundsätzlich keinen religiösen Aristokratismus, für welch letztere Auffassung sich die Bibel entscheidet Sehr interessant gestaltete sich eine Reihe von pädagogischen Referaten, von denen das des Oberschulrates Schlemmer (Berlin): „Der religiöse Unglaube im Pubertätsalter" erwähnt sei. Es zeigt sich, meinte der Vortragende, bei Jugendlichen im Alter von elf bis siebzehn Jahren eine spezifische Ungiäubigkeit, die folgende Arten aufweist: Unüberzeugtsein von religiösen Wahrheiten. Uninteressiertsein am Gesamtphänomen der Religion und Unfähigkeit zu religiösen Erlebnissen. Der Jugendliche ist in dieser Zeit viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt als daß er es zu einem transzendenten Gefühl bringen könnte. In seinem Vortrage: „Die religiöse Beeinflussung des Selbstgefühls", betonte Dr. Capek (Prag) den Wert der Religion für die Persönlichkeitsbildung und die Festigung des Charakters, wobei er Beispiele aus seiner Praxis anführte, in denen es ihm gelungen war, durch religiöse Beeinflussung Selbstmordkandidaten neuen Lebensmut zu geben. Die Arbeiten auf diesem Gebiete werden sicherlich Ergebnisse zeitigen, die speziell für die in unserem materialistischen Zeitalter heranwachsende Jugend von Bedeutung sein werden. •■■«••■■■■■■■«•■•••■•*■•■«■■**■•«■■■■■■■■«• Numerus clausus-Debatte im ungarischen Oberhaus. Bei der Beratung des Staatsvoranschlages im ungarischen Oberhaus hielt Erzherzog Joseph eine große Rede, in deren Verlauf er auch auf den Numerusciausus zu sprechen kam. Er führte aus: Jedermann soll es möglich sein, die höchste wissenschaftliche Qualität zu erreichen. Ich bin der Ansicht, daß unsere Kultur entwickelt werden muß und billige durchaus nicht die Einwendungen gegen unsere Kulturpolitik, weil durch diese die Aufmerksamkeit des Auslandes in eine falsche Richtung gelenkt wird. Das Ausland könnte schließlich ein unrichtiges Bild über unsere Kulturinstitutionen erhalten, was eine ungeheure Gefahr für uns in sich birgt. Die Förderung unserer Kultur ist ein Kettenglied des Hebelwerkes, das uns aus dem Sumpfe Trianons wird emporheben können. (Langanhaltender Beifall.) Gleich nach der Rede des Erzherzogs Joseph erhob sich Kultus- und Unterrichtsminister G r a f K1 e b e 1 s b e r g, um auf die Ausfüh-

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