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Die Wahrheit · 1931-04-07 · Heft 15 (7.4.1931) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 15 (7.4.1931)
Date
1931-04-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 DIE WAHRHEIT über die. Tat eines Irrsinnigen und seinem Beileid für-die Verwundeten und ihre Angehörigen Ausdruck gibt. * ' Das Pester Rabbinat hat anläßlich des Attentats am Freitag abends für Dienstag, den 8. d. M., einen Fasttag angesetzt, an dem für die Märtyrerdes Judentums und für das ungarische Vaterland gebetet wurde. Polnische Huliganschüler. In einem Hörsaal der Warschauer Universität, in welchem eine Vorlesung für Gymn?isialschüler abgehalten wurde, .kam es zwischen dem jüdischen Schüler.Wyszlicki, einem Sohne des agudistischen Sejmdeputierten Vlaclav Wyszlicki, und einigen neben ihm sitzenden Gymnasiasten zu einem Wortwechsel. Wyszlicki verbat sich energisch die an seine Adresse gerichteten höhnischen antisemitischen Bemerkungen. Als er nach Schluß der Vorlesung den Saal verließ, fielen fünf Schülernuligans über, ihn her und schlugen so lange auf ihn ein, bis er, aus zahlreichen Kopf- und anderen Wunden blutend, ohne Besinnung liegen blieb! Die Schulbehörde unternahm zunächst nichts gegen die Hul.igans. Erst .als Abg. Wyszlicki intervenierte, wurde einer der Schüler festgestellt und von der Anstalt ausgeschlossen. Die „VerstaatlichunjjSDolitik" und die polnische Judenbeit Der polnische Vizeminister für Finanzen Starzynski ist zurückgetreten. Starzynski war der extremste Vertreter der sogenannten „Verstaatlichungspolitik", die es sich zum Ziele setzte, eine möglichst große Anzahl von Industrien als Staatsmonopol zu proklamieren, -wodurch zahlreiche jüdische Industrielle zugrunde gerichtet und tausende jüdische Arbeiter erwerbslos wurden. Die Politik Starzynskis hat nicht nur nicht vermocht, die Einkünfte der Regierung zu steigern, sondern hat auch durch Stillegung zahlreicher Betriebe zu einer Verminderung, der Steuereingänge geführt Der Klub der jüdischen Abgeordneten und führende Persönlichkeiten des jüdischen Lebens haben wiederholt die Abkehr von der Verstaatlichungspolitik gefordert und darauf hingewiesen, daß diese Politik eine der Hauptursachen für die gegenwärtige katastrophale wirtschaftliche Lage der jüdischen Bevölkerung bildet In jüdischen Kreisen hofft man zuversichtlich, daßder Rücktritt Starzynskis zu einer wesentlichen Aenderung der staatlichen Wirtschaftspolitik führen wird. VonWodke zu Worte Auszeichnung österreichisch-jüdischer Gelehrter. In feierlicher Form hat Bundesminister Doktor C z e r m a k dieser Tage dem Direktor der Universitätsbibliothek i. R. Hof rat Professor Dr. F rankfurter das ihm vom Bundespräsidenten verliehene große silberne Ehrenzeichen für Verdienste überreicht In einer herzlichen Ansprache würdigte der Minister die großen Verdienste, die sich Dr. Frankfurter durch sein über ein Menschenalter währendes Wirken an der Universitätsbibliothek, seine 22jährige Tätigkeit als Konsulent im Bundesnünisterium "für Unterricht und durch sein Eintreten für das humanistische Gymnasium in einer Zeit, da es besonders gefährdet war, erworben hat. Die Ueberreichung der Auszeichnung fand an dem Tage statt, an dem vor 25 Jahren der von Dr. Frankfurter angeregte Verein der Freunde des humanistischen Gymnasiums ins Leben getreten ist, dessen Schriftführer bekanntlich Dr. Frankfurter noch ist. * Die österreichische Gesellschaft der Aerzte hat den Begründer der Psychoanalyse Prof. Dr. Sigmund Freud und den Nobelpreisträger Prof. Karl Landsteiner zu Ehrenmitgliedern ernannt Der 17. Zionistenkongreß einberufen. Die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation hat offiziell den 17. Zionistenkongreß für den 29. Juni und die folgenden Tage