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Die Wahrheit · 1931-05-01 · Heft 18 (1.5.1931) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 18 (1.5.1931)
Date
1931-05-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT 6 Mm-ni Alliier Nur Ia-Qualitäten nach Maß und fertig lagernd, eventuelle Zahlungserleichterungen bis zu 1 Jahr werden gewährt IEIDER-UNIÖN ^WlENVLKasemena.6 TeLB20215 iühlt hätte, Hitlers Schwager im Schiafkupee zu interviewen. Und es stellte sich heraus, daß gerade in jenem Augenblicke auch der Hitler-Schwager eine Sehnsucht nach einem Juden gehabt hat und diese durch das „Interview" des Herin Desiderius Israel gestillt worden ist Was hat übrigens Herr Israel in diesem Interview neues erfahren: 1. Herr Gölnik ist ein fast dicker Mensch, mit graumeliertem Haar und auf seiner Brust prangt an einem blauroten Bande ein Hakenkreuz. 2. Die Nationalsozialisten gehen wieder daran, das Land energisch von den Juden zu reinigen. 3. Ueber Zionismus: „Marsch nach Palästina". Und nebst diesen ironischen Bemerkungen die Ermahnung an den jungen Israel aus Sziget, sich hübsch an der Wahrheit zu halten und nur das zu schreiben, was der Hitler-Schwager tat- ■> sachlich gesagt hat Daher nicht zu vergessen, daß Herr Gölnik auch besonders erwähnt hat daß er sonst vermeide, mit Juden oder gar einem jüdischen Journalisten zu sprechen und nur diesmal eine Laune hatte, ein jüdisches Gesicht zu stehen. Spaßhalber. Wir fragen nun: Wozu war das ganze* „Interview" nötig? Welchen Sinn hatte es, sich in das Schiafkupee des Hitler-Schwagers zu drängen, um dort einige Sottisen von ihm zu hören: Den freundlichen Rät .an die Juden, alle Länder zu verlassen und sich so rasch als möglich nach Palästina zu begeben, hätte Herr Desiderius Israel von jedem cuzistischen Studenten erhalten können. Und ausnahmsweise bedauern wir es, daß sich nicht Herr Desiderius Israel in demselben Zuge mit der Bitte um ein solches Interview auch an einen cuzistischen Studenten gewendet hat Denn Herr Israel wäre dann sicher aus dem fahrenden Züge hinausgeflogen und das Interview des Herrn Israel mit dem Hitier-Schwagej wäre uns erspart geblieben. Es ist nicht das erstemal, daß jüdische Journalisten — einmal war es auch einte. Dame, die übrigens abgeblitzt ist — solche Reportererlebnisse bei Antisemitenhäuptlingen suchen. Verträgt sich dies mit jüdischer Wurde? Ein antisemitischer Staatsanwalt entschuldigt sich . . . Bei einer vor dem Kreisgericht der bulgarischen Stadt Burgas geführten Verhandlung gegen einen getauften rumänischen Juden namens Leibowitsch, der sich in mehreren bulgarischen Städten als Großkaufmann vorgestellt und bulgarische Geschäftsleute betrogen hatte, sprach der Staatsanwalt in seiner Anklagerede mit Bezug auf den Angeklagten von den „b ekannten seiner Rasse eigenen Anlagen u n d M a n i e r e n". Der Vorsitzende des jüdischen Konsistoriums Bulgariens sprach in dieser Angelegenheit bei dem Justizminister vor. Wahrscheinlich auf Anweisung von oben sah sich der Staatsanwalt veranlaßt die Vertreter der jüdischen Gemeinde in Burgas zu sich einzuladen und ihnen gegenüber die Erklärung abzugeben, daß er nicht die Absicht gehabt hättej die bulgarischen Juden zu beleidigen, und daß die Lokalpresse seine Rede in diesem Punkte nicht ganz richtig wiedergegeben hätte. Gegen die Religionsverfolgungen in Rußland. Die Deutsch-evangelische Volksvereinigung, das Katholikenkomitee und der Central verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hatten sich zu einer gemeinsamen Kundgebung gegen die von Sowjetrußland ausgehenden Bestrebungen der Gottlosenpropaganda vereinigt Die Versammlung nahm eine