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Die Wahrheit · 1931-03-20 · Heft 12 (20.3.1931) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 12 (20.3.1931)
Date
1931-03-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SdimidMfazzofli Al,eS A*l A> snricht SIWIwM altrenommierten davon welche unter streng orthodoxer Aufsicht des Rabbinates hergestellt werden, heuer besonders gut geraten sind. Die Mazzoth werden aus dem feinsten Mehl erzeugt Seit vielen Jahren genießen die „Schmidl-Mazzoth" das beste Renommee Zentrale: N. BRODETZKY, Wien, II. Bezirk, Leopoldsgasse Nr. 43 Telephon A160-2-63, A 46-1-90, A 41-9-32 ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ in allen besseren Geschafften zu haben ———— „Wir haben die nichtjüdische Adelsherrschaft vernichtet, die das einzige Abwehrmittel gegen uns gewesen ist." Das sind nur ganz wenige Andeutungen von reaktionären Staatsgrundsätzen, die in diesen „Protokollen" als die einzig richtigen angepriesen werden, gegen die man infolgedessen die dummen Völker aufhetzen müsse. Ich muß immer wiederholen, daß dieses Buch trotz seiner offensichtlichen Widersinnigkeiten von Tausenden und Zehntausenden von Menschen ernst genommen wird, daß es wie ein Menetekel angesehen wird, daß die Menschen darauf hinstarren wie einst Belsazar auf die glühenden Buchstaben, die ihm an der Wand den Untergang verkündeten. „Belsazar aber ward selbige Nacht Von seinen Knechten umgebracht," schließt das Gedicht, und diese Menschen fühlen gewissermaßen die Hände sich schon um ihre Kehlen krallen, die sie erwürgen wollen, in ihrer panischen Angst vor den Juden und den Freimaurern haben sie ihr Urteilsvermögen vollkommen verloren. Das kann man logisch überhaupt nicht begreifen und erklären. man kann es sich nur psychologisch erklären, wenn man an die Massenpsychose zur Zeit des Krieges und an das tolle, hirnrissige Zeug denkt, das damals bei allen Kriegführenden aufgebracht und von allen Völkern prompt geglaubt wurde. Diese Protokolle der „Weisen von Zion" werden jetzt, wie ich schon erwähnte, als eines ihrer zugkräftigsten Werbemittel von den Nationalsozialisten neu aufgelegt. Was ist der Grundgedanke dieser angeblichen „Protokolle" der Weisen von Zion? „Das Judentum — das jüdische Volk — strebt realiter, nicht irgendwie in einem übertragenen Sinn, nach der Weltherrschaft. Es will einen Alleinherrscher aus dem Stamm Davids über die ganze Welt setzen. Zu diesem Zweck strebt es danach, alle Völker so sehr zu verderben, daß sie sich selbst nicht mehr zu helfen wissen." Das ist die These, die durch diese Protokolle bewiesen soll und die natürlich bei denjenigen, die es lesen — und die es außerdem auch glauben, was freilich unglaublich ist, — jede Judenverfolgung als berechtigte Gegenwehr erscheinen läßt. (Fortsetzung folgt.) Umstellung des Wirtschaftsdienkens. Wer von der wachsenden Arbeitslosenzahl hört, denkt dabei zuerst an die zahlreichen Arbeitswilligen, die ohne Arbeitsmöglichkeit erwerbslos ein Jammerdasein fristen müssen. Nur wenige denken dabei an den ungeheuerlichen Verlust, den das Nationalvermögen dadurch erleidet, daß Millionen, für die doch in irgendeiner Form gesorgt werden muß, ohne Eigenerwerb sind, daß eine Unsumme ungenutzter Arbeitskraft vergeudet wird, die als werbendes Vermögen dem Volke verloren geht. Nicht arbeiren können, bedeutet aber auch innere Not. Ks ist ein hartes Schicksal, arbeiten zu wollen