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Die Wahrheit · 1931-03-27 · Heft 13-14 (27.3.1931) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 13-14 (27.3.1931)
Date
1931-03-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite ö DIE WAHRHEIT HOTEL GUTH, Wien IL, HoUandslrafte Nr. 14 Wie alljährlich Teranstalte ich auch heuer am 1. and 2. April zwei feierliche SEDER-ABENDE unter Laltung eine« erstklassigen Kanters. JOSEF GUTH, Hotelier und Resraurateur. Beginn 8 Uhr Gewöhnliche Preise_ Speisen a la carte / Feinste Palastina- und Ungar-Weine, Met, Slibowitz und Trebern (Von 5 Flaschen aufwärts freie Znstelinns Ins Hans) / Hagadah liegt bei jedem Gedeck auf. / Platzreservierung In Hotel-Buro oder bei den Oberkellner / Anerkannt vorzügliche Küche Achtung Prima garantiert reines koscheres ausgekochtes Gansfett per kgS4.— nur bei Fritz Herrmann, Wien EL, Glockeng. 9 Tel. R 45-0-19, zu haben. Patriarchen von seriöser wissenschaftlicher Seite bestritten wurde und in der führenden Berliner „Zeitschrift für Völkerpsychologie" Abraham, Isak und Jakob als schemenhafte Personifikationen von Sonne, Mond und Himmelssternen hingestellt wurden. Gegen diesen, oft auf Nichtigkeiten sich stützenden Vorgang der Uebertragung der Mythenbildung auf die Darstellungen der heiligen Schrift war hauptsächlich der im Rahmen der „Union" gehaltene Vortrag des dem Dominikanerorden angehörenden Professors Dr. Zapletal gerichtet. Mit einem, zumal aus der arabischen Kulturwelt geholten, reichem wissenschaftlichen Rüstzeug ausgestattet, versuchte der Vortragende zunächst den Beweis zu erbringen, daß der Name des Helden „Simson" keinesfalls das Recht gewähre, in ihm die Wiedergabe eines „Sonnenkultus" zu erblicken. Im Morgenlande, so erklärte der Gelehrte, sei es gebräuchlich, Kosenamen nach Himmel, Sternen «nd Tieren den Kindern beizulegen, ohne daß durch das Attribut das tragende Subjekt aufgehoben würde. Man darf ruhig hinzufügen, daß dies auch im kühlen Abendlande bis zur Stunde stattfinde. Wenn eine Mutter ihrem Sohne einen Brief mit dem Anrufe: „Mein sonniger Junge" schreibt, oder wenn man an den „Sonnen-König" Frankreichs denkt, bedarf es wohl nur einer starken ungesunden Phantasie, um die Behauptung zu wagen, daß darunter nicht Wesen von Fleisch und Blut zu verstehen wären. Professor Zapletal behandelte sodann in seinem ebenso inhaltlich gediegenen, wie sprachlich angenehm anmutenden Vortrag alle jene Handlungen Simsons, die wegen ihres die gewöhnliche Norm überschreitenden Maßes die Theorie des „Fabulierens" angeblich unterstützen sollen. Auch da scheint die realistische Gegenwart der verrauschten idealistischen Vergangenheit Hilfe zu leisten. Man denke nur an jenen Sohn des Judentums, der erst vor wenigen Jahren unter einem Namen, der vielleicht von Kritikern der fernen Zukunft bloß als Symbolisierung ungewohnter und ungeahnter Kräfte anerkannt werden dürfte: „Eise nbart", - als ein neuer Simson sich erwies. Prof. Dr. Zapletal, dessen von einem Gerhart Hauptmann-Kopf geschmückte ehrwürdige Gestalt sich bald die Sympathien der Zuhörerschaft eroberte, verstand es, nicht bloß die Zustimmung zu dem Inhalte seiner Ausführungen zu erlangen, sondern auch den Wunsch nach weiteren Vorträgen auszulösen. Simsons Zeit bedürfte ebenso wie der Held selber einer besonderen eingehenden Behandlung. Man vergesse nicht daß der Volksstamm der Philister, der dem heiligen Lande