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Die Wahrheit · 1931-05-29 · Heft 22 (29.5.1931) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 22 (29.5.1931)
Date
1931-05-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEH S«tte 5 Judiscfte ihtentafel London. Der Senat der Oxforder Universität hat beschlossen, Professor Albert Einstein, der zur Zeit Gastvorlesungen über die Relativitätstheorie an der Universität hält, zum Ehrendoktor der Philosophie vzu promovieren. Prag. Zum Rektor der Prager Deutschen Universität für das Studienjahr 1931/32 wurde Abgeordneter Dr. Bruno Kafka, ein Jude, gewählt. Der neue Rektor ist 50 Jahre alt und gehört zu den Führern des Prager Deutschtums. Er hat bereits zweimal die Dekan-Würde an der juridischen Fakultät bekleidet. Schon innerhalb der Deutschen Fortschrittspartei in Oesterreich hatte er eine führende Rolle inne. Nach dem Kriege gründete er die „Deutsch- Demokratische Fredheitspartei" in der Tschechoslowakei mit und wurde 1920 von dieser Partei in die erste tschechoslowakische Nationalversammlung entsendet. Heute ist er einer der Führer der „Deutschen Arbeits¬ und Wirtschaftsgemeinschaft". Er ist einer der Hauptmitarbeiter an dem neuen Bürgerlichen Gesetzbuch. Er gehört zu den führenden Köpfen der deutsch-freiheitlichen Studentenschaft und ist ein Gegner der nationaljüdischen Politik in den kommunalen und parlamentarischen Körperschaften. Berlin. In den letzten Tagen weilte in Berlin Herr Hermann Bernstein, Gesandter der Vereinigten Staaten in Tirana (Albanien), bekanntlich einer der führenden jüdisch-amerikanischen Journalisten und Schriftsteller. Herr Bernstein war auf der Durchreise in Wien und Prag Gegenstand ehrender Aufmerksamkeiten seitens der diplomatischen Kreise. In Wien gab der amerikanische Gesandte Herr S t o c k t o n zu Ehren des Gastes einen Empfang, dem Außenminister Doktor Schober und andere Staatsmänner und Diplomaten beiwohnten. In Prag gab Außenminister Dr. B e n e s c h zu Ehren von Herrn Bernstein einen Empfang, dem auch Präsident M a s a r y k, der vom Lande eigens nach Prag gekommen war, beiwohnte. New York. Anläßlich des 75. Geburtstages des ehemaligen Botschafters in der Türkei, Henry Morgenthau, fand im Bronx House, einem vom Morgenthau und seiner Gattin vor fast. 25 Jahren gegründeten Settlement, ein Festdiner statt. Präsident H o o v e r. Gouverneur Roseveilt, Vizegouverneur Herbert H. Lehman und der ehemalige Kriegsminister Newton D. Baker hatten Glückwunschtelegramme gesandt. Morgenthau, der aus Deutschland stammt, hat seine Ausbildung am College der Stadt New York und an der Columbia-Universität erhalten. Im Jahre 1913 wurde er zum amerikanischen Botschafter in der Türkei ernannt. 1919 ernannte ihn Präsident Wilson zum Vorsitzenden der amerikanischen Kommission zur Untersuchung der Pogrome in Polen. Nach der Friedenskonferenz unternahm er Propagandareisen durch die Vereinigten Staaten zugunsten des Anschlusses Amerikas an den Völkerbund. Er war auch Vorsitzender der vom Völkerbund gebildeten Kommission zur Ansiedelung der griechischen Flüchtlinge. Morgenthau hat sich auch hervorragende Verdienste auf philanthropischem Gebiete erworben. Unter anderem hat er den Verband zur Erhaltung jüdischphilanthropischer Gesellschaften und den Stiftungsfonds des Hebrew Union College in großzügiger Weise gefördert. Rom. In