Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 9 (27.2.1931)
- Date
- 1931-02-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3064453-3064462--18274-3083287- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE WAHRHEIT Seite S Prachtvolle echtePgrseMeppIche durchwegs selten günstige Gelegenheitskäufe sowie elegante Möbel, wie Speise-, Schlaf- und Herrenzimmer werden zu ganz außerordentlich billigen Preisen abgegeben. Besichtigung ohne jeden Kaufzwang im WIEDNER MÖBELHEIM INH. JULIUS G0TZL Haadelsger. beeid- Sachv. n. Schatzmeister IV..SCHLEIFMÜHLGASSE1. TELEPHON B 24-1-62 nicht selbst bist, ist Lüge, ist Sklaverei!", sollten ans Frauen ein Wegweiser für unsere Jugend sein, sie zum Denken für Ideale außerhalb des parteipolitischen Lebens anzuregen. Insbesondere die jüdische Frau hat als Mutter die Aufgabe, ihr Kind von jenen politischen Streitfragen fernzuhalten, denn im jüdischen Leben wirken sich diese Feindseligkeiten noch viel schärfer aus; es wird doch dadurch der reinste, schädlichste Bruderhaß genährt. Unser Volk, das durch die jahrhundertelangen, äußeren Kämpfe und Einflüsse zersplittert wurde, darf nicht durch sinnlosen Parteizwiespalt noch innerlich zerrissen werden. Bleiben wir jüdischen Mütter daher dem Friedensprinzipe getreu und erziehen wir unsere Kinder zu unparteilichen, unverblendeten, wahren Juden! Jula Weiß, Wr.-Neustadt. * Die Redaktion der „Wahrheit" würde sich freuen, Entgegnungen zu diesem Artikel aus dem Kreise ihrer Leserinnen zur Veröffentlichung zu erhalten. Gibt es eine „jüdische Musik"? Bemerkungen zu dem Artikel des Herrn Oberkantors Armin Wilkourtsch In Eger. Von Oberkantor G. Margulies. (Schluß.) Professor Artur Wolf schreibt über „jüdische Musik" weiter: Man kann den Kreis der jüdischen Musiksachverständigen in drei Kategorien teilen: 1. Apikorsim, 2. Mitnagdim und 3. Chassidim. Zu den ersten gehören jene, die ihrem ganzen Charakter nach für alles spezifisch Jüdische kein Interesse aufbringen und ihr Judentum stets zu verbergen trachten; mit dieser Kategorie wollen wir uns nicht weiter befassen. Zur zweiten Kategorie gehören die treuen, aufrichtigen und charaktervollen Juden, die die spezifisch jüdische Musik äußerst gering schätzen, nur von Resten des Tempelgesanges sprechen und einen original-jüdischen Stil verneinen. Ihre Geringschätzung der jüdischen Musik hat ihre Grundursache darin, daß die Quellen, aus denen sie ihr Wissen schöpfen, äußerst arm sind und daß ihnen die wahren und ergiebigen Quellen unbekannt geblieben sind. Die Tempelgesänge der oben erwähnten orientalischen Juden verharrten bis zum heutigen Tage ebenso in denselben primitivsten Urformen, wie die Musikdenkmäler der ersten christlichen Kirchengesänge, was deutlich aus den phonographischen Aufnahmen Idelsohns hervorgeht Sie sind von begrenztem kleinen Tonumfange, unbedeutend und monoton. Hingegen haben sich diese Urmelodien bei den Ostjuden (so wie im Abendlande die christlichen Kirchengesänge) zu erweiterten und vergrößerten Formen, zu einem jüdischen Stil mit spezifischem Charakter entwickelt: freilich nur in den durch die kleinen einstimmigen Tempel-, durch die Volksgesänge und Tänze ihnen gesteckten Grenzen. Was über diese Urmelodien und ihre Formen, seien es jüdische oder christliche, hinausgeht, ist immer international. Wohl wurden in den letzten Jahren sehr viele jüdische Volkslieder aufgezeichnet, dies aber keineswegs erschöpfend und am wenigsten wurden dabei die Hochzeits- und chassidischen Tänze und speziell die besonders charakteristischen chassidischen Tisch- Nigunim (das sind Lieder ohne Worte während der Mahlzeiten an Sabbaten und an den Feiertagen) berücksichtigt Die flauptquellen, die in den traditionellen Tempelmelodien (Nusschaot) wie in den improvisierten Tempelgesängen (Chasanot) liegen, sind zum allergrößten Teile überhaupt nicht aufgezeichnet oder in den veröffentlichten Aufzeichnungen nur angedeutet. Ich mußte mir förmlich das Lachen verhalten, als ich vor Jahren dem Vortrage eines jungen Musikkritikers beiwohnte, der die Quellen jüdischer Musik in den Werken Sulzers suchte und daraus sogar Zitate brachte. Denn zu den Quellen jüdischer Musik gehören die Werke dieses großen und mit Recht so berühmten Mannes keineswegs. Er hat den Gottesdienst reformiert, hat für ihn eine moderne Musik geschrieben und nur hie und da an. entsprechenden Stellen einen traditionell-jüdischen Einschlag festgehalten. Das ist sein großes Verdienst, damit hat er sich für das Judentum unsterblich und unvergeßlich gemacht und viele seiner Werke werden dem jüdischen Gottesdienste dauernd einverleibt bleiben. Wer nicht vom Schamasch nachts zu Selichot geweckt wurde, wer nicht die traditionellen Melodien