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Die Wahrheit · 1931-03-27 · Heft 13-14 (27.3.1931) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 13-14 (27.3.1931)
Date
1931-03-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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SIE WAHRHEIT Seite 9 seimwarenlabrik streng EiscnÄHönlgsber.Wlen n., noioaasse 5 Selchwaren und Restauration Vorzüglicher Mittag- und Abendtisch zu bürgerlichen Preisen II.. PralersfroOe 33 (Neben dem Carltheater) •erste polnische Sejm befaßte sich mit einem Qesetzprojekt über Abschaffung der antiiüdischen Beschränkungen, seither hatten sich alle bisherigen Sejms mit einem solchen Gesetz zu befassen. Wenn «die endgültige Erledigung des Gesetzes sich um Jahre verzögert hat, so hat dies für die jüdischen .Bürger keine negativen Resultate gehabt, da die .polnischen Gerichte, voran das Oberste Gericht in Uebereiristimmung mit der Doktrin des polnischen Staates in der Praxis geurteilt haben, daß Beschränkungen gegen Bürger in bezug auf Nation und Religion in Widerspruch zur Verfassung stehen und also keine Geltung haben. Günstige Wendung in der litauischen Staatenlosenirage. Der litauische Innenminister Arawitschus hat im Verlaufe einer Unterredung mit dem Direktor der Jüdischen Telegraphen-Agentur, Jacob Landau, und -dem Leiter des europäischen ITA-Dienstes, B. S m olar, an der auch der litauische Polizeidirektor Nova- Icas teilnahm, eine Erklärung abgegeben, die die Gewähr dafür bietet, daß es zu den befürchteten katastrophalen Auswirkungen der litauischen Ausländerarbeitsverordnung auf die jüdische Bevölkerung dieses Landes nicht kommen wird. Der Minister stellte ausdrücklich fest, daß sich die in dieser Verordnung vorgesehenen Maßnahmen bloß gegen,die seit 1929 eingewanderten Ausländer, nicht aber gegen jene richten werden, die bereits vor diesem Zeitpunkte in Litauen ansässig waren. Da nun die überwiegende Mehrheit der jüdischen Ausländer sich schon vor dem Jahre 1929 in Litauen befand, wird sie von der neuen Regierungsverordnung überhaupt nicht betroffen. Auch für diejenigen Juden, die unter dem Drucke amtlicher Organe in der Provinz Reverse unterzeichneten, in denen sie sich verpflichteten, keine Anstellung. anzustreben, bestehe kein Anlaß zu irgendwelcher Besorgnis, da die Regierung diese Reverse nicht als bindend betrachten werde. Auf die Frage Landaus, warum die Regierung jenen Juden, die bereits länger als zehn Jahre im Lande ansässig sind und daher einen verfassungsmäßigen Anspruch auf ■die litauische Staatsangehörigkeit besitzen, bisher noch nicht das Bürgerrecht verliehen habe, antwortete •der Minister, nach der für den Monat April vorgesehenen neuen Publikation des Gesetzes über die Staatsbürgerschaft werde eine Masseneinbürgerung von Staatenlosen erfolgen. Darüber hinaus sicherte der Minister die sofortige Einbürgerung aller im Wilnaer Distrikt geborenen Personen zu. Bezüglich des Gesetzentwurfes .über eine obligatorische*zweijährige Gerichtspraxis für Rechtsanwaltsanwärter vor der Zulassung zur Ausübung des Anwaltsberufes gab der Innenminister in be- ■stimmtester Form die Versicherung, daß das geplante Gesetz durchaus nicht gegen die Juden gerichtet sei. Die Zulassung der Juden zum Gerichtsdienst stoße in Litauen auf keinerlei Schwierigkeiten, auch gegenwärtig seien drei jüdische Richter an litauischen Gerichtshöfen tätig. Das Gesetz habe ausschließlich die Hebung des Anwaltsstandes im Auge. Die vom Innenminister Arawitschus den Vertretern der Jüdischen Telegraphen-Agentur schriftlich übergebene Erklärung über die