Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 17 (24.4.1931)
- Date
- 1931-04-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Kleider sofort Zahlung später Serres- und Dusenkleider juck IfoS und fertig nar erftklMdl* Stoffe, " bil 12 Monate Kredit KteMertniw Wärter, Wien xwi., muanmacmr. 11 Td. ah-soi des Strafgesetzbuches zu 500 Mark Geldstrafe. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende unter anderem aus. daß die Beleidigungen gegen VizepoKzeipräsidenten Weiß von besonders übler und häßlicher Art waren; strafverschärfend mußte auch der Umstand wirken, daß Ctoebbeis kurz vorher wegen ähnlicher Beleidigung verurteilt worden war. Bei Schluß der Sitzung ertönte aus dem Zuschauerraum Mötzlich der laute Ruf „Ii eil Hitle r". Der Vorsitzende. Landgerichtsdirektor Ziegel, ließ sofort die Türen schließen und den Rufer vor den Gerichtstisch führen, wo seine Personalien aufgenommen wurden. In diese Verhandlung mischte sich Dr. Goebbels ein und rief höhnisch: „Drei Monate Gefängnis für den Mann!" Das Gericht zog sich zu kurzer Beratung zurück und verhängte gegen den Zwischenrufer eine Geldstrafe von 10 Mark und gegen Dr. Goebbels eine Geldstrafe von 100 Mark wegen Ungebühr vor Gericht Ein deutscher Ritualmordhetzer freigesprochen. Der bayerische nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Dr. Otto Hellmuth stand bereits im Oktober des vergangenen Jahres wegen Beschimpfung der jüdischen Religionsgemeinschaft vor Gericht Er hatte in einer nationalsozialistischen Versammlung in Freudenberg einen in Manau vorgekommenen unaufgeklärten Knabenmord als Ritualmord bezeichnet Am Jahrestag des Mordes war eine Postkarte mit dem Bild des ermordeten Knaben und einer direkten Ritualmordverdächtigung vertrieben worden, außerdem war der Mordfall vom Angeklagten im „S t ü r m e r" in allen Einzelheiten als Ritualmord geschildert Doktor Otto Hellmuth hat es verstanden, wegen seiner parlamentarischen Immunität die Verhandlung um ein ganzes Jahr hinauszuzögern, bis die ängstlichen Belastungszeugen ihre Aussagen nicht mehr unter Eid aufrecht zu erhalten wagten und durchwegs lediglich um die Verlesung der protokollierten Vernehmungen vor dem Untersuchungsrichter baten. Da dies prozessual nicht möglich war, wurde derAngeklagte trotz einwandfreien schweren Belastungen auch in der kürzlich Stattgefundeneri BerufungsVerhandlung vor der Mosbacher Strafkammer freigesprochen. Die antisemitische Hetzpropaganda in Ungarn. In einem in der jüdischen Zeitschrift „EgyenlösSg" veröffentlichten Artikel gibt Großrabbiner Dr. Simon Hevesi der Ueberzeugung Ausdruck, daß das Attentat in der Budapester Synagoge auf die seit einiger Zeit in Ungarn betriebene maßlose Hetze gegen das Judentum zurückzuführen ist und nimmt gegen die-antisemitische Propaganda, der sich u. a. auch der ungarische Rundfunk dienstbar gemacht hat Stellung. In dem Artikel wird u. a. ausgeführt: Auch in bin der Ansicht daß die Möglichkeit solcher beschämender Strafhandlungen mit der maßlosen Verhetzung zusammenhängt, die aus politisch-tendenziösen Quellen stammt und eine gewissenlose, die Wahrheit mit Füßen tretende Aufreizung, eine verlogene und verleumderische Verfolgung der Anhänger und Bekenner des Judentums betreibt und in der fortgesetzten sündhaften religiösen Verhetzung eine verstockte Hartnäckigkeit bekundet Meiner Ansicht nach müßten unsere religiösen Behörden in diesem Punkte bei der Regierung Schritte unternehmen, damit m i t d e r a ndauernden Verhetzung endlich einmal Schluß gemacht werde. Die überwiegende Mehrheit der ungarischen Juden ist so patriotisch und anständig wie die übrigen Bewohner des Landes und steht in ihrer Ethik jedenfalls hoch über der gehässigen oder Eigeninteressen dienenden Verhetzung, die bewußt oder unbewußt jene alles Maß übersteigende Verworfenheit inspirierte, die zu dem Tempelattentat geführt hat Von allen Seiten beschwert man sich bei mir, daß die im Radio gehaltenen Reden eine zügellose Aufreizung gegen die Juden enthalten. Wie kommt es, daß das Radio, das doch einigermaßen auch