Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 15 (7.4.1931)
- Date
- 1931-04-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064453-3064467--18327-3083345- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE WAHRHfäT Seite 5 Berühmte jüdische Männer und frauen in der Plnslh u. A. Alfred Grünfeld, Bronislav Hubermann. Fritz Kreisler, Moszkovsky, Rubinstein, Jascha Heifez, Jehudo Menuhin, Mischa Elmann, Josef Rosenblatt, Sulzer, Duschkin, Erika Morini und das Rose- Quartett können Sie jederzeit in Ihrem Heim auf elektrisch aufgenommenen Schallplatten hören. Ausführliche Verzeichnisse auf Wunsch kostenlos im Musikhaus LEO TUBLIN fMuslk-Vnion) Wien I, Jasomirgottstraße 6. - Tel. U 26-9-84 "I Das Gleichgewicht hält und die Schwungkraft gibt diesem Judenhaß,, dieser Judenerniedrigung nur noch die Selbstvcrgötterung, die mit der eigenen Rasse getrieben wird. Die ganzen Untersuchungen, ob und inwieweit man überhaupt von einer deutschere Rasse reden kann, will ich hier gar nicht anführen. Es genügt zu sagen, daß der Nationalsozialismus sich eine deutsche Rasse vorstellt, und daß er sie nicht etwa nur liebt als die Gemeinschaft, in die er hineingeboren ist, daß er sich nicht etwa nur verpflichtet fühlt, nach Kräften zu ihrer gesunden Entwicklung beizutragen — wie es das normale Verhalten wäre — daß er sie nicht etwa nur für auserwählt hält (wie er das den Juden so schrecklich übel nimmt und falsch ausdeutet, nein, nein — er geht über alle anderen Völker hinweg, indem er seinem, dem deutschen Volk das Prädikat des „höheren" schlechtweg beilegt. Und ebenso, wie vom Juden nicht gesprochen wird, ohne daß man ihn mit Schmutz bewirft, und wie von nichts verächtlich gesprochen wird, ohne daß man es sofort dem Juden aufbürdet — so wird nichts als groß, hehr, sittlich und göttlich auf Erden hingestellt, ohne daß es in erster Linie für die deutsche Rasse in Anspruch genommen wird. (Fortsetzung folgt.) Die Bedeutung der deuU sehen Notverordnung. Der Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur nahm Veranlassung, den Direktor des Centrai-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Herrn Dri. Ludwig Holländer, über seine Auffassung zur Notverordnung des deutschen Reichspräsidenten zu befragen. Dr. Holländer erklärte ungefähr folgendes: „Die Notverordnung kam für mein Empfinden in dem letzten Augenblick, ehe der latente Bürgerkrieg zwischen den radikalen politischen Flügeln sich zu einem offenen Bürgerkrieg entwickelte. Denn von dem Umfang der blutigen Ausschreitungen in Deutschland kann man sich nur dann ein rechtes Bild machen, wenn man nicht nur die Blätter einer bestimmten Richtung und eines bestimmten Ortes liest, sondern in der Lage ist, das Material aus dem ganzen Reiche bei seiner Beurteilung zu berücksichtigen. Die Stellungnahme zu der Verordnung muß davon ausgehen, daß die durch die Weimarer Verfassung gewährleisteten Grundrechte und der Geist, aus dem heraus sie in Weimar formuliert wurden, die völlige Gleichberechtigung auch der deutschen Juden schufen und sicherten. Es scheint mir deswegen wichtig, zu unterstreichen, daß die Außerkraftsetzung wichtiger Grundrechte nur zeitweilig vorgenommen werden darf, damit das Gefühl für die Verbindlichkeit der großen Prinzipien der Demokratie in der Vorstellung der Bevölkerung nicht geschmälert wird. Für die politische Lage des deutschen Judentums stellt, rein äußerlich betrachtet, die Verordnung eine starke Erleichterung dar. Vor allen Dingen ist die Ziffer 3 des § 1 von Bedeutung, durch den bestimmt wird, daß auch solche öffentlichen