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Die Wahrheit · 1931-05-29 · Heft 22 (29.5.1931) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 22 (29.5.1931)
Date
1931-05-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sehe 6 _ DIE WAHRHEIT Wer sich rasch and ölüthlidi verehelichen will, wende sich vertrauensvoll an die «USSdllleOlIdl jüdische Ehevermittlung ,HA-CSfR Wien IL, Förstergasse 10/18 Auf Wunsch Gratisprospekt! « « essen und Vergnügungen noch Zeit behalten will — wird sich ganz intensiv überlegen, wie sie ihren Haushalt einfacher und übersichtlicher machen kann, und wird diesem Zwecke manches scheinbare Opfer bringen. Die Rednerin sprach nur andeuiend von der Verringerung des Zimmerschmuckes, der praktischen Raumgestaltung usw., da hierüber von vielen Seiten gesprochen und geschrieben wird. Ausführlicher erörterte sie die Ansprüche, welche die moderne Hausgehilfin stellt, und die sie als grundsätzlich berechtigt anerkannte. In einem modernen Haushalt dürfe kein Mitglied die Vorstellung haben, daß irgend ein Wesen zu seiner persönlichen Bedienung vorhanden sei; man brauche nicht gleich Verweiblichung oder Vermännlichung zu fürchten, wenn der Knabe einen Tisch appetitlich zu decken, dafür aber auch das Mädchen einen Nagel sachgemäß einzuschlagen versteht Die Vortragende erinnerte an den berühmten deutschen Ingenieur-Pionier Max Eyth, der sich schon vor Jahrzehnten bitter über die deutschen Mütter und Tanten beklagte, weil sie dem Knaben den Eintritt in die Küche verwehren, und ihn dadurch in den Kleinigkeiten des Lebens hilflos und ständig abhängig von einer weiblichen Helferin machen. Also nicht nur im Interesse einer richtigen Wertschätzung der Haushaltsarbeit, nicht nur aus Gerechtigkeit den Mädchen gegenüber, sondern im eigenen Interesse des Knaben soll man ihn nicht als Gast im eigenen Elternhause behandeln; jedes heranwachsende Kind muß wissen, daß es selbst Ordnung um sich her zu halten und herzustellen hat Frau Fischer-Treu sprach besonders eingehend über die Küchenführung im jüdischen Haus, und wie man sie selbst bei genauer Befolgung der rituellen Vorschriften modernen Ernährungsgedanken anpassen kann. Man müsse dabei allerdings auf die bisher geübte Ueberschätzung des Fleischgenusses verzichten, da das Einweichen und Aussalzen dem Fleisch viele Nährsalze und andere Stoffe entziehe, und müsse der milchigen Küche in der Küchenausstattung wie auch im Speisezettel größeren Wert beilegen. Dem Fleisch könne dabei immer noch eine Rolle als Nahrungs- und Genußmittel in bescheideneren Grenzen gewahrt bleiben. In diesem Zusammenhange erörterte die Vortragende ausführlich den großen, nicht nur hygienischen, sondern auch humanitären Wert den die genaue Kontrolle beim Schächten und Verkaufen von koscherem Fleisch besitzt Zum Schlüsse ihrer Ausführungen stellte sie ein gewisses Mindestprogramm auf, das jeder, auch liberaljüdische Haushalt in Anknüpfung an die altjüdische Tradition beibehalten solle. An den Vortrag schloß sich eine besonders lebhafte. Aussprache, an der sich unter anderen die Damen Czuczka und Weiner, sowie die Herren Regierungsrat Dr. Lenk und Rechtsanwalt Dr. Steiner beteiligten. Frau Czuczka wies darauf hin, daß die Ansichten vieler Ernährungsphysiologen von dem Minderwert rituell behandelten Fleisches von anderen bestritten, sogar dessen erhöhter Gesundheitswert betont werde. Als besonders interessant darf festgehalten werden, daß gerade die Herren von ihrem Gesichtspunkte aus der Frau einen Lebenskreis zuwiesen, der von der Nur-Hausfrau nicht ausgefüllt werden kann. UNION- PRÜMLINGSFEST SAMSTAG, DEN 20. JUNI 1931 .IM RESERVIERTEN GARTEN DES CAFE-RESTAURANT „CONSTfiNTJN HÜGEL" (AKADEMIE, TANZ IM FREIEN, TOMBOLA, JUXZELTE ETC) . BEGINN 6 UHR NACHMITTAGS ENTREE S 3.