Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 15 (7.4.1931)
- Date
- 1931-04-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Satte 6 DBS WAHRHEIT Badioonderammoplione Radio, neueste Typen, aodi Umbau und Tausch alter Apparate. Schal [platten hervorragendster Künstler und neaesterSddager.audiTausdi.Zahlungserleiditening. Radiohaus „ELPHORA" 1., Oomlnlkanerbaslel 22, Tel. R 24-4-16 (I., Kai T/9) zirken errichtet wurden, in welchen sonst ein Interesse Jür dasThora-Studium in besonderem Maße nicht bestand, und daß diese Schulen von Schülern besucht werden, welche gerade vom Hause sonst keine Ergänzung des Religionsunterrichtes erhalte«. An diesen Bibelschulen wirken nahezu ausschließlich unsere Lehrer, was nach mehrfacher Richtung von Bedeutung ist. Vor allem deshalb, weil diese Lehrer ihre Kinder von den öffentlichen Schulen her kennen und sie daher hierdurch mitbeeinflussen, die Bibelschulen dauernd zu besuchen, und weil auch viele Eltern gerade mit Rücksicht auf den Lehrer ihre Kinder den Ergänzungsunterricht besuchen lassen. Nicht in letzter Linie muß ich hervorheben, daß die Gemeinde hierdurch in materieller Hinsicht nicht so stark belastet erscheint, als wenn sie für die Bezahlung besonderer, mitunter nicht einmal gut geschulter Lehrer sorgen müßte. Man darf auch nicht glauben, daß in diesen Bibelschulen bloß der Lehrstoff der öffentlichen Schule wiederholt werde. Es bestehen schon eine Reihe von Kursen und Bbelschulen, in welchen, weit über den Rahmen des Lehrstoffes an der öffentlichen Schule hinaus gelehrt wird; gerade in den letzten Wochen ist beispielsweise im 10. Bezirk ein Kurs für Mittelschüler eingerichtet worden, in welchem die Bibel mit Raschi- Erklärung im Urtext gelehrt wird. Ich verweise ferner auf die Talmud-Kurse in unseren Bibelschulen des 2. und 20. Bezirkes. Die Ausgestaltung aller dieser Bibelschulen muß uns allen am Herzen liegen. Denn nur hierdurch ist es möglich, daß der lediglich auf zwei Wochen-Stunden beschränkte Religionsunterricht ausgebreitet werden kann. Ich komme nun auf die P r i v a t - B i b e 1schulen und hebräischen Schulen zu sprechen. Solche gibt es derzeit in Wien 38 mit 2391 angemeldeten Schülern. All diese Schulen werden von der Gemeinde nach bestimmten Grundsätzen und nach Maßgabe der Mittel subventioniert Alle diese Schulen sind von Vereinen gegründet, sohin auf Grund privater Initiative. Der Besuch ist verschieden, manche haben nur sehr wenige Schüler, andere sind sehr gut besucht. Das Lehrziel ist' in manchen Schulen sehr weit gestellt. Eine Ersparung an Subventionen kann hier nicht in Frage kommen. Was hier möglich ist, und was nur ohne Schädigung hinsichtlich des Unterrichtserfolges geschehen darf, wäre unter Umständen eine Zusammenlegung mehrerer Schulen, wobei aber nicht übersehen werden darf, daß der Unterricht vieler Kinder eben gerade auf die Beziehungen der Eltern zum Lehrer gegründet ist Mit Rücksicht auf die Verschiedenheit aller diesei Schulen läßt sich der Wunsch nach Einführung eines einheitlichen Lehrplanes schwer erfüllen. Trotzdem wird es notwendig sein, gewisse einheitliche Typen zu-schaffen, um ein bestimmtes Lehrziel zu erreichen, weil nur hierdurch möglich ist. den Lehrerfoig der einzelnen Schulen festzuhalten. Hier fällt der Inspektion die wichtige Aufgabe zu, sich nicht lediglich davon zu fiberzeugen, ob die Stunden eingehalten werden, ob die Zahl der Schüler eine entsprechende