Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 13-14 (27.3.1931)
- Date
- 1931-03-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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U1E WAHRHEIT seile 1 Einzig In nUleleuri sind die Vortrefflich - Plazzorti der bestrenommierten l. Wr. orthodoxen Mazzothfabrik, welche unter streng orthodoxer Aufsicht des ehrw. Rabbinates der isr. Kultusgemeinde Wien erzeugt werden. — Atteste der größten DttliO» Durch die modernsten technischen und hygienischen Einrichtungen bin ich in der Lage, sämtliche JTCfÜ und feinsten lichten Grieß, wie auch die dünnsten Mazzoth aus dem garantiert feinsten Nulle rm e h 1 PDS b& streng orthodox zu erzeugen. Separate Abteilung für Bäckereien nD2 in großer Auswahl und bester Qualität zu den billigsten Preisen. Fabrik: Israel voRincrrucn u*- Verkaufs§iellen Wien Ii., Obere Autfartenstrafie 52 Telephon A 41-4-9« in Wirtschaftskrise und Antisemitismus. Üeber dieses aktuelle Thema sprach Mittwoch, den 18. d. M., Herr Ludwig K e 11 n e r in einer äußerst gut besuchten Mitgliederversammlung der Bezirksorganisation Floridsdori der „Union", deren Vorsitz der Obmann Dr. Julius Qrünwald inne hatte. Der Referent führte u. a. aus: Eine würgende Wirtschaftsnot erfaßt seit dem Ausgange des Krieges beinahe die ganze Welt. Sieger und Besiegte, wenn man angesichts der enormen Opfer an Menschenleben, der Verschleuderung von ungeheuren Nationalgütern und der Erschütterungen des Wirtschaftslebens überhaupt von Siegern sprechen kann, wurden von ihr in Mitleidenschaft gezogen. Diese Erscheinungen hat aber jeder Krieg mit sich gebracht; eine der beschämendsten Nachkriegserscheinungen jedoch ist das heftige Aufflammen des Antisemitismus in fast allen kriegführenden Ländern, besonders aber in Deutschland und Oesterreich. Ein dringendes Gebot der Stunde ist die Revision der wahnwitzigen Friedensverträge, die Wirtschaftsgebiete sinnlos auseinander gerissen und Deutschland Lasten auferlegt haben, die es niemals abzutragen imstande sein wird. Die Aufrechterhaltung der enormen Verpflichtungen würde Deutschland und naturgemäß auch Oesterreich dem wirtschaftlichen Zusammenbruche zutreiben. Die Wirtschaftsnot besonders in diesen beiden Ländern beginnt auch schwerwiegende politische Folgen nach sich zu ziehen. Das Problem, das uns hierbei interessiert, ist die Judenfrage, denn sie ist für uns hauptsächlich ein Wirtschaftsproblem gewordeni Zu den Kampfmethoden unserer Gegner — politischer Druck, Exzesse, Pogrome — treten neue, weit gefährlichere Erscheinungen, wirtschaftlicher Druck, wirtschaftlicher Boykott der Juden, Ausschaltung von Aemtern und Stellen. Die Juden — ein bewährter Blitzableiter für alle Verfehlungen und Verbrechen, die andere begangen haben, wurden beschuldigt, den Krieg angestiftet, seinen Zusammenbruch verschuldet, sich hierbei maßlos bereichert zu haben, wobei man vergißt, daß 80 Prozent aller Juden selbst in bitterster Not leben. Während vor dem Kriege Judenverfolgungen nur in Rußland- und Rumänien auf der Tagesordnung waren, ist das Wort „Pogrom" von hetzerischen Führern in den Wahlkämpfen in Deutschland und Oesterreich in die Massen geschleudert worden und hat besonders bei der Jugend heftigen Anklang gefunden. Diese furchtbar irregeleitete Jugend, ohne. Arbeit und auf Jahre hinaus auch der Aussicht auf eine solche beraubt, ist in hellen Scharen in das Lager, der Nazis in Deutschland und Oesterreich geströmt und glaubt dort das Heil zu finden. Die studierende Jugend gefällt sich in antisemitischen Hetzreden, verprügelt, statt zu studieren, lieber jüdische Studenten. In Oesterreich ist leider auch das mittlere Bürgertum, durch Krieg und Inflation um seine Ersparnisse gebracht, ein guter Nährboden für die antisemitische Hetzpropaganda geworden. All das sind Folgen einer Wirtschaftskrise, die an Heftigkeit alles bisher Dagewesene übersteigt. Die Wirtschaftskrise ist ein Problem, das wir in Deutschland und Oesterreich nicht allein lösen werden, was wir aber bekämpfen müssen und bekämpfen können, ist die Macht des Antisemitismus. Aber in diesem Kampfe sind wir allein auf unsere Kraft angewiesen, keine politische Partei wird uns helfen, auch die Presse steht uns nicht zur Verfügung, wenn man auch fälschlich immer von der Macht der Judenpresse spricht. Wir verlangen nur etwas Selbstverständliches, die Einhaltung der uns staatsgrundgesetzlich gewährleisteten Rechte und finden da Gegner selbst in unseren Reihen, denn die Zionisten wollen durch ihre Politik uns zu einer nationalen Minderheit mit all ihren gefährlichen Folgen für uns Juden herabdrücken. Einzig und allein die „Union" hat es sich zum Ziele gesetzt, unablässig und zähe für die Wahrung unserer