Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 16 (17.4.1931)
- Date
- 1931-04-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 GROSSFLEISCHHAUEREI tIEGM. KORNMEHL iMmmmmmmmmammmmmmm^^^m^^^^^■■■■■■■■ WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WÄHRINGERSTRASSE »7 Telephon Nr. A 17-3-99 and A 15-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenfürKoscherfleisch Hüter Aufsieht des ehrw. Rabbinates der Isis Kultusgemeinde Wen« Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Jüdisdie £firen<a/el Amsterdam. Die jüdischen Gelehrten Jul. Eduard Gerson und A. M. de Jong in Amsterdam, sowie S. Elte in Zwolle wurden zu Mitgliedern der berühmten Historischen Gesellschaft von Utrecht ernannt. New York. In New York verstarb im Alter von 49 Jahren der aus Jassy gebürtige ehemalige Präsident des Verbandes rumänischer Juden Salomon Sufrin. Sufrin, der seinerzeit dem Parlament des Staates New York angehörte, hat sich auf dem Gebiet sozialer Arbeit große Verdienste erworben. London. Im Älter von 67 Jahren verstarb in London der berühmte Kartograph Sir John Abraham Jacob Devilliers. Bis zum Alter von 60 Jahren war Sir John Kustos im Britischen Museum. Als Experte des Auswärtigen Amtes wirkte er in den Jahren 1896 bis 1899 an den Grenzberichtigungen von Venezuela, in den Jahren 1901 bis 1904 bei denen in Brasilien, und im Jahre 1926 in der Labrador-Grenzkommission mit. Er schrieb eine Reihe von Büchern, unter ihnen ein Werk über die holländischen Juden und eines über Gegenstände von jüdischem Interesse im Britischen Museum. In seinen vor kurzem veröffentlichten Memoiren erzählt er u. a., daß ihn Israel Zangwill zu der für die Aufnahme in den Dienst des Britischen Museums erforderlichen Lateinprüfung vorbereitet hat. Beirut. Der berühmte türkisch-jüdische Rechtsanwalt Nesim Matzliah ist in Beirut, wo er sich kurze Zeit in Geschäften aufhielt, plötzlich verstorben. Matzliah war Abgeordneter des türkischen Parlaments und eines der einflußreichsten Mitglieder der jungtürkischen Partei. Er spielte eine hervorragende Rolle beim Sturz des Sultans Abdul Hamid, hat aber später die Ansprüche der Erben des Sultans auf dessen Nachlaß vor den französischen Gerichtshöfen gemeinsam mit dem ehemaligen französischen Ministerpräsidenten Millerand vertreten.__ Wahrheiten vom <fa&e Ein Komplott der „Erwachenden**? In der letzten Sitzung des Verwaltungsausschusses der Budapester Stadt-Repräsentanz brachte der sozialdemokratische Abgeordnete Peyer das Attentat im Tabakgassen-Tempel zur Sprache. Er verwies darauf, daß das Attentat am gleichen Tage begangen wurde, an dem vor neun Jahren im Elisabethstädter Klub eine Bombe explodierte. Redner bezweifelt, daß der Attentäter irrsinnig sei. Seiner Ansicht nach hätten auch bei diesem Attentat dieselben Hände und derselbe Geist mitgewirkt, die vor neun Jahren die erwähnte Bombe im Klub untergebracht haben. Er gab der Vermutung Ausdruck, daß der exaltierte Attentäter von anderen zurQreueltatbewogen wurde, und verlangte eine strenge Untersuchung der Angelegenheit. Unter allgemeinem Tumult erklärte Payer, daß erBeweisedafür habe, daß der Bürgermeister einen Erlaß herausgegeben hat, worin die Leitung der städtischen Betriebe aufgefordert wird, Personen jüdische r Konfession nicht anzustellen. „Schädigung des deutschen Namens.