ist, sondern auch ob der Tirfolg mit den aufgewendeten Mitteln in Uebereinstimmung zu bringen ist. Auf dein Unterrichtsgebiete soll nicht gespart werden. Gilt es doch, die allen Juden gemeinsame und zur religiösen Lebensanschauung führende Kenntnis des Schrifttums zu vermitteln. Unter diesem Gesichtspunkte der Erziehung der Jugend zum Judentum und zu Juden wurden auch den in Wien bestehenden jüdischen Vollschulen entsprechende Subventionen erteilt Es kann keine Frage sein, daß jüdische Bildung und religiöse Weltanschauung vor allem in jenen Schulen erzielt werden kann, die Vollschulen sind, weil der ganze Unterricht, und zwar nicht nur der Religionsunterricht sondern insbesondere auch der profane Unterricht hievon durchtränkt wird. Die jüdisch-religiöse Weltanschauung erhält zweifellos eine sehr starke Unterstützung und ein wichtiges Fundament wenn die Kinder ihren Unterricht an religiöser. Schulen erhalten. Das Bestehen einer solchen Schule muß aber seine religiöse Motivierung haben, da Eltern ihre Kinder, um sie von religiös-feindlicher Umgebung fernzuhalten, in eine solche Schule schicken. Diese Eltern wünschen, daß das Milieu, in welchem ihre Kinder erzogen werden, auch vom Standpunkte der Schule aus, ein streng religiöses sei. Diesem Wunsche der Eltern soll gewiß die Kultusgemeinde nach Möglichkeit Rechnung tragen: der Kultusgemeinde fällt die Aufgabe zu. darüber zu wachen, daß die von (Fe n Eltern gewünschte Erziehung der Kinder auch tatsächlich in der Schule selbst unterstützt und ic fördert werde. Die Grundauffassung des Judentums ist eine religiöse. Der Kultusgemeinde obliegt die religiöse Erziehung der Jugend, die Verbreitung der Lehre, welche zu jenen Grundsäulen gehört die von Simon dem Gerechten sogar dem Gottesdienste vorgezogen wurde. A 11 e verfügbaren Mittel der K u 1 tu s g e m e i n d e sollen daher der Verbreitung der Lehre zur Verfügung gestellt werden. Es ist unsere heilige Pflicht, von dieser Bahn nicht abzuweichen, sondern von ihr alles wegzuschaffen, was diese Arbeit hindern könnte, denn uns winkt s ein Ziel, dem alle zustreben sollen, die Erziehung der Jugend zu wahren Juden. Hundert Schändungen jüdischer Friedhöfe. Ein trauriges Jubiläum. Das „Isr. Familienblatt" bringt die folgende Aufzählung der in den letzten Jahren in Deutschland geschändeten jüdischen Friedhöfe: 1. Alsbach, Bergstraße, 1925; 2. Ansbach, 1927; 3. Aufhausen b. Bopfingen, 1927; 4. Baisingen, 1928; 5. Beuthen, 1923; 6. Beverungen, Westfalen, 1925; 7. Bingen, 1927; 8.Binswangen, 1924; 9. Borgentreich, 1928; 10. Bottrop 1930; 11—12. Bovenden b. Göttingen (2 mal) 1928; 13. Breslau, Claasenstraße, 1926; 14. Diespeck, 1930; 15. Dillingen, 1924; 16. Dransfeld b. Göttingen, 1924; 17. Eilendorf, 1928; 18. Eppingen. Baden, 1928; 19. Erfurt, 1926; 20. Essen 1927; 21. Essingen, 1928; 22. Eydtkuhnen 1927; 23. Fischach 1928; 24.-25. Flamersheim, Kr. Rheinh. (2 mal) 1928; 26. Frankfurt-Bockenheim, 1927; 27. Frankfurt a. M., 1930; 28. Fürth 1928; 29. Fußgönnheim b. Kaiserslautern, 1930; 30. Fulda, 1928; 31. Georgsgmünd, 1930; 32. Gerolzhofen, 1927; 33. Gestorf b. Pattensen, 1928; 34. Gladbeck, 1929; 35. Gleicherwiesen, 1928; 36. Göttingen, 1924; 37. Greifenhagen, 1928; 38. Grevenbroich 1930; 39. Gröbzig, Anh., 1923; 40. Grünstadt, Pfalz, 1930: 41. Guhrau, 1925; 42. Günzenhausen, 1930; 43. Hagen i. W., 1924; 44. Harburg, 1928; 45. Harmuthsachsen, 1928; 46. Hausberge b. Hannover, 1925; 47. Hermeskeil, Bez. Trier, 1929; 48. Hillesheim, Rheinh. 