seinen später latinisierten Namen aufgedrückt hatte, im allgemeinen und sein starkes Auftreten im Zeitalter des biblischen Riesen im besonderen noch der näheren wissenschaftlichen Forschung harrt. Im Mittelalter galt für die Klöster der katholischen Geistlichkeit die didaktische Vorschrift: Lege biblia, relege biblia, repete biblia. Es wäre erfreulich, Herrn Professor Dr. Zapletal mindestens noch ein-, zweimal auf dem von Judentum wie Katholizismus als unantastbar heilig erachteten Reiche der biblischen Geisteswelt begegnen zu können. Jüdisches Museum. Angeregt durch die verschiedenen jüdischkulturellen Veranstaltungen der „Union", war in weitesten Kreisen der Mitgliedschaft dieser Vereinigung der Wunsch geäußert worden, dem Jüdischen Museum einen Besuch abzustatten. Diese Exkursion fand nun Sonntag, den 22. d. M., vormittags, statt. Die zahlreichen Teilnehmer wurden durch den bewährten Museal-Kustos Prof. Doktor J. Bronner in liebenswürdigster Weise empfangen und verbrachten unter seiner Führung in den Räumen des Museums mehrere anregende Stunden. Prof. Dr. J. Bronner begrüßte die Erschienenen zugleich im Namen des verhinderten Präsidenten des „Vereins zur Erhaltung des Jüdischen Museums", Hofrat Dr. S. Frankfurter. Der Kustos hielt hierauf eine einführende Ansprache, der zu entnehmen war, daß das 1895 von Baurat Wilhelm Stiassny s. A. gegründete Wiener Jüdische Museum unter den seit den letzten Jahren :n vielen westeuropäischen Städten gegründeten Museen tatsächlich erstrangig ist. Bedenkt man, mit welchen Schwierigkeiten verschiedener, besonders aber finanzieller Art diese der österreichischen Judenschaft zur Ehre gereichende Institution kämpfen muß, so muß man der Gesellschaft, die das Museum erhält und aushallt, großen Dank wissen. Die Gesellschaft verfügt heute nur über 450 Mitglieder, deren Beiträge natürlich die Kosten der Erhaltung des Museums nicht decken können. Denn das jährliche Budget des Museums beträgt zirka 7000 Schilling, ein lächerlich geringer Betrag gemessen an dem horrenden Budegt des Berliner Museums, das 30.000 Mark beträgt. Das Museuni ist nun auf Subventionen und Spenden angewiesen, die wohl dank der Rührigkeit der Leitung der Gesellschaft aufgebracht werden, bei weitem aber nicht jene Höhe erreichen, die notwendig wäre, um das Museum auch weiter auszubauen. Diesem Ausbau stehen aber auch die mißlichen räumlichen Verhältnisse entgegen. Die Teilnehmer, der „Union"-Exkursion konnten sich davon überzeugen, daß die zahlreichen Schätze, die dieses Museum birgt, recht und schlecht in wenigen Räumen untergebracht sind, so daß ein Ueberblick schwer möglich ist. Die hochbedeutsame Sammlung zahlreicher Urkunden, Porträts, Abbildungen und verschiedenen anderen Materials zur Geschichte der Juden in Wien, im heutigen Oesterreich und in den Ländern der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie sind in einem verhältnismäßig kleinen Saale untergebracht, während dieses interessante Material sicherlich durch Placierung in mehreren Sälen erst recht zur Geltung käme. Angesichts dieser Zusammendrängung geht die Uebersicht verloren, denn wenn das Material des Mittelalters, der Emanzipationszeit und der Neuzeit eng nebeneinander, ja teilweise durcheinander untergebracht ist, dann vermag der Besucher nicht sinn- und zeitgemäß diese verschiedenen Epochen der Ge- Palästina-Produkte «armel-Weine / Jana Orangen / Jalia-flrape freite / Smemen omen Ol / ctiederan-nontg Alle Sorten Mazzoth und Mazzoth-Grieß sowie sämtliche Spezereiwaren und Sliwowitz fTOS bv liefert zu sehr billigen Preisen direkt ins Haus S/LPIVEI, HAEPERN, Wien n., föTsierg. 