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Die Wahrheit · 1931-05-01 · Heft 18 (1.5.1931) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 18 (1.5.1931)
Date
1931-05-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE WAHRHEI1 .Woche gedauert hat, hätte, so glaubt man, mehr Greifbareres schaffen müssen. Es wäre ungerecht, so zu denken. Man muß beachten, daß das Weltstudentenwerk nicht die Macht hat, für die einzelnen Länder Anordnungen zu treffen oder von sich aus dort Kommissionen einzusetzen. Wenn aber die Anregung, von selbst zusammenzukommen und die Dinge zu beraten und zu prüfen, auf Nach manchen Fährnissen haben am 22. April neuerlich Beratungen über den Palästina-Aufbau begonnen. Diesmal ist der Beratungsort nicht wie bisher London, sondern die Beratungen finden gleichzeitig in London und Jerusalem statt Das hat seinen besonderen Grund. Die Beratungen gelten der Frage der Landentwicklung. Bekanntlich war seinerzeit auf Grund von Untersuchungen des Sachverständigen Sir John Hope Simpson in Palästina festgestellt worden, daß ein Drittel der dort lebenden jüdischen und arabischen landwirtschaftlichen Bevölkerung, vorwiegend der arabischen (fast 30.000 Menschen), landlos sei. Es wurde ferner in dem bekannten englischen Weißbuche erklärt, daß das Ausmaß an kulturfähigem Boden in Palästina weit geringer sei, als die Zionisten stets angenommen hatten. Diese beiden Erklärungen wirkten alarmierend und der Beratung der Frage, ob sie auch den Tatsachen entsprechen, sowie der Aufstellung eines Landentwicklungsplanes für die nächste Zukunft sollten die schon seit langem in Aussicht genommenen neuen Verhandlungen dienen. Es ist klar, daß an Verhandlungen über die Frage, wie sich Palästina weiter entwickeln soll, alle an diesem Lande interessierten Faktoren teilnehmen müßten. Die englische Regierung hatte denn auch — nach bewährtem Muster — eine Round Table-Konferenz in London beabsichtigt, an der Araber, JudenundVertreterderRegierung beraten hätten sollen. Sie hat sich aber bei ihrer diesbezüglichen Aufforderung an die arabische Exekutive ein ganz gewaltiges Refus geholt Die palästinensisch-arabische Exekutive hat nämlich beschlossen, an Verhandlungen mit der englischen Regierung zum Zwecke der Aufstellung eines konstruktiven Planes für die weitere Landentwicklung nur unter nachstehenden Bedingungen teilzunehmen: 1. Die Teilnahme darf in keiner Weise die Anerkennung des Jüdischen Nationalheims voraussetzen. 2. Als Basis der Verhandlungen darf nicht der MacDonald-Brief oder ein anderes Dokument, das die zionistische Politik stützt, gelten. 3. Die Verhandlungen müssen von gewählten Vertretern geführt werden und dürfen im Hinblick darauf, daß der Plan in Palastina verwirklicht werden soll, nicht in London stattfinden. 4L Es dürfen keine gemeinsamen Bera- Peuitteton Der Weg des Judentums. Von Bernhard Rippel, Czernowitz. Wenn wir durch Feld und Wald oder im Gebirge eine Wanderung unternehmen, daim kann man gewahr werden, daß die wegsame Straße sich nach und nach verliert und nur kaum sichtbare Pfade uns noch weiterführen. Bald sind aber auch diese hinter uns und wir befinden uns im freien Gelände. Ohne jede Orientierung schreiten wir nun weiter und gelangen oft in entgegengesetzte Richtung, anstatt dem Ziele zuzustreben. Nicht anders ist es mit dem jüdischen Volke. Jahrtausende hindurch wandert es auf der wegsamen Straße des Judentums, dem erhabenen Ziele entgegen, welches der Ewige seinem auserwählten Volke gesetzt hat Bei dieser Wanderung wechselte oft die Finsternis des Völkerhasses mit dem Lichte der Humanität. Zuweilen führte der Weg das jüdische Volk auch an blühenden Gefilden vorbei, wo sein müder Körper und seine bedrückte Seele an der erquickenden Luft der Freiheit sich stärkte und der Geist sich einer1 segenreichen Entfaltung hingeben durfte. Oer gebahnte Weg des religiösen Judentums hat sich jedoch allmählich verloren. Unser Volk wandelt nur auf den noph kaum sichtbaren Pfad und wenn nicht rechtzeitig ein kundiger Wegweiser uns auf die richtige Bahn leitet, laufen wir Gefahr, auf Irrwege zu fruchtbaren Boden fällt, dann hat die Konferenz eine Leistung vollbracht, die — gegen die heutigen Verhältnisse — einen gewaltigen Fortschritt darstellt. Die Hoffnung, daß es dazu kommt, wenn