Staatenlosenirage, sowie die übrigen Mitteilungen des Ministers haben in den jüdischen Kreisen Kownos ungemein beruhigend gewirkt. Allgemein ist man der Ueberzeugung, daß im Staatenlosenproblem nunmehr eine für die Juden äußerst günstige Wendung •eingetreten ist Die Juden an den Hochschulen SowjetruBlands. Wie aus einer von der Sowjetregierung veröffentlichten Statistik hervorgeht, bilden die jüdischen Hörer einen hohen Prozentsatz an den höheren Schulen Sowjetrußlands. Insbesondere ist ein Andrang von jüdischen Hörerinnen zu den Hochschulen festzustellen. In den medizinischen und pädagogischen Fakultäten bilden jüdische- Studentinnen mitunter mehr als die Hälfte der gesamten Hörerschaft. Neuerdings wird von den jüdischen Studenten das Studium der Volkswirtschaft dem der Medizin vorgezogen. Dies ist darauf zurückzuführen, daß akademisch gebildete Volkswirte eher eine staatliche Anstellung in Moskau und in anderen großen Zentren erlangen können als Aerzte, für die gegenwärtig nur in den vom Zentrum entfernteren Teilen der Sowjetrepublik Anstellungsmöglichkeiten vorhanden sind. ENOELMANN WEINE! mmmmmmmmmmmmmmm Die seit vielen Jahren bestehende, bestrenom. Weinfirma hat auch heuer alle Gattungen rumänischer, ungarischer sowie Palästinenser Spezialitäfsweine am Lager. Streng koscher! Moses Eflgelmann, II., Schiffamtsgasse4 (Eingang Im Hofe) VonWodkexu Wodke Katastrophaler Geburtenrückgang unter den Jodes Berlins. Im Halbjahr Juli bis Dezember 1930 sind in der Jüdischen Gemeinde Berlin bei 1176 SterbefäHen 594 Geburten zu verzeichnen. Demnach sind also in diesem Halbjahr 594- Personen weniger geboren als gestorben. Rechnet man die in Mischehen geborenen jüdischen Kinder dazu, was man ohne weiteres gewiß nicht kann, dann stehen 1176 Todesfällen 722 Geburten gegenüber, so daß selbst bei dieser Rechnung ein Minus von 454 übrig bleibt. Rom. Auf Grund des neuen jüdischen Gemeindegesetzes für Italien werden zur Leitung der jüdischen Gemeinde für eine Periode von sechs Monaten bis zur Vornahme der Wahlen in die neuen Gemeindeverwaltungen Regierungskommissare eingesetzt. Zum Regierungskommissar der Jüdischen Gemeinde Rom wurde der bisherige Vorsitzende der Verwaltung des jüdischen Waisenhauses in Rom, Adv. Pio Tagllacozzo, ernannt. Die Ernennung der Regierungskommissare für die jüdischen Gemeinden, die nach den Bestimmungen des neuen Gemeindegesetzes Angehörige der jüdischen Konfession sein müssen, erfolgt nach Entgegennahme von Vorschlägen der jüdischen Gemeinden durch den Kultusminister. Mit der Ernennung von Adv. Pio Tagliacozzos zum Regierungskommissar der Jüdischen Gemeinde Rom scheidet der bisherige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Adv. Angelo S e r e n i, aus dem Amte, das er über 40 Jahre lang bekleidet hat. Leipzig. In diesen Tagen vollendet Rabbiner Dr. Gustav Cohn, neben Dr. Felix Gold mann zweiter liberaler Gemeinderabbiner Leipzigs, sein 50. Lebensjahr. Dr. Gustav Cohn hat seine Studien in Berlin absolviert, war zuerst neun Jahre lang Rabbiner in Krotoschin, wirkt seit zehn Jahren als Rabbiner in der Leipziger Gemeinde und hat sich als hervorragender Kanzelredner und als Religionslehrer die Sympathien der Leipziger Judenschaft erworben. Als Redakteur des Gemeindeblattes der israelitischen Religionsgemeinde Leipzigs hat sich Dr. Gustav Cohn um das Zeitungswesen der jüdischen Gemeinden Deutschlands verdient gemacht. Auf seine Anregung hin entstand eine Arbeitsgemeinschaft der Schriftleitungen der Gemeindeblätter in Deutschland. Von seinen literarischen Arbeiten sind besonders das vor kurzem erschienene Buch „Der jüdische Friedhof" und seine Beiträge in der Festschrift aus Anlaß des 75jährigen Bestehens der liberalen Synagoge Leipzig zu erwähnen. 