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Die Wahrheit · 1931-05-22 · Heft 21 (22.5.1931) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 21 (22.5.1931)
Date
1931-05-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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*ehe 6 DIE WAHRHEIT Wer sich rasch und glüdtlldi verehelichen will, wende sich vertrauensvoll an die «OSStfllleOIlA jüdische Ehevermittlung „HA-ESER" Wien IL, Förstergasse 10/18 Auf Wunsch Gratisprospekt! maßnahmen zugunsten des Nationalheimes beginnen werde. Aber das würde voraussetzen, daß England seine internationalen Verpflichtungen und nicht den Willen der arabischen Führer zur Grundlage seiner Politik machen würde... Es zeigt sich eben immer mehr, daß, wie wir es voraussagten, das Triumphgeschrei über den Mac Donald-Brief unbegründet gewesen ist. Es wäre zu schön gewesen. Bekanntlich will Dr. Weizmann auf dem kommenden Zionistenkongreß sein Amt als Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency unbedingt endgültig niederlegen. Nun wird in zionistischen Zeitungen behauptet, daß sich Professor Weizmann seit längerer Zeit bemüht, den Pariser Baron Edmond de Rothschild dahin zu beeinflussen, seinen Sohn James de Rothschild zur Uebernahme des Präsidiums der Jewish Agency zu bewegen. Seinerzeit habe James de Rothschild dieses Amt nicht übernehmen wollen und die Wahl Lord Melchetts zum Präsidenten der Jewish Agency vorgeschlagen. Nunmehr werde Dr. Chaim Weizmann auf dem nächsten Kongreß die Bildung einer Koalitionsleitung vorschlagen, an deren Spitze James de Rothschild und Herbert Samuel stehen sollen. Als Vizepräsident ist Ing. Pinchas Ruthenberg in Aussicht genommen. James de Rothschild ermächtigt aber die Jüdische Telegraphen-Agentur, die Meldung, daß er beabsichtige, das Präsidium der Zionistischen Organisation zu übernehmen, kategorisch zu dementieren. Alle diesbezüglichen Gerüchte entbehren jeder tatsächlichen Grundlage. James de Rothschild hat Vorschläge dieser Art überhaupt nicht in Erwägung gezogen. Keine Sühne für das Verbrechen von Yadjur. Das Organ der palästinensischen Arbeiterschaft „Dawar" erklärt anläßlich der „Schloschim", des Ablaufes der 30tägigen Trauer für die bei dem Ueberfall in der Nähe von Haifa getöteten drei jüdischen Arbeiter aus der Siedlung Yadjur, „der Eifer der Regierung scheine zu verflüchtigen, wenn es sich um die Sühne für die Vernichtung jüdischen Lebens handle". Die Regierung trage die Verantwortung für die unschuldigen Opfer und dafür, daß das Verbrechen von Yadjur bisher ungesühnt blieb. Arabische Brandleger. Die Scheuer der zu Ehren des verstorbenen Nathan Strauß Nathania benannten Kolonie im Gebiete Vadi Havarith ist mit der gesamten diesjährigen Getreideernte der Kolonie abgebrannt. Es besteht der Verdacht, daß Araber den Brand, der vier Stunden lang wütete, gelegt haben. Der Schaden ist außerordentlich groß. In den benachbarten jüdischen Kolonien hielt man den Brand zunächst für ein anläßlich Lag b'Omer entzündetes Freudenfeuer. Auch der Scheik von Vadi Havarith erklärte bei seiner Vernehmung, er habe, als er die Flammen aufsteigen sah, geglaubt, daß die Juden ihren Feiertag durch Entzünden eines Freudenfeuers begehen. 4.