vielleicht nicht überall, so doch vielerorts, ist nicht unbegründet Möge sie nicht trügen! Dem Weltstudentenwerk aber sei Dank, daß es solche Hoffnungen überhaupt entstehen ließ. tungen mit jüdischen Vertretern gepflogen werden. Die Verfechter dieses Beschlusses hatten ins Treffen geführt, daß die in früherer Zeit nach London entsandten Delegationen ihre Aufgabe nicht hätten erfüllen können, und daß die Entsendung einer neuen Delegation nur die Meinung erwecken könne, daß eine arabisch -jüdische Verständigung möglich sei. Die englische Regierung befand sich nach Erhalt dieses ablehnenden Bescheides in einer argen Zwickmühle. Auf der einen Seite hatte sie den Zionisten, die über die Feststellungen des Simpson- Berichtes und des englischen Weißbuches natürlich sehr bestürzt waren, versprochen, Verhandlungen über diese entscheidenden Fragen aufzunehmen; auf der anderen Seite wollten die Araber, die gewissermaßen Hauptinteressenten in dieser Angelegenheit sind, nicht nach London kommen und sich auf keinem Fall mit Juden an einen Beratungstisch setzen. Was tat nun die kluge englische Regierung? Sie ging nach dem in diesem Falle besonders zutreffenden Grundsatze vor: „Kommt Mohammed nicht zum Berge, so kommt der Berg zu Mohammed." Wollten die Araber nicht nach London kommen, dann kommen die Engländer nach Jerusalem. Wollen die Araber nicht mit den Juden verhandeln, dann verhandeln die Engländer mit den Juden in London und mit den Arabern in Jerusalem. Daß bei diesen separaten Beratungen nicht viel herausschauen wird, ist für jeden, der die Entwicklung des jüdisch-arabischen Konfliktes in letzter Zeit aufmerksam verfolgt' Trat,' vollkommen einleuchtend. Es kann dabei aber auch deshalb wenig herauskommen, weil die Vertreter der zionistischen Organisation, die in London mit den Vertretern der englischen Regierung zusammensitzen, in einer sehr schlechten Haut stecken. Sie wissen nur zu gut, daß sie heute nicht mehr die gesamte zionistische Organisation repräsentieren und daß ein I Behördl. autor. Häuseradministration | j ADOLF KRALL! IV., Schleifmühlgasse 11 j | Telephon B 28-1-46 | empfiehlt sich zur Über- : | nähme von Verwaltungen ■ : Erstklassige Referenzen : j 0 gelangen und unser Ziel in entgegengesetzter Richtung zu verfolgen. Was soll nun werden? Wie lange kann die Wanderung auf Irrwegen dauern und wohin führen diese? Freilich glaubei manche „Moderne" das Ziel schon erreicht Sie sind stolz darauf, „N a t i o n a 1 j u d e n" zu sein. Ihr Judentum erschöpft sich in der nationalen Gesinnung, im Zahlen des Schekel. bei Wahlen u. dgl. Dem eigentlichen religiösen Judentume sind sie ganz entfremdet, und ihre Kinder wissen schon gar nichts davon. Was werden aber die Nachkommen dieser Kinder? Darauf bauen wir unsere Zukunft? Das ist das Ziel, das erhabene Ideal, die Erlösung unseres Volkes? Ist das Bekenntnis zur „jüdischen Nationalität" der Zweck des Judentums? Nein! Judentum ist etwas Innerliches, Nation bloß Aeußerliches. Was anderen Völkern die Scholle, die Rasse, die Sprache, die völkischen Ueberlieferungen bedeuten, bei unserem Volke ist es lediglich die Religion, welche alle Juden der Welt innig umschlingt und sie beständig aufrecht hält Darum ist es Pflicht unserer Führer, das Judentum bei unserem Volke neu zu beleben. Die jüdische Erziehung, das religiöse Leben muß unter allen Umständen wieder gepflegt unsere Jugend, unsere Zukunft wieder mit der heiligen Lehre vertraut gemacht werden. Die jüdischen Kinder müssen über die jüdischen Sitten und Bräuche aufgeklärt und zum Besuche der Bethäuser verhalten werden. Auch darf ihnen die Sprache ihrer Ahnen nicht fremd sein, um so würdige Träger des Judentums für die künftigen Zeiten zu werdei:. In dieser Beziehung ist gerade die Kultusgemeinde Wien mustergültig. Vielen unserer Seebad Crikvenica siaSo der beste und billigste klimatische Kurort. Streng orth. Pension bei M. Josip Engel. Pensionspreis samt Zimmer von 70 Dinar ganz großer Teil derselben mit ihrer Verhandlungstaktik nicht einverstanden ist. Erst in den letzten Tagen hat das Exekutiv- Komitee der Welt-Union der Zionisten- Revisionisteh, also des heute agilsten Teiles der zionistischen Organisation, anläßlich der Wiederaufnahme der Verhandlungen folgende geharnischte Erklärung veröffentlicht: 1. Der maßgebendste Teil der Exekutive der Jewish Agency — die Zionistische Exekutive — wurde auf dem 16. Kongreß gewählt der seine Beratungen noch vor den im August 192? in Palästina eingetretenen Ereignissen abschloß. Diese Ereignisse sowie die darauffolgenden Handlungen der Mandatarmacht haben in den zionistischen Massen eine neue Stimmung hervorgerufen, die von derjenigen des 16. Kongresses grundsätzlich verschieden ist. Unter solchen Umständen kann die gegenwärtige Zionistische Exekutive keinesfalls als Repräsentation dieser veränderten Stimmung gelten. 