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Die Wahrheit · 1931-03-20 · Heft 12 (20.3.1931) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 12 (20.3.1931)
Date
1931-03-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 Einzig In raitteleuropo sind die Vortrefflich - Ifazzoili der besfrenommierten l. Wr. orthodoxen Mazzotbfabrik, welche unter streng orthodoxer Aufsicht des ehrw. Rabbinates der isr. Kultusgemeinde Wien erzeugt werden. — Atteste der größten cnittJ Durch die modernsten technischen und hygienischen Einrichtungen bin ich in der Lage, sämtliche 'TMfe und feinsten lichten Grieß, wie auch die dünnsten Mazzolh aus dem garantiert feinsten Nutlermehl HOB 70 *1TO streng orthodox zu erzeugen. Separate Abteilung für Bäckereien fiDS bv in großer Auawahl und bester Qualität zu den billigsten Preisen ISRAEL ¥OttTBEFFUCn Fabrik: ^l%ViitSZtJtV£SSPsm: 52 ferhaulgiteliem in tfoni Wien hängen die Israelitische Allianz angegriffen wurde; wenn dann unsererseits die Klage eingebracht wurde, beriefen sich die Angreifer darauf, daß sie nicht, die österreichische Wiener Allianz, sondern die .Alliance lsraelite' in Paris gemeint hätten; und wir müßten riskieren, daß auch diesmal die ,Dötz' den gleichen Rückzug antreten würde. Im übrigen interessiert der angeklagte Gustav Bauer weder die israelitische Kultusgemeinde, noch die Wiener Israelitische Allianz, noch irgendwelche israelitische Vereine oder Seelsorger, weil er nicht Jude, sondern konfessionslos ist." Mit der letzten Feststellung des Herrn Rabbiner Dr. A. Kaminka identifizieren auch wir uns; der Angeklagte Gustav Bauer ist uns vom jüdischen Standpunkt wirklich vollkommen gleichgültig. Ueberaus wohltuend berührte die Erklärung des Vorsitzenden Vizepräsidenten Wilhelm, der in der montägigen Verhandlung alle Verleumdungen des Hakenkreuzblattes mit Entschiedenheit zurückwies. Mit dieser Feststellung iles Prozeßleiters erledigen sich auch die absurden antisemitischen Anwürfe. Nation und Friede. Eine Kundgebung der Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden. Die in der Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen iür den Frieden vereinigten Organisationen Deutsche Vereinigung des Weltbundes für internationale Freundschäftsarbeit der Kirchen, Friedensbund deutscher Katholiken und Jüdischer Friedensbund veranstalteten am 11. März im Festsaale der Gesellschaft der Freunde iu Berlin eine öffentliche Kundgebung unter der Devise „Nation und Friede". Die stark besuchte Versammlung wurde durch das Mitglied des Präsidiums der Arbeitsgemeinschaft, den päpstlichen Geheimkämmerer und Domkapitular Msgre. B. Lichtenberg mit einer Ansprache eröffnet, in der er erklärte, der Uniriede in der Welt stamme aus der Unrast der Herzen, die nur beseitigt werden könne, wenn jener Friede wieder in die Seelen eingekehrt sei, dessen Quelle nach dei JUeberzeugung der in der Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossenen Vereinigungen die Religion ist. Nach einem Referat von Frau Oberlehrerin Maria S ch m i t z, in dem sie die Unrichtigkeit der in Deutschland stirk verbreiteten Ansicht, daß Vaterlandsliebe untrennbar sei von Kriegsbereitschaft, widerlegte, die verderblichen Folgen des Weltkrieges aufzeigte und nachwies, daß der Friede die unerläßliche Voraussetzung iür das Gedeihen der Nation sei, ergriff Ministerialrat Dr. Hans Gosiar das Wort, um zu dem Thema des Abends vom jüdischen Standpunkte aus Stellung zu nehmen. Dr. Hans Goslar stellte fest, daß das Wort Pazifismus heute in gewissen Kreisen der Bevölkerung zu einem Schimpfwort geworden sei. Demgegenüber müsse darauf hingewiesen werden, daß die großen Masseh des •Proletariats, des Mittelstandes und der wahren Intellektuellen zweifellos den Frieden wollen. Jedem einzelnen sei die Aufgabe gestellt, die Welt besser zurückzulassen als er sie vorgefunden hat. Hauptaufgabe der gegenwärtigen Generation sei der Kampf gegen Imperialismus und Faschismus, das Eintreten für die Idee des Völkerbundes und