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Die Wahrheit · 1931-03-27 · Heft 13-14 (27.3.1931) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 13-14 (27.3.1931)
Date
1931-03-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE WAHRHEIT f> r ~ \ « % * c i f i ir i \ *! Die bereits bekannten und als die besten anerkannten amerikanischen Telephon R 41-5-19 HAZZOTH und GRIESS wieder in Wien Generalvertretung: Brüder Wefnreb,».. Taborsfr. 6Z Kultusgemeinde warf und ebenfalls ihre drohende Politisierung kritisierte, eine lebhafte organisatorische Debatte über die Notwendigkeit des Ausbaues dieser wächtigen Bezirksorganisation der „Union". Ihr Ergebnis war die Einsetzung eines Leitungskomitees, das die Aufgabe erhielt, Vorbereitungen für eine starke Propaganda- und Werbetätigkeit in diesem Bezirke zu treffen. Jüdisdhe Itkwentafel Neapel. Im Alter von kaum 30 Jahren verstarb der Leiter des Physiologischen Instituts der Universität Neapel Prof. Dr. Enrico S e r e n i, der sich trotz seiner Jugend bereits einen hervorragenden Ruf als Wissenschaftler gesichert hatte. Prof. Sereni stammte aus angesehener jüdischer Familie. Sein Vater ist der königliche Leibarzt Prof. Samuele Sereni. Rom. In der letzten Sitzung der päpstlichen wissenschaftlichen Akademie hat der junge südische Gelehrte Dr. Arnoldo Momigliani einen Vortrag über das Thema „Antisemitismus in Alexandrien im Zeitalter Philos" gehalten. Dr. Momigliani ist für eine Professur für Geschichte des Altertums an der Universität Rom vorgeschlagen. Washington. Der amerikanische Senat hat die Ernennung von George Z. Medalie zum Staatsanwalt für den Süddistrikt von New York und Simon E. Sobeloff zum Staatsanwalt für Maryland bestätigt George Medalie ist Schatzmeister des Verbandes der jüdischen philanthropischen Gesellschaft und des jüdischen Landeswaisenhauses. Direktor des Washingtoner Zweiges der Young Men's Association und Mitglied des Administrative Committee des amerikanischjüdischen Kongresses. Sobeloff ist Vizepräsident der Großloge Bnei Brith in Baltimore, Direktor der Vereinigten jüdichen Wohlfahrsinstitutionen und des jüdischen Schiedsgerichtes. New York. Präsident Hoovei hat in einer Botschaft an das New Yorker Nathan-Straus-DenkmalkomStee erklärt, er habe stets für den verstorbenen Nathan Straus höchste Bewunderung gehegt und werde sich freuen, das Projekt der Errichtung eines Denkmals für ihn zu fördern, sobald dieses Projekt feste Formen angenommen haben würde. Die Mitglieder der - Nathan-Straus-Denkmalkomitees sind davon überzeugt, daß Präsident Hoover sich bereit erklären wird, den Ehrenvorsitz des Komitees zu übernehmen. Präsident des Denkmalkomitees, dem hervorragende amerikanische Industrielle als Mitglieder angehören, ist Dr. John A. Harriss. Ueber die Art, in der das Denkmal ausgeführt werden solL und über die Frage, ob es in New York oder in Washington errichtet werden wird, wird erst entschieden werden. Auch über die Frage, in welcher Form die notwendigen Mittel aufgebracht werden sollen und ob die Kampagne auf die Vereinigten Staaten beschränkt oder auf andere Länder ausgedehnt werden soll, denen die Wohlfahrtsarbeit Nathan Straus* zugute kam. ist noch keine Entscheidung getroffen worden. Frankfurt a. M. Martin B u b e r. der als Honorarprofessor an der Universität Frankfurt a. M. lehrt, hat einen Lehrauftrag für Religionswissenschaft erhalten. Sein bisheriger Lehrauftrag für jüdische Religionswissenschaft und jüdische Ethik ist zurückgezogen worden. Rom. Im Alter von 75 Jahren verstarb in Rom der berühmte jüdische Orientalist Davide Diaz de Santilliana, Professor für muselmanisches Recht an der römischen Universität und Mitglied der