der letzten Sitzung der Päpstlichen archäologischen Akademie (Pontiticia Accademia di Archeologia Christiana) hielt der Präsident der Akademie Professor De Sanctis einen warmen Nachruf auf den vor kurzam verstorbenen Berliner jüdischen Historiker Professor Hermann Dessau. Professor De Sanctis wies auf die bedeutenden wissenschaftlichen Verdienste des Verstorbenen hin, der einer der besten Kenner des alten Rom, insbesondere der Epoche der Kaiserzeit, war und durch sein „Corpus Inscriptionum Latinarum" Weltruf erlangt hatte. Professor Dessau war das einzige jüdische korrespondierende Mitglied der Ponteficia Accademia di Archeologia Christiana. Bdministpations-leiter H _J Li! Städtische Veisicheruitqsansfalf ♦i Direktion: Wien L, Tuchlcfcuben. Nr. S Telephon V 27-5^-40 Alle Vcrsichciunqszwciiic Philadelphia. Im Alter von 87 Jahren verstarb hier der hervorragende Chemiker und Erfinder Dr. Isidor K i t s e e. Dr. Kitsee war inWiengeboren und kam vor 65 Jahren nach Amerika. Er hat im Laufe der letzten 45 Jahre über 2000 Erfindungen auf den verschiedensten Gebieten gemacht. Unter anderem hat er den ersten elektrischen Straßenbahnwagen für Philadelphia konstruiert, ein Untergrundtelegraphensystem ausgearbeitet und eine Zentralbatterie für Telephonstationen erfunden, eine Erfindung, die von der Bell Telephone Company ausgewertet wurde. Ein im Jahre 1889 erworbenes Patent aui dem Gebiete der drahtlosen Telegraphie verkaufte Dr. Kitsee an Marconi. Dr. Kitsee rühmte sich, ein direkter Abkömmling von Moses Maimonid e s zu sein. New York. Hier verstarb im Alter von 72 Jahren der hervorragende Theaterdichter und Theaterleiter David B e 1 a s c o, den man den „Nestor des amerikanischen Theaters" nannte. David Belasco wurde 1859 in San Francisco als Kind aus England eingewanderter jüdischer Eltern geboren, war zuletzt Regisseur von Baldwins Grand Opera House und des Metropolitan Theater in San Francisco, ging dann nach New York, wo er das Madison Square Theatre, später das Lyceum leitete, bis er Eigentümer und Direktor des Belasco Theatre in New York wurde. Seine Stücke gingen über alle amerikanischen Bühnen, auch als Regisseur und Theaterleiter wurde er tonangebend. Er verstand es, die besten amerikanischen Schauspielkräfte um sich zu scharen. Obwohl von einem katholischen Priester erzogen, blieb er dem Judentum treu und war Mitglied der Central Synagogue in New York und der Jewish Theatrical Guild. BUCHSTABEN U. LICHTREKLAME SCHILDER ADOLF BRODINGER Wien II., PratoratraBe 38 - Telephon R 4S-7-H8 Für eine neu gegründete WOChttnxeltung (in Jargon, Hebr.u. Deutsch) werden tüchtige Mitarbeiter, welche einen derartigen Posten leiten können, an allen größeren Orten des Auslandes gegen gute Honorierang gesucht. •^^^^^^^^^^^■^■■■■■^»■■■■■■■■■■■^■■■■■■■■■■■■i Offerten mit näheren Angaben an S.iBlsi, FnnMBrtaJ. CBmbipgiFafp.Zl In meinem Verlag erscheint soeben: pb® Tfipp Ii Sehulchan Art yoo Rabb. Sch'Iooo Binzlriid s. fl. mit deutscher Übersetzung von Bflbb. Dp. H. Baku Eine Lieferung von 36 Seiten inklusive Umschlag (saubere Anstührang, klarer Druck)., p. Preis der Lieferung...........flu rf|. Das gesamte Werk umfaßt ca. 40 Lieferangen. Schulen und Lehrer erhalten hohen Rabatt. Buch- und Kunstdruckerei I Verlagsanstalt Samson Weiss Frankfurt a. Main Cambergerstraße 21 Spezialität: