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Die Wahrheit · 1931-03-06 · Heft 10 (6.3.1931) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 10 (6.3.1931)
Date
1931-03-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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daß die altrenommierten Sdintldl-Maziofh Alles spricht davon welche unter streng orthodoxer Aufsicht des Rabbinates hergestellt werden, heuer besonders gut geraten sind. Die Mazzoth werden aus dem feinsten Mehl erzeugt Seit vielen Jahren genießen die „Schmidl-Mazzoth" das beste Renommee Zentrale: N. BRODETZKY, Wien, IL Bezirk, Leopoldsgasse Nr. 43 Telephon A 60-2-63, A 46-1-90, A 41-9-32 ——i in allen besseren Geschäften zu haben ■pbmbssbi Averescu wiederholt dargelegt wurde, ist der. daß sich die Juden jenen rumänischen Parteien anschließen sollen, von denen sie si^hprogrammatisch am stärksten angezogen fühlen." Antisemitismus in Litauen. Folgende drei 1. T. A.-Nachrichten beleuchten scharf die prekäre Situation, in der sich die litauischen Juden derzeit befinden: Die katholische Kirche in Litauen steht seit einiger Zeit in einem Konflikt mit der Regierung. Um die Regierung in Verruf zu bringen, wird von der Geistlichkeit das Gerücht ausgesprengt, daß die Haltung der Regierung auf jüdischen Einiluß zurückzuführen sei. Infolge dieser Gerüchte verbreitet sich im Lande eine geiährliche antisemitische Stimmung. Geistliche verteilen Flugblätter, in denen behauptet wird, die Regierung versuche, die Christen zu zwingen, ihre Hochzeitszeremonien durch Rabbiner vollziehen zu lassen (!), lerner, daß die Regierung den Juden große Subventionen gewähre, so daß die Rabbiner weitaus höhere Gehälter beziehen können als die katholischen Geistlichen und daß die Juden als Kompensation hierfür der Regierung Spionagedienste gegen die Geistlichkeit leisten. Der jüdischen Oeffentlichkeit hat sich, da man allgemein fürchtet daß diese Propaganda zu antisemitischen Ausschreitungen führen könnte, heftige Erregung bemächtigt Der Leiter des Kownoer Polizeidepartements hat die Versicherung abgegeben, daß die Behörden sich der von dieser Propaganda ausgehenden Gefahr bewußt sind und Maßnahmen zur Verhütung von Unruhen getroffen haben. Ebenso wird im Innenministerium eine Aktion vorbereitet um die antisemitische Agitation zum Stillstand zu bringen. « Das litauische Kabinett kündigt ein neues Gesetz über die Bedingungen der Zulassung zum Rechtsahwaltsberuf an, durch das die Juden faktisch vom Rechtsanwaltsberuf ausgeschlossen würden. Nach dem neuen Gesetzentwurf ist eine zweijährige Gerichtspraxis nach erlangtem Doktorat als Voraussetzung iür die Zulassung zum Anwaltsberuf vorgesehen. Da die litauischen Gerichtshöfe keine Juden anstellen, wird es Juden unmöglich sein, falls der neue Entwurf Gesetz werden sollte, den Anwaltsberuf zu ergreifen. Einer Delegation christlicher Studenten, die beim litauischen Kabinett Vorstellungen bezüglich des geplanten neuen Gesetzes erhob, erklärte Ministerpräsident Schillings, die Litauer hätten keinen Grund zur Besorgnis, da sich das neue Gesetz ausschließlich gegen die Juden richte. * * Unter dem Vorsitz des litauischen Oberrabbiners Schapiro fand in Kowno eine Konferenz der größten jüdischen Organisationen Litauens statt, auf der ein Komitee zur Verteidigung des Rechtes der jüdischen Ausländer auf Arbeit gewählt wurde. Die Konferenz stellte sich auf den Standpunkt daß die Verhinderung der Anstellung Staatenloser als jüdische Frage zu betrachten und als Gefahr f ü'r die gesamte Judenheit Litauens zu bekämpfen