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Die Wahrheit · 1931-05-22 · Heft 21 (22.5.1931) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 21 (22.5.1931)
Date
1931-05-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Gott: Tag und Nacht, in Sonne und Licht, in Dämmer und Dunkel klingt es in der alten Sprache, die hier lebendig geworden ist. Was der königliche Sänger klagte und erbat, hier erhält es neue Bedeutung. Die Türen stehen nicht still, Menschen kommen und gehen, wird ein Rezitator müde, dann löst ein anderer Rezitator ab. Es ist ein junger Arbeiter vom Bau, der nun oben steht und dem alte Männer respondieren. Fein geschnittene Gesichter, elegante Herren, die wohl aus Neugierde kamen. Sie sitzen eine Weile, dann beten auch sie; die Kette wird nicht abbrechen, durch 40 Tage und 40 Nächte nicht. Spät abends nach dem Symphonie- Konzert und nach dem Theater, immer wieder kommen Menschen, die der Synagoge fremd sind, diesmal aber für eine Weile mittun, sei es, um sich zu beruhigen, sei es, um jenen Kraft zu geben, die hier in gläubiger Hingabe bei der allerhöchsten Instanz gegen das Uebel anzukämpfen versuchen. H. Y. St. Kritische Lage in Mexiko. Im Verlauf der letzten Monate wird in Mexiko eine scharfe Aktion gegen Ausländer, in Wirklichkeit gegen Juden jeder Staatsangehörigkeit geführt. Hintergrund dieser Aktion ist der Konkurrenzkampf des ausländischen Großhandels gegen die jüdischen Kleinhändler und Industriellen, die sich mit einem nur geringen Gewinn zufrieden geben und — da sie auch noch kleinere Produktions- und Verwaltungskosten haben — die gleichen Waren zu weit niedrigeren Preisen als selbst der Großhandel abgeben können. Diese Aktion hat in der letzten Zeit einen beunruhigenden Umfang angenommen; es kam zu Vertreibungen der jüdischen Händler von den Märkten; in der Presse, in Flugblättern und Plakaten, die über die ganze Stadt verbreitet werden, wird zügellos gegen die Juden gehetzt. Diese antisemitische Bewegung breitet sich zusehends aus und wird immer ungehemmter in der Wahl ihrer Methoden. Zahlreiche jüdische Kaufleute haben Drohbriefe erhalten, in denen sie aufgefordert werden, das Land innerhalb 24 Stunden zu verlassen, sonst würden „ihre Leicheninihrerieimatländerzurückbefördert werden." Die Erregung und Verzweiflung der mexikanischen Judenheit ist, angesichts dieser zügellosen Agitation, aufs Aeußerste gestiegen. Die Intervention des amerikanischen Botschafters, über die wir weiter unten berichten, hat sich bisher noch nicht fühlbar gemacht, und die Juden amerikanischer Staatszugehörigkeit sehen mit ungeduldiger Spannung der erwarteten Hilfsaktion der amerikanischen Juden entgegen. Eine jüdische Delegation, die beim PräsidentenvonMexiko Vorstellungen erheben wollte, wurde von diesem nicht empfangen. Daraufhin wurde ein schriftliches Memorandum ausgearbeitet und dem Präsidenten übersandt, in dem die in jüdischen Kreisen wegen der Vertreibung der jüdischen Händler von den Märkten und der allgemeinen judenfeindlichen Propaganda herrschende Verzweiflung geschildert und dem Präsidenten die Bitte unterbreitet wird, darauf hinzuwirken, daß den jüdischen Händlern ihre Marktstände wieder zugewiesen werden und dem antijüdischen Boykott Einhalt geboten wird. Berichten zufolge, die bei der amerikanischjüdischen Handelskammer aus Vera Cruz eingelaufen sind, wurden mehrere jüdische Händler verhaftet, und, nachdem sie den Nachweis ihres rechtmäßigen Aufenthaltes erbracht hatten, zwar freigelassen, aber mit einer Steuer von 48 Pesos monatlich belastet, was im Hinblick darauf, daß das durchschnittliche Betriebskapital eines jüdischen Markthändlers etwa 200 Pesos beträgt, gleichbedeutend mit wirtschaftlicher Vernichtung ist. Diplomatische Akttonen. Auf Grund einer Intervention des Ordens Bnei Brith in Amerika, der bei der Organisierung der jüdischen Einwanderung nach Mexiko Anfangs 1925 eine bedeutende Rolle spielte, hat