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Die Wahrheit · 1931-05-22 · Heft 21 (22.5.1931) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 21 (22.5.1931)
Date
1931-05-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DDE WAHRHEIT SeH* 1 gen jüdisch-gesellschaftlichen Saison bezeichnet werden darf. Der Niederschlag unserer gesteigerten Tätigkeit zeigte sich auch in der Jüdischen Wochenschrift „Die Wahrheit", die nach wie vor sich in ihrer Einstellung in den politischen Bahnen der „Union" bewegt. Wir besitzen in diesem Organ ein für unsere Mitglieder wichtiges Informationsmittel über die jüdischen Angelegenheiten der ganzen Welt, insbesondere aber über alle Aktionen und Veranstaltungen der „Union", die den allergrößten Wert auf die Verbreitung und Förderung dieses Blattes legt. Zwei Gründungen der letzten Zeit dürfen wir mit besonderem Stolze registrieren. Unter der Führung von Frau Reg.-Rat Dr. L e n k hat sich vor einiger Zeit ein „Union"-Frauen-Klub konstituiert, der es sich zur Aufgabe macht, im Rahmen der „Union" möglichst viele Frauen zu erfassen, die auf dem Boden der österreichischen Staatsgrundgesetze stehen und im Judentum eine Religions- und Schicksalsgemeinschaft erblicken. Die allwöchentlich am Donnerstag stattfindenden Zusammenkünfte des „Union"-Frauen-Klubs erfreuen sich schon großer Beliebtheit, es werden dort kulturelle und wirtschaftliche Fragen in eingehender Weise besprochen und Anregungen für die für unseren Verein so notwendige Mitarbeit der Frauen in der „Union" gegeben. Diese Notwendigkeit ergibt sich schon aus dem Umstände, daß bekanntlich zahlreiche unionistische Frauen wie auch Ehegattinnen unionistischer Mitglieder in den verschiedensten, insbesondere jüdisch-sozialen Vereinen tätig sind und die Aufstellung gemeinsamer Richtlinien für diese Frauen von unserem Standpunkte nur wünschenswert sein kann. auch noch die im vorigen Jahr vorgenommene JH Neukonstituierung unserer Ortsgruppe in Salzburg erwähnen, die seit damals eine sehr rege, bereits vielfach beachtete Tätigkeit entfaltet. * Wenn unsere Vereinigung mit Erfolg die Interessen der Judenschaft vertreten, wenn sie die mit großen Opfern und Mühen verbundene Werbung in bisher gleichgültig und fernestehende jüdische Kreise auch weiterhin tragen, wenn unsere Vertretung auch in Zukunft die Führung in der Kultusstube behalten und ihre Position verstärken soll, so ist vor allem die auf Parteidisziplin aufgebaute Einheitlichkeit und Einigkeit unter allen Gliedern unseres Parteikörpers die dringendste Notwendigkeit. Dieses Ziel zu erreichen, ist unsere oberste Pflicht; an der Erreichung dieses Zieles mitzuarbeiten, aber Pflicht nicht nur der Leitung unserer Vereinigung, sondern jedes einzelnen Mitgliedes unseres Vereines. Wie einleitend erwähnt, war die am 13. d. M. stattgehabte Delegiertenversammlung der „Union" sehr gut besucht. Man bemerkte unter den Anwesenden zahlreiche Kultusvorsteher, die gesamten Mitglieder des Zentralvorstandes und Beirates und starke Abordnungen des „Union'-Frauen-Klubs und der „Union'-Jugendgruppe. Der Präsident, Herr Dr. Jakob 0 r n s t e i n, eröffnete die Sitzung mit einem von den Erschienenen stehend angehörten, tief ergreifenden Nachruf für die in der Berichtsperiode verschiedenen Vorstandsmitglieder und Mitglieder des Vereines, insbesondere den Vizepräsidenten Hof rat Ing. Josef L ö w y, Frau Prof. Regine Pick, Herrn Kultusvorsteher David VORNEHME ".•>■■=->■; - FAHIMEN - PENSION iHBstaapation.BatfBBtiiins täglich 5-Uhr-Tee ISEMNERING TELEPHON 11 Hochstraße 43 neben Hotel Panhans Mäßige Preise, Zimmer mit Pension S 12.—aufwärts Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser in jedem Zimmer. Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein» Besitzer *$JöäJfes «IllÄSf - 'IzämBwm^Mri staatspolitische Bezeichnung unserer Republik werden würde. Diese Annahme erwies sich bekanntlich als undurchführbar und damit war die bisherige Bezeichnung des Vereines staatspolitisch unhaltbar geworden. Außerdem gibt es im österreichischen Judentum noch immer Kreise, die glauben oder glauben machen wollen, daß mit der Bezeichnung „Deutschösterreich" eine gewisse Tendenz gegen Teile der Judenschaft verbunden sei. Wenn auch die „Union" nach wie vor auf dem Standpunkt steht, daß die österreichischen Juden in ihrer überwiegenden Mehrheit dem deutschen Kulturkreis angehören, weil Deutsch ihre Muttersprache ist und sie deutsche Bildung und deutsche Kultur in deutschen Schulen erworben haben, steht sie irgend welchen nationalen Tendenzen vollkommen fern und will alle Juden vereinigen, die jede staatsbürgerliche, politische oder nationale Sonderstellung der Juden ablehnen. Der vom Obmann, des Wahlkomitees, Herrn Komm.-Rat Siegmund Planer, vorgelegte Wahlvorschlag wurde nach eingehender Debatte mit einigen Aenderungen und Ergänzungen angenommen. Schließlich sprachen noch Berufen Sie sich auf die „Union bei Abschluß von Versicherungen bei der Städtischen Versicherungsanstalt Die vielfachen Wünsche unserer Mitglieder nach Neugründung der „Union"-Jugendgruppe sind vor kurzem in Erfüllung gegangen. Die seinerzeit bestandene Jugendgruppe der „Union" wurde kürzlich unter der Leitung des Sekretärs Oskar Hirschfeld reorganisiert und kann trotz der kurzen Zeit ihres Neubestandes ganz gewaltige Erfolge verzeichnen. Die kulturellen, wie auch die sportlichen und geselligen Veranstaltungen genießen immer lebhafter werdenden Zuspruch, bei jeder Gelegenheit werden von den zahlreichen Mitgliedern neue Gäste eingeführt, die rasch an den Bestrebungen der Jugendgruppe Gefallen finden und als Mitglieder in ihrem Kreise verbleiben. Besonders ernst nimmt die Leitung die Veranstaltung von kulturellen Abenden, die von dem Gesichtspunkte aus veranstaltet werden, der heranwachsenden Wiener jüdischen Jugend dabei behilflich zu sein, das in der Schule vielleicht nur mangelhaft erworbene Wissen um Judentum und jüdisches Sein zu ergänzen, um der Jugend die Möglichkeit zu bieten, dem Alltagskampfe als aufrechte jüdische Menschen trotzen zu können. Vor allem soll der Jugend die Kenntnis der Ethik des jüdischen Schrifttums und der jüdischen Einrichtungen vermittelt werden, damit sie auch unter Hinweis auf die Erhabenheit dieser Anschauungen unseren Gegnern mit Geisteswaffen entgegen treten kann. Diese Richtlinien schweben der kulturellen Sektion der „Union'-Jugendgruppe vor und ihre bisherigen äußerst gelungenen Abende waren denn auch diesen Zwecken gewidmet. Die geselligen Abende, wie auch die sportlichen Veranstaltungen sind ebenfalls sehr rasch beliebt geworden, alles in allem, die Jugendgruppe der „Union" befindet sich in einer sehr erfreulichen Aufwärtsentwicklung. Beide Neugründungen können jedoch nur dann so erfolgreich wie bisher weiter bestehen, wenn sie seitens der Mitglieder der „Union" weitestgehende Unterstützung finden. Es ergeht deshalb an die Mitglieder und Freunde der „Union" der Appell, ihre Damen und ihre erwachsenen Kinder dem „Union"-Frauen-Klub, bzw. der „Union'-Jugendgruppe zuführen und diesen beiden Organisationen Adressen von Interessenten bekanntgeben zu wollen. Um das Bild unserer intensiven organisatorischen Arbeiten zu vervollständigen, müssen wir D o h a n, Herrn Ottomar K a t z und den geistigen Mitarbeiter der „Union" Benjamin Segel. Hierauf brachte Sekretär Oskar Hirschfeld den oben auszugsweise wiedergegebenen Rechenschaftsbericht zum Vortrag. Dr. Ernst Feldsberg erstattete den Kassabericht, worauf die Revisoren Komm.-Rat Adolf U n g e r und Herr A. H. D a v i d das Absolutorium beantragten. Nach dem Antrag des Kassiers, den Mitgliedsbeitrag in der bisherigen Höhe von jährlich S12.