Werke, Dissertationen, Zeitschriften. Desgleichen in semitischen und allen anderen Fremdsprachen. Übernahme von Zeitschriften, Werken usw. Bestellschein Ich Wir bestellen— hiermit: Exemplar KAHN-SCHtlUHJUf-MtU<M (Lieferant I und Fortsetzung) Ort: -------------------- StaOe: Veröffentfidfungen der Union österreichischer Juden. Konstituierung des Zentralvorstandes der „Union". Der in der letzten ordentlichen Delegiertenversammlung gewählte Zentralvorstand der „Union" trat am Mittwoch, den 20. d. M. zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Zum Präsidenten wurde per acclamationem der bisherige Präsident Dr. Jakob Ornstein unter Kundgebung lebhaftesten Beifalls wiedergewählt. Die beiden vakanten Vizepräsidenten-Stellen wurden durch Herrn Kultusvorsteher Dr. Josef Ticho und Rechtsanwalt Dr. Karl Steiner besetzt. Zum Schriftführer wurde Reg.-Rat Dr. Max Lenk und zum Kassier Dr. Ernst Feldsberg gewählt. Präsident Doktor Ornstein erklärte, er sei wohl der Versicherung enthoben, daß er nach wie vor, soweit es seine anderwärtige Inanspruchnahme gestatte, sich voll und ganz in den Dienst der ernsten Aufgaben der „Union" stelle, denn die „Union" sei für ihn identisch mit seiner Lebensaufgabe. Sein Pflicht- und Verantwortungsbewußtsein gebiete ihm als österreichischen Juden, die ihm übertragene Würde und Bürde zu übernehmen. Vizepräsident Dr. J. Ticho knüpfte an die Worte des Dankes die Erklärung, daß er angesichts des durch den Präsidenten bekundeten nie versagenden Pflichtgefühls auch mit seiner Person diesem hohen Beispiele nacheifern wolle und nicht zurückstehen dürfe. Vizepräsident Dr. K. Steiner gedachte in Worten vollster Anerkennung seines Vorgängers, des verstorbenen Hofrates Ing. Josef L ö w y und versprach, sich dessen hervorragende Wirksamkeit zum Vorbild seiner eigenen Tätigkeit nehmen zu wollen. Nach Annahme der neuen Geschäftsordnung wurden die Wahlen in die verschiedenen Komitees vorgenommen, in die Vertreter des Beirates der „Union" und der Bezirksausschüsse entsendet wurden. „ Moderne Haushaltungführung in der jüdischen Familie. Im Frauenklub der Union sprach Frau Luise F i s c h u r -T r e u vor einem zahlreichen und interessierten Publikum, unter dem sich bemerkeuswerterweise auch viele Herren befanden, über „Moderne Haushaltführung in der jüdischen Familie". An eine bedeutungsvolle Stello in Tolstois „Anna Karenina" anknüpfend, wies sie darauf hin, daß man den Wert eines wohlgeführten Haushaltes für das menschliche Zusammenleben nicht leicht überschätzen kann. Nicht umsonst haben die jüdischen Weisen so viel Zeit und Grübelei auf Fragen verwendet, die ins Gebiet der Haushaltführung fallen. Allerdings ist der bestgeführte Haushalt r.icht etwa derjenige, der Zeit und Kraft der Hausfrau vollständig frißt: die Vortragende stellte hierzu das Paradoxon auf. „Die Faulheit ist die Mutter des Fortschrittes". Die „faule" Hausfrau — welche nicht nur für Mann und Kinder, sondern auch für ihre eigenen Inter- Prachtvolle echte^ersertepglche durchwegs selten günstige Gelegenheitskäufe sowie elegante MS bei, wie Speise-, Schlafand Herrenzimmer werden zu ganz auOerordentlich billigen Preises abgegeben. Besichtigung ohne jeden Kaefiwang Im WIEDNE^^MOBELHEIM MM. JULIUS aOTZL Hartebgtr. beeil Sackr.*.3aUUaeitta» nr.,scMum«uiaaMsai* TILIPHON B 94-t-CS

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