Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 20 (15.5.1931)
- Date
- 1931-05-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE WAHRHEIT i ll fm M Diflffieir ■I Nur Ia-Qualitälen nach Maß und fertig jBfll lagernd, eventuelle Zahlungserleichte- JjHmRk rungen bis zu 1 Jahr werden gewährt. ^«KLEIDER-UNION TeL £202-15 Sammelaktion nr nirsonsezwedfe. Eine Versammlunc der Zentralkommission für soziale Fürsorge der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Mit einer am 11. Mai d. J. im Festsaale des NiederösterreächSschen Gewerbevereines abgehaltenen, sehr zahlreich besuchten Versammlung wurde die von der „Zentralkommission für soziale Fürsorge der israelitischen Kultusgemeinde Wien" im Laufe dieses Monats veranstaltete Sammelaktion für Fürsorgezwecke eingeleitet Zu dieser Versammlung war fast der gesamte Kultusvorstand mit dem Präsidenten Generaloberstabsarzt E. R. Professor Dr. Alois Pick, den beiden Vizepräsidenten Dr. Jakob Ornstein und Dr. Josef Löwenherz sowie Amtsdirektor Reg.-Rat Guido Fuchsgelb erschienen, ferner die Mitglieder der Zentralkommission, die Gemeinderabbiner, die Obmänner und Obmannstellvertreter der BezirksfürsorgekommissSonen und sämtliche Fürsorgeräte der israelitischen Kultusgemeinde Wien, sowie mehrere Pressevertreter. Die Versammlung wurde von dem Obmann der Zentralkommission. Kultusvorsfcsher Dr. Isidor K1 a b e r. eröffnet, der den Zweck der Aktion, die fehlenden Mittel für die umfassenden Fürsorgearbeiten der Kultusgemeinde zu beschaffen, darlegte und auf die Leistungen dar Fürsorgezentrale auf allen Gebieten der sozialen Fürsorge hinwies. Die Onführung einiger Zweige der produktiven Fürsorge sowie die Mitwirkung der Fürsorgeräte kennzeichnen die neue Arbeitsrichtung der Institution, welcher angesichts der großen Notlage unter der jüdischen Bevölkerung die Aufgabe zufällt, notwendige Hill f s m a ß n a h me n zu ersreäfen. Kultusvorsteher Börserat Ignaz Glück, der Obmann der Sektion für allgemeine Fürsorge, schilderte unter Anführung der finanziellen Leistungen eingehend die Fürsorgearbeit der Kultusgemeände, die neben der offenen Fürsorge auch im Spital und in der Versorgungsanstalt Vorbildliches und Segensreiches leistet. Nunmehr werde auch mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse unter anderen der Frage der Kredithilfe besondere Aufmerksamkeit zugewendet werden müssen. Vor allem müssen jedoch die akuten Notstandsfälle Berücksichtigung finden. Trotz der Ungunst der Verhältnisse müsse es möglich sein, die Aktion erfolgreich durchzuführen, zumal in diesem Jahre mit dem von der Bundesregierung geforderten Zuschuß für die Zwecke der Kultusgemeinde nicht gerechnet werden kann, trotzdem der Haushalt der Gemeinde ein großes Defizit aufweist. Hierauf ergriff Professor Dr. Julius Zappert, der Obmann der Sektion für Jugendfürsorge, das Wort und gab einen interessanten Ausschnitt aus der Tätigkeit der Jugendfürsorge, indem er einige charakteristische Fälle beleuchtete. Es gilt, neben den verwaisten Kindern, verlassene und schutzlose Kinder zu retten, für welche von anderer Seite nicht gesorgt wird. Die Zahl der infolge Krankheit oder aus anderen Gründen schwer gefährdeten Kinder nehme erschreckend zu, was sich daraus erklärt daß weite Kreise des Mittelstandes infolge Verarmung außerstande sind, ihren Kindern die nötige Pflege und Erholung