Entschließung an, in der es heißt: „1500 im Saalbau zu Frankfurt versammelte Männer und Frauen der christlichen und jüdischen Religionsgemeinschaften wenden sich mit Entrüstung gegen den Vernichtungskampf, der in Rußland gegen die Religion geführt wird. Sie bitten die Regierungen des Reiches und der Länder in Deutschland, der Religon den ihr zustehenden gesetzlichen Schutz in vollem Umfange zu erhalten, insbesondere mit allen Mitteln und aller Schärfe gegen die immer dreister auftretenden religionsfeindlichen Bestrebungen und Umtriebe in Deutschland einzuschreiten." Die Stellung der Juden in Japan. Die New Yorker jiddische Tageszeitung „Der Tog" veröffentlicht ein Interview ihres Mitarbeiters Joel Slonim mit dem Bruder des Mikado Prinz Takamatsu, der sich derzeit mit seiner Gattin in New York aufhält Prinz Takamatsu äußerte sich im Verlauf des Gesprächs folgendermaßen über die Lage der Juden in Japan: Die Juden haben in Japan dieselben Rechte wie die übrige Bevölkerung, wenn sie auch nicht Staatsbürger sind und keine öffentlichen Aemter bekleiden. Das japanische Volk macht keinen Unterschied in der Behandlung der einzelnen Rassen. Allerdings werden alle Personen nichtjapanischer Abstammung, Juden ebensowohl wie andere Europäer, alsAusländer betrachtet Jedoch werden alle Ausländer, so lange sie sich den Gesetzen des Landes fügen, in gleicher Weise behandelt wie die japanischen Bürger. Auf die Frage, ob die Zahl der Juden in Japan wachse und ob. sich im Lande ein Widerstand gegen eine jüdische Einwanderung bemerkbar mache, antwortete Prinz Ta- ,. kamatsu: Leute, die zu uns kommen, um uns beim Aufhau unseres Landes zu helfen, sind stets willkommen. Dem japanischen Volk sind nur solche Einwanderer unerwünscht die uns feindlich gesinnt sind. Nach dem Weltkrieg haben sich Juden aus Rußland und anderen Ländern in Japan niedergelassen. Die meisten von ihnen waren Kaufleute, es gab aber auch Arbeit e r unter ihnen. Eine Wirtschaftskrise im eigentlichen Sinn dieses Wortes gibt es bei uns nicht; die Erscheinung, daß Leute aus Mangel an Mitteln hungern, ist uns unbekannt Es gibt keinen Grund für eine unfreundliche Haltung der japanischen Regierung gegenüber jüdischen Einwanderern, die nach Japan zu kommen und sich dort niederzulassen wünschen, vorausgesetzt, daß sie uns nicht feindlich gesinnt sind. Eine Gesamtorganisation der kanadischen Juden. In Montreal fand eine von der Liga der Bnei Brith zur Bekämpfung judenfeindlicher Verleumdung im Hinblick auf die antisemitische Propaganda in der Provinz Quebec, die in der letzten Zeit einen ernsten aggressiven Charakter angenommen hat einberufene Konferenz statt, an der Vertreter von über 20 jüdischen Gemeinden und zahlreiche führende jüdische Persönlichkeiten teilnahmen. Auf der Konferenz wurde der Grundstein zu einer künftigen Repräsentanz der Judenheit Montreals und eventuell ganz Kanadas, also einer Organisation nach der Art des American Jewish Committee, des American Jewish Congress oder des Jewish Board of Deputies gelegt Den Vorsitz führte der Präsident der Bnei Brith Horace Cohen. Rabbi Abramowitsch wies in seiner Eröffnungsansprache auf die Notwendigkeit hin, die Beziehungen zwischen den Juden von Montreal und den Franco-Känadiern inniger zu gestalten. Die Pflege dieser Beziehungen werde eine Hauptaufgabe der neuen Organisation bilden. Lyon Cohen referierte über das im Jahre 1908 vom Baron de Hirsch-Institut begründete Komitee, das den Antisemitismus erfolgreich bekämpft hatte und nach dem Verschwinden der antisemitischen Bewegung aufgelöst worden war. Nunmehr müsse im Hinblick auf das Wiedererwachen des Antisemitismus in der Provinz Quebec ein neues