Versammlungen angemeldet und gegebenenfalls verboten werden können, in denen „eine Religionsgesellschaft des öffentlichen Rechts, ihre Einrichtungen und Gebräuche oder Gegenstände ihrer religiösen Verehrung beschimpft oder böswillig verächtlich gemacht werden". Auch § 10 mit seinen Vorschriften über Plakate und Flugblätter (Plakate und Flugblätter, deren Inhalt geeignet ist, die öffentliche Sicherheit oder Ordnung zu gefährden, können polizeilich beschlagnahmt und eingezogen werden) und § 12, der angibt, unter welchen Bedingungen Zeitungen bis zu sechs Monaten verboten werden können, können für die Verteidigung unserer Ehre leicht von Bedeutung werden. Mein Wunsch ist natürlich, daß die Entwicklung der politischen Lage sehr bald jegiiehe Aus- GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMEHL tmaMHHnHaaHHaHaHManaMiai WIEN IX., BERCICtASM NR. 1» FILIALE ■ XVIII., WAHRINOIRSTRASSS Vt Telephon Nr. A 17-349 and A 15-9-34 Uaferant für HailamtaltM AbteiltingenffirKoscherfleisch «uiter Aufsicht 4 es shrsr. Rabbtaatss dar Isr. KHltasgsmsiads Wies. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen nahmebestimmung überflüssig machen möge und daß wir deutschen Juden in Uebereinstimmung mit allen Mitbürgern ungestört am Aufbau unsere» deutschen Vaterlandes mitwirken können." Die Aufgaben der Kultusgemeinde auf dem Gebiete des Schulwesens. Die Spezialdebatte über das Unterrichtswesen leitete der Obmann der Schulkommission Dr. Josef Ticho mit folgenden Ausführungen ein. Vor allem obliegt der Gemeinde der Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen. Aufgabe der Schul- und Unterrichtskommission muß es daher vor allem sein, für diesen Religionsunterricht Sorge zu tragen. In dieser Hinsicht sei auf § 73 unseres Statutes verwiesen, welcher klar die Gegenstände des Religionsunterrichtes anführt, Bibel im Urtext, Liturgie. Glauben- und Sittenlehre und Geschichte. Die Hauptaufgabe der Kultusgemeinde muß daher in der Bestellung der Religionslehrer, in ihrer Förderung und Anleitung, in der Inspizierung des Unterrichtes und in den Anweisungen für den Unterricht gelegen sein. Wir haben an Volks- und Hauptschulen derzeit 34 Religionslehrer und -lehrerinnen; bei der Gemeinde Wien sind derzeit 13 Religionslehrer systemisiert; 23 Religfonslehrer wirken an Mittelschulen, welche der Bund bezahlt, und sieben an Privatmittelscbulen. Von allen diesen wird der Religionsunterricht erteilt an ungefähr 18.000 Schüler, von denen rund 9000 Volksschüler, 3000 Hauptschüler und 6000 Mittelschüler sind. Die Unterrichtsverwaltung lenkt ihr Hauptaugenmerk hauptsächlich darauf, den Religionsunterricht nach Möglichkeit zu intensivieren. Ich gehe hierbei von der Erwägung aus, daß die an den öffentlichen Volks- und Hauptschulen lernenden Schüler zum großen Teile keine Unterstützung oder Ergänzung ihres Religionsunterrichtes in ihrem Elternhause finden können, daß der Religionsunterricht nur an zwei Wochen-Stunden erteilt wird und daß daher in diesen zwei Stunden den Schülern mindestens jenes Maß jüdischer Bildung gegeben werden muß, welches unbedingt notwendig ist; daß aber dieser Religionsunterricht gerade für diese Schüier, die im Elternhause diesfalls keine Unterstützung haben, unbedingt ergänzt wermuß muß. Diese Ergänzung wird auf verschiedene Weise vorgenommen. Vor allem durch den Jugendgottesdienst. Hier sei es mir vergönnt, allen jenen Faktoren zu danken, welche bei der so wichtigen Ausgestaltung des Jugendgottesdienstes in verdienstvoller Weise mitwirken. Jeder muß auf dem Standpunkte stehen, daß der Jugend