das Washingtoner State Department den amerikanischenGesandteninMexiko telegraphisch beauftragt, die Meldungen über Mißhandlung von Juden zu überprüfen und festzustellen, ob hierbei amerikanische Bürger betroffen wurden. Sollten sich unter denjenigen, gegen die sich die jüngsten antisemitischen Maß- Mil CllMlO meine Verwandte, ein sehr MmIÜ SWLalC sympathisches, 24jähriges III Fräulein vornehmsten Charakters. Inhaberin eines 1» Stadtgeschäftes, mit seriösem Herrn in entsprechenin der Stellung zu vmwhteHcfteit. Nur direkte III Zuschriften unter »Verschwiegenheit zugesichert« jjj an die Administration des Blattes erbeten: j|j nahmen der mexikanischen Behörden richten, keine amerikanischen Bürger befinden, so würde es der amerikanischen Regierung mit Rücksicht auf die internationalen Gepflogenheiten schwer fallen, Vorstellungen, wie sie von den amerikanischen Bnei Brith gewünscht werden, zu erheben. Doch rechnet man in amerikanisch-jüdischen Kreisen damit, daß schon die Tatsache, daß die amerikanische Regierung es für notwendig befunden hat, sich mit der Angelegenheit zu befassen, eine moralische Wirkung auf die mexikanische Regierung ausüben wird. Da durch die antisemitische Aktion zahlreiche polnische Bürger betroffen wurden, hat der polnische Konsul in Mexiko, Herr Merdinger, in dieser Angelegenheit beim Außenminister Mexikos interveniert. Der Außenminister hat die Intervention sehr freundlich entgegengenommen und dabei mitgeteilt, daß diese Angelegenheit seit längerer Zeit einer eingehenden Betrachtung seitens der Ministerien des Innern und des Aeußern unterzogen wird. Dabei nimmt das Ministerium des Aeußern eine günstige Haltung gegenüber den Ausländern ein. Endgültig wird der Fall durch eine speziell hierfür geschaffene Kommission einer Erledigung zugeführt werden. Sollte aber diese Kommission nicht in der Lage sein, die Standpunkte der beiden Ministerien miteinander in Einklang zu bringen, so wird, so versicherte der Außenminister, die Angelegenheit der Entscheidung durch den Präsidenten der Republik überlassen werden. (Inzwischen werden Juden geschlagen.) Der mexikanischeKonsulinDanzig hat seiner Regierung über den ungünstigen Eindruck, den die Nachrichten über die judenfeindlichen Maßnahmen und antisemitischen Ausschreitungen in Mexiko in D a n z i g hervorgerufen haben, Bericht erstattet und auf die Gefahr einer schweren Schädigung des mexikanischen Ueberseehandels bei Fortdauer der antisemitischen Bewegung in Mexiko hingewiesen. Die bisherige Situation der Juden in Mexiko. Im Jahre 1925 erstatteten der Direktor der Bnei Brith in Mexiko City Weinberger und andere jüdische Führer dieser Stadt einen Bericht an den Orden Bnei Brith über die Lage der Juden in Mexiko, aus dem hervorging, daß es damals keinerlei Antisemitismus in Mexiko gab. Eine Gruppe von einigen hundert Juden wandte sich damals an die Vertreter der amerikanischen Judenheit um Unterstützung bei der Errichtung einer landwirtschaftlichen Siedlung. Seitens der mexikanischen Regierung fanden die jüdischen Kolonisten bisher wohlwollende und entgegenkommende Behandlung. Es bestanden eine Reihe hebräischer Schulen und eine starke Sektion der Young Men's Hebrew Association. Die Zahl der Juden in Mexiko City wurde im Jahre 1925 auf 17.000 bis 18.000 geschätzt. Auch in anderen mexikanischen Städten, wie Monterrey, Torreon, Chiguahua und Tampico, gab es damals bereits größere Judengemeinden. Es fand eine ständige Zuwanderung ausländischer Juden statt, die zeitweilig auf 400 bis 500 Seelen monatlich stieg. Fast alle Einwanderer wandten sich an das Büro der Bnei Brith in Mexiko City, wo sie Unterkunft und Verpflegung bis zur Erlangung einer Stellung sowie Unterricht in der spanischen Sprache erhielten. Im Jahre 1925 rechnete man in führenden jüdischen Kreisen von Mexiko City damit, daß die jüdische Bevölkerung Mexikos, nach zehn Jahren, also im Jahre 1935, auf 50.000 Seelen angewachsen