sei. Das auf der Konferenz gewählte Zentralkomitee umfaßt Vertreter aller jüdischen Organisationen Litauens und wird seine Tätigkeit unverzüglich aufnehmen. .' Ichte^PenerteD^^ durchwegs günstige Gelegenheitskäufe, werden mit ganz kleinem Nutzen im WIEDNER MÖBELHEIN Inn. JULIUS GÖTZL Handig. beeld. Sichv. n. Schatzmeister IV.,SCHLEIFM0HLGASSE1a TELEPHON B 34-1-62 billigst abgegeben; daselbst sind auch elegante Schlaf- und Speisezimmer, Herrenzimmer, teils neu. teils gebraucht, zu verkaufen. Veröffentficflungen der Union öeutsdjösterreidjisdfer Juden. Bezirksorganisation Aisergrund. Mittwoch, den 28. v. M. fand im Cafe City eine sehr stark besuchte Mitgliederversammlung der Bezirksorganisation IX der „Union" unter Leitung des Obmannes, Herrn Dr. Ernst Feldsberg, statt. Der Vorsitzende begrüßte zunächst die zahlreich Erschienenen, insbesondere Herrn Präsidenten Dr. J. 0 r n s t e i n, die Kultusvorsteher Medizinalrat Dr. J. Deutsch, Börserat I. Glück, Wolf Pappenheim und Doktor .1. Tic ho, die anwesenden Mitglieder des Zentralvorstandes der „Union" und Herrn Rabbiner Dr. A. K a m i n k a. Er beglückwünschte hierauf unter lebhafter Zustimmung der Versammlung die kürzlich aus schwerer Gefahr erretteten Herren Präsident Prof. Dr. A. Pick und Börserat I.Glück. Kultusvorsteher Dr. J. Tic ho ergriff hierauf, stürmisch akklamiert, das Wort zu seinem interessanten Referate über das Thema „Zurück zur Religion!" Nach einem kurzen Rückblick auf die Geschichte des Judentums warf der Vortragende die Frage auf, wie es komme, daß das Judentum noch immer bestehe, während so viele einst machtvolle Völker zugrunde gegangen sind. Israel konnte bestehen, denn es hatte seine Thora. Sie gab und gibt den Juden Lebensmut, Lebenswillen und Widerstandskraft. "Israel war zuerst inmitten all der Völker des Altertums dazu gelangt, an den einig-einzigen Gott zu glauben, und alle anderen Religionen haben diese Weltanschauung vom jüdischen Volke entlehnt. Unsere Vorfahren sind lieber in den Tod gegangen, als den Glauben aufzugeben. Es ist nun unser sehnlichster Wunsch, daß an diesem Väterglauben auch unsere Kinder festhalten. Während des Krieges haben so manche, da Tod und Not sie bedrohte, Gott gesucht und konnten ihn nicht finden, da ihnen ihre Religion fremd geblieben war. Man mag die Religion eine Stimmung nennen — ein Standpunkt, den der gläubige Jude nicht mit Unrecht bekämpft — aber wenn diese Stimmung eintritt, wenn der Jude seinen Gott sucht, dann muß er ihn finden können. Deshalb ergeht die Mahnung „Zurück zur Religion!" in erster Linie an die Eltern. Viele von ihnen, die den modernen Grundsatz von der Gedankenfreiheit falsch auffassen, glauben, daß die Erziehung der Kinder frei sein solle von der Religion. Wenn das Kind älter werden wird, dann wird es schon selbständig über religiöse Fragen nachzudenken in der Lage sein. Die religiöse Erziehung aber von vornherein ausschalten zu wollen, wäre ein schwerer Fehler, der sich dann oft an dem Erwachsenen,, der seinen Gott sucht und nicht finden kann, rächen könnte. Ein wichtiger Grundsatz aller Pädagogen ist die Uebereinstimmung von Schule und Haus. Die religiöse Bildung muß deshalb im Hause, soweit als möglich, gefördert und ergänzt werden: das Kind soll die jüdischen Feste, von denen es in der Schule erfährt im Hause gefeiert, die Gebräuche schon im Elternhause geübt sehen! Das Elternhaus sei darauf eingestellt, daß es mit dem Religionslehrer zusammenarbeite, nicht aber den Religionsunterricht für eine Belastung der Kinder halte. Nur durch diese Zusammenarbeit in der Vermittlung religiöser Bildung kann ein Erfolg erzielt Kleider sofort Zahlung später Herren- und Damenfcleider nach Man und fertig nur erstklassige Stoffe, bis 12 Monate Kredit Klelderhaus Werler, Wien Xf L, Ottakrtufierstr. 