Rechte einzutreten. Vielfach scheitert der Erfolg dieser Tätigkeit an der Teilnahmslosigkeit der Juden selbst, die die Gefahren nicht erkennen oder nicht erkennen wollen, die uns von allen Seiten drohen. In diesem Kampfe brauchen wir vor allem die Jugend. Für sie führen wir den Kampf, ihr wollen wir Wegebereiter sein. Dem mit großem Beifall aufgenommenen Referate des Herrn L. Kettner folgte eine lebhafte Debatte. Dr. Ernst Feldsberg knüpfte an die Schlußausführungen des Vorredners an und sprach von der Notwendigkeit der Erfüllung der Jugend mit religiösem Geiste. Er wandte sich in entschiedener Weise gegen die Politisierung der Jugend durch den jüdischen Nationalismus, der gewaltige Gefahren für das österreichische Judentum in sich berge. Sekretär Rudolf Hlawatsch sprach sehr wirkungsvoll von den allgemein schädlichen Wirkungen des nationalsozialistischen Boykotts. Doktor Karl Steiner appelliert.an die Frauen und die Jugend, sich in der „Union" zu organisieren, die berufen sei, den Abwehrkampf gegen den immer drohender werdenden Antisemitismus zu führen. Lebhaft akklamiert, ergriff nun Präsident Dr. J. O r n s t e i n das Wort, der, ausgehend von den herannahenden Pessachfeiertagen, aus der Geschichte des Judentums markante Stellen hervorhob, die beweisen konnten, daß das Judentum ebenfalls ruhmreiche Helden besaß, deren Vorbild die jüdische Jugend aneifern sollte. Die Kenntnis der jüdischen Geschichte ist daher für unsere Jugend ungemein notwendig, die Vertiefung in diese Geschichte wird ihr die Kraft zum Ausharren auch in dieser schweren Zeit geben. In Anlehnung an das erste Gebot stellte der Redner die Wichtigkeit der beiden jüdischen Grundsätze fest: Liebe Deinen Glauben und liebe die Freiheit! Dem Freiheitsbilliger!... Diese Prachckasecte enthält 6 massive Löffel, 6 Gabeln, 6 Messer, 6 Kaffeelöffel — alles feinstes Silber f Und koa" nur S185.- weil wir sie für das Ausland in Serien erzeugen. OESTERREICHER Juweliere u. Silberschmiede I •Wippünger&r.ij kämpfe waren seit jeher die besten Kräfte des Judentums gewidmet, diesem Kampfe soll auch unsere Jugend dienen. In später Stunde schloß Obmann Dr. Julius G r ü n w a 1 d die Versammlung, die sich würdig den bisherigen gelungenen Veranstaltungen der rührigen Bezirksorganisation XXI der „Union** anreiht. Seit vielen Jahren das anerkannt beste Jahrzeitlicht tw^-nötw Ma achte auf die ges. gesch. Marke „Hyglen.Königslkht" und Name Schulz Fabrik und Büro : Wien XIV., Braunhirschengasse 3 Telephon R 33-1-87 Die Wiener Kultusgemeinde steht vor der Budgetberatung pro 1931. Die „Union deutschösterreichischer Juden" hat sich deshalb veranlaßt gesehen, eine Anzahl ihrer letzten Bezirksversammlungen dem interessanten Thema „Die Aufgaben der Kultusgemeinde" zu widmen. Solche Versammlungen fanden dieser Tage in der Bezirksorganisation WVII (Obmann Adolf Taub), in der Bezirksorganisation III/XI (Obmann Ing. Hugo Koditschek) und in der Bezirksorganisation X (Obmann Komm.-Rat Carl Weis) statt In den beiden erstgenannten Versammlungen referierte Dr. Ernst F e l d s b e r g, der an Hand des Verwaltungsberichtes der Kultusgemeinde pro 1930 die Tätigkeit dieser Institution auf religiösem, kulturellem und sozialem Gebiete beleuchtete. Er umriß damit die tatsächlichen Aufgaben der Kultusgemeinde und wandte sich dann den Gefahren zu, die eine Politisierung dieser Repräsentanz der Wiener Judenschaft für das Judentum heraufbeschwören könne. Der Referent beschäftigte sich in kritischer Weise mit der von den Jüdischnationalen neuerdings propagierten Umwandlung der Kultusgemeinde in eine Volksgemeinde und bewies die Unmöglichkeit, ja Schädlichkeit dieses Planes mit schlagenden Argumenten. In beiden Versammlungen war auch der Vizepräsident der Kultusgemeinde, Herr Dr. J. O r n s t e i n, erschienen, der aus der täglichen Arbeit der Kultusgemeinde interessante Mitteilungen zu geben vermochte, die mit großem Beifall aufgenommen wurden. Namentlich seine Ausführungen über die Tätigkeit der Kultusgemeinde auf sozialem und religiösem Gebiete fanden lebhaftes Interesse und laute Zustimmung. Von den verschiedenen Diskussionsreden wäre besonders die Feststellung des Herrn Fürsorgerates Rudolf Hlawatsch zu erwähnen, daß auch die Politisierung der Kultusgemeinde durch die Sozialdemokratie von Schaden sei. In der Kultusstube sei nicht der Platz für die Verwirklichung sozialdemokratischer Programmpunkte, dort dürfe einzig und allein die religiöse Einstellung maßgebend sein. Die Versammlung der Bezirksorganisation X war für die „Union" von besonderer organisatorischer Wichtigkeit Denn hier folgte auf die Ausführungen des Referenten Reg.-Rat Dr. Max Lenk, der interessante Streiflichter auf die Tätigkeit der