1927; 49. Hattingen a. d. Ruhr, 1930; 50.—51. Hochneukirchen (2 mal) 1924; Hoof b. Kassel, 1924; 53. Hockenheim 1926; 54. Ibbenbüren 1928; 55. Kaiserslautern 1928; 56. Kailies 1926; 57. Kerpen, Bez. Köln 1927; 58. Kieferstädtcl 1930: 59.—60. Kirchheim (2mal) 1928; 61. Kl. Krotzenburg 1931; 62. Köln-Bonner Tor 1928; 63. Köln- Lindenthal 1927: 64. Königshofen 1925; 65. Köpenick 1928; 66. Kothen 1925; 67. Krefeld 1927; 68. Kuppenheim 1927; 69. Lauchheim 1928; 7.0- Lichtenfels bei. Koburg 1930; 71. Löwenberg 1926; 72. Lüdingshäusen i. W. 1928; 73. Meanmelsdorf, Unterfr. 1926; 74. Moers 1927; 75. Neviges, Rheinland 1927; 76. Ovenhausen bei Höxter 1930; 77. Pr. Holland 1930; 78. Preztfeld 1928: 79. Pflaumloch 1926; 80. Plauen-Tannenhof 1925: 81.—82. Regensburg (2mal) 1927; 83. Rhoden 1924; 84. Rickelsdorf 1927; 85. Rosenberg, Ostpreußen 1928; 86. Rödlingen, Kr. Jülich 1930; 87. Roxheim 1924; 88. Rülzheim. Pfalz 1927; 89. Saarbrücken 1929; 90. Schirwindt 1931; 91. Schriesheim 1931; 92. Tilsit 1930; 93. Trebnitz 1930; 94. Tauberbischofsheim 1931: 95. Vacha 1929; 96. Velbert 1928; 97. Wallerstein, Bayern 1926; 98. Willmars, Bayern 1926; 99. Wolfhagen 1924; 100. Ziegenhain 1929. Das „Isr. Familienblatt" hat sich anläßlich dieses traurigsten aller Jubiläen an die Männer gewandt, die als Wortführer der Parteien und Religionsbekenntnisse gelten können. Von allen Seiten sind dem Blatt Kundgebungen zugegangen, die der tiefsten Verachtung Ausdruck geben gegenüber „der wahren Schmachdes Jahrhunderts, enthülltdurch die traurige Aufstellung". Ihrer Entrüstung gaben in Zuschriften u. a. Ausdruck: Der Präsident des Deutschen Reichstages Paul L ö b e, der Vorsitzende der Deutschen Volkspartei Eduard Dingeldey, Landrat a. D. Siegfried v. Kardorff, M. d. R., Heinrich Mann, Bürgermeister Dr. Carl Petersen, Hamburg, ferner anerkannte Vertreter der katholischen und protestantischen Glaubensgemeinschaft Die Zeitung schließt ihre Betrachtung mit folgenden Worten: „An Friedhofschändungen erfolgten, bzw. wurden entdeckt im Jahre 1923: 2; 1924: 11; 1925: 7; 1926: 9; 1927: 19; 1928: 28; 1229: 5; 1930: 15; 1931: 4. Möge aus dem Abscheu vor solchen Taten die wirkliche Kraft zur Selbsterneuerung erstehen, aus der Ehrlichkeit der Selbsterkenntnis eines schauerlichen Tuns der Wille zur friedlichen Zusammenarbeit zu echter deutscher Gemeinschaft unabhängig von Abkunft und Religion, erwachsen." * Die 101. Friedhofsschändung. In einer der letzten Nächte wurden auf dem jüdischen Friedhof in,J1 e r r n s h e i m b. Worms Palästina-Produkte Harmel-Welne / Jana Orangen / Jalfa-Grape rrnlfs / Sdiemea Oliven öl / Chederah-Honlg Alle Sorten Spezereiwaren und Sliwowitz liefert zu sehr billigen Preisen direkt ins Haus SAMIIE1 HA1PERN, Wleo II., Förster*. 6 / Nene Tel.-Nr. \ 46-4-12 Kleider sofort Zahlung später Herren- und Damenkleider nach Maß und fertig nur erstklassige Stolfe, bis 12 Monate Kredit Kleiderhaus Werter, Wien XVI., Ottahrlngersfr. 