6 / Nene Tel.-Nr. A 46-4-12 ..................na...a..........n : Berühmte jüdische Planner ■ s nnd fraucn in der Musih i ■ mTm™"— B * U.A. Alfred Grünfeld, Bronislav Hubermann. Fritz ■ B Kreisier, Moszkovsky, Rubinstein, Jascha Heifez, g ■ Jehudo Menuhin, Alischa Elmann, Josef Rosenblatt, ■ J Sulzer, Duschirin, Erika Morini und das Rose- 5 ■ Quartett können Sie jederzeit in Ihrem Heim auf ■ ■ elektrisch aufgenommenen Schallplatten hören. ■ ■ Ausführliche Verzeichnisse auf Wunsch kostenlos im ■ S Musikhaus LEO TUBLIN S S Cmiusllc-lJnlonl g S Wien L, Jasomirgottstraße 6. — Tel. U 26-9-84, 5 schichte der österreichischen Judenheit an seinem Auge vorbeiziehen zu lassen. Auch die wunderschöne Sammlung von Gegenständen des jüdischreligiösen Kultus in Synagoge und Haus aus dem Mittelalter und der Neuzeit ist in einem anderen Saale räumlich sehr beengt, wie auch die verschiedenen anderen Abteilungen des Museums unter dieser Enge zu leiden haben. So ist gleich ne-< ben der Palästina-Ausstellung eine interessante graphische Sammlung zu sehen, die Handschriften bedeutender Juden bis in die neueste Zeit enthält. Prächtig mutet die gute Sabbat-Stube an, die ein Schmuckstück des Museums bildet. Die Teilnehmer der „Union"-Exkursion waren von dem vielen Gesehenen geradezu begeistert, in allen war der Gedanke wachgerufen worden, daß dieses Museum, eine Zierde unseres jüdischen Wiens, erhalten und ausgebaut werden müsse. Besonderem Verständnis begegnete der von Prof. Dr. J. B r o n n e r ausgesprochene Wunsch, die l!Biüe AMMmm&tJkm: l ♦ Mit Rücksicht auf die Feiertage erscheint unsere nächste Nummer Freitag, d. 10. April Die heutige Festnummer ist 12 Seiten stark. /TTTTTTVfTTTTVTVTVTyTTTTV'rTTTTTTTfVy Einheitlichkeit der Trias der heimisch-jüdischen Kulturinstitutionen, Bibliothek, Archiv und Museum, zu schaffen. Dann könnten wir in Wien mit Stolz und Genugtuung auf eine bedeutende Kulturtat hinweisen. Wir kennen die prekären wirtschaftlichen Verhältnisse unserer Gemeinde, aber es sollte tatsächlich ihre Sorge sein, diese Tat zu vollbringen. Denn die räumlichen Verhältnisse, unter denen das Museum derzeit zu leiden hat, sind nicht allzu rühmlich, müssen insbesondere auf den ausländischen Besucher unangenehm wirken. (Unter den 1200 bis 1500 jährlichen Besuchern befinden sich tatsächlich sehr viele ausländische Gäste). Vielleicht wird es möglich sein, in dem jetzt geplanten „Studentenheim" der Kultusgemeinde Räume zu schaffen, in denen die genannten drei Institutionen unter einem einheitlichen Gesichtspunkt untergebracht werden können. Die Teilnehmer verließen mit vielem Dank die interessante Sammlung. Die Exkursion soll in kürzester Zeit für eine weitere Gruppe wiederholt werden. Anmeldungen sind an das Sekretariat der „Union", Telephon A 19-2-77 erbeten. Prachtvolle hte Perserteppiche durchwegs selten günstige Gelegenheitskäufe sowie elegante Möbel, wie Speise-, Schlaf- und Herrenzimmer werden zn ganz außerordentlich billigen Preisen abgegeben. Besichtigung ohne jeden Kaufzwang im WIEDNER MÖBELHEIM INH. JULIUS GOTZL Hudelsger. beeil. Stchr.a. Schitzmeister IV.,SCHLEIFMÜHLGASSE 1. TELEPHON B 24-1-62

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