Komitee gebildet werden. Nachdem noch mehrere andere Redner, unter ihnen Edgar Berliner, ein Sohn des berühmten Erfinders Emil Berliner, zu Wort gekommen waren, wurde ein neungliedriges Komitee unter dem Vorsitz von Rabbi H. Abramowitsch zur Vorbereitung einer Verfassung und eines Arbeitsprogramms eingesetzt Das jüdische Prag. In der „Neuen Rundschau" (Verlag S. Fischer) veröffentlicht Wilhelm Hausenstein eine sehr beachtenswerte Artikelserie über „Europäische Städte". Der Kunsthistoriker Hausenstein beschäftigt sich, naturgeinaß vor allem mit dem architektonischen Städtbild, aber er läßt den sich darin ausdrückenden Geist und Stil aus der Darstellung seiner soziologischen Grundlagen hervorwachsen. Im letzten April-Heft beschreibt er die Stadt Pjag, diese großartige Schöpfung slawischer, italienischer, deutscher und jüdischen Geistesmischung. Dabei widmet er einen besonderen Abschnitt dem Prager Judentum. Heute befindet sich auch diese Stadt in dem Uebergang zur großstädtischen Uniformierung, aber das Katholische und das Jüdische, die hier nahe beisammenstehen, sind nicht auszulöschen. Die Altneu-Synagoge mit ihren gotischen Kreuzgewölben hat christliche Bauformen, dennoch kann es kaum etwas Jüdischeres geben als diese Synagoge. „Ihre Atmosphäre ist auf eine wahrhaft hintergründige Weise jüdisch." Hausenstein wendet sich auch gegen die Verstümmelung des im Herzen der Stadt liegenden alten Judenfriedhofes, von dem ein Stück den Bedürfnissen des „Verkehrs" zum Opfer gefallen ist Dieser Friedhof ist „ein Stück von der natürlichen Einheit dieser Stadt geworden —, und zwar ein entscheidendes. Man geht von einer so nie erlebten und derart gewiß nie wieder zu erlebenden Schwermut heimgesucht einer Schwermut die schon über dem Schicksal steht auf den planlosen Wegen des Friedhofs umher . . . Sieht man nachher im Jüdischen Museum die Köpfe der alten Rabbiner, Köpfe, die zugleich die letzte menschliche Einfachheit und eine verschwiegen heroische Geistesgröße bezeugen, so versteht man freilich, aus der Tiefe des Jüdischen heraus, die ungeheure Beharrung, die sich im Jüdischen dem Pragertum mitgeteilt hat . . . Ich suche nach einem Gleichnis und möchte sagen: Das Jüdische und Prag sind miteinander ein Synkretismus, wie das Jüdische und das Holländisch-Germanische in Rembrandt, dem Bewohner der Jodenbreestraat ein Synkretismus sind. Prag hat so.gesehen, etwas mit Amsterdam, etwas mit dem Holland des Spinoza zu tun. Nur daß die Einheit mit dem Jüdischen dort die Sache einer Seehandelssta'dt ist und hier, in Prag, die Sache eines zähen festländischen Daseins . . ." Raüioui^ Radio, neuesie Typen, auch Umbau und Tausch alter Apparate. Schalipiatten hervorragendster Künstler und neuester Schlager, auchTausch. Zahlungserleichterung. Radiohaus „ELPHORA" I., Dominikanerbastei 22, Tel. R 24-4-16 (l., Kai 7/9) GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMEHL *^^mmammmmmmmmmmmmm^mmmm^m^mmmmmmmam WIEN IX., BEROOASSE NR. 19 FILIALE! XVIII., WAHRINOERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17*99and A 164-34 Lieferant für Hallanstaltsn AbteilungenfürKoscherfleisch nater Aufsicht de« ehrw. Rebblnatts der 'tais Kultnsgemeinde Wien. 