** „New York Times" befaßt sich in einem Leitartikel mit dem Sturze des nationalsozialistischen Innenministers Thüringens Dr. Frick und gibt der Meinung Ausdruck, daß seine Niederlage auf seine ungehemmte antisemitische Propaganda zurückzuführen sei. Früher oder später, schreibt das Blatt, werde sich die Erkenntnis Bahn brechen, daß es mit dem deutschen Gewissen und Ansehen unvereinbar ist, zuzulassen, daß der Antisemitismus sein häßliches Haupt im Lande erhebt, und daß dies eine Schädigung des deutschenNamensvord erWelt bedeutet. Das deutsche Volk dürfe der von Hitler und .Frick ausgehenden Verhetzungnicht schweigend zusehen, wenn es nicht den Anschein erwecken wolle, daß es sich selbst aus der Reihe der fortschrittlichen Länder streichen und unter die Nationen niedriger Kultur einreihen wolle. Das Synagogenattentat in Budapest Das Attentat, das der für geisteskrank befundene Ingenieur Satloka in der Budapester Synagoge am Abend des zweiten Pessachtages verübt hatte und bei dem mehrere Betende schwer verletzt wurden, hat nun ein Todesopfer gefordert. Der 17jährige Lehrling Eugen Roth ist am 10. April seinen Verletzungen erlegen. Eugen Roth war der Sohn eines in ärmlichen Verhältnissen lebenden Reisenden. Die israelitische Religionsgemeinde Budapest hat eine Trauersitzung einberufen, in der Eugen Roth als ihr Toter erklärt wurde. Die Beisetzung des getöteten Eugen Roth fand am Montag, den 13. April, in feierlicher Weise unter Teilnahme der ganzen Judenheit Budapests auf der Märtyrer-Parzelle des jüdischen Friedhofs in Budapest statt. Auf der Märtyrer-Parzelle sind auch die Opfer des vor genau neun Jahren verübten Bombenattentats im demokratischen Elisabethstädter Klub beerdigt worden. Der ungarische Ministerpräsident Graf Bethlen hat in einem Schreiben an die israelitische Religionsgemeinde Budapest der Gemeinde sein tiefes Beileid anläßlich des Todes des bei dem verabscheuungswürdigen Attentat in der Budapester Synagoge schwer verletzten Eugen Roth ausgesprochen. Bei der Leichenfeierlichkeit waren auch die Regierung durch Kultusminister Graf K1 e b e 1 sb e r g, ferner die Hauptstadt durch den Oberbürgermeister R i p k a und die verschiedenen Konfessionen durch den katholischen Vikar Meszaros, den evangelischen Bischof Raf f ay, den reformierten Bischof R a v a c z und den unitarischen Bischof Jozan vertreten. Herren- und Diendleiilef Nur Ia-Qualitäten nach Maß und fertig lagernd, eventuelle Zahlungserleichterungen bis zu 1 Jahr werden gewährt. IIDER-UNION ^WlBNVLKuernena.6 TeLB 20245 Die zaristischen Ausnahmebestimmungen gegen die Juden in Polen abgeschafft Das polnische Amtsblatt veröffentlicht in seiner soeben erschienenen Ausgabe das im Februar d. J. vom Sejm beschlossene und Mitte März nach einigen Abänderungen vom Senat bestätigte Gesetz über die Abschaffung der aus der Zarenzeit stammenden gesetzlichen Beschränkungen gegenüber der jüdischen Bevölkerung Polens. Damit sind die Ausnahmebestimmungen gegen Juden endgültig abgeschafft. Die kanadischen Juden gegen Minderheitsrechte. Anläßlich der Beratung des neuen jüdischen Schulgesetzes in der kanadischen Unterhauskommission für öffentliches Recht hielt im Gesetzgebenden Rat der Provinz Quebec das jüdische Ratsmitglied Peter Berkowitch eine Rede, in der er erklärte, daß die Juden nicht wünschten, in Kanada offiziell als Minorität mit besonderen Min- Prachtvolle echt^Pei^erteppiche durchwegs selten günstige Gelegenheitskäufe sowie elegante Möbel, wie Speise-, Schlaf- und Herrenzimmer werden zn ganz außer ordentlich billigen Preisen abgegeben. Besichtigung ohne jeden Kaufzwang im WIEDNER HOBELHEIM INH. JULIUS GOTZL Handelager, beeil. Sachv. n. ScUtzmelaUr IV..SCHLEIFMÜHLOASSE 1« TELEPHON B 24-1-62 : Perflnmte jndisdic Männer : onfl franen in der MuslK I ■ . » ■ u. A. Alfred Grünfeld, Bronislav Hubermann. Fritz 