angedeihen zu lassen. Die Verelendung der in Wien ansässigen Juden hat in den letzten Jahren so rapide Fortschritte gemacht daß die Ausgaben für Fürsorgezwecke gegenüber der Vorkriegszeit nicht gefallen, sondern gestiegen sind Ist diese Verarmung auch leider ein allgemeines Zeichen der Zeit so sind doch die Juden davon mehr betroffen als die andere Bevölkerung. So wie wohl kein Jude das Herz haben würde, einen der vielen Unglücklichen, wenn er flehend vor ihm stünde, unbeschenkt von sich gehen zu lassen, so wird wohl jeder, der von einem Sammler besucht werden wird, nach bestem Können der Fürsorgezentrale eine Spende zuweisen, wenn ihm der Fürsorgerat die Notlage so schildern wird, wie sie wirklich ist Die nun folgenden Ausführungen des Präsidenten Professor Dr. Pick fanden, tiefster Herzensgüte entsprungen, leicht Zutritt zu den Herzen aller Anwesenden und verfehlten nicht die nachhaltige Wirkung, als er mit der Bitte schloß, dem großen Elend, das sich täglich manifestiere und das sofortige Hilfe erheische, zu steuern. Als letzte Rednerin verstand es Frau Regine Ulf mann, das einzige weibliche Mitglied der „Zentralkommission für soziale Fürsorge der Kultusgemeinde" durch Schilderung einiger Fälle aus ihrer jahrzehntelangen Erfahrung die Notwendigkeit sozialer Hilfeleistung ergreifend klarzulegen. Nach einer zusammenfassenden Darstellung schloß der Vorsitzende, indem er zu opferfreudiger Mitarbeit aufforderte, die Versammlung, die bei allen Anwesenden einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Dieser durchaus gelungene Auftakt der eingeleiteten Aktion läßt wohl erwarten, daß die Sammlung im Interesse der unzähligen Hilfsbedürftigen von Erfolg gekrönt sein wird. Hierzu bedarf es der Mithilfe Aller, ohne Ausnahme. Im Zuge der Sammelaktion gelangt die inzwischen erschienene Ausgabe Nr. 2 der „Mitteilungen der israelitischen Kultusgemetnde Wien" sowie ein Aufruf der ,.Zentralkommission für soziale Fürsorge" an alle Geineindemitglieder zur Versendung. TonWoAc xu Wodke {3»f»!\,\\\\#\i#»to:\- K'•*«■«- •«» I I M! Ii | i V '. Beginn der Genfer Kalenderreformberatungen. Am 8. Juni beginnen in Genf die BeratungeneinerVorbereitungskommission, die zum Zweck desStudiumsderFrageder Kalenderreform eingesetzt wurde. Die Kalenderreform bildet bekanntlich einen Punkt der Tagesordnung der vierten allgemeinen Konferenz für Verkehr und Transit, die am 26. Oktober in Genf eröffnet wird. Die Hauptaufgabe der Kommission besteht darin, auf Grund der Memoranden, die die auf Beschluß des Völkerbundes von den Regierungen der einzelnen Länder eingesetzten Studienkomitees abgefaßt haben, einen Berichtandie Konferenz auszuarbeiten, in dem die Stellungnahme der einzelnen Landeskomitees zu dem Problem dargelegt werden soll. In Völkerbundskreisen ist man der Ansicht, daß die Kommission Vertretern von Gruppen, die am Kalenderreformproblem interessiert sind, auf deren Verlangen Gelegenheit geben wird, ihren Standpunkt mündlich darzulegen, so daß auch die Vertreter der jüdischen religiösen Interessen Gelegenheit haben werden, ihren Standpunkt bezüglich der Einführung eines Blankotages zupräzisieren. Ein bemerkenswertes Wahlbündnis. Die unter der Führung des früheren Senators Dr. W. Fildermann stehende Union rumänisch e r J u d e n hat mit der von Prof. Jorga geführten rumänischen Regierungspartei ein Wahlbündnis für die kommenden Parlamentswahlen geschlossen. Das Bündnis basiert auf der Erfüll unggewisserprogrammatischer Forderungen der Union. Ferner wurden der Union 8 Parlamentssitze und 5 Sitze im Senat zugesichert. Antischächtgesetz in Braunschweig. Wie der C. V.