Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 13-14 (27.3.1931)
- Date
- 1931-03-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064453-3064466--18314-3083331- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DIE WAHRHEIT Seite 5 KUNDMACHUNG Die Wiener Molkerei bringt auch heuer Pessach- KOSChermilCh in allen ihren Filialen zum Verkauf. Die PeSSach-KosChermilch wird in ihren Meiereien in Niederösterreich unter streng ritueller Aufsicht der von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. M. Rosenmann bestellten religiös verläßlichen Organe Q^n^SS^D erzeugt. Jede Kanne und jede Flasche ist mit einer Plombe, respektive mit einer Schleife versehen mit dem Aufdruck: HDB "M D^n Wien, 27. März 1931. Wiener Molkerei. tionalität, die darum ansuchen, in Madrid, Sevilla, Barcelona gibt es Synagogen, wo jüdischer Gottesdienst ausgeübt wird. Aber er besteht nicht durch Toleranz, denn Toleranz gibt es nicht, wo sie nicht durch das Gesetz geschaffen ist. Was nützt einem Juden die spanische Nationalitätszugehörigkeit, wenn seine Religion in Spanien nur „geduldet" wird? Heute, da die Regierung von Madrid das größte Interesse hat, sich die Sympathien der jüdischen Bevölkerung zu sichern, beginnt sich eine freie und herzliche spanisch-jüdische Verständigung anzubahnen, von denen begünstigt, die es verstehen, sich den Realitäten anzupassen, um der egoistischen Interessen willen. Sie müßten sich jedoch sagen, daß das sephardische Judentum rasch und endgültig Spanien entfremdet wird, wenn die Regierung von Madrid diese einzige Gelegenheit, die sich ihr bietet, nicht ausnutzen wird, um die formelle Aufhebung des Edikts von 1492 ausdrücklich vorzusehen, gemäß den Rechten und der Würde des sephardischen Judentums. Es ist hart für die spanischen Juden, zu sehen, wie auf Spanien der „Cherem" lastet, der nicht aufgehoben sein wird, solange das besagte Dekret nicht abgeschafft ist. erhobener flammender Fackel die Flüchtlinge. Diese wehrlosen Männer, Frauen und Kinder, die auf der Flucht vor des Menschen Grausamkeit den Menschen suchten, fanden hier die Möglichkeiten und den Frieden, die ihnen in ihrem Geburtslande versagt waren. Im Jahre 1881 betrug die Zahl der jüdischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten 250.000 unter einer Gesamtbevölkerung von 45 Millionen. Heute gibt es in den Vereinigten Staaten bei einer Gesamtbevölkerung von über 120 Millionen 4{A Millionen Juden. Es ist wohl am Platze, die Frage aufzuwerfen, welche Bedeutung diese fünfzig Jahre für uns Juden und für Amerika gehabt haben. Was haben diese Einwanderer geleistet? Welche Folgen hatte ihre Einwanderung für Amerika? Wir glauben, daß die Antwort auf diese Fragen in mächtigen, unzerstörbaren Lettern in das Buch der Geschichte Amerikas eingetragen ist. Wir sind dankbar für das. was uns Amerika freigebig geschenkt hat. Wir glauben aber, daß Amerika ebenso Ursache hat, uns für die mannigfachen Beiträge zu seinem Reichtum und seiner Stellung dankbar zu sein, Beiträge, die durch die Anstrengung und Energie jener Einwanderer zustande gekommen sind, die sich später so vollkommen in das Gefüge Amerikas eingegliedert haben. Der Redner nahm sodann gegen die geplante Einschränkung der Einwanderung Stellung. Er stellte weiters fest, daß im Laufe des letzten Jahres 34.809 Juden aus Europa ausgewandert sind und sich in den Vereinigten Staaten, in Argentinien, Brasilien, Uruguay, Kanada. Frankreich, Kuba, Mexiko, Chile und anderen Ländern niedergelassen haben. In die Vereinigten Staaten sind 12.563 jüdische Einwanderer gekommen. EDERABENDE S! Am I. und 2. April weiden im Restaurant SAtOMOM OBONBB Wien n., Zirknsgasse 30, Telephon R 43-l t0 Sederabende abgehalten. neidmaltitfes resfmahi & la Carte Marmelan« Tisdnveine sdiei pessadi. Anmeldungen rechtzeitig erbeten. flÜMLRflb MERRENHODE WIEN II., PRflTERSTR TELEFON R 49-4-99 39 Von der Pester israelitischen Kultusgemeinde. Hofrat Samuel Stent zum Gemeindepräsidenten wiedergewählt. Die neugewählte Repräsentanz der Pester israelitischen Religionsgemeinde hielt unter dem Vorsitz von Dr. Carl Bar na ihre konstituierende Generalversammlung ab, in der die Mitglieder der Vorstehung gewählt wurden, und zwar Dr. Leo v. Buday-Goldberger, Dr. Geza Desi (neu), Geza Drucker (neu). Dr. Bela Fabian, Koloman Frey. Dr. Samuel Glücksthal, Dr. Wilhelm Grauer, Dr. Marzell Hajdu, Elemer Kaszab (neu), Dr. Adolf Kecskemeti, Dr. Baron Adolf Könner, Andor Nagy, Samuel Stern. Emil