den Staat angeht, den aus schädlicher und zumeist überhitzter Subjektivität stammenden Beschuldigungen oder mißzuverstehenden Aussprüchen, die den inneren Frieden und die Harmonie stören, hundertfachen Widerhall gewährt? In den Kreisen des ungarischen Judentums hat dieses Attentat tiefe Niedergeschlagenheit verursacht Noch immer lastet die Erinnerung an die Ausschreitungen und Atrozitäten der unverantwortlichen Elemente aus der Zeit nach dem Zusammenbruch der Rätediktatur wie ein wüster Traum auf den Seelen. In der auf der Bevölkerung des Landes lastenden schweren Wirtschaftsnot haben die Revolverschüsse in der Synagoge ein gar mannigfaches Echo gefunden. Man muß sich bloß die durch Not und Entbehrungen ohnehin gereizte Stimmung vergegenwärtigen, um zu verstehen, daß die Armee der Arbeitslosen, der zugrundegegangenen Gewerbetreibenden, Geschäftsleute und Landwirte bei diesen Revolverschüssen mit eigenartigen Gefühlen aufgehorcht haben. * Die Behörden haben der vom „Pester Lloyd" namens der demokratischen Kreise Budapests erhobenen Forderung, daß die Angelegenheit des Budapester Synagogenattentats mit der Internierung des Attentäters Zatloka nicht erledigt sein dürfe, sondern daß auch eine strafrechtliche Verfolgung des Täters und seiner eventuellen Komplicen stattfinden müsse, entsprochen. Wie der Budapester Oberstadthauptmann erklärte, wurden die A kten bereits der Staatsanwaltschaft zurweiterenBehandlungabgetreten. * Ein Beileidsschreiben des Bischofs Balthazar. Der Bischof des ref. Kirchendistrikts Doktor Desider Balthazar richtete an den Vorstand der Pester israelitischen Religionsgemeinde ein Kondolenzschreiben, in dem er u. a. ausführt: „Alle jene, deren Gott der Gott der Liebe ist, leben in einer brüderlichen Seelengemeinschaft, in der auch ich mich Ihnen gegenüber befinde. In dieser Seelengemeinschaft teile ich die Trauer um den jungen Eugen Roth mit Ihnen. Die Obenstehenden mögen sehen, daß die Nacht des Grolles nicht mehr lange währt, denn aus ihr entstehen fluchwürdige Täten." Der Umsturz in Spanien. Gleichberechtigung aller Glaubensbekenntnisse. Die neue republikanische Regierung hat dem päpstlichen Nuntätis in Madrid mitgeteilt, daß die Regierung in Uebereinstimmung mit ihren anläßlich der Proklamation der Republik verkündeten. Grundsätzen Gewissensfreiheit und Gleichberechtigung afler Glaubensbekenntnisse in Spanien einführen werde und daß damit die katholische Kirche ihre bisherige bevorzugte Stellung als integrierender Teil des Staates verliere. Alle römisch-katholischen Priester dies Landes werden aufgefordert, den Grundsatz der Trennung von Kirche und Staat anzuerkennen und der Republik Treue zu schwören. Die römisch-katholische Kirche galt bisher als spanische Natfonalkirche, der mit Ausnahme von einer geringen Zahl von Protestanten; Juden und Freidenkern die gesamte Bevölkerung angehörte. Trotzdem war allen religiösen Gemeinschaften Freiheit des Gebetes gewährt. Bezüglich der Stellung der Juden in Spanien erklärte im Juli1 v. J. der ehemalige spanische Außenminister Herzog von Alba und Berwick einem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur, daß die Juden im Spanien den übrigen Einwohnern des Landes gleichgestellt seien und ihre Stellung nur davon abhänge, ob sie spanische Bürger oder Ausländer seien. Mann ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ WIENER BEI HAmiDRASCH Wien IL, Tempelgasse 3. ▼OREESUNGEN im Sommersemester 1931 (5691). SONNTAG 5—6: Prof. Dr. Kraus, PIRKE OWAUS. 6— 7: Prof. Dr. Kraus, MIDRASCH. MONTAG 6—7: Rabb. Dr. Rosenmann. Ausgewählte Kapitel aus Jesaia. 7— 8: Prof. Dr. Kraus, Geschichte der Juden im Mittelalter. DIENSTAG 6—7: Prof. Dr. Kraus. MIDRASCH. MITTWOCH 6—7: Rabb. Dr. Rosenmann, Ausgewählte Kapitel aus Jesaia. 7—8: Rabb. Dr. Taubes, Entstehung und Geschichte der religiösen Halacha. DONNERSTAG 6—7: Rabb. Dr. Taglicht, KOHELETH. 