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Die Wahrheit · 1931-04-24 · Heft 17 (24.4.1931) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 17 (24.4.1931)
Date
1931-04-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 5 GROSSFLEISCHHAUEREI IIIGM, KORNMEHL »■■■■■■■»■■■■■^■■■■■■■■■■■■B WIEN IX., BERQGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINQERSTRASSE »T Telephon Nr. A 17-3-99 and A 16-9-34 Lieferant fOr Mallaastalton AbteilungenforKoscherfleisch ■nter Aufsieht des ehr«. Rabbinat«« dar lar. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen iionalsozialisten preisen ihren „Idealismus", wir werden nicht aufhören, ihn einen „Idealismus für Wölfe", einen krassen Naturalismus, zu nennen. Die Nationalsozialisten verlangen Deutschland und Oesterreich als eine Domäne für sich und ihre Gefolgschaft — wir werden nicht aufhören, hier unser •Heimats- und Wohnrecht zu verteidigen. Der Weg zur Macht führt über den falschen Optimismus der Gegner. Noch jeder Putschist hat dadurch gesiegt, daß seine Gegner zuerst lachend seine Kräfte unterschätzten, dann überraschend und kläglich seinem Ansturm erlagen. Und wir Juden, welcher Wirtschaftsanschauung und Parteirichtung wir auch angehören mögen, dürfen und müssen uns als die berufenen Gegner des Nationalsozialismus bekennen. Wir sind es, die fortwährend in der schändlichsten Weise verdächtigt werden, deren Zukunft grauenvoll bedroht wird. Jeder fühlende Mensch, jeder Mitbürger, der noch einen Funken von Anstand hat, muß sich an unsere Seite stellen angesichts der Verleumdungen, mit denen unsere Ehre und die unserer Vorväter und Kinder fortwährend besudelt wird. Hier handelt es sich nicht um ein jüdisches Einzelinteresse. Hier handelt es sich umSchutzdesobjektivenRechtes, hier handelt es sich um einen Begxiif, den die Nationalsozialisten und die ihnen verwandten Gruppen nicht genug höhnen und verspotten können, und der doch der höchste auf Erden ist — hier handelt es sich um die Menschlichkeit. Darum dürfen wir in jedem Lager, in jeder Gruppe, in der es noch anständige Menschen gibt, Hilfe und Beistand in diesem Kampf erwarten, der ja kein Kampf nur für uns ist. Und wie der Kapp-Putsch zusammenbrach vor dem entschlossenen, spontanen Widerstand der Arbeiter, wie der Hitler-Putsch 1923 zusammenbrach, so wird auch die gegenwärtige Gefahr zusammenbrechen an der entschlossenen Kraft der beleidigten Menschlichkeit. Ein völkischer Grubenhund. Noch unbekannte antisemitische Gedichte von Franz Grillparzer und Wilhelm Karl Grimm. München, die Stadt der heiteren Barocke, oder, wie d:i teutsche „Völkische Beobachter" beharrlich schreibt, des heiteren Barocks — und auch hier zitiert er den jüdischen „Pester Lloyd" nur, weil er ausnahmsweise einmal die Wahrheit schreibt — ist in den letzten Tagen von einem reinrassigen Grubenhund gebissen worden, der, wenn mich nicht alles täuscht, aus dem Zwinger des Stammvaters der Grubenhunde entlaufen ist. Dieses droiiige Tier erhob diesmal literaturhistorisches Gebell, worauf ihn der Feuilletonredakteur des „Völkischen Beobachters" freundlich aufnahm und ihm in der Feuilletonspalte des Hitler-Blattes Freitag, den 17. April 1931, auf dem ersten Beiblatt freundlichst Quartier gewährte. Bevor ich mich an Hand dieses Beispiels des weiteren über die Besonderheit dieses Grubenhundes ergehe, will ich ihn nun in Natura, so wie er in den Spalten des zitierten Blattes sein Unwesen trieb, dem freundlichen Leser vorstellen: * Im „Völkischen Beobachter", Bayernausgabe, zum Freitag lesen wir: Noch unbekannte antisemitische Gedichte. Von Franz Grillparzer und Wilhelm