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Die Wahrheit · 1931-05-08 · Heft 19 (8.5.1931) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 19 (8.5.1931)
Date
1931-05-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT S«Uc 5 Trauerkundgebung dem Protokolle einzuverleiben. Dann erteilte der Vorsitzende dem Referenten, Herrn Dr. Ernst Feldsberg, das Wort zu seinem Referate über die nächsten Aufgaben der Wiener Judenschaft Der Redner führte ungefähr folgendes aus: Die schwere Wirtschaftsnot. die alle Bewohner dieser Stadt in ihren Bann gezwungen hat. sie bedeutet für uns Juden eine besondere Sorge. Die Wellen des Antisemitismus sind gerade jetzt, gepeitscht durch den Sturm dreser Wirtschaftsnot, bedeutend angeschwollen, so daß die Wiener Judenschaft ernste Besorgnisse um die Erhaltung ihrer Stellung im Staate haben muß. Dem Antisemitismus in Oesterreich zu begegnen, kann nicht mehr Angelegenheit der Abwehr, sondern muß Sache des Angriffes sein. Um aber diesen Angriff mit dem richtigen Elan, mit der Aussicht auf Erfolg führen zu können, ist es notwendig, in den eigenen Reihen Nachschau zu halten, ob nicht durch die jüdische Politik in Wien dem Antisemitsmus gleichsam in die Hände gespielt werde. Wir Juden hatten seit jeher die Mission, Bannerträger der Freiheitsidee zu sein. Juden waren es, die die Welt die. Idee des Friedens und der Gleichheit gelehrt haben. Juden werden es sein, die für ewige Zeiten auf Grund religiöser Vorschriften Vorkämpfer jeder Freiheitsidee bleiben werden. Trotz dieser gewiß hehren Mission hat in den letzten Dezennien eine Reihe unserer Glaubeusbrüder den Weg der Reaktion betreten und versucht, durch Aufrichtung nationaler Mauern Trennungsstriche zu ziehen zwischen Bürgern ein und' desselben Staates, zwischen Völkern ein und desselben Landes. Der jüdische Nationalismus in Oesterreich fördert die Idee des Antisemitismus, denn dfe Idee aller antisemitischen Handlungen ist immer wieder m dem Grundsatze verankert, daß wir Juden ein Fremdvolk in diesem Staate seien, das erst in zweiter Linie berechtigt sei, für sich die Bürgerrechte in Anspruch zu nehmen. Wenn auch Menschen noch trotz der Erfahrungen der letzten Jahre an die Aufrichtung eines jüdischen Staates durch England glauben, so soll diesen Leuten ihr Glaube nicht genommen werden, es wird sie leider die Zukunft lehren, daß sie mit ideeller Begeisterung Probleme der Wirtschaftsordnung nicht lösen können. Aber diese Leute haben kein Recht, in dem Staate, in dem Juden auch in Zukunft werden leben wollen, immer werden mit den übrigen Bürgern zusammen existieren müssen, Mauern nationaler Art zwischen den Juden und N:chtjuden aufzurichten. Der Redner befaßte sich weiters ganz besonders mit jener jüdischen Bevöikerungsschichte. die vom Judentum überhaupt nichts mehr wissen will, die vielleicht unter dem Drucke der Exekution ihre Kultussteuer bezahlt, die aber sonst alles tut. um ihre Zugehörigkeit zum Judentum zu verleugnen. Diese Menschen, die gerade den wirtschaftlich gesicherten Schichten, angehören, sind für die Sicherung der jüdischen Rechte besonders gefährlich. Aus ihren Reihen rekrutieren sich leider diejenigen Juden, welche bei der Anstellung von Arbeitern und Angestellten als erste in das antisemitische Horn blasen und die Anstellung von Juden verweigern. Sie glauben, daß der Moloch des Antisemitismus, wenn er einmal die Gewalt an sich gerissen haben wird, sie verschont lassen wird. Sie glauben, daß sie selbst, momentan geschützt durch ihren Nimbus, werden imstande sein. Schützer ihrer Nachkommen zu bleiben. Auch sie sind unsere Glaubensbrüder und wir wollen nicht, daß einst ihre Kinder durch das Verschulden ihrer Eltern dem Judentum verloren gehen und den Boden verlieren, auf dem sie stehen müssen, um zu existieren. Schließlich befaßte sich der Redner mit der jüdischen Erziehung und wies darauf hin, daß es unbedingte Pflicht der Eltern sei, dafür zu sorgen, daß ihre Kinder mit den Ideen des religiös-ethischen Judentums und nicht bloß mit den Ideen jüdisch-nationaler Politik vertraut gemacht werden. Die nächsten Aufgaben der Wiener Judenschaft werden also darin liegen, alle Schranken innerhalb des Wiener Judentums, die einen Teil der Juden vom'anderen trennen, niederzureißen, alle Wiener Juden organisatorisch zu erfassen