und zu können, und nicht arbeiten zu dürfen. Der Arbeitswillige wird damit aus dem Erwerbsleben ausgeschaltet und zum Objekt der Wohlfahrtspflege. Kraftstrotzend zum Feiern verdammt, krank unter dem Zwange der Arbeitslosigkeit, in ohnmächtiger Wut über sein Geschick ist der Arbeitslose seelischem Verfall preisgegeben. Ist der Arbeitslose Familienvater, so bedeutet die Arbeitslosigkeit zugleich den Verfall seiner Familie. Fehlt es am Nötigsten, so ist das Familienleben zerrüttet. So wirkt Arbeitslosigkeit verheerend und zerstörend. Unter der Tragik der Arbeitslosigkeit leiden alle Volkskreise. Die Juden trifft sie doppelt und dreifach. Jüdische Angestellte werden bei Arbeitsstockungen nur zu oft zuerst entlassen. Ganze Berufsarten benutzen die drückende Lage und kündigen ihre jüdischen Angestellten. Der Notstand steigert sich von Tag zu Tag und fordert endliche Abwehr. Die erste Mahnung solcher Abwehr lautet heute: Erhaltet euch, soweit es möglich, eure Angestellten! Diese Erhaltung erfordert allerdings große Opfer. Wer aber heute einen Angestellten in seinem Betriebe hält oder gar einen Arbeitslosenneu einstellt und vor dem Versinken in das seelische Elend bewahrt rettet ihn und seine Familie vordem Zusammenbruch. LEBENSVERSICHERUNGS-GESELLSCHAFT PHÖNIX WIEN. 1. BEZIRK. RIEMERG ASSE 2 Versicherungsbestand per Mitte 1930......... - 2450 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahmen im Tahre 1929 ......»2S „ » Garantienlittel per Ende 1929 300 . „ Auszahlungen an die Versicherten im Jahre 1929 •.....301/, „ Aber beinahe wichtiger als diese Abwehr ist der positive Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Dieser Kampf muß bei der Entscheidung zum Berufe beginnen. Hier gilt es eine tiefgehende Wandlung vorzubereiten. D i e Juden sind zu konservativ, zu wenig b e weg 1 i c Ii in der Be r u f s wa h 1. Sie fragen noch immer zuerst nach der Standesgemäßheit einer Berufsarbeit statt nach ihrer Rentabilität und ihrer wirtschaftlichen Notwendigkeit. Das Wirtschaftsdenken bedarf einer Umstellung. Wir müssen die Wirtschaft auf ihre Lücken prüfen, und nicht nach einem falschen Standesdünkel Berufe wählen. Wir müssen uns dorthin stellen, wo man eines Arbeiters benötigt. Was heißt denn das eigentlich: ein standesgemäßer Beruf? Standesgemäß ist jeder Beruf, der einen Menschen ehrlich ernährt, der ihn bürgerlich unabhängig macht und der zugleich eine Arbeitslücke ausfüllt. Ein akademischer Bürger, der von der Arbeit seines Vaters lebt, ohne sich um Eigenerwerb zu bemühen, ist ein Tagedieb, obwohl er standesgemäß auftritt. Es ist ein schwerer Schaden, daß in der allgemeinen Bewertung unter den Juden noch immer werkliche'Ausbildung hinter der akademischen und sogenannten kaufmännischen kommt. Die übliche kaufmännische Allerweltsvorbereitung ist veraltet. Die Wirtschaft braucht gesteigertes Fachwissen, erhöhte technische Fertigkeit, berufliche Spezialisierung. Die herkömmliche kaufmännische Ausbildung ist überhaupt nicht mehr als eine auf wertvolle wirtschaftliche Betätigung ertüchtigende Vorbereitung zu betrachten. Sie mag den jungen Menschen befähigen, innerhalb des Hauses, in dem er gelernt hat, eine bescheidene Arbeit zu leisten. Für jede andere Firma ist er zumeist völlig unbrauchbar. Das mag die beiden auffallenden Tatsachen ei klären, die jeder bestätigen wird, der einen Arbeitslosen in eine Stellung bringen will: daß erstens die meisten