7—8: Rabb. Dr. Mnrmelsteln. Die wirtschaftliche und politische Stellung der Propheten und Könige. SAMSTAG 4—5: Rabb. Dr. Kristianpoller, Bibelvorfrag (Wochenabschnitt). Für den Vorstand : Ernst' Vogef m. p. Dr. Jakob Ornstein m. p. Schriftführer. Präsident ftadloopdCrammoplioHc Radio, neueste Typen, auch Umbau und Tausch alier Apparate. Schallplatten hervorragendster Künstler and : neuesterSchlager,audiTau»ch.Zahlungserleidilerung. Radiohaus „ELPHORA" I., Domlnllunarfeastal 22, T«l. R 24-4-16 (k, K«l W Die Juden, erklärte der Herzog, können die spanische Bürgerschaft ebenso erlangen wie Angehörige anderer Bekenntnisse. Als spanische Bürger steht ihnea jedes Staatsbürger liehe Recht, auch das passive Wahlrecht f'ülr das Parlament zu. Was das Austreibungsedikt vom Jahre 1492 betreffe, so seien durch die Konstitution von 187(5 in Spanien alle vor dem Jahre 1800 erlassenen Gesetze automatisch außer Kraft getre ten, daher auch das Edikt über die Vertreibung der Juden. In der „Jewish Encyclopaedia" teilt Joseph Jacobs mit, daß das Vertreibungsedikt bereits im Jahre 1858 anläßlich der Ausrufung Spamens zur Republik durch General Prim unter dem Einfluß von H. Guedalla in London aufgehoben wurde, und daß1 es seit dieser Zeit den Juden wieder gestattet ist. spanischen Boden zu betreten. Die erste seit der Judenvertreibung von 1492 gesetzich anerkannte Synagoge wurde erst im Dezember vorigen Jahres in Madrid eröffnet. Die Synagogengemeinde besteht aus 30 Familien. Ben der Eröffnung der Synagoge war die Regierung durch einen Beamten vertreten, der das Gemeindestatut unterzeichnete. Jüdisdke Ihtentafel Prag. Der tschechische sozialdemokratische Justizminister Dr. Alfred Meißner, der bekanntlich Jude ist, feierte am 11. April seinen 60. Geburtstag. Dr. Meißner, der einer der führenden Köpfe seiner Partei ist, hat nach dem Umsturz an der Verfassung der Tschechoslowakei mitgearbeitet und wurde Vorsitzender des Verfassungsausschusses der ersten Nationalversammlung. Später wurde Meißner Justizminister im ersten Kabinett Tusar (1920) und schließlich im gegenwärtigen Kabinett Udrzal (1929), dem noch ein zweites jüdisches Mitglied, der deutsche sozialdemokratische Fürsorgeminister Dr. L. Czech angehört. Während der Amtszeit Meißners sind wesentliche Umwälzungen in der Gesetzgebung der Tschechoslowakei, insbesondere auf den Gebieten der Verwaltungs- und Steuerreform sowie der Jugend- und Pressegerichtsbarkeit zu verzeichnen gewesen. Washington. Die Kommission für bildende Kunst und der Architektenausschuß von Washington haben den Entwurf eines Denkmales für Oskar S. Straus, der unter Präsident Roosevelt Staatssekretär für Handel und Arbeit war, genehmigt Das Denkmal, dessen Errichtung vom Kongreß im Jahre 1929 bewilligt wurde, wird vor dem neuen Gebäude des Handelsministeriums in Washington aufgestellt werden. Der Kostenvoranschlag beträgt 225.000 Dollar. Das Oskar S. Straus-Denkmal-Komitee, dessen Ehrenvorsitzender Präsident Hoover und dessen Vizepräsident der ehemalige amerikanische Botschafter in Konstantinopel Henry Morgenthau ist hofft diesen Betrag in kurzer Zeit aufbringen zu können. Berlin. Hier verstarb im Alter von 75 Jahren der Professor für alte Geschichte an der Berliner Universität Hermann Dessau. Professor Hermann Dessau,, einer der Mitbegründer der Akademie für die Wissenschaft des Judentums und Vorsitzender des Forschungsinstituts der Akademie, war ein Historiker von hohem Rang. Er arbeitete an Mommsens Corpus Inscriptionum Latinarum mit und gab in der Inschriftensammlung der Berliner Akademie der Wissenschaften die Inscriptiones Latinae selectae heraus. Von seinen Werken ist ferner eine „Prosopographia imperii Romani" zu erwähnen. Zuletzt arbeitete er an der Herausgabe einer umfassenden Geschichte der römischen Kaiserzeit Im Jahre 1917 wurde ihm das juristische Ehrendoktorat der Universität Erlangen verliehen. Veranstaltungskalender der „UNION* Samstag, den 25. d. M., 8 Uhr abends, hn Khifasaale des Cafe City, IX., Porzellangasse 1, Gesellige Zusammenkunft der Jugendgruppe. * Dienstag, den 28. d. M., 8 Uhr abends, im Klubsaale des Grand Cafe Central, II, Taborstraße 8, Diskussionsabend der Jugendgruppe. S. Taubes: „Sbytock oder das jüdisch-christliche Problem".