5 5 Kreisler, Moszkovsky, Rubinstein, Jascha Heifez, 3 ■ Jehudo Menuhin, Mischa Elmann, Josef Rosenblatt, ■ ■ Sulzer, Duschkin, Erika Morini und das Roseg ■ Quartett können Sie jederzeit in Ihrem Heim auf ■ ■ elektrisch aufgenommenen Schallplatten hören. ■ ■ Ausführliche Verzeichnisse auf Wunsch kostenlos im ■ S Musikhaus LEO TUBLIN 5 S <r*lu»il«-Union | ■ Wien L, Jasomirgottstraße 6. — Tel. U 21-3-76 ■ derheitsrechten betrachtet zu werden, da sie sich selbst für nichts anderes als Kanadie r jüdischer Abstammung halten. Das zweite jüdische Mitglied des Gesetzgebenden Rates Joseph Cohen stimmte den Aeußerungen des Ratsmitgliedes Berkowitch zu. Auch der Provinzsekretär L. A. David erklärte im Verlaufe der Debatte über das Schulgesetz, die Schaffung einer öffentlich-rechtlich anerkannten jüdischen Minderheit in der Provinz Quebec widerspreche dem Interesse sämtlicher beteiligter Parteien. Verfassungsmäßig bestehe in Kanada bloß eine Minderheit, und zwar die französisch-kanadische. Es wäre gefährlich und unzweckmäßig, eine zweite Minderheit im Lande zu schaffen. Nach kurzer Beratung wurde das an die Stelle des im vorigen Jahre erlassenen Gesetzes, das den Juden den Anspruch auf Gründung eigener Schulen gab, tretende neue jüdische Schulgesetz an das Haus zu weiterer Ueberprüfung rückverwiesen. Kein jüdischer BibUotheksdlrektor im Vatikan. R o m, 6. April (I. T. A.). In der tschechoslowakischen Presse war vor kurzem die Nachricht verbreitet, daß ein junger jüdischer Gelehrter namens Naphtali Fried aus der Ortschaft Poljane in Karpathorußland zum Direktor der hebräischen Abteilung der Vatikanischen Bibliothek ernannt wurde, und daß ihm i das Vatikanische Bibliotheksdirektorat rituelle Verköstigung und die Ermöglichung eines täglichen jüdischen Gottesdienstes im Vatikan zugesagt habe. Wie der ITA-Vertreter in Rom erfährt, entspricht diese Meldung nicht den Tatsachen. Es ist höchst bedauerlich, daß derartige Nachrichten, denen jede Unterlage fehlt, in der Oeffentlichkeit verbreitet werden. Auch „Die Wahrheit" hat die von der I. T. A. kolportierte Meldung in ihrer letzten Nummer veröffentlicht, zumal die Mitteilung durch den Bericht eines Czernowitzer Blattes mit recht genauen Einzelheiten belegt erschien. Nun stellt sich heraus, daß die ganze Angelegenheit Produkt einer sehr üppigen Phantasie ist; daß sie solche Dimensionen angenommen hat, muß bedauert werden, denn die Kommentare, die von einer gewissen Parteipresse ihr gegeben wurden, sind wohl lächerlich, schaden aber vielleicht der Idee der Wissenschaft. Tel Awiws Sorgen. In der Berliner zionistischen „Jüdischen Rundschau" berichtet ein Briefsteller über die Wahl der „Königin Esther" in Tel Awiw und die damit verbundenen Aufregungen, Schiebungen usw. Und dann folgen die klassischen Worte: „Der Ausgang des Kampfes ist nicht wichtig. Ein Melancholiker würde sagen, es sei nur natürlich, daß in unserer. Zeit die Frau mit den gekauften Wahlzetteln und dem goldenen Kleid den Sieg davon trägt. (So war es zufällig auch.) Es kommt nur darauf an, zu sehen, mit welcher Leidenschaft hier Geschmack und Ueberzeugung verteidigt werden, und schließlich noch eine bedeutsame Kleinigkeit: es gab keine Prügel trotz aller Wut. Die Juden sind eben ein altes und zivilisiertes Volk, selbst in dem Moment, wo sie sich mit der Wahl einer Schönheitskönigin oder anderen Wahlen befassen. Man schreit und tobt, aber man schlägt nicht Das ist ein großer Vorzug. „Es ist doch tröstlich für uns arme Oesterreicher, daß man auch in Palästina seine Sorgen hat. Freiüch: man schlägt nicht . . St' f!