*a«a«»«a«««aMMMaMaBMP«»M«SBMinaaaBMMaw«aaMUSMuaM«aBMaaf2 ■ ■ m ■ Danksagung. m \ Für die .freundlichen zahlreichen, anläßlich \ : seines 80. Geburtstages von Nah und Fern ihm : ■ gesandten Gratulationen sowie für die Glück- : wunschschreiben des Präsidiums der Wiener : Kultusgemeinde, des Gremiums der Gablonzer Ex- ■ £ porteure und der Genossenschaft der Gürtler in : « Gablonz a. d. N„ erlaubt sich seinen herzlichsten Dank auszudrücken Siegmund Schönau. f Wien, 17. Mai 1931. j VonWodke zu Worte Jüdisches Elend in Budapest Die führenden jüdischen Persönlichkeiten Budapests sehen sich angesichts der Jahresabschlüsse jüdischer Unterrichtsanstalten und Wohlfahrtseinrichtungen veranlaßt, einen Abbau einiger Institutionen vorzunehmen. Bei der Pester Israelitischen Kultusgemeinde hat sich in den letzten Jahren die Zahl der um Unterstützung ansuchenden Personen in einem erschreckenden Maße erhöht; sie stieg von 16.436 im Jahre 1928 auf 17.572 im Jahre 1929 und 19.475 im Jahre 1930. In dem gleichen Maße verringerten sich die für Wohlfahrtszwecke zur Verfügung stehenden Mittel. Bei der Pester Chewra Kadischa sind von 26.000 Mitgliedern nicht weniger als 17.000 mit ihren Mitgliedsbeiträgen im Rückstände. Die Zahl der im Greisenasyl, in der Charite und im Blindeninstitut der Chewra Kadischa gepflegten Personen hat sich von etwa 100 in der Vorkriegszeit auf 500 im laufenden Jahre erhöht; dabei mußten 1700 Aufnahmegesuche wegen Platzmangels unerledigt bleiben. Die Zahl der Gratisbegräbnisse ist im gleichen Zeitraum von 40 bis 50 Prozent auf 75 bis 80 Prozent angestiegen. Die „Omike", der Hort der ungarisch-jüdischen Studentenschaft, mußte in diesem Jahre ihre Räume wie ihr gesamtes Budget auf die Hälfte verringern. Den Studenten mußten die Zuwendungen für Prüfungstaxen und Kollegiengelder entzogen werden. Die Unterstützung der durch den Numerus clausus ins Ausland getriebenen Studenten mußte stark reduziert werden. Die Institution für Schaffung von Sommererholungsstätten für Kinder ist stark notleidend geworden. Das Mädchenwaisenhaus, das seine Fonds durch die Devalvierung verloren hat, weist für das abgelaufene Jahr ein Defizit von 19.000 Pengö auf. Aus diesem Grunde werden im nächsten Jahre statt 120 nur 80 Zöglinge Aufnahme finden können. Die Zahl der unterstützungsbedürftigen Greise und arbeitsunfähigen Frauen und Mädchen hat sich in einem einzigen Jahre von 600 auf 1400 gesteigert, das Defizit dieser Institutionen hat sich bedeutend erhöht Das Defizit der vom Frauenverein unterhaltenen Geburtsklinik beträgt 50.000 Pengö. So ist die Wirtschaftskrise der ungarischen Judenheit zu einer Kiise seiner Wohlfahrtsinstitutionen geworden. Anderseits ist in einzelnen Kreisen auch die Opferbereitschaft gestiegen. Es gibt Gemeindemitglieder, die an Staatssteuern 2000 Pengö, an Kultussteuer aber freiwillig 8000 Pengö entrichten. Jubilare der Pester israelitischen Religionsgemeinde. Die Vorstehung der Pester israelitischen Religionsgemeinde hat den Direktor des Rabbinerseminars, Doktor Ludwig Blau, anläßlich seines 70. Geburtstages, den Schriftsteller Ernst Mezei zu seinem 80. Geburtstage, den Redakteur Moritz Szatmari aus Anlaß seines 75. Geburtstages, das,Mitglied,der Repräsentanz der Gemeinde Dr. Josef Wirkmann zu seinem 70. Geburtstage und den Schriftsteller Anton Rado anläßlich seines Schriftstellerjubiläums in warm gehaltenen Schreiben beglückwünscht. Verein der Kinderfreunde XVI., XVII. Aus Anlaß des fünfzigjährigen Bestandes des Vereines der Kinderfreunde zur Bekleidung armer israelitischer Schulkinder für den 16. und 17. Bezirk in Wien hat der Bundespräsident mit Entschließung vom 30. April Funktionären des Vereines Auszeichnungen verliehen. Es