-Archiv-Dienst mitteilt, hat der Braunschweigische Landtag mit den Stimmen der/Nationalsozialisten und der Bürgerlichen .Einheitsliste einen Antrag auf Vor 1 egung eitf'e'S Antischächt-Gesetzes angenommen. I Rückgang der jüdischen Geburten in Böhmen. Die soeben veröffentlichten Zahlen über die Nationalitäten- und konfessionellen Verhältnisse in Böhmen weisen auf einen starken Geburtenrückgang hin. In Böhmen gibt es nach der Zählung von 1930 insgesamt 76.348 Israeliten, was dem Jahre 1921 gegenüber einen Rückgang von 3429 Seelen oder 4,3% darstellt Die Israeliten betrugen 1921 11,9 pro Tausend der Gesamtbevölkerung Böhmens, 1930 betragen sie nur mehr 10,7 pro Tausend. 12.699 bekennen sich zur jüdischen Nationalität, d. h. wohl um 1448 oder 12.87% mehr als im Jahre 1921; im Verhältnis zur Gesamtzähl der Juden aber ist dieses Sechstel ..volksbewußter" Juden verschwindend gering. Budapest Dr. Ludwig Blau, der hervorragende jüdische Gelehrte, Rektor der Landes-Rabbinerschule in Budapest, hat in diesen Tagen sein 70. Lebensjahr vollendet Er wurde aus diesem Anlaß in einer Sitzung der Israelitischen ungarischen Literarischen Gesellschaft (IMIT) geehrt Dr. Ludwig Blau wurde 1861 in Putnok (Ungarn) geboren, besuchte die Jeschiwa in Preßburg und die Landesrabbinerschule in Budapest 1889 wurde er an dieser Anstalt Professor für Bibel, hebräische und aramäische Sprache und Talmud und 1915 Direktor dieser Anstalt Seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen beschäftigen sich hauptsächlich mit der Literatur und dem Leben der Juden in der talmudischen und frühen nachtalmudischen Zeit Zu erwähnen sind: Masoreüsche Untersuchungen (Straßburg 1891); Zur Einleitung in die Heilige Schrift (Straßburg 1894); Das altjüdische Zauberwesen (Straßburg formosa-Oommlsfrflmpfe 4Bft verleiben unschönen Füßen die ersehnte schöne Form und 'verhüten überj£oqjS; dies . Krampfadern, Venenent- >aKg~3 A. Zündungen und viele andere Fnfileiden «H^Lj^fe Strümpfe per Paar 8 13.50 m^/^^i Fesselform „ „ „, 6.10 mw> 6nmmlJlrnapl t SpizralfciBi „EOEHOSB" ErltMft Mb, WäI./ SiBierifrili 3, W. 829=1.33 Eisschränke Marke „Frlgofor" eissparend, eigene Erzeugung, Zahlungserleichterung. „Elphora", I., Dominikanerbastei 22 Ecke Kai 7/9 Telephon R 24-4-16 1898); Papyri und Talmud in gegenseitiger Beleuchtung: (Leipzig 1913) u. v. a. Dr. Ludwig Blau gibt seit Jahrzehnten den lfMagyarZsido Szerale" heraus, dem er 1910 eine hebräische Vierteljahresschrift beifügte, die seit 1920 unter dem Titel „Hazofe lechochmat jisrael" erscheint München. Am 5. d. M. (Lag be omer 5691) waren es 125 Jahre, daß der Israelitische Verein für Krankenpflege, Bestattungswesen und religiöse Belehrung (Chewra Kadischa) E. V. in München gegründet wurde. Aus diesem Anlaß wurde am Sonntag, den 3. Mai, auf dem (alten) israelitischen Friedhofe an der Talkirchnerstraße eine Gedenkfeier abgehalten. Anschließend fand ein Rundgang anden Grabstätten von Frauen und Männern vorbei, die sich um den Verein verdient gemacht haben, statt. Die Bayerische Israelitische Gemeindezeitung bringt einen Abriß der 125jährigen Geschichte der Münchener