Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 15 (7.4.1931)
- Date
- 1931-04-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. T a g I i c h t entwarf in eindrucksvollen Worten das Bild des Verblichenen und würdigte ihn als vorbildlichen Gatten und Vater, als hervorragenden Menschen wie als treuen verdienstvollen Glaubensgenossen. Nachdem noch Präsident-Dr. Orhstein im Namen der „Union" und Hofrat Klein im Namen des Patentamtes von dem Verblichenen Abschied genommen und ihm für sein aufopferndes Wirken gedankt hatten, wurden die sterblichen Ueberreste Josef Löwys, seinem Vermächtnis gemäß, im Grabe seiner Eltern beigesetzt Die Oberaus starke Beteiligung am Leichenbegängnisse, wie die Unzahl der der „Union" zugekommenen Beileidskundgebungen legten Zeugnis ab von dem großen Ansehen, das der Verstorbene genossen hat und von der Trauer über den allzu frühen Verlust dieses bedeutenden, einzigartigen Mannes. ■■•■■■•■■•■«■«•«■•■■■«■■•»^■■«•««■■««•■■•r Wo bleibt Wien? Aussprache über Antisemitismus im Berliner Rundfunk. im Rahmen der Reibe „Bewegung und Schlagwort" sprachen jüngst im Berliner Rundfunk Herbert Ibering und Dr. Friedrich Hielscher über „Antisemitismus". Hielscher, der einem Kreise junger Nationalisten nahesteht, war hierbei der angreifende Teil. Er begründete die Existenz des Antisemitismus zunächst rein praktisch: Das Uebergewicht jüdischer Namen in Film, Presse, Politik und Literatur sei schuld daran, daß der nichtjüdische Deutsche sich genötigt sehe, gegen den überragenden Einfluß des Judentums in Deutschland aufzutreten. Bei dieser Gegnerschaft unterschied er streng zwischen dem kapitalistischen Juden, der mit dem wahren Judentum nichts mehr zu tun habe, und zwischen dem noch ganz in jüdischer Kultur wurzelnden Juden, als dessen vornehmsten Vertreter er Martin Buber nannte. Nur dem kapitalistischen Juden gelte der Kampf des von ihm selbst und seiner Gruppe vertretenen Antisemitismus. An ihm sei die Zerstreuung des jüdischen Volkes unter die Völker der Welt nicht spurlos vorübergegangen. Er sei dadurch innerlich zersetzt und darum selbst ein Zersetzer. Sein Typus sei ebenso abzulehnen wie der eines Deutschen, der sich von Deutschland gelöst und sich der Kultur der Wesrvölker angeglichen habe. In diesem kapitalistischen Juden wolle man einen besonders charakteristischen Vertreter des kapitalistischen Systems überhaupt treffen. Auch die sogenannten Sozialisten unter den Juden, die marxistischen Anhänger der Sozialdemokratie, seien in Wirklichkeit Vertreter des Kapitalismus, wie es überhaupt sehr zweifelhaft sei, ob man im marxistischen Sozialismus noch etwas anderes zu erblicken habe als eine Stütze der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. In dieser betonten Frontstellung gegen den Kapitalismus grenzte sich Hielscher auch gegen den Nationalsozialismus ab, den er für kapitalistisch verseucht ansieht Hitler selbst sei ein verkappter Kapitalist, der nur vor der Konsequenz seines Standpunktes zurückscheue, weil es unter seinen Anhängern entschiedene Sozialisten gebe. 1 h e r i n g holte in seinen Antworten, die einander ergänzten und steigerten, tief aus. Er fand nicht allein ausgezeichnete Formulierungen für die Barbarei des Antisemitismus, die sich im Juden einen Prügelknaben ausersehen habe, an dem man unterdrückte Gefühle abreagieren könne, sondern er analysierte den angeblichen Gegensatz zwischen Deutschtum und Judentum und erwies ihn als unhaltbar. Im Judentum bekämpfe man alles Intellektuelle, alles Kritische, alles Reflektierende; man setze dem einen verschwommenen, sentimentalen Begriff von Deutschtum entgegen, gegen den sich jeder echte Deutsche verwahren müsse. Auch in der deutschen Kultur — man denke nur an die deutsche Klassik, die deutsche Wissenschaft — seien viele ordnende, formende, gliedernde Elemente vorhanden, die ebenso deutsch seien wie die deutsche Romantik, die die antiintellektuellen Antisemiten allein gelten lassen wollen. Es sei falsch, den heute noch in lebendiger jüdischer Kultur wurzelnden Juden den entwurzelten deutschen Juden