und durch Einigkeit aller Juden ein Bollwerk zu bilden, an dem die Stürme des Antisemitismus nicht werden rütteln können. In der nun folgenden Diskussion befaßte sich Herr Präsident Dr. J. 0 r n s t e i n in eingehender Weise mit dem Nationalismus und mit den künftigen Auswirkungen nationaler Erziehung der Jugend auf das Schicksal des Judentums. *Den interessanten Ausführungen des Präsidenten wurde reicher Beifall zuteil. Schließlich beleuchtete Dr. Lenk in einer Kritik der jüngsten Rede Jabotinskys die Einstellung der verschiedenen zionistischen Gruppen zum Palästina-Aufbauwerk und wandte sich insbesondere gegen die in alller Oeffentlichkeit ausgesprochene radikale Forderung, mit Mitteln der Waffengewalt den Juden in Palästina die Majorität zu verschaffen. An Hand der in Berlin und anderwärts gemachten Erfahrungen zeigte er sodann die für die Lage der Juden schädlichen Auswirkungen der Ersetzung der Kultusgemeinden durch national-jüdische Volksgemeinden. Die aufklärenden Darlegungen des Redners fanden in der Versammlung den lebhaftesten Widerhall. Frau Fischer-Treu verwies auf die nachteiligen Folgen eines überspitzten Nationalismus und forderte unter Hinweis auf die den jüdischen Frauen obliegenden Pflichten die anwesenden Damen auf, sich in den so rasch beliebt gewordenen Arbeitsgemeinschaften der „Union"-Frauengruppe zu betätigen. Mit dem Danke an den Referenten und die Diskussionsredner sowie mit dem Versprechen, dem Wunsche der Versammlung nach baldigster Einberufung einer neuerlichen Zusammenkunft nachkommen zu wollen, schloß der Vorsitzende in vorgerückter Stunde -diesen aufschlußreichen Abend. Gesucht wird zu einer alleinstehenden Dame eine Stütze der Hausfrau, die auch in der Wirtschaft etwas mithilft. Zuschriften an die Adm. d. BL Veranstaltungskalender der „UNION0 Samstag, den 9. Mai, 8 Uhr abends, im Klublokal des Cafe City, IX„ .Porzellangasse 1 Gesellige Zusammenkunft der Jugendgruppe. * Montag, den 11. Mai, 8 Uhr abends, im Saal von Franz Böhms Gästhaus, X., Keplergasse 7 Versammlung der Bezirksorganisation X. Reg.-Rat Dr. Max Lenk: „Was soll die Kultusgemeinde uns und was sollen wir unserer Kultusgemeinde leisten?" * Dienstag, den 12. Mai, 8 Uhr abends, im Klublokal des Grand-Cafe Central, IL, Taborstraße 8 Kultureller Abend der „Union"-Jugendgruppe Dr. Ernst Feldsberg: „Die Ethik jüdischer Gebräuche." Judiscfte Ihrentafel Frankfurt a. M. Professor Dr. Karl P r i b r a m, Frankfurt a. M.. wurde von der Universität Chicago eingeladen, bei den Ende Juni stattfindenden Verhandlungen des Harris-Institutes über die „Arbeitslosigkeit als Weltproblem" drei Vorträge zu halten und eine Diskussion über die deutsche Arbeitslosenversicherung zu leiten. Er wird dieser Einladung Folge leisten. Professor Dr. Karl Eman Pribram ist 1877 in Prag geboren und gehört der berühmten Prager jüdischen Gelehrtenfamilie Pribram an. Er war a. o. Professor in Wien, dann in Genf. Sein Spezialgebiet ist Gewerbepolitik und Gewerbeschutz. Wien. Der Baukünstler und Kunstschriftsteller Baurat Hartwig Fischel ist 70 Jahre alt geworden. Am 23. April 1861 zu Wien geboren, studierte er zuerst an der Wiener Technischen Hochschule, dann an der Spezialschule für Baukunst des berühmten Gotikers Dombaumeisters Friedrich Schmidt an der Akademie der bildenden Künste. Hierauf wurde er Assistent an der Wiener Technik. Beim Bau der Grazer Technik und des Deutschen Volkstheaters in Wien (Hellrner und Fellner) war er tatkräftig beteiligt 1888 wurde er als Architekt in die Baudirektion der Ferdinands-Nordbahn berufen. Fischel ist auch ein feiner und gediegener Kenner der Alt-Wiener Baukunst, und hat sehr schön über die noch erhaltenen Häuser aus vergangenen Jahrhunderten geschrieben. Los Angeles. Dem bekannten New Yorker jüdischen Bankier Paul M. Warburg wurde in Anerkennung seiner Verdienste um die finanzielle und wirtschaftliche Entwicklung der Vereinigten Staaten das juridische Ehrendoktorat des Occidental College verliehen. Als Promotor fungierte der Professor der Volkswirtschaft Dr. John Parke Young. Das Diplom wurde Herrn Warburg durch den Präsidenten des College Dr. Ramson D. Bird überreicht. Paul M. Warburg, der Direktor zahlreicher Banken und Eisenbahngesellschaften ist, hat ein grundlegendes Buch über das Federal Reserve System geschrieben. llQUicntsdics KOnlgsllcht ■illlUIH fSeit vielen Jahren das anerkannt llZfiitil gas. gesch. Mark« „Hyglan. Königslicht" und Name Schub Fabrik und Büro: BraunMrsclMngajuM« 3 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. I stellt GROSSFLEISCHHAUEREI IUGM. KORNMEHL %J0KBE^nKKKKK^BKI^^RHmnB^tKKtn^ttnKKi^^B^nKKtK^Bt WIEN IX* BBROQJkSSR NR. 1» FILIALE. XVIII., WAMRMiaiRSTRASS* 97 Telephon Nr. A 17*99 and A 164-34 Lieferant für Iteltaastalte» AbteilungenfürKoscherfieisch ■ator Aufsieht rinn ahrw. Rahahurta» aar um». Kalta«a«u»lMto Vflaa. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Wahrheiten vom finge Sport und Politik in Oesterreich. Wir erhalten folgende Zuschritt: Ich nehme höflich Bezug auf den im Feuilletonteil Ihres geschätzten Blattes vom 17. v. M., Nr. 16, erschienenen Artikel des Regierungsrates Dr. Emil Weinberg: „Sport und Politik in Oesterr e i c h." In diesem Artikel wird unter anderem behauptet, daß zu jenen Vereinen, welche den Ariersatz angenommen haben, auch der A u s t r i a - Schwimmklub gehört. Ich glaube, daß dies weniger ein Irrtum des vom Feulletonisten zitierten Autors Dr. Erwin Mehl, als des Herrn Reg.-Rat Weinberg selbst ist. Denn Herr Dr. Mehl weiß sehr genau, daß der „Austria-Schwimmklub" — richtig heißt er „Wiener Amateur Sportverein Austria" —. der tatsächlich als einzige Disziplin das sportliche Schwimmen betreibt, den Ariers atz nicht angenommen hat. Der beste Beweis dafür liegt wohl in der Feststellung, daß ich seit vielen Jahren, allerdings mit Unterbrechung. Präsident dieses Klubs bin und daß zahlreiche Juden demselben angehören. Bei dieser Gelegenheit möchte ich nur noch feststellen, daß die in dem Buche des Dr. Mehl angeführten Leistungen jüdischer Sportleute keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erheben dürfen. Ich habe in früheren Jahren oft genug Gelegenheit nehmen können, in öffentlichen Versammlungen auf die Leistungen jüdischer Sportleute, insbesondere in Oesterreich, hinzuweisen und will sie nicht hier wieder anführen, um nicht in den Fehler der Wiederholung zu verfallen. Nur eines möchte ich noch sagen: Der Bemerkung des Herrn Dr. Weinberg, daß ein Werk, welches als rein wissenschaftlich gelten soll, keinen Zusammenhang mit politischen Fragen herstellen dürfe, darf hinzugefügt werden: Jegliche Leistung, mag sie auf sportlichem oder wissenschaftlichem Gebiet erbracht werden, verliert an Wert, wenn man sie durch die politische oder gar durch die rassenpolitische Brille ansieht Dr. Berthold K a r d e g g. „Ein wertvoller Beitrag zum völkischen Gedankengut" Die Berliner antisemitische „Deutsche Zeitung" und andere völkische und nationalsozialistische Zeitungen empfehlen das Buch eines Niederländers Egon van Winghene, das vor kurzem unter dem Titel „Arische Rasse, christliche Kultur und das Judenproblem" in deutscher Sprache erschienen ist. Zur Abwehr der Judengefahr fordert der Verfasser den Voll-Zionismus, das heißt die E r r i c htung eines eigenen Judenstaates, nach dem alle Juden zwangsweise überführt werden müssen. Die Lösung der Judenfrage sei nur übernational möglfch. „So wenig wie die Bekämpfung einer ansteckenden Krankheit nicht vor der Landesgrenze Halt machen darf, ebensowenig dürfe es die Abwehr des jüdischen Wesens und Imperialismus." Eine solche übernationale Zusammenarbeit stelle keinen Verrat am Nationalismus dar. sondern sef vielmehr das einzige und letzte Mittel, die Eigenart und das Eigenleben jedes Einzelnen!, der von jüdischen Kulturformen und vom jüdischen MachtwiHen gefährdeten Völker zu schützen, fm einzelnen wendet sich der Verfasser gegen den Radau-Antisemitismusoder die Erzeugung einer Pogromstimmung. An einem solchen Antisemitismus habe der Jude seine besondere Freude (!). denn er mache ihn doch meist zum schuldlosen Märtyrer. Der einzige Weg. der zum Ziele führen könnte, sei die reinliche Ausscheidung des Judenvotkes aus der arischen Welt, der Zwang der Seßhaitwerdung der Juden und Judenstämmlfnge in einem für sie zu bestimmenden und unter gesarrrtarische Aufsicht zu steifenden Lande, bei gleichzeitiger voller Entziehung der bürgerlichen Rechte in allen arischen Ländern. Die ..Deutsche Zettung" nennt die Schrift einen ..wertvollen Beitrag zum völkischen Gedankengut".

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