Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 21 (22.5.1931)
- Date
- 1931-05-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Öeue 5 Der Nobelpreisträger Albert Abraham Michelson gestorben. Aus Amerika kommt die Nachricht vom Tode des großen Physikers Albert Abraham Michelson. Der weltberühmte Gelehrte stammte aus Deutschland. Er ist am 19. Dezember 1852 in Strelno (Provinz Posen, Regierungsbezirk Bromberg) geboren. 1857 wanderte sein Vater, Samuel Michelson, mit seiner Familie nach den Vereinigten Staaten aus. Nach Beendigung seiner Studien trat Albert A. Michelson in den Dienst der amerikanischen Marine und wurde Instruktor für Physik und Chemie an den Marineakademien (Naval Academies) von Annapolis, New York und Washington. 1880 kam der Gelehrte nach Deutschland und studierte an den Universitäten Berlin und Heidelberg. Nach einem kurzen Aufenthalt in Frankreich, wo er an der Ecole Polytechnique und am College de France arbeitete, kehrte er nach Amerika zurück und übernahm den Lehrstuhl für Physik an der Case School in Cleveland (Ohio). 1889 wurde er Professor an der Clark-Universität in Worcester, seit 1893 wirkte er als akademischer Lehrer in Chicago. Das Spezialgebiet Michelsons war die Optik, die Lehre vom Licht. Er wirkte bahnbrechend in der Lehre von der Interferenz (der Abirrung des Lichts). Er vervollkommnete das Interferometer, einen Apparat, der für Physik, Chemie und Astronomie von größter Bedeutung ist. Mit diesem Instrument gelingt es, den Durchmesser von Himmelskörpern zu bestimmen, selbst wenn diese auch in den besten Fernrohren nur punktförmig erscheinen. Michelson selbst berechnete (1890) auf diese Weise den Durchmesser der Jupitermonde, und 1920 gelang ihm die Anwendung dieser Methode zum erstenmal auf «einen Stern, der „Beteigeuze". Besonders bekannt wurde der berühmte Forscher durch den nach ihm benannten „Michelson- Versuch", der sich auf die Abhängigkeit der Lichtgeschwindigkeit von der Erdbewegung bezieht. Das Experiment hatte ein Ergebnis, das den Theorien der Physik widerprach. Dies war für Einstein der Anstoß zur Aufstellung der Relativitätstheorie. Michelson wurde mit allen Ehren überhäuft, die die wissenschaftliche Welt zu vergeben hat. Er war Mitglied zahlreicher gelehrter Gesellschaften und Inhaber der großen Rumford-Medaille. 1907 erhielt er den Nobel-Preis für Physik; er war der erste Jude, dem diese hohe Ehrung zuteil wurd. Dr. S. Weinberg. Dr. Hugo Zuckermann zum 50. Geburtstag Von Armin Wilkowitsch, Eger. Herr Dr. T—r, ein Studienkollege und persönlicher Freund Hugo Zuckermanns, teilte mir mit, daß er im Auftrage der Wiener jüdischen Studentenvereinigung dem Grabe des verewigten Dichters einen Besuch abzustatten gedenke. Am 15. Mai begehe man in Wien feierlich den 50. Geburtstag Zuckermanns, also sei man beunruhigt, weil es heißt, das Grab des teuren Studienbruders befinde sich in schlechtem Zustande. Es wird schon recht sein, wenn Sie, Herr Doktor, aus diesem Anlasse dem Grabe des genialen und edlen Dichters einen Besuch abstatten, gab ich zurück, allein Sie werden angenehm überrascht sein, wie liebevoll sein Grab gehegt und gepflegt ist! Erst am 19. Juni 1927 wurde das Grabdenkmal in feierlichster Weise enthüllt, es i'st ein Prachtwerk, vom Architekten Richard Herrmann in Eger entworfen und der Firma J. Lugner in Plan bei Marienbad in künstlerischer Weise ausgeführt, und seitdem bestrebt sich unsere Chewra Kadischa, die die sorgsamste Pflege des Gottesackers im allgemeinen sich zu ihrer besten Aufgabe machte, das Grab des heimischen Dichters wie ein Schmuckkästchen zu halten. Das Denkmal mit der typischen "Menorahzierde überragt alle anderen Steine, wiewohl wir genug imposante Grabsteine besitzen. Fünfzig Jahre wäre nun Dr. Hugo Zuckermann alt geworden. Es ist müßig zu fragen, was er indessen seinem Volke, das er inbrünstig liebte, für dessen Aufschwung er sich mit Eifer bemühte, geworden wäre. Es ist Ruhmes genug für den Verewigten, daß er in einer kurzen Spanne Zeit (er fiel am 23. Dezember 1914 in seinem 33. Lebensjahre) Unschätzbares für sein Judentum geleistet und einen unermeßlichen Schatz jüdischer Poesie als heiliges Vermächtnis zurückließ. 