entgegenzuhalten. Das volkhafte Judentum sei mit fORNEflrlE ^-■prai der Entstehung des Christentums erfüllt gewesen; der Zionismus wolle zwar noch einmal ein jüdisches Reich und eine jüdische Volkskultur heraufführen. Er sei jedoch mit diesem Streben nur eine heroische Donquichotterie, die für die Juden der Welt bedeutungslos sei. Die heute in Deutschland lebenden jüdschen Menschen bekennen sich in ihrer überwiegenden Mehrzahl positiv zum Deutschtum, dem sie mit aller Liebe und mit tiefstem Verständnis dienen. Man denke nur an die Leistungen deutscher Juden in deutscher Dichtung, deutscher Wissenschaft und ganz besonders an ihre Verdienste um die Vermittlung deutschen Geistesgutes. Die kämpferische jüdische Kritik, ihre aufnehmende, weiterbildende, beschleunigende Kraft müsse von einem vorurteilsfreien Menschen anerkannt und geschätzt werden. Der Snobismus, der in jüdischen Kreisen — aber selbstverständlich nicht nur dort — anzutreffen wäre, sei das Zeichen dafür, daß einzelne jüdische Menschen das Ghetto FAMILIEN - PENSION 1 tlWBtlOBjbfflEllflllS I täglich 5-Uhr-Tee 1 ISENMEDING1 TELEPHON 11 B |Hochstraße 431 _ neben Hotel Panhans fg I§ Mäßige Preisd Zimmer mit Pension S 12.—aufwärts =| M Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser fs §H in jedem Zimmer. |§ s Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein, Besitzer s m mr\ rv^ l^Juli^Uj i^iilüiL--=^d noch nicht ganz abgestreift haben. Dieser Typus wird sich erst in der nächsten Generation umgeformt haben. Aber reicht er aus, um den Antisemitismus, diesen ungerechten, verdunkelnden, volkszerreißenden Instinkt zu rechtfertigen? Er sei die gleiche Barbarei, die darin liege, daß die Deutschen in der Welt verhaßt seien/Beides sei gleich unerträglich, beides müsse mit gleicher Kraft bekämpft werden! Verschwinden müsse auch die jüdische Ueberempfindlichkeit, die dazu treibe, alles für antisemitisch zu halten, auch das, was berechtigter Kritik entspringe. In seinen Schlußworten faßte Ihering das Ergebnis des Zwiegespräches in folgende Sätze zusammen: Eine Zeit, die dem Entscheidungskampf um die Wirtschaftsform der Zukunft führe, könne sich die unfruchtbare Feindschaft des Antisemitismus nicht leisten. Diese Feindschaft führe nicht weiter; sie ergebe nichts; sie sei sinnlos; sie zerreiße die Menschen; sie führe sie fort von Werk und Leistung ins Persönliche und Private. Der Antisemitismus sei taktisch eine Dummheit, und im Wesen gleiche er einem negativen Fetischismus, der jede geistige Entscheidung verhindere. E. R.-J. * Im Wiener Rundfunk wird man eine derartige ernste Auseinandersetzung schwer hören können, dafür um so öfter einen „jüdischen Jargon", der bewußten Juden nur verletzend klingen kann. Die Redaktion. Psychologie des Nationalsozialismus und seine Bekämpfung. Vortrag, gehalten in der ,U n i o n" von Frau (Fortsetzung.) Luise Fischer- Treu. In der Judenfrage zieht der Nationalsozialismus die schärfsten Konsequenzen aus dem, was bisher gesagt wurde. Die Juden sind für ihn nicht nur eine den Deutschen völlig fremde und entgegengesetzte Rasse. Sie wollen nichts wissen von irgend einer geistigen oder Interessenyerflechtung zwischen den andern. Bewohnern Deutschlands rund ■ den deutschen Juden. Für sie sind die Juden ein einheitliches Volk, einig nicht nur unbewußt in seinen körperlichen und seelischen Merkmalen, sondern auch völlig bewußt und zweckhandelnd nach dem Prinzip, alle Güter der Erde an sich zu raffen Echt^Penerteogiche durchwegs günstige Gelegenheitskäufe, werden mit ganz kleinem Nutzen im WIEDNER HÖBELHEIN Inh. JULIUS GÖTZL Handig. beeid. Sactav. u. Schatzmeister IV.,SCHLElFMOHLGASSE1a TELEPHON B 24-1-62 billigst abgegeben; daselbst sind auch elegante Schlaf- und Speisezimmer. Herrenzimmer, teils neu, teils gebraucht, zu verkaufen. und alle andern Völker der Erde, ganz besonders aber die armen Deutschen, ins tiefste Elend und Verderben zu stürzen. Sämtliche auf dem Erdball wohnenden Juden stellen ein zu diesem Zweck wohl organisiertes Heer dar. Die Freimaurerlogen sind es, die gewissermaßen die Diplomatie und den