50. Geburtstag. Der international, bekannte Kunsthistoriker der Wiener Universität Prof. Dr. Max E i s 1 e r feiert dieser Tage seinen 50. Geburtstag. Prof. Eisler hat auch der; jüdischen Kunst langjährige Studien gewidmet und gehört zu den eifrigsten Förderern junger jüdischer Künstler in Wien. Gesinnungsmäßig steht er im orthodoxen Judentum und hat vor Jahren das soziale Erziehungswerk der Agudah gefördert, wie er auch jetzt sich der „Rußlandhilfe" besonders warm annimmt. Durch seine Arbeiten über die holländische Malerei, insbesondere über Rembrandt und Joseph Israels hat er sich eine hervorragende Stellung in der internationalen Kunstforschungsliteratur gesichert. — In der Pessachwoche feiert der bekannte und beliebte Kantor des Josefstädter Tempels, Herr Josef Grob, seinen 50. Geburtstag. Neben seinen besonderen Leistungen als Kantor ist auch die schriftstellerische Tätigkeit des Jubilars rühmlich hervorzuheben, der unsere Leser schon einige Proben feiner Erzählungskunst verdanken. Grob hat auch als Komponist schon manch Hübsches geschaffen, das seinen Namen in der Musikwelt populär machte. Wir gratulieren herzlichst. ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■um Jüdische Hauskrankenpflegerin mit langjährigen, guten Zeugnissen, hilft auch im Häuslichen mit, wünscht baldigst zu älteren Damen als Pflegerin, Gesellschafterin oder auch als Begleitperson ganz ins Haus oder tagsüber unterzukommen. Rosa Flamm, Wien XK.. Barawitzkagasse 29. Sie Sühlen sich wie in Banse beim Seder im bestrenommierten streng "1273 Restaurant und Hotel A. BÜBSCHAH Unter Aufsicht der israelitischen Kultusgemeinde Wien (Rosch-Beth-Din Rabbiner Josef Babad) Wien II., Große schifigasse Nr. 5 Telephon R 40-1-39 Sederanmeldungen werden schriftlich u. telephonisch entgegengenommen. Erstes Haus für •. Palästinaweine. Karmel, Muskat, Maiaga, Sherry, ungarische Weine, Met und la Sliwowitz nü£J Lieferungen: von 5 Flaschen aufwärts werden n ins Haus zugestellt. w GROSSFLEISCH HAUEREI SIEGM, KORNMEHl WIEN IX., BKHaOASSI NR. 1» FlUALBi XVIII., WAHRINaiRSTRASU 9T Telephon Nr. A 17*99 and A 15-9-34 Ltofanmt für Hallajtstalte« AbtellungenfarKoscherfleisch ■ater Aufsieht 4m «hrwr. RabblnatM mi» lar. Kaltaaa«"B«i"'* WIM« Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Isidor Löwit Zu seinem SOiährlgen Jubiläum als Chordirigent der türkisch-sephardischen Gemeinde in Wien. Vom Königlichen Musikdirektor Aron Frledmann. Oberkantor der jüdischen Gemeinde Berlin, i. R. Mit der Geburt des neuen Kantorats kam auch der moderne jüdische Dirigent zur Welt. Der Kantor sollte ein geschulter Sänger und intelligenter Vorbeter und der Dirigent ein tüchtiger Musiker und Kenner der Harmonie sein. Von den Dirigentenkomponisten sind besonders vorteilhaft bekannt: Mombach-London, Professor David-Paris, Adolf Grünzweig-Arad, David Rubin-Prag und Professor Lewandowski-ßerün1). Unter den jetzt lebenden Chordirigenten ist Isidor Löwit, Wien, mit einer der ersten, der durch seine Tätigkeit und durch sein musikalisches Können den Gottesdienst durch wertvolle Kompositionen bereichert hat. Ihm soll dieser literarische Festgruß zu seinem fünfzigjährigen Jubiläum als Chordirignet dar türkischsephardischen Gemeinde zu Wien gewidmet sein. Isidor Löwit wurde am 1Ü. April 1864 als Sohn des Direktors der „Talmud Thora-bchule" in Wien geboren. Ende der biebzigerjahre wurde sein Vater in gleicher mgenscnait an aie sephardiscne Talmud