das Beste geboten werde, daß der Jugendgottesdienst für sie ein Erlebnis bedeuten müsse und daß all das, was die Jugend bei diesem Gottesdienste sieht und hört, ihr dauernd verbleibe. Der Jugendgottesdienst hat einen derartigen Aufschwung genommen, daß heute jedermann Seit vielen Jahren das anerkannt beste 3 Jahrzeltlicht Ma achte auf die ges. gesch. Marke „Hyglen. Königslicht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengasse 3 Telephon R 33-1-87 die Bedeutung des Jugendgottesdienstes erkennt. Die Bedeutung des Jugendgottesdienstes veranschaulichen nachstehende Ziffern: Im Schuljahr 1929/30 wurde der Jugendgottesdienst in 16 Synagogen abgehalten und von 59.406 Schülern und Schülerinnen besucht. Wenn Sie bedenken, daß die Zahl der/ Volks¬ und Hauptschüler zusammen 12.000 beträgt, so kann man durchschnittlich einen fünfmaligen Besuch bei jedem Kinde errechnen. Im ersten Halbjahr des Schuljahres 1930/31 ist die Zahl bereits auf 38.000 gestiegen, was zweifellos eine abermalige Erhöhung bedeutet. Wer immer einem solchen Jugendgottesdienst betwohnt, wird mit seelischer Freude und Genugtuung feststellen können, daß die Kinder immer mehr und mehr aktiv an dem Gottesdienst teilnehmen, und ist es unser Bestreben, diese aktive Betätigung sowie die ziffernmäßige Teilnahme immer mehr und mehr zu steigern. Zur Ergänzung des Religionsunterrichtes werden ferner Feiern veranstaltet, und zwar anläßlich der einzelnen jüdischen Feste. Diese gottesdienstlichen Feiern wurden wesentlich vermehrt und haben zur Verbreitung jüdischer Bildung zweifellos beigetragen. So kann ich ruhig sagen, daß heuer am Cbanuka- Feste die gesamte Schülerschaft Wiens teilgenommen hat. Solche Feste finden in allen Synagogen statt. Die Jugend wurde beteilt. Sie kam vielfach sogar mit ihren Eltern und haben zweifellos viel Eltern an jüdischen Festen teilgenommen, denen sie sonst ganz fremd und teilnahmslos gegenüberstangen Zum Teile fand diesmal auch eine Beschenkung mit Büchern statt, wobei insbesondere an manchen Gemeindebibelschulen Bücher als Anerkennung iür den Bibelschulbesuch zur Verteilung gelangten. Selbstverständlich wurden hierbei Bücher jüdischen Inhaltes gewählt. Am Purim- F e s t wurden gleichfalls für die Schuljugend Festlichkeiten veranstaltet, an welchen mindestens 3000 Familien mitbeteiligt, waren. Es wurden heuer auch eigene Seder-Feiern veranstaltet, so in der Othmargasse für ungefähr 200 Schulkinder, im Krügerheim (Malzgasse), in Währing, in der Herklotzgasse usw. Ais weitere wichtige Ergänzung des Religionsunterrichtes wurde die Zahl der Bibel- und hebräischen Schulen der Kultusgemeind» wesentlich vermehrt. Während wir früher nur zwei Schulen hatten, und zwar die Schule in der Othmargasse und in der Rambrandtstraße, ist die Zahl der Schulen nunmehr auf 14 gestiegen, wobei die Einteilung von mir so getroffen wurde, daß nahezu sämtliche Wiener Bezirke beteiligt sind. An diesen Bibelschulen der Kultusgemeinde wirken derzeit 29 Lehrer und erteilen Unterricht an 1184 Schüler, was gegenüber dem Vorjahre und den Vorjahrenüberhaupt eine wesentliche Steigerung der Schüleranzahl darstellt. Es sei hier ohne weiteres zugegeben, daß hierdurch in den Bibelschulen der Kultusgemeinde nicht einmal 10 Prozent der Schüler erfaßt sind. Allein jeder Beurteiler wird anerkennen, daß Bibelschulen in Be- JIIIII1I Eröffnimgsanzeigef *ym *-t Selchwarenrestaurant ILW _«J eigener Erzeugung beste Qualitäten II., aLOCKENOAS» 11 M. BRUKNER & C9 Unsere Fabrik steht unter der rituellen Aufsicht des jptan n&2 nrem rvsn "o Ktt'S* »2 sjor "rt