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Die Wahrheit · 1931-03-13 · Heft 11 (13.3.1931) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 11 (13.3.1931)
Date
1931-03-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sehe 6 DIE WAHRHEIT Einzitt In nitteleuropa sind die Yortreff lieh - Plazzotti der bestrenommierten 1. Wr. orthodoxen Mazzothfabrik, welche unter streng orthodoxer Aufsicht des ehrw. Rabbinates der isr. Kultusgemeinde Wien erzeugt werden. — Atteste der größten D'Jliü. Durch die modernsten technischen und hygienischen Einrichtungen bin ich in der Lage, sämtliche JVStÜ und feinsten lichten Grieß, wie auch die dünnsten Mazzolh aus dem garantiert feinsten Nullermehl nDB yß "UPS streng orthodox zu erzeugen. Separate Abteilung für Bäckereien nDS in großer Auswahl und bester Qualität zu den billigsten Preisen. ISfi&EL fOBIfiEffLICn Fabrik wla.UÄcAA%Ä8tra0c 52 in die in jüdischen Kreisen so beliebte Forderung nach moralischer Besserung des Judentums. Das Judentum, führte der Redner aus, ist nicht schlechter als seine christliche Umwelt und eine Forderung wie die erwähnte darf deshalb nur dahin gehen, daß eine allgemeine sittliche Besserung unserer dekadenten Zeit erfolgen soll. Komm.-Rat Carl F uchs sprach über persönliche Erfahrungen, die er in bezug auf den Antisemitismus gemacht hat. Dr. Karl Steiner widerlegte in launiger Weise die etwas allzu optimistischen Ausführungen seines Vorredners. Herr S. Taubes dankte in seinem Schlußworte den Diskussionsrednern für das seinem Referate entgegengebrachte Verständnis. Obmann Direktor G. K o 1 m i n schloß hierauf die sehr gelungene Versammlung, an der insbesondere die Jugendgruppe zahlreich teilgenommen hatte. Purim-Akademie. Sonntag, den 8. d. M. fand im Festsaale des Hotel Continental eine anläßlich des Purimiestes von der Bezirksorganisation II der „Union deutschösterreichischer Juden" und der Jugendgruppe des Tempelvereines „A e s c h e 1 Awrohom" gemeinsam veranstaltete Akademie mit Tanz statt Der ganz ausgezeichnete Besuch durch ein distinguiertes Publikum lohnte in erfreulicher Weise die mühseligen Vorarbeiten, die das gemeinsame Vergnügungskomitee der beiden veranstaltenden Vereinigungen diesem Elite-Abend gewidmet hatte. Das reichhaltige Programm mit viel Geschmack zusammengestellt, gefiel ganz ausgezeichnet und versetzte von allen Anfang an das zahlreiche Publikum in die denkbar beste Stimmung. Nach den einleitenden Worten des Herrn Fred Kurt, der in geschickter Weise die Conference des Abends besorgte, gab Herr Kantor I. Rosenwald einige Gesangsvorträge zum Besten, die starken Beifall fanden. Hierauf entzückte die kleine Lisi Weinberger von der Tanzschule Bodenwieser die begeisterten Zuschauer durch ihre anmutigen Darbietungen. Suse Michalek erntete mit ihren gediegenen künstlerischen Vorträgen lebhaften Applaus. Änny Rottwins ausgezeichnete Gesangsvorträge gefielen sehr, die Künstlerin verfügt über eine prächtige Stimme. Der zweite Teil des Programmes, der ausschließlich der heiteren Muse gewidmet war, gelang ebenfalls glänzend. Walter H u b e r s Schauspielerkopien, Doddy Delissons hinreißende Tanz- und Gesangsvorträge, Max Brods nie versagender Humor und Viktor Sternaus Stimmungslieder bildeten einen gediegenen Abschluß der Akademie. Der Obmann der Bezirksorganisation II der „Union", Herr Dr. Gustav K o 1 m i n, dankte allen Anwesenden für ihr zahlreiches Erscheinen und bat um weiteres Interesse für die Vereinsbestrebungeu. Hierauf trat der Tanz in seine Rechte, bei dem sich jung und alt vergnügte. Allgemein wurde der Ansicht Ausdruck gegeben, daß dieser gelungene Abend zu den schönsten jüdischen Veranstaltungen in der heurigen