1? Tel. a 21-501 etwa zehn Grabsteine umgeworfen und beschädigt. Die Ermittlungen wurden durch die Gendarmerie und durch Beamte der Landeskriminalpolizei Worms aufgenommen. Jüdischer Heringhändler —vatikanischer Bibliotheksdirektor. Der junge jüdische Gelehrte Naftali Fried aus der Ortschaft Poljana in Karpathor u ß I a n d wurde zum Direktor der hebräischen Abteilung der vatikanischen Bibliothek ernannt. Aus einem Brief Naftali Frieds geht hervor, daß ihm das vatikanische Bibliotheksdirektorat die r i t u e 11 e V e r k ö s t igung und einen täglichen jüdischen Gottesdienst im Vatikan ermöglichte. Im „C z e r n 0 w i t z e r Morgenblatt" berichtet Dr. S. J. Schul söhn: In Karpathorußland in der Tschechoslowakei, bildet dieses Ereignis das Tagesgespräch. Naftali Fried, der armselige Heringhändler, der nur mühsam Weib und Kind erhalten konnte, der nie eine Volksschule besuchte, außer Hebräisch und Jiddisch gar keine Sprache beherrscht ist zur Leitung der hebräischen Abteilung an der vatikanischen Bibliothek in Rom und zur Uebernahme der Kanzel für Hebräisch , berufen worden. Unter der großen Zahl iüdischer Gelehrter und Wissenschaftler fiel die Waid gerade auf diesen Mann aus dem verschlagenen Winkel der Slowakei. Dieser ungewöhnliche Aufstieg trug sich unter folgenden interessanten Begleitumständen zu: Vor ungefähr acht Monaten wurde im Vatikan der Beschluß gefaßt, die hebräische Abteilung der Bibliothek zu reorganisieren, zu vervollständigen, sowie eine Anzahl religiöser und rabbinischer Werke, zahlreiche Bücher alt- und neuhebräischer Literatur anzuschaffen - und einen hebräischen Lehrer für die Ausbildung der jungen Theologen zu berufen unter der Bedingung, dieser solle auch die Bibliothekarleitung innehaben. Auf der Suche nach einem würdigen Gelehrten und Kenner auf diesem Gebiete ging man von dem Grundsatze aus einem Juden alten Schlages und konservativer Weltanschauung diesen Posten anzuvertrauen. Der Vatikan wandte sich daher mit seinem Anliegen an die altberühmte konservative Rabbiner schule in Frankfurt a. M. Dr. Emanuel Friedmanti, derzeitiger Leiter der Rabbinerschule. fand Naftali Fried für den geeignetsten Mann und empfahl denselben. Denn Dr. Friedmann stand mit ihir in ständiger Korrespondenz und kannte seine großen Kenntnisse und hervorragenden Forscherfähigkeiten. Naftali Fried hatte sich vor dem Kriege an die Rabbinerschule in Frankfurt a. M. mit dem Ersuchen gewandt, ihm durch Unterstützung das Studium an diesem Institut zu ermöglichen. Doch seine Bitte wurde abgelehnt und er mußte — da ihm die Subvention versagt worden und er selbst mittellos war — seinen Plan aufgeben, heiratete ein armes Mädchen und eröffnete ein Heringsgeschäft, das seine Familie nur kärglich nährte. Trotz materieller Dürftigkeit oblag Fried in seinen Mußestunden dem Talmudstudium und sandte häufig die Ergebnisse seiner Forschungen dem Frankfurter Leiter Dr. Friedmann, der ihn immer zu neuen Arbeiten ermunterte und ihn auf eine große Zukunft vertröstete. Nach jahrelangem Warten ging seine Hoffnung in Erfüllung und der Postbote brachte den Brief, der ihm die Lehrkanzel in der Ewigen Stadt antrug. Fried beriet sich zunächst mit Rabbinern. Auf deren Rat hin erklärte er sich bereit die Berufung anzunehmen, und zwar unter folgenden Bedingungen: Sabbathruhe, koschere Küche, Uebersiedlung seiner Familie und Ansiedlung von noch neun Juden zwecks Gründung einer Betgemeinde auf Kosten des Vatikans. Diese Bestimmungen imponierten dem Papste sehr und er bewilligte sie in einem in hebräischer Sprache gehaltenen direkten Schreiben an Fried. REICHHALTIGE, MODERNE LEIHBIBLIOTHEK DER BÜCHERSTUBE M. RATH WIEN II., TABORSTRASSE Nr. 20a TEL R 43-1-58 ALLE NEUERSCHEINUNGEN I REICHE AUSWAHL IN HEBRttlKA UND JUDAIKA |p englischer und französischer Literatur MONATSGEBUHR NUR 3.— KEINE BANDGEBÜHR 1 TÄGLICHER UMTAUSCH 1