Bewerber um Stellen eine geradezu unglaubliche Nichteignung für irgendeine kaufmännische Arbeit zeigen, und daß zweitens trotz der großen Arbeitslosenziffer die Zahl der für eine freie Stelle geeigneten Bewerber überraschend gering ist, ja, daß sich wiederholt kein geeigneter Bewerber sogar für einen guten Posten finden läßt. Soll die Arbeitslosigkeit nicht durch eine falsch vorbereitete Jugend weiter gesteigert werden, dann ist zweierlei geboten: 1. Man höre endlich mit der bisherigen allgemeinen kaufmännischen Lehrlingsausbildung auf! Sie vermittelt zumeist nur eine Reihe technischer Fertigkeiten,.die sich der Lehrling in einer wesentlich kürzeren Zeit anzueignen vermag. Branchenkenntnisse sind notwendiger als alle diese Fertigkeiten. 2. Man sorge für eine Spezialausbildung junger v Menschen in den Gebieten des Wirtschaftslebens, die Arbeiter notwendig haben! Man achte auf die Lücken im Wirtschaftsleben und stelle die jungen Arbeiter dorthin, wo Arbeitskräfte benötigt werden! — Das ist allerdings noch keine Lösung des Problems der Arbeitslosigkeit, aber doch ein Wegweiser zu ihrer Verringerung. Die Erkenntnis, daß Arbeitslosigkeit und Berufswahl eine ernste Beziehung zueinander haben, ist ein Weg zu ihrer fachgemäßen Lösung. Stadtrabbiner Dr. Rieger (Stuttgart). Der „Jüdische" Bauer-Prozeß. Es hätte uns wirklich gewundert, wenn unsere Antisemiten nicht die Gelegenheit benützt hätten, den gegenwärtig in Wien stattfindenden Sensationsprozeß, bei dem ein Mann jüdischer Abstammung auf der Anklagebank sitzt, für ihre ruchlosen Zwecke zu benützen. Die „D ö t z" hat in dieser unrühmlichen Beziehung in einem Sonntagsartikel auf der ersten Seite den bisherigen Tiefstand der Unanständigkeit erreicht. Keine Lüge ist schlecht genug, um nicht in diesem perfiden Artikel verwendet zu werden. Neben der persönlichen Verleumdung eines Geschworenen findet sich der Hinweis auf „unterirdische Machenschaften" der „A11 i a n c e I s r a e 1 i t e". Auf den von dem hakenkreuzlerischen Sudelblatte erhobenen Vorwurf, daß die „Alliance Israelite" geheimen Einfluß auf das Urteil zu nehmen beabsichtige, antwortete der Sekretär der Wiener Israelitischen Allianz, Rabbiner Dr. A. Kaminka, von einem Mitarbeiter eines Wiener Abendblattes befragt, folgendes: „Die Allianz ist nichts anderes als ein h umanitärer Unterstützungsverein, im Jahre 1873 zu dem Zwecke gegründet, um bedrängten Glaubensgenossen im Gebiet des alten Oesterreichs zu helfen. Die Allianz hat keinerlei internationale Bindung oder Verpflichtung. Die Wiener Allianz steht auch in keinem Abhängigkeitsverhältnis etwa zu der .Alliance Israelite'. in Paris, die 1860 gegründet wurde und sich hauptsächlich um die Erhaltung und Verwaltung israelitischer Schulen im Orient kümmert." „Wird die Israelitische Allianz in Wien gegen die ,Dötz' den Klageweg beschreiten?" „Wir denken nicht daran. Es ist vor Jahren schon vorgekommen, daß bei ähnlichen Zusammen- ^mmmmmmmmammmmmm^ 1 VORNEHME FAMILIEN - PENSION I m L ^^^^^^^^^^^^^j ^iSgW- ■ - ä"•''•■"^^^-vV^v■**. ■ffSpälSiil uJ <^sSSäi}®S&i HBstauration.HaffEEhaDS täglich 5-Uhr-Tee SEMMERING TELEPHON 11 {Hochstraße 43 ' neben Hotel Panhans || Mäßige Preise, Zimmer mit Pension S 12.—aufwärts m Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser s in jedem Zimmer, g Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein« Besitzer

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