Chewra Kadischa, würdigt die Verdienste ihrer einstigen führenden Männer und schließt: „Heute wird die Chewra von einem Manne geführt, der ebenfalls sein Letztes, Bestes hingibt für seine Menschenliebe: Leo Oppenheimer." Aufruf an die Staatenlosen. Die Internationale Frauenliga erläßt den folgenden Aufruf: Die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit (Ligue Internationale des Femmes pour la Paix et la LibertS, 12 nie du Vieux College, Genöve), in dem Bestreben, die durch die Kriegs- und Nachkriegszeit verschuldeten Leiden zu mildern, macht es sich zur Aufgabe, auch denjenigen beizustehen, die durch die Gebietsveränderungen der Friedensverträge in Schwierigkeiten in betreff ihrer Staatsangehörigkeit geraten sind. Nur wechselseitiges Entgegenkommen der in Frage stehenden Staaten kann hier Abhilfe schaffen. Damit hierüber mit Hilfe des Völkerbundes eine Einigkeit erzielt werden könne, findet es die Liga vor allem nötig, über die Art und den Umfang der entstandenen Komplikationen Klarheit zu gewinnen, und sie hat die im Dienste dieser Sache konstituierte Kommission für Staatenlose damit betraut in all den betreffenden Staaten die nötigen Daten zu sammeln. Die Liga ersucht daher alle diejenigen, die in Fragen ihrer Staatsange^ hörigkeit Schwierigkeiten haben, insbesondere die Staatenlosen, ihr ihre Angelegenheit zur Kenntnis ■ zn bringen. Besuch der Rothschild-Gärten zugunsten des: Merores Waisenhauses. Baronin Ciarice Rothschild, Präsidentin des Schutzdamenkomitees, des Merores Waisenhauses, hat die Freunde dieses segensreichen Institutes für Sonntag, den 10. d. M., nachmittags, zu einem Besuche der Gärten, die zu den schönsten Sehenswürdigkeiten unserer Stadt zählen, eingeladen. Viele Hunderte waren der freundlichen Einladung gefolgt und konnten sich nicht sattsehen an all der Pracht der Blumen und Blüten, der exotischen Pflanzen und Bäume. Das Erträgnis des Besuchstages fällt dem Waisenhause zu. — Dem gleichen Zwecke soll auch eine großzügige Veranstaltung dienen, die für Donner'stag, den 4. Juni (Feiertag), geplant ist Hierzu ist folgende Einladung bereits ergangen: Baronin Clarice Rothschild, Präsidentin des Schutzdamenkomitees des Merores Waisenhauses für israelitische Mädchen* bittet Sie für den 4. Juni 1931, von 16 bis 22 Uhr, in die Räume des Hauses, Wien XIX,. Bauernfeldgasse 40, zu einem Tee mit musikalischen Darbietungen. Das Fest findet bei jeder Witterung statt. Für Mitglieder der „Union" ist in deren Sekretariat eine beschränkte Anzahl von Eintrittskarten erhältlich. (Telephon A 19-2-77.) Der Leopoldstädter Tempeiverein „Aeschel Awrohom", II., Pazmanitengasse 6, hält Sonntag, den 17. Mai 1931, präzise halb 10 Uhr vormittags, im großen Giebelsaale des Tempelgebäudes seine 55. ordentliche Generalversammlung ab. Der Tod Siegfried Löwys. Mit dem Ableben? des Schriftstellers Siegfried Löwy scheidet eine der liebenswürdigsten Figuren aus der Wiener Gesellschaft Siegfried Löwy war eine markante Erscheinung im Bilde unserer Stadt, nicht nur als Journalist und Schriftsteller, sondern auch als eine Persönlichkeit, die den Kontakt mit den verschiedensten Kreisen der Bevölkerung inne hatte. Seine Hilfsbereitschaft, sein Interesse für die Neuerscheinungen auf allen Gebieten der Literatur, des Theaterwesens und der Kunst, sein praktischer Sinn zur Durchführung gemeinnütziger Aktionen 1