nach Basel einberufen. Die zweite Welttagung des Council der Jewish Agency beginnt am 16. Juli ebenfalls in Basel. Verlobung. Fräulein Hedy K e m p 1 e r, Tochter des Herrn Kultusvorsteher Oberbaurat Wilhelm Kernpler, und seiner Gattin Clara, hat sich mit Herrn Dr. S. Unterberg verlobt. Wir gratulieren herzlichst Laura Krenberger Zum ehrenden Gedenken. Vor etwa 25 Jahren hat. sich eine . Anzahl in Hietzing wohnender jüdischer Damen zusammengetan und darüber beraten, in welcher Weise sie aus eigenen Mitteln und den Beträgen, welche sie in Bekanntenkreisen aufbringen konnten, für Arme etwas leisten könnten. Es war „Allgemeine Wohltätigkeit", welche die Damen ausübten, und diese befriedigte nicht ihre Geberlaune. Im Jahre 1908 veranstalteten diese Damen, welche nunmehr an der Spitze des Hietzinger jüdischen Frauenvereines standen, eine größere Versammlung und veranlaßten mich, ihnenin einem Vortrage zu sagen, mit welcher speziellen Agende im Armenwesen sie sich befassen sollten, um eben mit ihrem Wirken etwas Rationelles zu schaffen, in diesem von mir gehaltenen Vortrage habe ich die Agende ik<- „Verlassenen Kinder" behandelt und darauf hingewiesen, wie förderlich es wäre, wenn die Damen nach einer bestimmten Einteilung eine gewisse Schutzpatenschaft für die in fremder Pflege untergebrachten Kinder übernehmen würden. Diese Anregung wurde von der damaligen Vorsitzenden, der Frau Laura Krenberger, mit Freude begrüßt und sie ging sofort daran, mit ihren Vorstaiidsdamen die. Inspektion dieser Kinder zu übernehmen. Eine gewisse Organisation in der Ausführung dieser Tätigkeit erbrachte viel Gutes zugunsten dieser Schützlinge der Kultusgemeinde. Aus dem Hietzinger Frauenvereine; wurde später der jetzt noch bestehende V e rein zum "Schutze verlassener Kinder errichtet, und haben insbesonders die Damen Gisela Zirner, Eugenie Frank, Bernfeld, Kopperl, Minna Hecht und andere viel Segensreiches geleistet, da sie in herzlicher Anteilnahme an dem Geschicke dieser Kinder immer hingen. Gemeinsam mit mir wurden auch von Frau Krenberger und Frau Zirner zeitweise die Schützlinge der Wiener Kultusgemeinde, welche, in einzelnen jüdischen Gemeinden Mährens in Pflege waren, besucht, und auch diesen Kindern durch diese edlen Damen mancherlei geboten. Die strebsame Frau Dr. Krenberger trachtete diese Tätigkeit immer weiter auszubauen und errichtete später für eine größere Anzahl Mädchen auf dem Esteplatz eine Heimstätte des Vereines. Die vor wenigen Monaten früh verstorbene Frau Gisela Zirner errichtete über Anregung der Frau Dr. Krenberger gemeinsam mit ihrer Schwester Ella Zirner zum Andenken an ihren Vater Ludwig Zwieback ein Heim in Purkersdorf und sorgten die beiden Damen aus eigener Mitteln für die Erhaltung und Erziehung von 20 jüdischen Mädchen. Frau Dr. Krenberger war unermüdlich in ihrem guten Wirken und Schaffen, sie ruhte und rastete nicht, wenn es galt, für diese bedauernswerten Kinder, welche „ihr Verein" in Schutz genommen hatte, etwas zu besorgen. Sie veranstaltete zeitweise Zusammenkünfte dieser Kinder und lud dieselben mit ihren Pflegeeltern zu einer Jause im Saale des Parkhotels Schönbrunn; dort bot sie verschiedenes den Kindern für deren Gemüt und deren Bekleidung. Besonders braven Pflegeeltern wurden Geldprämien gegeben. In unvergleichlich schöner Weise kümmerte sich die nunmehr Verblichene um die Kinder, welche der Schule entwachsen in eine Lehre kamen und über ihre Anregung wurde durch die nimmermüde Frau Minna Hecht für solche schulentwachsene Knaben und Mädchen ein Heim auf dem Bennoplatz errichtet Aus dieser Institution ging der Verein „Zukunft" hervor, welcher sich später mit dem Lehrlingheime, IX., Grünentorgasse, vereinigt hat. Frau Dr. Krenberger arbeitete trotz ihres schweren Leidens in herzerhebender