— zu belassen, eröffnete der Präsident die Diskussion. Zunächst sprach Herr Komm.-Rat Alexius Salz er, der in Ergänzung der Ausführungen des Rechenschaftsberichtes über die an unseren Hochschulen herrschenden skandalösen Zustände auf die erfolgreichen Interventionen der wirtschaftlichen Korporationen gegen die judenfeindlichen Umtriebe auf der Hochschule für Welthandel verwies. Er dankte ebenso wie der folgende Redner, Herr Rudolf Geiger, dem Vorstand für seine Tätigkeit und rühmte insbesondere die ausgezeichnete Arbeit der Parteipresse. Hofrat Josef L ö w n e r, der als Nestor der Versammlung besonders lebhaft begrüßt worden war, stellte lobend die in den letzten Jahren besonders energische Tätigkeit der „Union" fest und sprach namens der Versammlung Herrn Präsidenten Doktor Jakob 0 r n s t e i n den herzlichsten Dank für seine mühevolle Arbeit aus. Präsident Dr. Jakob Ornstein quittierte diesen Dank mit einer uneingeschränkten Anerkennung der Tätigkeit des Sekretariats, das ihn in der Leitung des Vereines wirkungsvoll unterstützte. Die vorgelegten Anträge wurden hierauf einstimmig angenommen. Nachdem Präsident Dr. J. 0 r n s t e i n das in der Versammlung anwesende Mitglied des Beirates der „Union", Herrn Kommerzialrat Gustav Stößler, zu seinem 70. Geburtstage unter lebhaftem Beifall herzlichst beglückwünscht hatte, ergriff Vorstandsmitglied Dr. Karl Steiner das Wort zur Vorlage der Statutenänderungen. Die wichtigste dieser nach einer eingehenden Debatte angenommenen Aenderungen ist die Umwandlung des bisherigen Vereinsnamens „Union deutschösterreichischer Juden" in »Union österreichischer Juden". Der bisherige Vereinsname war nämlich dem Vereine zur Zeit des Umsturzes gegeben worden, da man glaubte, daß „Deutschösterreich" die der Obmann der kulturellen Sektion der Jugendgruppe, Max Mark, und die Schriftführerin des „Union"-Frauen-Klubs, Frau Luise Fischer- Treu, für diese Organisationen, um deren werktätige Unterstützung sie ersuchten. Präsident Dr. Jakob Ornstein schloß hierauf die eindrucksvoll verlaufene Versammlung. Ein Gebet, das 40 Tage und 40 Nächte dauert Die trostlose ökonomische Lage, in die der politische Zionismus geraten ist, zeigt das nachstehende Stimmungsbild aus geschätzter Feder. D. Red. Vor der Synagoge in Tel-Aviv, deren breit gelagerte Kuppel in der klaren Luft des Orients verschwimmt, stauen sich die Menschen. Was lockt die Andächtigen mitten im Arbeitstag? Es ist beschlossen worden, 40 Tage und 40 Nächte, ohne die Kette zu lockern, die Psalmen Davids zu rezitieren, die immer wieder erklingen, wenn Krankheit und Leid durch Menschenkraft nicht zu bändigen sind. Das Weißbuch der englischen Regierung drückt seit Monaten auf allen Gemütern und stört den ökonomischen Umlauf: Große Kaufleute stellten ihre Zahlungen ein, weil der Preis des Bodens gefallen, christliche Araber, denen die Senkung der Grundstückpreise den letzten Halt zerstörte, schlössen zuerst ihre Türen. Am empfindlichsten ist die moralische Wirkung im Auslande: die Unterstützungen der zionistischen Korporationen fließen immer geringer. Die Privatkapitalien für Investitionen, die aus aller Welt stammten, kommen spärlicher, weil man die unklaren Verhältnisse fürchtet. Die Folge davon ist die Einschränkung der Aufbauarbeiten und das Anwachsen der Zahl der Arbeitslosen. Das einzige schöne Erholungsheim der Arbeiter auf der Höhe der judäischen Berge bei Mozah mußte geschlossen werden, Angst und Mutlosigkeit dringen immer tiefer. Und was räuberische Araber nicht erreichten, die durch das Weißbuch hervorgerufene ökonomische Not brachte es zustande. In der modernsten Stadt Tel-Aviv, an der lebhaftesten Verkehrsstraße, an der Allenbystreet, dort wo zahlreiche Autos rollen und die Hupen tönen, erheben die Menschen ihre Stimme zu ihrem

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