Saison zählt, und überall wurde der Wunsch laut, daß die „Union" in einer anderen Form derartige gesellige Veranstaltungen wiederholen möge. Um das Gelingen des Abends hat sich das gemeinsame Vergnügungskomitee unter der umsichtigen Leitung des Herrn Adolf Back sehr verdient gemacht, insbesondere sind diesbezüglich zu erwähnen die eifrigen Bemühungen des Herrn Sekretärs Oskar Hirschfeld, der Frau Ernestine Lenk, des Fräulein Frieda Königsberg, des Ehepaares Samuel und Irene Wechsler, der Geschwister Goldhammer, des Ehepaares Grünhut, der Damen Henriette Fuchs und Rosa Lindenbaum, sowie der Herren Hugo Brunner, Leo Faß und Fritz Herrmann. Auch die unter Leitung des Herrn Erich Wechsler stehende Jugendgruppe war für die Veranstaltung eifrig tätig, namentlich die Damen Dita Gottfried und Geschwister Pick und die Herren Adolf Raschd o wi t z und Kurt Wi 11 h e i m. Veranstaltungskalender der „UNION" Dienstag, den 17. März, V2S Uhr abends, im Kiubsaale des Cafe M a r i a h i I f, VL, Mariahilferstraße 89 a. Mitgliederversammlung der Bezirksorganisation VI/VII. Dr. Ernst Feldsberg, „Die Aufgaben der Kultusgemeinde" Mittwoch, den 18. März, Y2S Uhr abends, im Klublokal des Cafe-Restaurants „Goldener Engel", XXL, Am Spitz 3, Mitgliederversammlung der Bezirksorganisation XXI. Ludwig K e 11 n e r, „Antisemitismus und Wirtschaftskrise". * Donnerstag, den 19. März, V28 Uhr abends, im Saale des Restaurants Franz W i nzig, X., FavoritenstraBe 111, Mitgliederversammung der Bezirksorganisation X. Reg.-Rat Dr. Max Lenk, „Die Wiener Kultusgemeinde". Neuwahl des Ortsgruppenvorstandes. * Besuch des jüdischen Museums. Mit Rücksicht auf das Zusammentreffen mit einer Reihe von Veranstaltungen jüdischer Vereine wird der für den 15. d. M. geplante Besuch des jüdischen Museums auf einen spateren Termin verlegt. Zeit und Ort der Zusammenkunft wird rechtzeitig vom Sekretariat der „Union" bekanntgegeben, an das Anmeldungen für die Führung zu richten sind. * Offene Stellen. In einem südbayrischen Orte, der etwa 1000 Einwohner zählt und woselbst 200 bis 300 Juden leben, ist ein kleines Uhrmach ergeschält frei geworden. Interessenten wollen sich mit dem Sekretariat der Union, IX., Berggasse 4, ins Einvernehmen setzen. » Gesucht wird ein Lehrling für ein D r ogeriegeschäf t. » Junge Damen und Herren, die Jazziustrumente spielen, mögen zwecks Bildung einer Amateurjazz ihre Anschriften dem Sekretariat der „Union", IX., Berggasse 4, bekanntgeben. - Jüdis&e Ifkrentafel KonstantinopeL Hier verstarb nach kurzer Krankheit Professor Dr. Hayim Naim Elnekave, Inhaber des Lehrstuhls für Psychiatrie an der Konstantinopeler Universität und Leiter des Pasteiw-Institutes, der hervorragendste medizinische Gelehrte der heutigen Türkei. An seiner Bestattung beteiligten sich außer den Führern der Konstantinopeler Jüdischen Gemeinde der Vali von Konstantinopel, mehrere Parlamentsdeputierte und Universitätsprofessoren. Budapest Im Alter von 104 Jahren verstarb in der Gemeinde I s s a s z e g der jüdische Kaufmann Heinrich R i n k, der in den ungarischen Freiheitskämpfen der Jahre 1848/49 unter Damianich gekämpft hat. Bis zu seinem 100. Lebensjahr hatte er ein Tnchgeschäft betrieben. Er war nie krank, der Tod trat plötzlich ein. Seine Frau hat ein Alter von 88 Jahren erreicht. Er hinterließ vier Kinder. 21 Enkel. 