Generalstab dieses jüdischen Kampfheeres darstellen und gegen die sich infolgedessen ebenso der volle Haß richtet. Wenn man sich ganz kurz klar machen will, wie die Gläubigen sich diese Dinge vorstellen, braucht man nur die folgenden Worte zu zitieren: „Auf dem Gebiete der Staatskunst fallen zwischen den Juden alle gesellschaftlichen Unterschiede fort. Der Schnorrer aus Moskau oder Lemberg, der als Agent oder Kommissionär gemeldet ist, soweit er sich nicht ohne Erlaubnis in Deutschland herumtreibt, lauscht neben dem Universitätsprofessor oder Bankleiter im Tempel oder an einem andern heimlichen Ort dem Vortrage des Rabbis, des Generalsekretärs der Allianz, eines Führers der Bolschewiken oder eines Zionisten." So läppisch uns das alles vorkommt, ist es doch eine Tatsache, daß es wortwörtlich geglaubt wird. Ja, wenn der Juden Erwähnung geschieht — und es gibt Kaum eine nationalsozialistische Schrift, in der nicht fortwährend von ihnen gesprochen wird, da geschieht es in einer Weise, als ob die Verschwörung der Juden gegen, die ganze Welt eine ebensolche Tatsache wäre, wie etwa die Existenz des deutschen Volkes auf deutschem Boden. Man muß sich vorstellen, daß das alles für den Nationalsozialismus lebendige Wahrheit ist (zwar sicherlich nicht für die Führer; für diese gehören diese Behauptungen meiner festen Ueberzeugung nach zu der „zwar geistlosen, aber desto erfolgreicheren Propaganda"). Aber wenn der Durchschnitts-Nationalsozialist durch die Leopoldstadt geht und dort einen Juden von östlichem Typ sieht, mit einem langen Bart und mit Handbewegungen, die ihn an Talmudstudium denken lassen, so ist das für ihn nicht nur ein fremdartiger, meinetwegen unsympathischer Anblick. O nein, vielleicht sogar wäre ihm dieser bärtige Jude, wenn er ihn unbefangen betrachtete, recht romantisch-interessant. Aber jetzt sieht er ihn mit einem scheuen Ekel, als die Verkörperung einer minderwertigen, vergiftenden, zersetzenden Rasse, als einen Menschen, der nur die verzerrte Maske eines Menschen angenommen hat, der als lebendiger Hohn auf wirkliches Menschentum herumläuft Kein Wunder, daß sich bei diesen Vorstellungen das Blut in ihm aufbäumt, daß er am liebsten zuspringen möchte und das Scheusal zu Boden schlagen, aus keinem andern Grund, als weil es sich erlaubt wie ein Mensch auf der Straße herumzugehen. Und dabei wird ihm noch bewußt, daß er in diesem Wesen einen Teil der bösen Macht vor sich hat die sein Volk und alle Völker aussaugt und ihm aus größter Not und seelischer Zersetzung einen Herrscher aus seinem eigenen, eklen Blut aufzwingen will. — Sieht dieser Nationalsozialist aber einen europäisch gebildeten Juden, so wird sein Schauder vielleicht noch lebendiger; denn hier hat das Böse sich ja noch viel raffinierter versteckt, hier tritt es gar mit dem Anspruch auf, an denselben Kulturgütern teilzunehmen und sich in dieselbe Gemeinschaft einzufügen. Ist es ein Wunder, daß bei solchen Vorstellungen im Nationalsozialismus die heftigsten Abwehrvorstellungen erwachen, daß sein Instinkt sein rassemäßig bestimmtes Blut, wie er sich einbildet, in Wahrheit aber seine erhitzte Phantasie, ein Zucken in seinen Fäusten hervorrufen, daß er sich kaum enthalten kann, auf diesen Menschen loszuspringen? Man muß sich die Wahnideen, in welche diese Menschen hineingehetzt werden, richtig lebendig, ich möchte sagen plastisch, in ihrer vollen Bedeutung klarmachen, dann begreift man auf einmal, wie es möglich ist, daß junge Menschen zu mehreren über einen würdigen alten Herrn herfallen, der friedlich aus einer Elektrischen steigt wie es in München beim Kommerzienrat Frankel geschehen ist — übrigens einem persönlich und ethisch weit über den Durchschnitt hinausragenden Manne — oder wie es einen ähnlichen Fall beim hiesigen Remarquewirbel gegeben hat LEBENSVERSICHERUNGS-GESELLSCHAFT PHÖNIX WIEN, 1. BEZIRK, RIEMERGASSE 2 Versicherangsbestand per Mitte 1930......... 2450 Hillionen Schflliag Prämiennnd Zinseneinnahmen im Jahre 1929 ...... 125 „ Garantiemittel per Ende 1929 300 . „ Auszahlungen aa'die Versicherteo im Jahre 1929 ......tOlJ, „ „