0^ .9m Streng o Sin-■ ■* Padaeoe. G E BIET Streng orthodoxe» ErbolODasbeim Iii der m Hause Pädagog. Leitung: staatlich gepr. Lehrer Aufnahme beschrfiakt Vom 1./VH »1s 15-./DC. Auskunft Lehrer Jakob Eisenberg, II T Ifa'zg. 16 Städtische Versicherungsanstalt Direktion: Wien I., TucKlciiibei* Nr. S Telephon U 27-5-40 Wahrheiten vom Ja&e Die „eigensinnigen" Juden. Von dem kürzlich in Florenz abgehaltenen internationalen Tierschutzkongreß konnte man mit Recht sagen, daß der radikale Grundzug diesesmal nicht in Erscheinung trat. Man machte Konzessionen in der Frage der Jagd und der Vivisektion. Auch hatte der Vertreter des Wiener Tierschutzvereins, Dr. Melkus, sonst der Rufer im Kampfe, darauf verzichtet, einen Antrag in bezug auf die Schechita zu stellen. Da er aber in einem Referat über die Erziehung zur Tierfreundschaft die Frage der Schechita gestreift hatte, nahm Avvocato Dr. Pacifici-Florenz das Wort, um die religiöse Seite der Sache zu beleuchten. Dr. Melkus teilte mit, daß im Wiener Tierschutzverein sieben Vorstandsmitglieder Juden seien und diese alle hätten einstimmig erklärt, daß das Festhalten an der betäubungslosen Schechita nur ein „Eigensinn" sei. Da kam in zwölfter Stunde ein seltsames Quiproquo. Die Tierschutzvereine Rom und Lucca stellten eine Viertelstunde vor Schluß der ganzen Tagung den Antrag, der Kongreß möge die Forderung stellen, daß die in Italien bereits bestehenden Bestimmungen (Betäubungen durch Bolzenschuß) durchgeführt werden. Die in italienischer Sprache geführte Debatte — auch Prof. Dr. Bonaventura- Florenz versuchte die wissenschaftliche Seite darzustellen, es wurde jedoch eine meritorische Debatte über diesen vorher nicht bekannten Antrag nicht gewünscht — kam in der deutschen Uebertragung zu der Umbiegnng, daß natürlich der Kongreß nicht über eine interne italienische Frage zu entscheiden habe, sondern daß der Antrag nur den Sinn haben kann, daß der Kongreß die Delegiernggcdsdics HOnldsllchl Seit vielen Jahren das anerkannt beste «rr ' o rr.r \ ihi psbrriätn Man achte auf die gm. gesell. Mark« „Hyglan. Könlgsllcht" ancr Name Schub Fabrik und Büro: MHaar »V.« ^"U,Tdeph«?R a^i-W-"* * Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Köwigslicht" Nu-ntmer 2ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt. ten auffordert, in ihren respektiven Ländern auf analoge Bestimmungen zu dringen. Darauf ein Zwischenruf: Gelten die italienischen Bestimmungen auch für das Schächten? Darauf die prompte Antwort: Ja. Tatsächlich aber statuieren die italienischen Bestimmungen eine Ausnahme zugunsten der Schechita. Natürlich wußten das die Votanten nicht. Mit knapper Majorität wurde der Antrag in einer Auskehrstimmung angenommen. Ein abgelehntes und ein aufgehobenes Schächtverbot , Ein von Nationalsozialisten in der Stadtverordnetenversammlung zu Plauen im Vogtlande eingebrachter Antrag, das Schächten zu verbieten, wurde am 6. Mai mit überragender Mehrheit abgelehnt. Am gleichen Tage wurde in Zwickau ein bereits im Mai v. J. beschlossenes Schächtverbot aufgehoben. Die Sonntagsruhe in England. Im englischen Unterhause fand jüngst die zweite Lesung der „Shops-Bill" (des Gesetzes über die Einschränkung des Handels an Sonntagen) statt. Das Gesetz erneuert die Sonntagsruheakte vom Jahre 1677 und sieht die Schließung der Läden am Sonntag mit gewissen Ausnahmen vor. Der Berichterstatter E. F. Wise (Labour-Party) wies bei der Begründung der vorgesehenen Ausnahmebestimmungen darauf hin, daß es in gewissen Teilen des East End (des Judenviertels) von London herkömmlich ist, Sonntags die Geschäfte offen zu halten; ebenso herkömmlich sei es dort, die Läden am Samstag zu schließen. Das Gesetz enthält Bestimmungen über Befreiung jüdischer Kaufleute von der Befolgung der allgemeinen Son n tagsr uh e verordnung. Diesen Bestimmungen zufolge können die Ortsbehörden unter entsprechenden Kautelen Ladenbesitzern, die ihre Geschäfte Samstags geschlossen halten, das Offenhalten der Geschäfte am Sonntag gestatten. Die gleichen Bestimmungen sollen auch auf die 52 Straßenmärkte in London Anwendung finden. Vor Tische las man's anders. Ueber die große Enttäuschung der Vertreter der Jewish Agency nach der ersten (und letzten) Sitzung mit den englischen Regierungsvertretern finden wir im Jerusalemer zionistischen „Haaretz" einen sehr interessanten Artikel. Unsere Vertreter, schreibt die Zeitung, sind nicht naiv genug, um nicht vorauszusehen, daß, nachdem der Mac Donald-Brief ein theoretisches Entgegenkommen gegenüber den Juden bedeutete, nunmehr reale Konzessionen an die Araber folgen würden. Wir waren von vornherein beunruhigt über die sehr unklaren Ausführungen des Mac Donald-Briefes zur Bodenfrage. Wichtiger als das aber ist ein anderes: die englische Diplomatie versteht es, selbst die eindeutigsten Erklärungen zu verdrehen und, wie wenig die Engländer geneigt sind, selbst feierliche Versprechungen zu erfüllen, zeigt das Verhalten der Palästina-Administration in den letzten Monaten. Sie hat zur Ausführung der Politik des Mac Donald-Briefes nichts getan, als diesen Brief zusammen mit dem Weißbuch den höheren Beamten zuzuschicken und sie aufzufordern, sich darnach zu richten, was der Beamte natürlich als eine Einlädung empfindet, die Schriftstücke seinem Archiv zu übergeben. Man konnte vielleicht annehmen, daß nach dem Mac Donald-Brief eine Epoche positiver Regierungs-