sein würde. ■■■ *.aaaaaaaaa..Baa«aBBaaaaaaBBaMaaaaaaaaaaaaaaaaa Antisemitismus in Sowjetrußland. Wie aus dem soeben veröffentlichten Bericht über eine von Ozet durchgerührte Untersuchung der Lage in den sowjetrussischen Industriebetrieben hervorgeht, herrscht derzeit in den Fabriken eine wahre Epidemie antisemitischer Ueb er griffe und Ausschreitungen. In dem Bericht von Ozet wird ausdrücklich hervorgehoben, daß die Demütigungen und Verfolgungen, unter denen die jüdischen Arbeiter zu leiden haben, nicht, wie vielfach behauptet wurde, stets bloß von unwissenden Elementen unter der Arbeiterschaft, sondern häufig auch von geschulten Parteikommunisten ausgehen. Die Fabräksleitumgen und Betriebsräte sind häufig genug öüber die Vorgänge in den Betrieben unterrichtet, schützen jedoch „Unkenntnis" vor. Obwohl die. Juden derzeit 20 Prozent der Arbeiterschaft in der Schwerindustrie darstellen, werden jüdische Jungarbeiter zurückgesetzt und schlecht behandelt. Man weist ihnen Unterkunftsräume zu, die von Schmutz starren und läßt sie Hunger und Frost leiden. Zur Arbeit werden sie an solche Stellen des Betriebes eingeteilt, wo sie keine Möglichkeit haben, sich in ihrem Fach entsprechend zu vervollkommnen. In Cheliabinsk wurde der jugendliche jüdische Arbeiter Krawsow von der Jungkommunistin Smofina, die aktives Mitglied des Komsomol ist, in rüdester antisemitischer Weise beschmipft, ohne daß der anwesende Sekretär der kommunistischen Fabrikszelle Medwedew einschritt. In demselben Betriebe wurde der jüdische Arbeiter Aleksinski von dem Kommunisten Balladin insultiert, ohne daß sich irgend einer der kommunistischen Arbeiter ins Mittel legte. Selbst als das Cheliabinsker Lokalblatt die öffentliche Aufmerksamkeit auf diese Zustände in der Fabrik lenkte, geschah nichts, um den wiederholten antisemitischen Uebergriffen Einhalt zu tun. Diese Teilnahmslosigkeit der Behörden ermutigte eine Gruppe von Arbeitern zu einer ernsteren Ausschreitung. Sie drangen, eines Nachts in trunkenem Zustand in den Schlafsaal der jüdischen Arbeiter ein und fielen unter dem Rufe „S c h 1 a g t d i e J u d e n" mit Hämmern über diese her. Die drei jüdischen Arbeiter Krawzow, Steklow und Swerdlina wurden bei diesem Ueberfall erheblich verletzt. Der Vorfall kam schließlich zur Kenntnis der Behörden und die kommunistische Partei entsandte eine spezielle Untersuchungskommission nach Cheliabinsk. In den Moskauer Fabriken fanden Protestmeetmgs der Arbeiterschaft gegen einen Terrorakt statt, der gegen den jüdischen Arbeiter Storiarow des Elektro Zavod, einer der größten Fabriken Moskaus gerichtet war. Stoliarow. ein Mitglied der Feuerschutzbrigade des Elektro Zavod, hatte in einer Fabriksversammlung gegen die unter der Arbeiterschaft herrschende Disziplinlosigkeit Stellung genommen. Daraufhin hielten zwei Aitbeiter, namens Polluschin und Netschajew« heftige Hetzreden gegen Stoliaroff. Als Stoliaroff nach Schluß der Versammlung in die Garage kam, wurde er überfallen und zweimal mit einem Beil über den Kopf geschlagen. Als einer der Attentäter wurde der Arbeiter Polluschin festgestellt und verhaftet. Die Verhandlung gegen Polluschin wird in wenigen Tagen stattfinden. g GROSSFLEISCH HAUEREI IlfGM. KORNMEHL WIEN IX., BERQOASSE NR. 19 FILIALE. XVIII., WÄHRINOJERSTRASSE »7 Telephon Nr. A 17499 und. A 16-9-34 Ltefarmrt für ftellaastaltM AbteilungentürKoscherfleisch ■ter Anfsloht des eh». Rabblnal Isp. Kultusaemoinde Wim. d«F Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen EchtePerjertegm durchwegs günstige Gelegenheitskäufe, werden mit ganz kleinem Nutzen im WIEDNER MÖBELHEIM Iflh. JULIUS GÖTZL Händig; beeid. Sacnv. u. Schatzmeister IV«i SCHLEIFM0HLGASSE f * TELEPHON B 24-1-62 billigst abgegeben; daselbst sind auch elegante Schlaf- und Speisezimmer, Herrenzimmer, teils neu, teils gebraucht, zw verkaufen. ■;; T~*~iri ^""-'_^' ^"^r

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