Weise für die Schützlinge des Heimes, welches sich seit einigen Jahren in der Auhofstraße 222 befindet und eine Anzahl Mädchen im schulpflichtigen Alter hält. Durch die wirtschaftlichen Verhältnisse sind bekanntlich alle derartigen Wohlfahrts- Institutionen arg mitgenommen worden und hat sich in den meisten Fällen der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde dieser wichtigen Institutionen annehmen müssen. Die überaus gütige, kluge Frau Dr. Krenberger hat in diesen langen Jahren für die verlassenen Kinder viel Segensreiches geleistet; durch ihr gottgefälliges Wirken hat sie sich bei allen Menschenfreunden dauernden Dank erworben, ihr Andenken wird aber auch immer einen Ansporn bieten, sich auch fernerhin solcher Kinder, welche aus irgend einem Grunde von ihren" Eltern nicht erzogen oder erhalten werden können, anzunehmen. Dies wird der Segen sein, denn die edle Frau Laura Krenberger als Saat ausgestreut hat. Amtsleiter Rudolf Kraus. DANK§AQIWG. Bei der Fülle der mir anläßlich meines 50jährigen Amtsjubiläums zugekommenen Ehrungen, Zuschriften, Telegramme und Geschenke ist es mir unmöglich, jedem Einzelnen sofort geziemend Dank zu sagen. Ich bitte deshalb vorläufig auf diesem Wege insbesondere Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Prof. Dr. J. M. B a c h, den geehrten Präsidenten Robert de Majo und den gesamten Vorstand der türk.-sephardischen Gemeinde, die Herren Präsidenten Dr. J. Orns t e i n. Dr. E. M ü n z, Börserat I. GI ü c k. Hofrat Prof. Dr. S. Frankfurter, Präsident Dr. S. Krüger, das Präsidium des Kantorenvereines, die Kantorensektion und die Chorsänger-Sektion der Kultusgemeande, ferner alle Korporationen, Vereine und deren Vertreter, sowie alle Kollegen meinen innigsten Dank entgegenzunehmen. Wien im April 1931. Isidor Löwit, v Oberkantor und Chordirigent Am 30. v. M. fand das* Leichenbegängnis der Frau Regierungsrat Laura Krenberger unter .zahlreicher Beteiligung weitester Kreise der. jüdischen Bevölkerung statt. Nach einer eindrucksvollen, von warraerr£mpn"ndung getragenen, Wesen, Charakter und soziale Verdienste-der Verblichenen würdigenden Rede des Herrn Rabbiner Dr. I. Taglicht sprach die Vizepräsidentin des Wiener Frauenvereines zum Schutze armer, verlassener Kinder, Frau Fanny Kopperl, innige Worte des Gedenkens für die verstorbene Gründerin und Präsidentin. Dann trat ein bereits im Berufe stehender Zögling, des vom Vereine erhaltenen Kinderheimes, XIII., Auhofstraße 222, an den Sarg und sprach voll warmer Dankbarkeit und ehrlicher Trauer einen Nachruf, den wir am Schlüsse dieses Aufsatzes bringen. Ebenso rührten Worte eines noch in Heimerziehung befindlichen Kindes. Am offenen Grabe sprach rlerr Rabbiner Dr. J. Lewin, würdigte die edle Tote als Frau, Gattin,: Mutter und Philanthropin und sprach der Hinterbliebenen Tochter Mut und Trost zu. .•'..! * - - ' - Nachruf eines Dankbaren. - "* - Tiefbewegten Herzens nehme ich Abschied von de?.' besten, sorgendsten, aufopferndsten aller Mütter, denn ihr großes Herz schlug, nicht nur für ihre Familie, allen armen und verlassenen Kindern galt ihre große Liebe und Fürsorge. Es war mir vergönnt als ein bereits im •' Berufe stehender Zögling des Kinderheimes im Hause; der vielgeliebten Präsidentin zu wirken, und da. sah ich diese kranke, leidende, edle Frau ihre ganze 'Zeit und Kraft für die Erhaltung des Heimes und die Förderung der Kinder verwenden. Für jedes einzelne Kind erstrebte sie die sonnigste Zukunft. Sie war es, die uns allen den Weg ins Leben ebnete. Sie war es, die keine andere. Freude kannte, als Erfolge ihrer Kinder. Sie war es, die mit ihren armen, kranken Händen Brief um Brief : schrieb, um das Heim erhalten zu können. Sic war es,- die eigene Sorgen zurückstellte und nur die eine kannte: Wie mache ich aus