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Budgetberatung der Prager jüdischen Gemeinde., Inder letzten Sitzung der Repräsentanz der Prager Jüdischen Gemeinde wurde nach längerer Aussprache das Budget für das Jahr 1931 in der Höhe von 2,356.000 Kc angenommen und der Beschluß gefaßt in Prag ein jüdisches Spital zu errichten, das das erste jüdische Spital in der Hauptstadt der Tschechoslowakei sein wird. Das Budget weist u. a. folgende Posten auf: Erhaltung^ der Synagogen 441.000 Kc, Oberrabbinat 50.000 Kc, Erziehung (religiöse) 50.000 Kc, Bibliothek 55.600 Kc, rituelle Institutionen 88.000 Kc. An Subventionen wurden dem jüdischen Lehrlingsheim 10.000 Kc, der Jüdischen- Fürsorgezentrale 17.000 Kc und dem Keren Hajessod 5000 Kc bewilligt Dieses Budget ist durch Einnähmen in Höhe von 839.000 Kc gedeckt; die restlichen 1%.Millionen Kc werden durch Steuern eingehoben werden. Wilna. Das jüdische Wilna steht unter dem Eindruck des Ablebens einer seiner führenden Persönlichkeiten, des Herrn Schneur Salman Seligsohn, der schon im vorrevolutionären Rußland eine jüdische Führergestalt gewesen war. Er war ein Abkömmling des berühmten „Rabbi Miladi", Verfassers des „Tanja", und des berühmten „Schaagoth Ari". Er selbst war ein hervorragender Kenner der jüdischen religiösen Literatur und genoß in der gesamten orthodoxenjüdischen Welt Ansehen. Im alten Rußland war er einer der reichsten Gutsbesitzer und unterstützte mit großen Summen die jüdischen sozialen und orthodoxen erzieherischen Institutionen. Nachdem unter den» bolschewistischen Regime seine Güter verstaatlicht worden waren, übersiedelte er von Charkow nach Wilna, in dessen Nähe er noch ein Gut besaß. Die Wilnaer jüdischen Zeitungen widmen ihm Gedenkartikel, in welchen sie ihn als eine der letzten vornehmen Gestalten des altrussischen Judentums würdigen. Ein junger Wiener jüdischer Künstler. Wir erhielten folgende Zuschrift: „Unter de» jungen, zu den schönsten Hoffnungen berechtigende» Künstlern lernte ich vor einiger Zeit einen Freund meiner Kinder kennen, den 23jährigen Felix Weiß, einen geborenen Wiener, der schon heute in seinem Fache als akademischer Bildhauer einen hervorragenden Platz einnimmt. Noch als ganz junger Mann hat er nach Absolvierung der Meisterschule an der Akademieder bildenden Künstler in Wien unter Professor Bitterlich durch die Schaffung eines Monumentaldenkmals für den Volksbildner Ludo Hart mann die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf sich gelenkt. Von den inzwischen fertiggestellten Arbeiten hat der junge Weiß: eine Bronzegruppe „Ruf der Jugend" für die Stadt Wien geschaffen, welches Denkmal demnächst im Park bei der neuen Augartenbrücke zur Aufstellung gelangeir wird. Dieses Standbild versinnbildlicht das Recht der Jugend auf frohe und gesunde Zukunft Weiß selbst ist von bezwingender Liebenswürdigkeit in seinem Auftreten und außerordentlich bescheiden. Es ist ihm für die Zukunft sicherlich ein hervorragender Platz in der Kunstwelt gesichert. Hervorzuheben wäre, daß sich Weiß durch tiefen religiösen Sinn und volles Verständnis für die Mission des Judentums auszeichnet Direktor Julius Haber. Wohitätigkeicsakademie. Vorigen Samstag fand int Konzerthaussaale zugunsten des Blindeninslitutes auf der Hohen Warte eine Festakademiestatt, die ein zahlreiches distinguiertes Publikum vereinigte. Zur Einführung sprach Baronin Margarete Königswarter-Formes einen gehaltvollen Prolog von Professor Heinrich Glücks mann und brachte im weiteren Verlaufe des Abends Dichtungen von Anton Wildgans zum Vortrage. Hierauf hörte man eine Triokomposition von Karl Frühling, die' den Ausführenden, Kurt Fuchsgelb (Geige), Wilhelm W i n k 1 e r (Cello) und vor allen dem Komponisten am Flügel, reiche Ehrungen brachte. Konzertsängerin Nora J a w e c trug mit warmer, klangvoller Stimme Arien und Lieder vor und versetzte die Zuhörerschaft in Begeisterung. Marianne Mislap-Kapper sang Lieder von Mozart und Mittler, Artur Wolken von der Staatsoper den ,J3ajazzo"-Prolog. Eduard Steuermann am Blüthner-Flügel erntete für sein MeisterspieL

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