italienischen Akademie der Wissenschaften. Im Auftrage der französischen Regierung hatte er eine Kodifizierung des muselmanischen Rechtes vorgenommen, die in der ganzen Welt als autoritativ gilt. Bern. An der Universität Bern ist der Privatdozent Dr. Artur Stein zum a. o. Professor für Philosophie ernannt worden. Stein, ein Sohn des verstorbenen Philosophen Ludwig Stein, habilitierte sich 1920 in Bern, wo er seit einigen Jahren einen Lehrauftrag für KulturphUosophie hat Er veröffentlichte eine Untersuchung über den Begriff des Geistes bei Dilthey. eine Arbeit über Nietzsche und die Wissenschaft und ein preisgekröntes Buch „Pestalozzi und die Kantsche Philosophie." Cafe Carltheater (Sitz des österr. Kaniorenverbandes) Wien II.. Praiers<ra0e 29 Wahrend der Pessachfeiertage Kafffee und erstklassige HOB bo *TK3 GetrSüke Wahrheiten vom Ja&e „Juden Eintritt verboten." Beim Staatsanwalt der Stadt Schönfeld bei Elbogen in Böhmen sollten unsere rechtsgelahrten Staatsanwälte in die Schule gehen. Er hat in dem Verhalten der nationalsozialistischen Ortsgruppe dieses Städtchens, die den Einladungen zu einer Tanzunterhaltung die bekannte Bemerkung beifügte: „Nur Deutsche arischer Abstammung haben Zutritt!" eine Aufhetzung zum Hasse gegen einzelne Gruppen der Bevölkerung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität und Sprache erblickt und den Vorsitzenden dieser Ortsgruppe deshalb belangt Der Gerichtshof sprach den Angeklagten schuldig und verurteilte ihn zu 200 Kc Geldstrafe oder acht Tagen Arrest Wir'sind die letzten, die dafür plädieren, daß Juden Veranstaltungen besuchen sollen, in denen sie nicht gerne gesehen werden. Die Juden können daher auch ohne besondere Kränkung Tanzunterhaltungen meiden, bei denen nur arische Beine geschwungen werden sollen. Wenn wir also das Auftreten des; Staatsanwaltes des kleinen böhmischen Städtchens unserem Herrn Pressestaatsanwalt zur Beachtung empfehlen, so geschieht dies beileibe nicht, um uns Eintritt in nationalsozialistische Veranstaltungen zu verschaffen, denn diese werden von Juden auch ohne den Hinweis ihrer Mißliebigkeit gewiß nicht besucht werden. Der Hinweis als solcher stellt aber eine Rechtsverletzung dar, dessen ist man sich in Schönfeld bei Elbogen schon bewußt, in Wien hat das halt wie Jedes gut Ding seine Weile. Die hundertste Friedhofschändung. Die Kulturwelt eriiält dieser Tage die niederschmetternde Nachricht von der hundertsten in Deutschland während der Nachkriegsjahre erfolgten Schändung eines jüdischen Friedhofes. Die ungeheuerliche Tatsache dieser langen Reihe der traurigsten aller Verbrechen wird die tiefste Empörung in allen Kreisen auslösen. In dem badischen Städtchen Schriesheim an der Bergstraße (bei Heidelberg) wurden vor wenigen Tagen zwei Kindergrabsteine auf dem israelitischen Friedhof umgeworfen und ein anderer Denkstein mit Kot beschmutzt. Zwei Täter hat die Gendarmerie festgestellt. Die Rohlinge, die Mitglieder der nationalsozialistischen Partei sind, sehen hoffentlich einer empfindlichen Strafe entgegen. Die christliche Bürgerschaft. Schriesheims, die immer mit den Mitgliedern der Israelitischen. Gemeinde in Frieden lebte, ist über die rohe Tat einmütig empört. Antisemitische Mordbuben. In Königsberg i. Preußen überfielen a n t isemitisch verhetzte Gymnasiasten den jüdischen Handlungsgehilfen Arthur Knopf und verletzten ihn durch Sti che in die Herzr gegend, die sie mit einer Nagelfeile ausgeführt haben,' lebensgefährlich. Knopf liegt bewußH los im Krankenhaus. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Die dem nationalsozialistischen Jugendbund angehörenden 17 jährigen Gymnasiasten Sprigat und Randelstedt, die auf Knopf einstachen, gaben zu, aus Antisemitismus gehandelt zu haben. Charlie Chaplins jüdische Abkunft Am Tage seiner Ankunft in Wien hatte ein Redakteur der „Neuen Freien Presse" ein längeres Gespräch mit dem Filmliebling Charlie Chaplin. Der Meisterkomiker sprach in diesem Interview auch von seinen Eltern, von der schwermütigen Ghettoschönheit seiner Mutter, der Schauspielerin Florence und von den Wunderlichkeiten seines Vaters, der als Jargonkomiker ix\ kleinen Londoner Varietes auftrat. Von der Armseligkeit des Londoner Ghettos, in dem Chaplin zur Welt gekommen ist und das er nun wieder besucht! hat, wandte sich das Gespräch der Rassenfrage zu. Voir dem Negerproblem der Vereinigten Staaten ausgehend, meinte Chaplin: „Ich weiß sehr gut, wie? weh es tut, wegen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse Erniedrigungen und Zurücksetzungen ausgesetzt zu sein. Und darum versteht es sichwohl eigentlich von selbst, daß ich überzeugter Anhänger der G1 eü c h b er ech tigungallerRassenbi n." Hitler erobert Ramänien. Der Siegeszug Hitlers, der bekanntlich auch ins nichtgermanische Ausland vordringt, hat jetzt zur Eroberung Rumäniens geführt. Freilich kommt er nicht als triumphierender Cäsar, als flammenumsprühter Drachentöter. Seine Eroberung vollzieht sich „moralisch" — wenn dieses Wort im Zusammenhang mit seiner Bewegung gestattet seL. Auf einem Kongreß der Cuza-Pogromisten erklärte einer der Redner, der Völkerbund sei eine gemeine, verjudete Gesellschaft. Zur Verteidigung der Interessen des christlichen Europa werde eine Weltliga mit Cuza und Hitler an der Spitzegegründet werden. Außerhalb des nationalsozialistischen Lagers würde es absurd klingen, den Erwecker des Wotansglaubens und Schildträger des- Germanismus Seite an Seite mit dem Fanatiker des Romanentums aufzurufen. Hitler selbst, der ja als kapitalistenfeindlicher Unternehmerfreund gern mftr den heterogensten Begriffen Ball spielt, wird sichvermutlich nicht scheuen, auch ein derartiges Programm zur Abwechslung einmal zu versprechen. Vielleicht sagt er sich im stillen, daß zwar die Rumänen keine Germanen sind, der große Adolf aus: Böhmisch-Braunau aber — hm? Die antijüdischen Zarengesetze In Polen endgültig; abgeschafft. Das Plenum des polnischen Sejm hat sich noch einmal mit der Gesetzesvorlage betreffend Abschaffung der noch aus der Zarenzeit und aus der Zeit der auswärtigen militärischen Okkupationen in Polen stammenden gesetzlichen Beschränkungen* gegen die jüdische Bevölkerung Polens befaßt und die betreffende Regierungsvorlage mit den vom Senat beschlossenen Abänderungen an gen omni e n. Mit diesem Beschlüsse des Sejm ist die Gesetzesvorlage in Kraft getreten, die antijüdischen Gesetzesbeschränkungen sind somit endgültig abgeschafft. Es handelt sich um die Abschaffung von Gesetzesbeschränkungen, die sich auf Nationalität, Sprache, Rasse und Religion der Juden in Polen beziehen. Der Sejm hatte das Gesetz bereits vor einigen Wochen in dritter Lesung angenommen, da aber der Senat einige Aenderungen beschlossen hatte, mußte das Gesetz noch einmal den Sejm passieren. Vor der Abstimmung über die Vorlage hielt der Referent Abg. Podoskidie folgende Ansprache: Hoher Sejm! Wir schreiten an eine Abstimmung, die den Schlußstein setzen soll zu jener gesetzlichen Tätigkeit des polnischen Staates, die auf den Prinzipien der Toleranz und der Gleichheit aller Bürger ohne Unterschied der Nationalität und der Religion vor dem Gesetze beruht. Schon der Herrennnd Dieiier Nur Ia-Qualitäten nach Maß und fertig lagernd, eventuelle Zahlungserlekhte* rangen bis zu 1 Jahr werden gewährt lEIDER-UNK» LWlENvlKasemena.6 TeLB20243 i

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