9 Urenkel und 4 Ur- Urenkcl. Semmexüiq,, Pensum <Kfasch, Jüxstettfty erstklassiges modernes Haus. Vormerkunsen für die Osterfeiertage (HOB). Mäßige Preise. Jeder Xeser hat dasWowt f £i*sttkwiftem aus dem fftififümim. Fangen wir bei uns an'. . . Seit einiger Zeit verfolge ich die Witz-Ecke eines bekannten Wiener Montagblattes. Man möchte ja in diesen traurigen Zeiten gerne etwas zu lachen haben, und wenn einem hiezu die Zeitung die Möglichkeit bietet, dann kann man ihr dafür nur dankbar sein. Ich muß nun sagen, daß die Gefühle, die mich bei der Lektüre dieser „humoristischen" Seite bewegen, alles eher denn die der Dankbarkeit sind. Eher erfüllt mich dieser Witz mit Abscheu und Widerwillen. Denn, was da geboten wird, ist meistens der bekannte pseudo-jüdische Witz, der vom „kleinen Moritz" oder von der „Frau von Pollak" handelt und gewöhnlich eine Verspottung angeblich jüdischer Charaktereigenschaften beinhaltet. Wenn z. B. unlängst ein hier nicht näher wiederzugebender Witz über „Ethik" gebracht wurde, in dem die handelnden Personen, die alle typisch jüdische Namen trugen, eine „Ethik" bekundet haben, mit der es wahrlich nicht allzu weit her ist, dann muß eine solche Verhöhnung die Empörung aller denkenden Juden auslösen. Ich will hoffen, daß viele Wiener Juden ähnlich empfinden wie ich. Trifft das zu, dann möchte ich die Anregung geben, daß die gewiß zahlreichen jüdischen Leser des Blattes seiner Redaktion bekanntgeben, daß derartige Witze, wenn auch gewiß ungewollt, zur Herabsetzung der Juden beitragen. — Und noch etwas . . . Ihr wertes Blatt hat wiederholt schon gegen die Unart jüdischer Künstler, ihr Publikum auf Kosten der Juden zu unterhalten, Stellung genommen. Während der Faschingszeit konnte ich beobachten, daß noch manche, ausgerechnet jüdische Vortragende, ohne auf Widerspruch zu stoßen, diese Taktlosigkeit bekunden, sogar bei ausgesprochen jüdischen Veranstaltungen. Ein Mahnwort gegen diese Unart wäre hier wieder einmal am Platze. Wir Juden sind oft dem Hasse der christlichen Umwelt preisgegeben, wir müssen uns doch nicht auch noch selbst durch unsere eigenen Glaubensbrüder zum Zielpunkt der Verhöhnung machen lassen. R. D. Nachwort der Redaktion: Wir teilen vollkommen die Ansicht des geschätzten Einsenders und empfehlen Lesern wie Zuhörern, in jedem Falle der Verhöhnung des Judentums rücksichtslos laHten Protest zu erheben. Wahrheiten vom Ja&e Die Abschaffung der gesetzlichen Beschränkungen gegen die polnischen Juden. Das Plenum des polnischen Senats hat sich in seiner letzten Sitzung mit der Regierungsvorlage betreffend Abschaffung der aus der Zarenzeit stammenden gesetzlichen Beschränkungen gegen die Juden in Polen, die durch die Verfassung der polnischen Republik noch nicht aufgehoben worden waren, befaßt Der Referent des Senatsausschusses Senator Bogucki schlug einige kleine Aenderungen vor und erklärte, die Gesetzesvorlage stelle eine a u t h e n t ische Interpretation zur Verfassung dar und werde also nach ihrer Annahme ein Teil der Verfassung selbst werden. Der jüdische Senator Mendel söhn sprach der Regierung für ihre Initiative bei der Abfassung der Gesetzesvorlage den Dank aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß diesem ersten Schritt zur Durchführung der vollen Gleichberechtigung der jüdischen Bevölkerung andere Schritte zur Beseitigung weiteren Unrechts, das der jüdischen Bevölkerung angetan wird, folgen werden. Vor kurzem hat einer der Führer im Regierungslager von der Tribüne des Sejm herab erklärt, daß die Angelegenheit der Zwangssonntagsruhe zugunsten der gesetzestreuen jüdischen Bevölkerung abgeändert werden Wird. Bei der Abstimmung wurde die Regierungsvorlage mit einigen von der "Senatskommission vorgeschlagenen Aenderungen angenomm e n. Infolge dieser Aenderungen wird das Gesetz noch einmal den Sejm passieren müssendes erscheint aber unzweifelhaft, daß der Sein: seine Zustimmung zu diesen Aenderungen geben und daß das Gesetz alsdann in Krafi treten wird.

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