11 Tel. A21-501 werden. Wie furchtbar ist der Gedanke, daß Kinder einst rufen könnten, wir wollen zurück zum Glauben unserer Väter, und werden nicht zurück finden. Der Ruf „Zurück zur Religion!", schloß der Referent seine gediegenen Ausführungen, ist ein durchaus moderner; erst unlängst hat in einem Vortrage Rektor Prof. Dr. I n n i t z e r die Zunahme der Empfänglichkeit vieler Menschen für die Religion konstatiert, und zwar bei allen Bekenntnissen. Dieser Zug zur Verinnerlichung ist insbesondere bei den Juden festzustellen, namentlich haben der Weltkrieg und die schweren Nöte desselben zur Erstarkung des religiösen Gefühles beigetragen. Helfen Sie mit, daß dieses religiöse Gefühl in unseren Kindern erweckt und wachgehalten wird und wir werden zur Ehre und zum Ansehen des Judentums viel beigerragen haben! (Stürmischer Beifall.) Nach einem Vortrage des Herrn Reg.-Rat Dr. Lenk aus dem Buche von Edmond F1 e g, „Warum ich Jude bin?", folgte auf die interessanten Ausführungen Dr. Tichos eine lebhafte Debatte, an der sich zunächst Herr Rabbiner Dr. A. Kaminka beteiligte. Auch er konstatierte den Zug zur Religion, der durch die heutige Welt geht, stellte aber gleichzeitig einen anderen gewaltigen Zug fest, der nach der entgegengesetzten Richtung zieht. Diese organisierte Gegnerschaft, von einem Riesenreiche ausgehend und verwandte Kreise in aller Welt beeinflussend, birgt große Gefahren für das Judentum in sich. Wenn wir daher den Zug zur Religion zu unserem Nutzen verwerten wollen, so dürfen wir nicht die Augen verschließen vor dem, was sonst in der Welt vorgeht. Wir dürfen auch nicht die Strömungen im modernen Judentum außer acht lassen und müssen auch auf die Erfassung jener Kreise bedacht sein, die heute nicht mehr so orthodox leben, wie ihre Vorväter. Der Redner regte eine Organisierung dieser Schichten an, wobei er ausdrücklich betonte, daß hierbei nicht an einen Kampf gegen die Orthodoxie gedacht werden dürfe, sondern immer nur an die Förderung des religiösen Gedankens. Wenn wir, schloß er seine Ausführungen, in religiöser Hinsicht auf der Höhe stehen werden, dann werden wir uns auch den Respekt unserer Umwelt verschaffen können. (Lebhafte Zustimmung.) Julius Carlebach (Hamburg) regte die Schaffung von zwei Institutionen an, die sich in Deutschland bereits bestens bewährt haben: Die jüdische Erwachsenenbildung; Väter und Mütter, die ihre Kinder in religiösem Geiste erziehen wollen, dürfen nicht davor zurückschrecken, sich selbst wieder auf die Schulbank zu setzen — und eine jüdische Volkshochschule, in der alle ohne Unterschied des innerjüdischen Parteistandpunktes zusammenarbeiten zum Zwecke der Erwerbung jüdischen Wissens und jüdischer Kultur. Wolf Pappenheim sprach von den hohen ethischen Grundsätzen, die in den „Sprüchen der Väter" festgelegt seien. Eine persönliche Reminiszenz, die er hierbei erwähnte, begegnete lebhaftem Interesse. Er erzählte, daß der verstorbene im VORNEHME FAMILIEN - PENSION f^m* |HestaDPatiDn,BaffeBhBDs täglich 5-Uhr-Tee SENMERIN0 TELEPHON 11 iHochstraße 43 _ neben Hotel Panhans j Mäßige Preisd Zimmer mit Pension S 12.— aufwärts W Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser Ü in jedem Zimmer. Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein. Besitzer ^iliÖSÄ^ f!if^.rj:ß w" ■■ü^tifSmimM

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