der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit. Richtunggebend hierfür müsse das von zahlreichen ähnlichen Vorschriften umrankte Gebot der Bibel „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" und vor allem das Gebot „Du sollst n i c h t t ö t e n" sein, von dem es für den religiösen Menschen keinerlei Ausnahme geben könne. Die Stellung des Judentums zum Imperialismus, dem Gedanken der rücksichtslosen Machterweiterung und des Krieges um wirtschaftlicher Vorteile willen, sei aus der Erzählung von Abraham zu ersehen, der zwar zum Schwerte greift, um Lot aus der Hand der Könige zu -befreien, also um das heiligste Gut, das Menschenleben, zu schützen, aber nach seinem Siege die ihm von den Königen angebotene Beute zurückweist und damit den Gedanken der Machterweiterung durch den Krieg .ablehnt Ebenso verwirft das Judentum die Idee des Faschismus, der Vorherrschaft einer Menschengruppe über die unter minderes Recht gestellten anderen Gruppen. Dies sei in den Vorschriften über die gleiche Behandlung des Fremden festgelegt. Die Friedenstendenz des Judentums präge sich in den täglichen Gebeten und dem Gottesdienste der hohen Feiertage deutlich aus. Es sprach noch Pfarrer Lic. Sasse, der das Problem Nation und Friede im Lichte der Lehren der evangelischen Kirche darstellte, worauf Msgre. LichiAn.be rg mit einem Appell an die Erschienenen, das Wirken der Arbeitsgemeinschaft tatkräftig zu fördern, die 'eindrucksvoll verlaufene Kundgebung schloß. Die -einzelnen J?eferate waren von rezitatorischen und musikalischen Darbietungen umrahmt. "ra Achtung^ Prima garantiert reines koscheres ausgekochtes Gansfett per kg S4.— nur bei Fritz Herrmann, Wien II., Glockeng. 9 Tel. R 46-0-19, zu haben. Fort mit Rembrandt! Die Kasseler staatliche Galerie besitzt Rembrandts Meisterwerk JDer Segen Jakobs", ein weltbekanntes Bild, das im vorigen Jahre als Leihgabe im Berliner Museum ausgestellt war und von Zehntausenden in Ehrfurcht bewundert wurde. Unter Aufbringung großer Opfer wollte der Kasseler Kunstverein seinen Mitgliedern eine Freude bereiten und ließ in einer Münchener Kunstanstalt von Josefs Frau einen Viertarbendruck herstellen, der statt für 40 Mark für 6 Mark abgegeben werden sollte. Diesem Angebot folgten mehrere Ablehnungen, die in mehr oder weniger schönen Worten sagten, man wolle kein Bild einer Jüdin im Hause haben... Engstirnigkeit und Beschränktheit ist nur ein Kapitel in dem großen Buche der menschlichen Dummheit, zu dem fast ausnahmslos jeder Tag eine neue Seite hinzufügt. Dummheit kann tragisch sein, wenn sie der erleiden muß, gegen den sie sich richtet.-Sie wird aber zur Groteske, wenn sie sich gegen den rückwendet, der sie übt. Rembrandt wird es nicht auszuleiden haben, wenn sein Werk in Frage gestellt werden soll, nur weil einige seiner Gestalten aus dem Umkreis biblischer Stoffe und jüdischen Lebens entnommen sind. Die Dummheit der Anwürfe richtet sich selbst; mit Notwendigkeit wendet sich ihre Spitze gegen den Angreifenden zurück und verwundet ihn mit tödlichem Spott. Der Kasseler Fall ist ein Schulbeispiel eines solchen Umschlages der Dummheit in das Groteske. Das „Bild der Jüdin", das Rembrandt in der Gestalt der „Asnath" gegeben haben soll, — es ist. wie es sich zeigt, kein jüdisches Frauenbild. Denn die Forschung ist dieser Geschichte nachgegangen und da ergibt sich, wie das „Kasseler Tageblatt" darlegt, die ebenso merkwürdige wie bezeichnende Tatsache, daß „Josephs Asnath gar keine Jüdin, sondern eine Tochter Aegyptens war." Ein Theologe hat sich einmal die Mühe gemacht, den Dingen auf den Grund zu gehen. Er schlug die Josephsgeschichte nach und fand im ersten Buch Mosis, Kap. 14, Vers 45, folgendes geschrieben: Pharao gibt seinem Geheimrat Joseph Asnath, die Tochter Potiphars, des Priesters zu On. zur Frau. Sie wird dann die Mutter Ephraims und Manasses, ist aber, wenn man die Sache scherzhaft aufziehen wollte, eine geborene Potiphar. Ob sie derselben Familie angehörte, mit der Joseph das peinliche Mantel-Abenteuer