Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 11 (13.3.1931)
- Date
- 1931-03-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Sdimidl-Mazzofli Alles ., snricht •I*"1™* altrenommierten davon welche unter streng orthodoxer Aufsicht des Rabbinates hergestellt werden, heuer besonders gut geraten Sind. Die Mazzotb werden aus dem feinsten Mehl erzeugt Seit vielen Jahren genießen die „Schmidl-Mazzoth" das beste Renommee Zentrale: N. BRODETZKY, Wien, II. Bezirk, Leopoldsgasse Kr. 43 Telephon A 60-2-63, A 46-1-90, A 41-9-32 in allen besseren Geschäften zu haben Ein „abschreckendes Beispiel". Mängel in der gesetzlichen Regelung der Palästina- Einwanderung. Nach f ünf zehnmonatigem Aufenthalt in Palästina wurde kürzlich der 36jährige Israel Yaroschewsky wegen Nichtbesitzes einer Aufenthaltsbewilligung zn einer Geldstrafe von 20 Pfund und Landesverweisung verurteilt Die palästinensischen Zettungen geben die Geschichte der Einwanderung Yaroschewskys nach Palästina und seines Aufenthalts im Lande ausführlich wieder, um die Aufmerksamkeit der Regierungskreise und der Oeffentlichkeit auf gewisse Mängel in der gesetzlichen Regelung des palästinensischen Einwanderungswesens und die Härten hinzulenken, die sich aus der buchstabengemäßen Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen durch die Einwanderungsbeamten ergeben. Yaroschewsky kam in Begleitung seiner Eltern auf Grund eines Touristen visu ms im Oktober 1929 nach Magdiel zu seinem Bruder, der dort eine Orangenpflanzung besitzt Nach sechs Wochen wurde Yaroschewsky vom Dorfrat von Ain Hai eine zweijährige Konzession für einen Gemischtwarenhandel angeboten. Yaroschewsky entschloß sich, dauernd im Lande zu bleiben, nahm das Angebot an und investierte etwa 500 Pfund in dem Geschäft Gleichzeitig Teichte er ein Gesuch um Uebernahme in den Einwandererstatus ein. Dem Gesuch war eine Abschrift des Vertrages mit dem Dorfrat beigefügt Ein Einwanderungsbeamter untersuchte den Sachverhalt und hob von Yaroschewsky die Kopfsteuer von einem Pfund, der alle Einwanderer unterworfen, von der aber Touristen befreit sind. ein. Yaroschewsky konnte daher mit Recht glauben, daß die Regierung, wenigstens provisorisch, ihre Einwilligung zu seinem dauernden Aufenthalt gegeben habe. Zu seinem Erstaunen erhielt er drei Monate später die Verständigung, daß sein Gesuch abgewiesen worden sei. Er wandte sich an die .zionistischen Behörden um Intervention, übergab eine Geschäftsbilanz und andere Dokumente und führte sein Geschäft in der Ueberzeugung. daß die ihm zugekommene Verständigung auf einem Verstoß seitens der Behörden beruhe, fort. Im Mai v.J. erhielt er die Verständigung, daß ihm die Aufcnthaltsbewilligung verweigert worden sei und daß er das Land spätestens am 9. Juni verlassen müsse. Daraufhin richtete Yaroschewsky eine Appellation an den High Commissioner. Abermals wurde er aufgefordert nachzuweisen, daß er Kapital besitze. Yaroschwesky wies nach, daß er ein Bankguthaben von 400 Pfund besaß. Hierauf erhielt er die Aufforderung, einen Bargeldvorrat von 1000 Pfund nachzuweisen. Da ihm dies nicht möglich war. wurde er verhaftet, angeklagt und zu der erwähnten Geldstrafe, sowie Landesverweisung verurteilt. Aus Briefen, die Yaroschewsky aus Polen erhalten hat geht hervor, daß der britische Einwanderungsbeamte in Warschau dem Palästina-Amt der Zionistischen Organisation Vorwürfe gemacht hat, weil es Yaroschewsky ein Touristenvisum besorgt habe, obwohl „seine Absicht in Palästina zu bleiben, von Anfang an feststand". Zahlreiche jüdische Touristen haben in letzter Zeit die Erlaubnis zu dauernder Niederlassung in Palästina erhalten. Wahrscheinlich wollte der Leiter des englischen Einwanderungsamtes durch die rigorose Behandlung des Falles Yaroschewsky ein abschreckendes Beispiel geben. In jüdischen Kreisen Palästinas ist man über die