erhielten der Ehrenpräsident des Vereines Herr Kultusvorsteher Medizinalrat Dr. Jakob Deutsch taxfrei das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Oesterreich und das Vorstands- und Ehrenmitglied Herr Gottlieb D r a b taxfrei den Titel eines Bundesstaatlichen Fürsorgerates. Beide Ausgezeichneten, die sich allgemeiner Beliebtheit erfreuen, können auf eine jahrzehntelange ersprießliche Tätigkeit auf karitativem und sonstigem die jüdischen Einrichtungen umfassenden Gebiete hinweisen. Allerorts wird gewiß die Nachricht von deren Auszeichnung Freude und Befriedigung erwecken. Dr. Leo Werdesheim, Gleichenberg, hat seine kurärztliche Tätigkeit in Villa „Charlottenburg" wieder aufgenommen. Goldene Hochzeit Samstag, den 16. d. M., feierte der frühere Tabak-Hauptverleger des III. Bezirkes, der III., Erdbergstraße 35 wohnhafte Herr Sigmund Meissner mit seiner Gattin Marie, geborene U11mann in aller Stille die goldene Hochzeit Form o sa - Oummislrümpfc verleiben unschönen Füßen die ersehnte -2*"S?fj schöne Form und verhüten überfeSdj\ dies Krampfadern, Venenent- ^B^^a \ Zündungen und viele andere Fnflleiden xH^^fttta Strumpfe per Paar S 13.50 IMl/x^^l Fesselform ,, „ „ 6.10 mm JY WW' Gommistrampf«Spezfalbaux „EOBHOSfl" frleflpidi lolb, Wen I., Stogmtra&e 3, Cd. 829=4=33 Eisschtänke Marke „Frigofor" eissparend, eigene Erzeugung, Zahlungserleichterung. „Elphora", I., Dominikanerbastei 22 Ecke Kai 7/9 Telephon R 24-4-16 Der Leopoldstädter Tempelverein „Aeschel Awrohom" (IL, Pazmanitengasse 6) hielt am Sonntag, den» 17. d. M. im großen Giebelsaal des Tempelgebäudes seine 55. ordentliche Generalversammlungab, zu der sich diesmal besonders zahlreiche Mitglieder des Vereines, wie auch eine große Anzahl von Gästen eingefunden hatten. Der Vorsitzende, Obmann Oskar Schramel(, begrüßte insbesondere den Vereinsrabbiner Dr. Zwi Taubes, den Vertreter der Kultusgemeinde Ober-Med.-Rat Dr. H. Haase, den Obmann der Organisation der Wiener Tempelvereine Börserat I. Glück, die Vertreter der „Union" Reg.-Rat Dr. Max Lenk und Dr. Ernst Feldsberg, den Obmann des „Bundes jüdischer Eltern", Dir. G. Kolmin, eine Abordnung des Bethausvereines III., Untere Viaduktgasse, unter Führung des Vizepräsidenten Ing. H. Koditschek und den Schriftleiter der „Wahrheit", Sekretär Oskar Hirschfeld. Namens des Vorstandes erstattete Dr. Felix Tänzer den Jahresbericht Er konstatierte, daß sich die furchtbare wirtschaftliche Situation auch beim Pazmanitentempel sehr ungünstig ausgewirkt habe und daß der Verein mit einem Defizit von S 26.500— das Jahr 1930 abschließe. Er gab der zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck, daß sich die Kultusgemeinde bestimmen lassen werde, den Verein durch Erhöhung der Subvention finanziell zu stützen, und richtete an die Mitglieder den dringenden Appell, ihrem Vereine in diesen schweren Zeiten treu zur Seite zu stehen und durch Anwerbung neuer Mitglieder und neuer Mitarbeiter zu helfen. Dem Defizit in finanzieller Hinsicht steht ein bedeutendes Aktivum gegenüber: ein1 schöner würdiger Gottesdienst, der sich durch die hingebungsvolle Wirksamkeit Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Zwi Taubes und des Herrn Oberkantor Müller überaus großen Zuspruches erfreut. Auch die Bibel- und Talmud-Thora-Schule kann bei ihren 167 Schülern sehr gute Erfolge verzeichnen. Dr. Tänzer dankte namens des Vorstandes Herrn Rabbiner . Doktor Taubes für seine Verdienste auf diesen Gebieten und stellte