armen, verlassenen Kindern frohe, glückliche Menschen? Du hast es zuwege gebracht, du Mutter von uns allen, deine Liebe hat uns froh und glücklich gemacht wir danken dir und werden dich nie- vergessen. — Ruhe sanft! — Silberne Hochzeit. Dieser Tage feierte Herr Fürsorgerat Sekretär Rudolf Hlawatsch, Vorstandsmitglied der „Union deutschösterreichischer Juden", mit seiner Gattin Paula im engsten: Familienkreise das schöne Fest der silbernen Hochzeit. Wir gratulieren herzlichst. SOjähriges Amtsjubiläum. Samstag, den 28. März, feierte Herr Chordirigent Oberkantor Isidor Löwit das 50jährige Jubiläum seiner Amtstätigkeit im türkischisraelitischen Tempel. Aus diesem Anlasse veranstaltete der Vorstand der türkisch-israelitischen Gemeinde einen feierlichen Gottesdienst, an dem eine ungeheure Anzahl von Freunden und Verehrern des wegen seiner hervorragenden Charaktereigenschaften überaus beliebten Jubilars teilnahm. Neben dem Gesamtvorstand der türkisch-israelitischen Gemeinde bemerkte man u.a.: den Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. J. Ornstein, den Präsidenten des Bethausvorstundes Doktor E. Münz, den Obmann der Organisation der Tempelvereine Börserat I. Glück nebst Vertretern fast aller Tempelvereine, Hofrat Prof. Dr. S. Frankfurter, für das Krügerheim den Präsidenten Obermedizinalrat Dr. S. Krüger und Vizepräsioent Smetana, sämt- Kantoren der Gemeinde- und Vereinstempel; für den sephardischen Frauenverein die Präsidentin Frau Banh a i m u. v. a. Nach einem würdigen Festgottesdienstr bei dem Oberkantor Asseo unter Assistenz eines vom Jubilar selbst meisterhaft geleiteten verstärkten Chors fungierte und auch einen eigenen Mischeberach zum Vortrag brachte, bestieg Rabbiner Prof. Dr. J. M. Bach die Kanzel, um in einer gehaltreichen Ansprache den Werdegang und die hervorragenden Leistungen des Herrn Oberkantor Löwit gebührend zu würdigen. Nach dem Gottesdienste begab sich der Gesamtvorstand der türkisch-israelitischen Gemeinde zum Jubilar und Präsident Robert de Majo überreichte ihm mit einer eindrucksvollen Ansprache eine sehr hübsch ausgestattete Adresse, wie ihm auch von Seiten seines Vorstandes ein Ehrengedenkblatt für ewige Zeiten in einem „Goldenen Buche" und ein namhaftes Ehrengeschenk der Gemeinde gewidmet wurde. Es folgten nun herzliche Ansprachen 'des Präsidenten des Kantorvereines Oberkantor I. Müller, des Oberkantors Rudolf Kogaji. für die Kantorensektion der Kultusgemeinde, des Oberkantor Asseo im Namen der Angestellten des türkischen Tempels, des Obmannes Striks im Namen der Sektion der Chorsänger der Kultusgemeinde. Schriftlich gratulierten das Wiener Rabbinat und fast sämtliche Wiener Rabbiner, die .Budapester Kultusgemeinde, für den deutschen Kantorenverband Präsident ■■ Oberkantor K o r n i t z e r, für den Jugoslawischen Kantoren-Verein der Präsident Oberkantor M ei sei, für den Tschechoslowakischen Kantoren-Verein Präsident Oberkantor Löwy und viele andere Korporationen und Vereine sowie ehemalige Schüler und Chorsänger. Es war eine würdige Feier, würdig des verdienstvollen Jubilars, dem noch lange Wirksamkeit gegönnt sei. Mazzoth-Verteiiung. Wir hatten anläßlich der Pesachfeiertage Gelegenheit, bei der Firma Nathan Brodetzky, Lebensmittelmagazin, IL, Leopoldsgasse 43, die Verteilung von Mazzoth auf Grund von Anweisungen der Kultusgemeinde, Tempel- und Wohltätigkeitsvereine, bzw. privater Seite zu beobachten, und konstatierten, daß die Ausfolgung in überaus vornehmer Weise vor sich gegangen ist Jeder Wunsch der" Parteien wurde erfüllt und so manche Bitte, die über die Anweisungen hinausging, wurde von dem wohltätigen Firmeninhaber Herrn Nathan Brodetzky und seiner Gattin, die die Verteilung selbst vornahmen, gerne berücksichtigt

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