Karl Grimm. In den ungedruckten Briefen Franz Grillp a.r z e r s an seine mit der ganzen Inbrunst seiner Dichterseele verehrte Jugendfreundin Agathe Freiin von Wolff-Gersthofi findet sich ein Gedicht, das in seiner ätzend scharfen, im Tonklang köstlichen Nachahmung jüdischer Spree hart geradezu als Sinnbild dichterischen Erfassens, gepaart mit der unsäglichen Verachtung jüdischen Wesens, als Markstein einer Epoche gelten kann. Damals rang Grillparzer um die Aufführung seines schönen Lustspiels „Weh' dem. der lügt!", vveil damals schon die gesamte Theaterkunst restlos <iem jüdischen Einflüsse unterworfen und die berüchtigte „Judencensur" alles hintertrieb, was nicht koscher war. Wie ein gellender Empörungsschrei aus edler deutscher Dichterbrust soll diese bisher unbekannte Reimperle unseren S. A.-Männern ins Herz dröhnen, zur Zeit, wo es um Kultur und Rasse geht im : letzten Kampf gegen die Herrschaft des Untermenschentums. Sie haben Epochen Im Sturme zerbrochen, Nicht jedem, nicht allen -Sind sie zu Gefallen. Sie malen Gedichte, Sie bauen an Bildern, Die sind nicht zu schildern. Die Juden, sie wildern In deutscher Kunst — Doch nimmer umsunst. Wir'Blinden, wir Tauben, Wir müssen dran glauben. Sie wissen, dem Juden kann nichts geschehen. Man wird doch, man wird doch da seh'n. Ferner findet sich ein prachtvolles Bekenntnis zum Siegfried-Kampf gegen den jüdischen Drachen in dem anno 1831 als Manuskript gedruckten „Rosengarten deutscher . Poesie", von Wilhelm Karl Grimm, des Bruders Jakob Grimms, Begründers der wissenschaftlichen Behandlung der germanischen Sprachen. Dieser machtvolle, von tieister Vaterlandsliebe und heiligem Haß flammende Gesang klingt so, als wäre er eben erst heute deutscher Brust entquollen und nicht vor gerade hundert Jahren. Mein Deutschland, wach auf! Deutschland ist noch ein kleines Kind, Doch die Sonne ist seine Amme, Sie säugt es nicht mit stiller Milch, Sie säugt's mit teutonischer Flamme. Es ist ein cheruskisches Riesenkind, Reißt aus dem Boden die Eiche, Und schlägt den Juden den Rücken wund Und die Köpfe windelweiche. Dem Siegfried gleicht es, dem jungen Fant, Von dem wir singen und sagen. Der hat mit seinem deutschen Schwert Den Amboß entzweigeschlagen. Wach auf, du wirst einst wie Siegfried sein. Zerspellen den jüdischen Drachen, Und strahlend vom deutschen Himmel herab Grüßt Germania dein Erwachen. H. K. nggienisdies KOnigsiichf Seit vielen Jahren das anerkann beste IrziiAi Täsbn&m Man achte auf die gas. gesch. Marke „Hyglen. Königslicht" und Name Schubs Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengasaaa 3 Telephon R 33-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt. s PerMtmle iOfliscne rcanper : ■ nnfl fragen m m Finslfc I ■ — «— m * u. A. Alfred Grünfeld, Bronislav Hubermann. Fritz S B Kreisler, Moszkovsky. Rubinstein, Jascha Heifez, 5 ■ Jehudo Menuhin, Mischa Elmann, Josef Rosenblatt, 3 5 Sülzer, Duschkin, Erika Morini und das Rose- 5 ■ Quartett können Sie jederzeit in Ihrem Heim auf 5 ■ elektrisch aufgenommenen Schallplatten höien. » ■ Ausführliche Verzeichnisse auf Wunsch kostenlos im ■ 3 Musikhaus LEO TUBLIN 5 5 (imualk-IInlon > g 5 Wien L, Jasomirgottstrafie 6. — Tel. U 21-3-76 S ■■«■■■■■■■■■■■■ * Daß ein Münchner Teutone den Wolf in üersthof nicht kennt, ist entschuldbar, er ist eben im Hofbräu besser zu Haus. Aber die Agathe Freiin von Wolff-Gersthoff — der Grubenhundzüchter versteht sein Handwerk, wie man sieht, aus dem „ff" — ist ja nur ein Rassemerkmal des echten Grubenhundes, es ist das Warnungsgebell. Weniger begreiflich ist, daß ein wackerer Teutone, der über teutschem