- KMtTEN IM SEKRETARIAT DER .UNION". WIEN;rX., BERGGASSE 4^ TEL. A jp-2-77, ERHÄLTLICH . DAS FEST WIRD" BEI UNGÜNSTIGER;WITTERUNG IM SAALE ABGEHALTEN WJ W Wahrheiten vom <Tage Die Wahlen in Oldenburg. Die am vorletzten Sonntag stattgefundenen Wahlen zum Oldenburger Landtag haben gezeigt, daß in Deutschland die nationalsozialistische Welle nicht nur nicht zum Stillstand gekommen ist, sondern weiter ansteigt. Die Nationalsozialisten haben in Oldenburg ihre Stimmenzahl gegenüber den Reichstagswahlen um ein weiteres Drittel von 76.310 auf 101.490, und ihre Landtagsmandate seit der letzten Landtagswahl von 5 auf 19 erhöhen können. Die Mittelstandsparteien, mit Ausnahme des Zentrums, das seinen Besitzstand erhalten konnte, haben im Durchschnitt die Hälfte ihrer früheren Stimmen- und Mandatszahl eingebüßt. Die Sozialdemokraten haben eine beträchtliche Zahl Stimmen an die Kommunisten verloren. Von folgenschwererer Bedeutung wäre das Ergebnis dieser Wahl, wenn man es als Gradmesser für " die politische Stimmung in ganz Deutschland betrachten wollte. Man darf aber wohl annehmen, daß die Dinge in Oldenburg anders liegen als im übrigen Deutschland. In diesem industriearmen, kleinbürgerlichen und bäuerlichen Lande haben sich die neuen, nur dem Großgrundbesitzer zugute kommenden Agrarzölle so verhängnisvoll ausgewirkt, daß ein großer Teil der Bevölkerung in das radikale Lager abgetrieben wurde. Nach mexikanischem Muster. In den letzten Tagen wurden auf einzelnen Vorstadtmärkten Antwerpens die jüdischen Händler von den Marktbehörden fortgewiesen, nachdem es in letzter Zeit wiederholt zu Schlägereien zwischen nichtjüdischen und jüdischen Markthändlern gekommen ist. In jüdischen Kreisen Antwerpens herrscht über das Vorgehen der Marktbehörden große Empörung. Anlaß zu den Märktstreitigkeiten gab die Vermehrung der Zahl der jüdischen Kleinhändler, die darauf zurückzuführen ist, daß infolge des Niederganges der Diamantenindustrie viele in dieser Industrie beschäftigt gewesene Juden, durch Not gezwungen, den Beruf von Straßenhändlern ergreifen mußten. In Belgien kannte man bisher keinen Antisemitismus, die Leistungen der Juden wurden auch auf wirtschaftlichem Gebiet anerkannt. Die Berliner jüdische Gemeinde klagt einen Verleumder. Der Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde hat gegen den verantwortlichen Schriftleiter der „Nationalsozialistischen Monatshefte" Alfred Rosenberg Strafantrag wegen Beschimpfung der jüdischen Religion gestellt. In der Aprilnummer der „Nationalsozialistischen Monatshefte" war ein Aufsatz veröffentlicht, der die gröblichsten Beschimpfungen gegen die jüdische Religion enthielt. Insbesondere war in dem Artikel ausgeführt, daß durch den Talmud die Juden zu einer einheitlich handelnden Betrugsgemeinschaft v e r b u n d e n seien. Ein feiner Kultusminister. Vor kurzem hat, wie bereits gemeldet, eine | junge jüdische Studentin, Elsa Braver, gegen | den ehemaligen ungarischen Kultusminister Stefan | Iia 11 er, dem Schöpfer des Numerus | clausus-Gesetzes, die Strafanzeige erstattet Haller hat sich von der Studentin einen | größeren Geldbetrag dafür auszahlen lassen, daß er | ihr, die wegen des Numerus clausus-Gesetzes in Ungarn nicht studieren konnte, ein Auslandsvisum beschafft. Er hat diese Bedingungnichteinge ha 11en, sich aber geweigert, den erhaltenen Geldbetrag zurückzu-; zahlen. Die Studentin hat nun die Straf- | ■' anzeige zurückgezogen, nachdem Haller h! ihr von dem erhaltenen Betrag 600 Pengö zurück- U gezahlt hat „Egyenlöseg" weist darauf hin, daß |Haller, der als Schöpfer des Numerus clausus von einem Opfer dieses Gesetzes Geld angenommen hat, noch immer Reichstagsabgeordneter ist Jüdischer Patriotismus. Anläßlich der Fahnenweihe des Verbandes jü- : discher Teilnehmer am Iettländischen Befreiungskampf hielt der Präsident von Lettland KiwVss i s, der persönlich dem Verein die neue Fahne übergab, eine Ansprache, in der er seiner Ueberzeugung Ausdruck gab, daß jede Gefahr, von der Lettland in Zukunft bedroht sein sollte, die Juden in einer Reihe mit den übrigen Mitbürgern in gleicher Weise zur Abwehr bereit finden werde, wie sie in der Zeit der Begründung