2. Für die überwiegende Mehrheit der zionistischen Bewegung ist jede Verständigung mit der Regierung der Mandatarmacht auf der Basis des Weißbuches vom Oktober 1930, das von der Regierung nach wie vor ais das „dominierende Dokument" bezeichnet wird, unannehmbar. 3. Der siebzehnte Zionistenkongreß, der im Juni d. J. zusammentreten wird, ist einzig und allein berechtigt, die Politik zu bestimmen und die Richtlinien zu weisen, welche die zukünftige politische Aktivität der zionistischen Organisation zu verfolgen hat. 4. Die weiteren Verhandlungen zwischen der Regierung der Mandatarmacht und der Exekutive der Jewish Agency in ihrem gegenwärtigen Bestände müssen deshalb bis zum Zusammentreten des 17. Zionistenkongresses als unwirksam, gegenstands- und zwecklos betrachtet werden. 5. Unter diesen Umständen erklärt das Exekutiv-Komitee der Weltunion der Zionisten-Revisionisten, daß sowohl die gegenwärtigen Verhandlungen als auch irgend welche darauf folgenden Vereinbarungen nicht als bindend und verpflichtend für die Zionistische Organisation oder für den Weltverband der Zionisten-Revisionisten, der einer ihrer Bestandteile ist betrachtet werden können. Das zionistische Lager bietet schön seit langem der Welt ein betrübliches Schauspiel arger Zerrissenheit. Die gesamte Judenschaft, ob sie nun der Schaffung einer politischen Heimstätte sympathisch oder ablehnend gegenübersteht, hat Interesse daran, daß die Position des Gesamtjudentums durch die Kämpfe innerhalb der zionistischen Organisation nicht eine Schwächung erfahre. Wenn wir auch die Einstellung der Revisionisten in der Frage des Palästina-Aufbaues vom antinationalen Standpunkte aus ablehnen, so müssen wir doch zugeben, daß sie allein geeignet ist, endlich Klarheit über die Absichten Englands zu schaffen^ Unser Verantwortungsgefühl für alle Teile und Schichten der Judenschaft sträubt sich vor allem dagegen, daß unsere jüdische Jugend das Kanonenfutter für die Durchsetzung englischer Kolonialpolitik abgeben soll. Judengemeinden im Osten könnte der J u g e n dgottesdienst in Wien als Beispiel für die Erziehung im jüdischen Sinne dienen. Umso lobenswerter ist die Pflege des Judentums gerade in der Stadt Wien, da die meisten Eltern aus mannigfachen Gründen mit der Religion ihrer Väter nur in losem Zusammenhang stehen. Allein alle Mühe und der beste Wille ist vergebens, wenn die Erziehung der Kinder im religiösen Sinne nicht im Elternhause erfolgt, wenn das fürsorgliche Auge der Mutter nicht darüber wacht. Wie soll nun aber die Mutter ihre Kinder überwachen, ihre Gebete anhören, ihnen die edlen jüdischen Sitten beibringen, wenn ihr selbst die Kenntnisse hierfür abgehen? Das ist der springende Punkt. Da muß der Hebel angesetzt werden. Um das Jüdische wieder zu beleben, sollten neben den jüdischen Knaben auch die jüdischen Mädchen über alles Jüdische unterrichtet werden. Die Mädchen sollten über die Art der Erziehung jüdischer Kinder aufgeklärt und auch über die hervorragende Rolle belehrt werden, die ihnen als Pionieren des Judentums zufällt. Unser Volk muß sich rechtzeitig besinnen, vom Irrwege abweichen und sich die wegsame Straße wieder herstellen, auf welcher es mit warmen Herzen seine traditionelle Wanderung fortsetzt bis zur Erreichung des erhabenen Zieles. Nur auf dem geebneten Wege kann man zum Ziele sicher gelangen. Wer dies nicht beachtet und auf offenem Gelände querfeldein schreitet, stößt beständig auf Hindernisse, setz^ . sich Gefahren aus, zerstampft manch nützliches Gewächs und bleibt zuletzt in einem Sumpfe stecken. ■.■■■.■■■■■■■""""■■■■■jiM"M"'»»""""'''mM'MIM,l,Mmi,'WM'M"iM'l"l'"""''M»'"'*l"'"'"">""1 Politik mit doppeltem Boden.

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