Schrifttum wacht, den deutschen Dichter Franz Grillparzer so wenig kennt, daß er nicht schon am „Tonklang der köstlichen Nachahmung jüdischer Sprechart" erkennt, daß es sich hier um eine ganz anders geartete, „ätzend scharfe" Satire handelt. Selbst wenn der „Völkische Beobachter" Karl Kraus und sein Stück „Literatur" nie gelesen haben sollte oder wollte, müßte er doch stutzig werden. Aber die Introduktion von der „unsäglichen Verachtung jüdischen Wesens" und dem jüdischen Einfluß, der Grillparzers Tätigkeit hemmte, „die Judenzensur, die alles hintertrieb, was nicht koscher war", waren so süße willkommene Musik für das Ohr des Beobachters, daß er das Warnungsgebeil des Grubenhundes überhörte. So herrlich paßte die Angelegenheit in den völkischen Kram, daß es dem „Völkischen Beobachter" nicht einmal auffiel, daß der Grubenhund gekoppelt in die Schreibstube sprang. Und wenn man schon die Ausrede hat, Grillparzer sei eine mehr oder weniger österreichische Angelegenheit, so fällt diese Ausflucht bei Heinrich Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen", der als Wilhelm Karl Grimm verkleidet, aber sonst fast unverändert präsentiert wurde, gänzlich weg. Aber auch hier blendete das schöne Wortbild vom „Siegfried-Kampf gegen den jüdischen Drachen" so sehr, daß der „Völkische Beobachter" blindlings zugritf. Der „Völkische Beobachter" sollte sich auf Poesie nicht einlassen, weder auf ihm bekannte, noch auf unbekannte. Für seine literarischen Bedürfnisse genügt ja schließlich die Poesie, die aus den Sprechchören und den Wandaufschriften verschwiegener Orte sattsam bekannt ist. („Wiener Tag.") Goebbels muß btedten... Am Dienstag, den 14. April, hatte sich der nationalsozialistische Abgeordnete- Dr. Goebbels vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte gegen eine Anklage wegen Aufreizung zum Ungehorsam und wegen Beleidigung des Polizei Vizepräsidenten Dr. Weiß zu verantworten, in der Verhandlung wegen Aufreizung zum Ungehorsam wurde Goebbels zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt. In dem gleich darnach verhandelten Beleidtgungsprozeß. den der Polizeivizepräsident Dr. Weiß gegen Dr. Goebbels angestrengt hatte, wurde Goebbels zu 1500 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Verurteilung erfolgte wegen der im „Angriii" seinerzeit abgedruckt gewesenen Rede Dr. Goebbels, in der er ausgeführt hatte: „Wir sprechen nicht von einem korrupten Berlin und einem Bolschewismus der Berliner Verwaltung, sondern wir sagen: Isidor Weiß — das genügt." Während der Verhandlung wies der Staatsanwalt Doktor Fischer darauf hin. daß durch solche Schmähungen gegen Persönlichkeiten und durch an den Haaren herbeigezogene Angriffe versucht wird, den Gegner herabzuwürdigen. Wegen der außerordentlichen Schwere der Beleidigung beantragte er drei Monate Gefängnis. Dr. Goebbels hatte sich drei Tage später wieder wegen Beleidigung des Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß vor dem Schöffengericht Berlin-Schöneberg zu verantworten. Gleichzeitig wurde gegen ihn wegen Auireizung zum Klassenhaß verhandelt Goebbels hatte im „Angriii" vom 25. Juni 1928, in dem er antisemitische Angriife gegen Dr. Weiß gerichtet hatte, auch ein Gedicht veröffentlicht, in dem die Bevölkerung gegen die Juden aufgereizt wird. Das Gericht verurteilte Goebbels wegen Beleidigung des Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß zu einer Geldstrafe in Höhe von 2000 Mark, für die im Nfchteiribringungsfaire für je 50 Mark ein Tag Gefängnis, tritt und wegen Aufreizung zum Klassenhaß laut § 13fr

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