hatte, das haben die Gelehrten noch nicht ergründet. Uebrigens kommt auch in einem alten Kirchenlied Paul Gerhards Frau Asnath vor. Es heißt da: Jakob flieht vor Esaus Schwert Und trifft seine Rahel an, Joseph dient auf fremder Erd Und wird Asnath Herr und Mann . . . „Rembrandt kannte", so schreibt der alte Theologe am Schluß, „das Neue und Alte Testament vortrefflich. Asnath kann gar kein anderer als Rembrandt gemalt haben. Ich freue mich über das Bild." Erwähnt sei noch, daß in der ganzen Anlage des Bildes die Frau Josephs eine mehr passive, von den anderen Figuren des Gemäldes abweichende Haltung emmmmt, so daß auch hierin Rembrandt genau wußte, um was es sich bei der Asnath handelte. Hierzu kommt noch, daß auch das Modell der Frauenfigur wahrscheinlich eine Dame der Amsterdamer Gesellschaft gewesen ist. Es wäre also nicht nur vornehmer, sondern auch sachkundiger gewesen, wenn diejenigen, die das Bild ablehnen zu müssen glaubten, ihren Refus in etwas andere Worte gekleidet hätten. Nichts als ein trauriges Kopfschütteln, nichts als ein bitteres Lachen bleibt nach diesem Bericht über den Kasseler Rembrandt-Sturm. Dank für Freude. An Charlie Chaplin. Der Auflauf galt diesmal keinem siegreichen Boxer. Es war auch keine politische oder weltanschauliche Kundgebung. Es war bei manchen vielleicht Sensationsbedürfnis, bei den meisten aber Dank an einen großen Künstler, der Hunderte, Tausende zusammenführte, als Chaplin in Wien österreichischen Boden betrat. Aber in diesem Dank ist etwas Bekenntnismäßiges enthalten: er bedeutet die freudige Zustimmung zur Persönlichkeit und Leistung eines Menschen, dessen Lebensarbeit Freude und Fröhlichkeit anderer will. In einer Zeit lärmenden, rauhen, oft rohen Amüsements der Masse, die häufig sogar Politik als Zirkus ansehen, ist dieser Jubel um Charlie Chaplin ein Durchbruch innerer Menschlichkeit der Menge. Um den Mann aus der ärmlichsten Vorstadt Londons stehen die geistigen Führer der Nationen, die führenden Politiker, die Spitzen der Gesellschaft und der Mann von der Straße — die vollendete Demokratie der Dankbarkeit. Jedem gibt Charlie Chaplin heiteren Anschauungsunterricht, daß die Dinge nichts anderes sind, als was der .Mensch aus ihnen macht, aber auch, daß die Art, wie der Mensch zum Unbelebten sich verhält, das Wesen des Menschen entschleiert: Eine Lebensphilosophie in heiterem Gewände. Charlie Chaplin ist jüdischer Abstammung. (Die Antisemitenblätter haben dies gleich auf Grund seiner .Plattfüße" konstatiert.) Er besitzt die Erfahrung einer Gemeinschaft, die unter seelenloser Bekämpfung unzählige Male gelitten und doch immer wieder zur Bejahung des Daseins gekommen ist; einer Menschengruppe, die der Brutalität ihrer Umwelt unerschütterliche Menschlichkeit entgegensetzte und die Lehre der menschlichen Ueberlegenheit über seelenlose Unvernunft verkündet. H. Die Zahl der Juden. In einem interessanten Referat auf dem Kongreß für das arbeitende Palästina führte Dr. Arthur R u p p i n über die zahlenmäßige Entwicklung des jüdischen Volkes seit der Zerstörung des Tempels etwa folgendes aus: Zur Zeit der Zerstörung des jüdischen Reiches gab es in Palästina eine Million, in den Nachbarländern 3H Millionen Juden. Die Juden umfaßten ein Zwölftel der Bevölkerung des römischen Weltreiches. Später verringerte sich ihre Zahl durch die mittelalterlichen Verfolgungen. Wanderungen und Konzentrierung in Städten mit ungünstigen sanitären Verhältnissen; im 17. Jahrhundert gab es nur mehr anderthalb Millionen Juden. Eine neue Epoche beginnt mit der französischen Revolution. Durch Besserung der sanitären Verhältnisse in den lchteiPerjerteDgi^ durchwegs günstige Gelegenheitskäufe, werden mit ganz kleinem Nutzen im WIEDNER HÖBELHEIM Inh. JULIUS QdTZL Handig. beeld. Sacbv. u. Scbatzmeiattr ra.tSCHLB»MÜHI>aASni« TBLBPHON B 34-1-63 billigst abgegeben; daselbst sind auch elegante Schlaf- und Speisezimmer, Herrenzimmer, teils neu. teils gebraucht, zu verkaufen.

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