unter lebhafter Zustimmung der Versammlung fest, daß sich Dr. Taubes, der kürzlich auch zum Lektor am Beth Hamidrasch ernannt wurde, in der kurzen Zeit seiner Wirksamkeit die Sympathien der Tempelbesucher und der Wiener Judenschaft erworben habe. Herr S. Leenmann ergänzte die erfreulichen Konstatierungen des Vorredners über die Hebung des Gottesdienstes durch Anführung verschiedener Details und dankte namens der Gabboim allen Funktionären, insbesondere Herrn Rabbiner Dr. Zwi Taubes und Herrn Oberkantor J. L. Müller für ihre Hingebung an ihre Aufgabe. Zur finanziellen Situation bemerkte er, daß der Spendeneingang von S 18.000.— aus diesem vom Mittelstand bewohnten ärmsten Teil der Leopoldstadt immerhin sehr anerkennenswert sei. Revisor Raschdowitz beantragte hierauf, dem Vorstand das Absolutorium zu erteilen. Dr. Heinz Kohn übte an der Tätigkeit des Vorstandes eine recht geharnischte Kritik. Er warf ihm vor, daß er es an Energie habe mangeln lassen, um die finanzielle Situation des Vereines zu bessern, und bemängelte insbesondere, daß er sich miteiner geringfügigen Subvention der Kultusgemeinde abfinden lasse» bzw. daß diese dem für die Leopoldstadt so wichtigen Tempelvereine keine höhere Subvention bewillige. Er führte Möglichkeiten zur Verbesserung der Einnahmen an und übte an angeblich geplanten Sparmaßnahmen entschiedene Kritik. Dr. Tänzer widerlegte in temperamentvoller und eindringlicher Weise die Vorwürfe des Vorredners. Ober-Med.-Rat Dr. H. Haase versprach namens der Kultusgemeinde eine Unterstützung des Vereines, betonte aber, daß die trostlose finanzielle Situation die Gemeinde selbst zu Ersparungen zwinge. Nachdem Dr. Tänzer diese Erklärung des Vertreters der Kultusgemeinde mit Dank entgegengenommen und energisch eine möglichst baldige Einlösung dieses Versprechens erbeten hatte, ergriff Dr. H. Kohn nochmals, das Wort, um seine von Dr. Tänzer widerlegtem Vorwürfe im einzelnen zu begründen. Er führte hierbei Details an, die, wie ein späterer Redner ganz richtig: bemerkte, absolut nicht in eine Generalversammlung, sondern in den Vorstand gehören, in dem übrigens diese Angelegenheiten bereits längst erledigt waren. So wenig: am Platze diese Rede also war, so unangenehm wirkten die durch sie ausgelösten, dem Niveau der Generalversammlung eines Tempelvereines absolut nicht entsprechenden Vorfälle. Dr. Kohn hatte nämlich einerseits die absolute, über jeden Zweifel erhabene Korrektheit des Kassiers und seine persönlichen Sympathien für denselben unterstrichen, anderseits aber Einzelheiten der Kassagebarung, wie Verlust von Zinsen durch überflüssige Entnahmen in verletzender Weise bemängelt. Es war nur zu verständlich, daß das durch diese Bemerkung angegriffene Vorstandsmitglied des Vereines in recht temperamentvoller Weise erwiderte. Auch Obmann-Stellvertreter I. Schönherz nahm eine Rechtfertigung des Vorgehens des beleidigten Funktionärs vor, die Debatte wurde äußerst hitzig und in einer Art geführt, die für einen objektiven Beobachter nur äußerst peinlich wirken konnte. Börserat I. Glück verstand es endlich, die erregten Wogen zu glätten. Er entwarf in längeren Ausführungen ein Bild von der trostlosen Situation aller Wiener Tempelvereine, der nur durch eine große gemeinsame Aktion abgeholfen werden könne. Momentan stehe aber die von der Kultusgemeinde geplante Fürsorgeaktion im Vordergrund des Interesses und gegenüber dieser Hilfsaktion*

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