der Republik für ihr Vaterland einstanden. Nach der Ansprache defilierten die jüdischen Freiheitskämpfer gemeinsam mit den anläßlich der Feier ausgerückten Truppenteilen vor dem Staatspräsidenten und dem Ministerpräsidenten. Abends fand in der Großen Rigaer Chorsynagoge ein Festgottesdienst und danach ein großes Bankett statt. Im Zusammenhang mit der Feier der Fahnenweihe des Verbandes jüdischer Freiheitskämpfer in Lettland werden offizielle Daten über den Anteil der Juden an Lettlands Befreiungskampf bekannt gegeben, denen zu entnehmen ist, daß über 1000 Juden auf den Schlachtfeldern für Lettlands Befreiung gekämpft haben. Von ihnen sind 42 Soldaten und 12 Offiziere gefallen. Die Palästinaeinwanderung wird weiter gedrosselt. An Stelle der von der Exekutive der Jewish Agency angeforderten 1450 Einwanderungszertifikate hat die Palästina-Regierung bloß 500 Zertikate bewilligt, die an Angehörige von den in Palästina ansässigen Juden und Personen, die auf Grund eines Touristenvisums nach Palästina gekommen sind, und die Absicht haben, sich dauernd im Lande niederzulassen, ausgegeben werden sollen. Somit werden für die Einwanderung von Chaluzim keine Zertifikate verfügbar sein. Das Einwanderungsdepartement der Palästina-Regierung hat außerdem angeordnet, daß bei der Ausgabe der neuen Zertifikate nur jene Bewerber berücksichtigt werden sollen, deren Gesuche bei der R e g i erung registriert sind,-nicht aber jene, die bei der Jewish Agency um ein Zertifikat eingekommen sind. Gegen diese Verfügung haben die Vertreter der Exekutive der Jewish Agency schärfsten Protest erhoben und außerdem erklärt, daß sie gegen die weitgehende Kürzung der Zahl der auszugebenden Zertifikate Berufung einlegen werden. Dank von Albion. Die Immigrationsabteilung der Palästinaregierung hat die Deportierung des in Kfar Jezechiel lebenden Fleischers Chajkel Bernstein, eines ehemaligen amerikanischen Legionärs, nach Rußland angeordnet. Bernstein war anfangs 1918 als Freiwilligerindem f ür den Feldzug! inPalästina bestimmten jüdischen Regiment insLand gekommen. Nach der Demobiliserung kehrte er nach Amerika zurück und kam im Jahre 1922 mit seinen Eltern zum zweiten Male nach Palästina, wo er sich verheiratete. Der Ehe sind zwei Kinder entsprossen. Anläßlich seiner wegen einer Bagatellsache eriolgten Verhaftung wurden seine Papiere polizeilich überprüft, wobei es sich herausstellte, daß er und seine inzwischen verstorbenen Eltern im Jahre 1922 auf Grund von Touristenvisen nach Palästina gekommen und ohne dauernde Aufenthaltsbewilligung im Lande geblieben waren. Bernstein, der im Jahre 1910, vor nunmehr 21 Jahren, aus Rußland nach Amerika eingewandert war, die amerikanische Staatsbürgerschaft aber nicht erworben hat, ist s t a a t e n 1 o s. Sollte die Palästinaregierung ihre Absicht, ihn nach Rußland zu deportieren, ausführen, so würde sie ihn damit im Hinblick darauf, daß er Zionist ist, Verfolgungen seitens des Sowjets aussetzen. In jüdischen Kreisen Palästinas wird erwartet, daß die zugunsten Bernsteins bei der Palästinaregierung unternommenen Interventionen von Erfolg begleitet sein werden. Die Zahl der Juden im polnischen Heer. Der aus Brisk nach Warschau versetzte Militärrabbiner Major Dr. Frankel sprach anläßlich seines Amtsantrittes vor Pressevertretern über die Aufgabe der jüdischen Militärseelsorge. Bei dieser Gelegenheit machte er folgende Angaben über die Zahl der Juden im polnischen Heer: Im polnischen Heer dienen derzeit 11.000 jüdische Soldaten und 37 aktive jüdische Offiziere Die Zahl der Militärrabbiner beträgt 4, soll aber demnächst auf 11 erhöht werden. Form osa ■ flnmmlsfrBmpie verleihen unschönen Füßen die ersehnte schöne Form und verhüten Aber« dies Krampfadern, Venenentzündungen und viele andere Fußleiden Strumpfe per Paar S 13.50 Fesselförm „ „ „ 6.10 6amml$(rampf * Spezfalbaos „EOBRÖSA" ErMridr Bold, Wien I., Singersfn&e 3, Iii 829.1=33 '^^S»

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