Thora-bchule berufen. Er führte den Knaben selbst in den Geist der tubel und des Tadmuds ein, ließ ihn aber gleichzeitig auch die Volks-, dann die bürge rschule, die damals den Lehrston der Mittelschule hatte, besuchen. Und da der Knabe gute musikalische Anlagen zeigte, schickte er ihn auis Konservatorium. Dort studierte er Violine und Klavier; Professor Frößnitz unterrichtete ihn in der allgemeinen Musiklehre, Professor Robert Fuchs in Kontrapunkt und Harmonielehre, und bei den Professoren Schmid und Gänsbacher studierte er Gesang. Da sich vom sechsten Jahre an eine schöne Altstimme bei Löwit zeigte, nahm ihn Überkantor Josef Goldstern vom Leopoldstädter Tempel in seinen Chor auf, wo er zehn Jahre als Altist mit selten schöner Stimme Wieb. Deshalb wurde er sehr oit in die btadt beruten, um auszuheilen, wo Professor Sulzer ihn sehr liebgewann. Löwit war der Liebling Goldsteins, der ihn zu seinem 25jährigen Chasenjubiläum mit nach Neutra nahm, wo Löwit, 13 Jahre alt, zum ersten Male fungierte. Diese Zuneigung übertrug sich ins Mannesalter, wo beide innig belreundet waren. Mit 16 Jahren verließ Löwit den Chor, um sich seinen musikalischen Studien ganz zu widmen. Auch in den profanen Wissenschatten bildete er sich weiter. Nach kurzer Mutaoonszeit entwickelte sich die Stimme zu einem schönen klangvollen Bariton mit Tenortimbre. Um diese Zeit trat der damalige Vorsteher der türkisch-sephardischen Oemeinde. Herr Markus Russo. an den Vater Löwits heran und machte ihm dSe Mitteilung, daß der Vorstand seiner Gemeinde sich entschlossen habe, den Gottesdienst zu modernisieren, d. h. sie beabsichtige, zum ersten Male einen Kantor und einen Chor einzustellen. Er, der Vater von Löwit. möge doch durch seine Beziehungen und Bekanntschaften in den aschkenasischen Gemeinden ihm behilflich sein und ihm diesbezügliche Vorschläge machen. Sein Vater, durch seine große Gelehrsamkeit und Rechtlichkeit in allen Wiener jüdischen Kreisen bekannt und sehr geachtet, schlug seinen Sohn Isidor vor, da er, von der Schule Goidstein und Sulzer, sich dem Kantorenfache widmen sollte. Jedoch war seine Jugend, er war kaum 17 Jahre alt und hatte" außerdem noch gar keine Uebung, ein Hindernis, und Herr Russo wagte nicht, einen ledigen Chasan zu engagieren. Zumal das ganze Unternehmen ein Experiment war und der Vorsteher nicht voraussagen konnte, wie die geplante Neuerung von der Gemeinde, die sehr konservativ war, aufgenommen wurde. Da aber der junge Mann eine schöne Stimme hatte und Kenntnisse in der Synagogenmusik besaß, so glaubte Herr Russo, daß Löwit sich zur Gründung und Leitung des Chores am besten eigne und engagierte ihn als Chordirigenten. Als Oberkantor empfahl der Direktor Löwit Jakob Bauer aus Graz dessen Probevortrag gefiel und der daraufhin angestellt wurde. Er trat sein Amt am 6. Jänner 1881 an. Bis zum Sabbat hagodol iungierte Bauer ohne Chor. Während dieser Zeit stellte Isidcr Löwit einen Chor zusammen der aus 16 Knaben und 3 Männern bestand. Der erste Tenor war der nachmalige Oberkantor S. Dummermann mit einer herrlichen Stimme begabt; als erster Baß wurde M. Klein engagiert, ein Studienkollege von Löwit und nachmaliger Theaterdirektor in Czernowitz und in Königsberg. Ostpreußen: der zweite Baß war Herr Joset Feldmann, ein äußerst tüchtiger Chorsänger. Löwit und Bauer ergänzten sich gegenseitig, wie seinerzeit in Berlin Lichtenstein und Lewandowski ) Minkowski: Vortrag, gehalten in dem Brodyer Tempel zu Odessa, zur Feier des 40jährigen Amtsjubiiaums des Chordirigenten David Nowakowski (1910)

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