behördliche Entscheidung im. Falle Yaroschewskys äußerst bestürzt da die Einwanderung in Form von dauernder Niederlassung von Touristen sich in den letzten Monaten zu einem nicht unbeträchtlichen Teil der jüdischen Gesamteinwanderung entwickelt, hat ■**.r Der jüdische Friedensgedanke. Vortragsabend der Londoner jüdischen Friedensgesellschaft Die Jüdische Friedensgesellschaft veranstaltete jüngst in London einen Vortragsabend, auf dem der Präsident der Internationalen Völkerbundskommission für geistige Zusammenarbeit und Obmann des Verbandes der Völkerbundsligen Prof. Gilbert M u r r a y einen Vortrag über die Arbeit der Internationalen Kommission für geistige Zusammenarbeit hielt Den Vorsitz führte Chief Rabbi Dr. J. H. Hertz, der in seiner Eröffnungsansprache erklärte, nichts sei so wichtig, wie die Sicherung der geistigen Zusammenarbeit Chief Rabbi Hertz kam sodann auf den Vorschlag einer Kalenderreform zu sprechen und erklärte, der Wunsch nach dieser Reform, die durch die Einführung eines beweglichen Sabbath Millionen von Menschen in Gewissenskonflikte bringen würde, gehe von der amerikanischen Geschäftswelt aus, die sie zur Erleichterung der Buchführung und Verrechnung für notwendig halte. Es gebe aber höhere und wertvollere Dinge als Buchhaltung und Verrechnung. Im Anschluß an den Vortrag Prof. Dr. Murrays ergriff Sir Herbert Samuel das Wort Er richtete an die Juden den Appell, an der Friedensbewegung stärksten Anteil zu nehmen. Das alte Testament erklärte Sir Herbert, wird oft im Zusammenhang mit kriegerischen Tendenzen zitiert Der Geist des Buches Josua entspricht nicht dem der modernen Welt Ihm steht der Geist des Buches Jesaja gegenüber und es ist unsere Pflicht der modernen Welt Prachtvolle echt^Perserteppiche durchwegs selten günstige Gelegen» heitskäufe sowie elegante Möbel, wie Speise-, Schlaf- und Herrenzimmer werden zn ganz außerordentlich billigen Preisen abgegeben. Besichtigung ohne jeden Kaufzwang im WIEDNER MÖBELHEIM I NM. JULIUS GOTZL Handetager. beeid. Sacbr. n. Schatzmeister iv.,schleifm Ohlgasse i. telephon b 24-1-62 zu zeigen, daß das Judentum nicht auf jenem älteren Buch, sondern auf dem Universalismus der Propheten basiert Nationalgefühl, fuhr Sir Herbert fort ist eine starke und, so lange es in gewissen Grenzen gehalten wird, wertvolle Macht bedeutet aber eine Gefahr, wenn es diese Grenzen überschreitet. Die Gewalt der 'nationalen Leidenschaft die durch den Appell an die edlen Regungen des Patriotismus und der Loyalität noch gesteigert wird, führt leicht dazu, daß eine Nation vom Kriegsfieber erfaßt wird und ganze Völker können, solange die öffentliche Meinung nicht gewissenhaft zum Widerstand gegen solche Tendenzen organisiert ist, in einem kritischen Moment ins Unheil gestürzt werden. Dagegen muß die organisierte Religion rechtzeitig und tatkräftig Maßnahmen ergreifen. Sir Herbert erzählte sodann von einem Erlebnis aus der Zeit, in der er High Commissioner von Palästina war. Es wurde ihm damals im Hause eines Landwirts eine Sichel übergeben, die aus einem deutschen Bajonett umgeschmiedet war. Sir Herbert Samuel widmete dieses Stück dem Kriegsmuseum in London. Wenn Sie dieses Museum besuchen, schloß Sir Herbert seine Ansprache, dann werden Sie mitten unter der ungeheuren Menge von Kriegsgerät aller Art diese Sichel in einen Rahmen gefaßt finden, unter dem in drei Sprachen die Worte stehen: Sie werden ihre Schwerter in Pflugscharen und ihre Speere in Sicheln umschmieden . . .?*^m%.j* lUllülOIDU! VORNEHME FAMILIEN - PENSION | |REstaDPfltiool8affBBhans j täglich 5-Uhr-Tee iSEFINERINO TELEPHON 11 iHochstrafie 43 neben Hotel Panhans W Mäßige Preise, Zimmer mit Pension S 12.—aufwärts M Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser in jedem Zimmer. Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein, Besitzer Das Stammhaus der Rothschilds. Umbaupläne der Frankfurter jüdischen Gemeinde. Das alte Frankfurter Bankhaus der Rothschilds in der Fahrgasse, von dem Ruhm und Reichtum der Familie ausgegangen sind, wird seit der Auflösung des Frankfurter Geschäftes im Jahre 1902 nicht mehr für bankmäßige Zwecke benutzt Zunächst war dort die jüdische Haushaltungsschule untergebracht. 1914 wurde das Gebäude für die Dauer des Krieges in eine Durchwandererstation für Flüchtlinge umgewandelt 1921 überließ es Frau Baronin Edmond de Rothschild in Paris, die Tochter des in Frankfurt verstorbenen Barons Wilhelm Carl von Rothschild, als Geschenk der Israelitischen Gemeinde. Die Gemeinde verlegte dorthin ihre Verwaltungsräume und ins Nebenhaus an der Börnestraße ihre Bibliothek. In den Kontorräumen' der letzten Frankfurter Rothschilds im ersten Obergeschoß aber wurde das Museum für jüdische Altertümer aufgebaut. Das eigentliche Privatkontor der Brüder Mayer Carl und Willy Carl von Rothschild ist ganz so erhalten geblieben, wie es von ihnen verlassen wurde. Nun geht die Frankfurter Gemeinde daran, das Innere des Hauses für ihre Zwecke umzugestalten und einzurichten. Die in Frankfurt auf der Grüneburg, dem Sitze des Barons Wilhelm Carl von Rothschild, geborene Baronin Edmond de Rothschild in Paris hat der Gemeinde für ihre Umbauzwecke einen größeren Betrag zur Verfügung gestellt, so daß also die Bauarbeiten in der allernächsten Zeit angefangen werden können. Die Spenderin hat an ihre Gabe aber die Bedingung geknüpft, daß am Aeußeren des alten Bankhauses nichts verändert werden darf. Nach Ansicht der Kenner liegt für einen Eingriff in die architektonischen Teile des Gebäudes auch kein zureichender Grund vor. Die beiden um die Ecke Fahrgasse-Börnestraße gelegten Fassaden der klassizistischen Auffassung des frühen 19. Jahrhunderts zeigen einfache und schmucklose Gliederung, die nur im Erdgeschoß etwas reicher bedacht ist; der ganze Bau tritt in seiner fast einsamen Größe an dieser belebten Stelle sehr vorteilhaft hervor. Das Bankhaus wurde in den Jahren 1810 bis 1812 errichtet Es steht auf dem Grund und Boden, der den Eingangspunkt für die alte Judengasse, die heutige Börnestraße, bildete. Amschel Mayer Rothschild hat den Umzug in das neue Haus an der Fahrgasse im Spätherbst 1812 wahrscheinlich nicht mehr erlebt Die Frankfurter Gemeinde will in den beiden Rothschildhäusern neue Räume für die Gemeindeverwaltung schaffen, die Bibliothek durch einen Lesesaal erweitern.. Sitzungszimmer gewinnen und auch das Museum, dessen Grundstock Erinnerungsstücke an Familie Rothschild bilden, vergrößern. Man will dabei die Pietät walten lassen, die Frankfurt dem Hause Rothschild schuldet dem es neben anderem auch einen Teil seines Aufstieges und seines Glanzes im 18. und 19. Jahrhundert zu danken hat. '* '-> **"«*T hp*^^i;:r'i'~^J7 T- ' *i -/w'Ni Bri■ v\!rH$?>^i: ^ifetepl #f®IISil W 'hOiamf3^^A Gibt es eine jüdische Musik*). Von Oberkantor Armin Wilkowitsch, Eger. Gewiß war es gewagt von mir, eine Frage aufzuwerfen, die als Noli me tangere zu werten ist. Als sehr junger Mensch, aus dem russischen Osten nach Ungarn kommend, erfuhr ich in einer orthodoxen Zentrale, daß die traditionellen Gesänge an den Hohen Feiertagen, insbesondere jene „Neggunim", die texlos vorgetragen (angeblich den Satan zu täuschen), mi-Sinaj seien, d. h. Mose habe dieselben auf dem Sinaj empfangen — und daher kein Jota abzuändern gestattet wäre. — Eine strenge Sache! Merkwürdig, daß in Litauen und in Rußland von dem „Mi-Sinaj" nichts bekannt war, ja, sogar die markantesten Pismonim, wie: „Jachbienu zel jodau", werden *) Mit diesem Schlußwort des ersten Autors beendigen wir die Diskussion. Die Red. leider Nur Ia-Qualitäten nach Maß und fertig lagernd, eventuelle Zahlungserleichterungen bis zu 1 Jahr werden gewährt. r IEIDER-UN10N kWlENVLKasernena.6 TeLB202lJ