Vertes, Josef Veszi (neu), Eugen Vida. Dr. Adolf Wilheim, Dr. Emil Zahler. Die Wahl des Präsidiums aus der Reihe der Mitglieder der Vorstehung hatte folgendes Ergebnis: Mit 255 Stimmen wurde für die Dauer von fünf Jahren Hofrat Samuel Stern zum Präsidenten wiedergewählt, zu Präsidentenstellvertretern wurden Oberhausmitglied Dr. Samuel Glücksthal und Dr. Marzelt Hajdu gewählt. Der Vorsitzende Dr. Carl Bar na würdigte in einer begeisterten Ansprache die vom Präsidium Hoirat Samuel Stern und den übrigen Mitgliedern des Präsidiums und der Vorstehung entfaltete Tätigkeit und betonte, daß das Wirken Samuel Sterns im Leben der Gemeinde jüdische Konsolidierung bedeute. Nach diesen Worten erhoben sich die Mitglieder der Versammlung von den Sitzen und brachten Samuel Stern und den Mitgliedern der Vorstehung stürmische Ovationen dar. Der wiedergewählte Präsident Hofrat Samuel Stern gedachte in seiner Antrittsrede zunächst mit Worten des Dankes des Wirkens der PräsidentensteUvertreter, der alten und der neuen Mitglieder der Vorstehung und umriß dann die moralischen, religiösen, kulturellen und sozialen Aufgaben der Gemeinde, die in den heutigen schweren Zeiten einen Schutzwall der ungarischen Judenheit bilden müssen. Man müsse darnach trachten, die Liebe der Mitglieder durch den Tempel, durch die Schönheit der mit der Treue des Konservatismus gepflegten Traditionen, durch die Schule, den Religionsunterricht, die jüdische Kultur, durch die Ehrung der Vergangenheit, ferner durch die Institutionen der Gemeinde und deren karitative Wirksamkeit zu erwerben. In die Arbeit für das Gemeinwohl müssen auch die Frauen einbezogen werden, es müssen Verständnis und Liebe nicht nur zu den Brudergemeinden, sondern auch zur Orthodoxie und den Status quo - Gemeinden aufgebracht werden. In dieser Harmonie erblicke er die Kraft der ungarischen Judenheit, die die Respektierung ihrer Rechte und Wahrheiten sichern könne und die ihr auch die Autorität nach außen hin verleiht, damit die ungarische Judenheit auch auf dem Forum der großen jüdischen Gemeinschaft der Welt den ihr gebührenden Platz einnehmen könne. Mögen, schloß der Präsident, ehestens die Grenzpfähle einstürzen, die zwischen Ungarn und Ungarn errichtet wurden. 50Jahrejüdischer Einwanderung nach Amerika. Die Leistungen der Juden für Amerika. In New York wurde am 1. März die 22. Jahresversammlung von HI AS (Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society of America) unter Teilnahme von etwa 1500 Personen abgehalten. Der Präsident von HIAS, Abraham Her man, hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache, in der er darauf hinwies, daß das Jahr 1931 das 50. Jahr seit dem Beginn der Massenemwanderurig aus Osteuropa in die Vereinigten Staaten ist. Vor 50 Jahren — so führte Präsident Herman aus — begannen die Pogrome in Rußland. Die ersten Ausschreitungen gegen die Juden fanden in Balta statt. Damit begann die Reihe der schrecklichen Verfolgungen, die die Juden zu erleiden hatten. Pogrom folgte auf Pogrom. Dann kamen die gehässigen Maigesetze, durch die Millionen von Juden im russischen Reich in jeder Hinsicht entrechtet wurden. 't Die Vereinigten Staaten galten als das Land", in das die Unterdrückten und Verfolgten aller Völker ungehindert kommen können. Es war nur natürlich, daß auch die Juden ihre Augen nach den Vereinigten Staaten als einem Zufluchtshafen richteten. Und sie wurden nicht enttäuscht. Die Tore Amerikas standen weit offen. Die Göttin der Freiheit begrüßte mit hoch- Daroffentlichunga cUr Union cleu4schös4*rrticVisc1)ftftudto Telephon A 19-2-77 IX., Berggasse 4 Postspark.-Kto. 9.464 Zum Vortrage des em. Professors Dr. Vinzenz Zapletal über „Simson und seine Zeitu. M. Rcsenmann. wildesten Hypothesen, Konjekturen, Korrekturen und Emendarionen betrachten und behandeln. Man erwäge zum Beispiel retrospektiv vom jetzigen Standpunkte aus, da bereits das Gesetz Hamurabis, des Zeitgenossen Abrahams, vorliegt und die Ausgrabungen, in Ur, dem Geburtsorte des ersten Patriarchen, vor sich gehen, daß vor nicht länger als einem halben Jahrhundert die Existenz der drei Von Rabbiner Dr. Katholische Kirche und Judentum könnten unter Wahrung des eigenen Standpunktes auf einem gemeinsamen Gebiete sich einträchtig betätigen: auf dem der Bibel. Sie sollten namentlich, um einen verschollenen militärischen Ausdruck zu gebrauchen, zusammen Front machen gegen jene großen und kleinen Gelehrten, die das Lehrbuch der Menschheit als ein Objekt der