aller Selichot, Rijutim, Pismonim. (das sind Gebete, die den modernen Tempelgesängen vollständig fremd sind), die von den Baale Tefilot in bravouröser, temperamentvoller, stets variierender Form gebracht wurden, nicht gehört, wer nicht von den Klesmern (Kle semer jüdische Musikanten) die neuen Hochzeitstänze, wer nicht vom Rebbensgabe oder. Chasan den neuen Jomtow- Tischniggun gehört und im Elternhause die verschiedenen Semirot bei den Schalosch seudot am Sabbat mitgesungen hat, wer also seine Kenntnisse nur Idelsohns armseligen monotonen Melodien verdankt oder gar nur aus dem modernen Sulzer-Werke schöpft — der kennt die wahren Quellen jüdischer Musik nicht und findet auch nicht den richtigen Weg zu ihrer Erforschung oder Entwicklung. Wer aber all das mitgemacht hat, der kann sich mit Stolz zur dritten Klasse, der Klasse der Chassidim zählen. Der Chassid ist eben überzeugt von dem Vorhandensein eines einstimmigen spezifisch jüdischen Stiles und glaubt an die Möglichkeit seiner weiteren Entwicklung. Die Gründung jüdischer Gesellschaften zur Erforschung der jüdischen Musik ist sehr begrüßenswert, und es ist sicher in Ordnung und nicht anders denkbar, daß man zur Leitung einer solchen Gesellschaft einen hervorragenden Musikhistoriker bestellt Seine Wahl ist nicht schwer, und wenn der Gewählte auch ein guter Jude ist. dann ist die Wahl auch vollkommen gelungen. Schwer wird es aber diesem Manne fallen, die richtigen Mitarbeiter, respektive Ratgeber zur Erreichung der Gesellschaftsziele zu finden. Seit Beginn der zionistischen Bewegung haben einige mehr oder weniger begabte jüdische Musiker verschiedener Geschmacksrichtung versucht, jüdische Volkslieder zu bearbeiten, nach Tempel- und Volksweisen zu komponieren, über jüdische Musik zu schreiben und darüber Vorträge zu halten. Da. wie bei allen großen kulturellen oder politischen Bewegungen auch in diesem Falle viele Unberufene, Ehrgeizige oder von egoistischen Erwerbsmotiven Geleitete, unter Irreführung und zum Schaden des Publikums, mitliefen und sich wie gewöhnlich in den Vordergrund stellten, ist auch vorliegend eine Hemmung und Störung der ganzen Bewegung, eine Art Chaos herbeigeführt worden. Wohl mag aus den neuen jüdischen Musikwerken manches Gute herauszuholen sein; wenn aber jemand eine jüdische Melodie zerreißt, die einzelnen Teile durch französische oder russische Musikphrasen verlängert (wie man etwa aus einer kleinen echten Perlenschnur durch Einmischung vieler falscher Perlen eine lange machen kann) und sie mit Gehör verletzender expressionistischer Akkordik oder mit sogenannten visionären Klängen garniert — so ist er damit noch lange nicht ein Komponist von Rang; und wenn jemand über hübsche, eventuell auch banale jüdische Volkslieder mit geschickter Klaviertechnik Variationen schreibt, so ist er noch lange kein Meister jüdischer Volkslieder. Das trifft auch jeder nichtjüdische Kbmpositionschüler, wenn er auch für das Komponieren weiter keine Begabung aufweist. Für die Musikforschung sind derartige Arbeiten völlig bedeutungslos und ihre Verfasser haben damit noch lange nicht den Sachverständigenbeweis als Kenner jüdischer Musik erbracht; und wenn ein Journalist in einer Parteizeitung einmal eine fachlich unrichtige Kritik geschrieben hat, ist noch lange nicht ein Musikgelehrter und keineswegs legitimiert, dem Komponisten Art und Richtung seiner Kompositionen vorzuschreiben. Ueber den Wert einer Komposition und über ihren dauernden Erfolg entscheidet immer, letzten Endes einzig und allein, das Publikum. Die wirklich schönen spezifisch jüdischen Musikwerke der neueren Zeit verdienen es gewiß und sollen auch bei jüdischen öffentlichen Aufführungen gebracht werden; aber infolge ihres einseitigen durchgehends schwermütigen Charakters können sie nicht ausschließlich gepflegt werden. Wie die Komponisten aller bedeutenden Musikvölker nicht nur im nationalen, sondern auch im internationalen Stile komponieren, respektive auch internationale Musik pflegen, wollen sich auch die Juden, speziell ihre Jugend in Palästina nicht auf eine nationale Musik beschränkt sehen. So sehen wir auch, daß heute Mozart und Beethoven in Erez Israel mehr gepflegt werden als in irgend einem anderen kleinen Staate. Während meiner Anwesenheit in Palästina habe ich es selbst erfahren, daß die dortige lugend auch fröhlicha Lieder und heitere Musik singen und hören will. Auch wird dem musiksatten Europäer bei aller Schönheit ein derartiger einseitiger schwermütiger Musikstil nur als interessante Abwechslung genehm sein. In dieser Erkenntnis hat auch schon Oberkantor Salomon Sulzer bei seiner Reformierung des jüdischen Gottesdienstes in diesen zum Teile auch einen heiteren modernen Stil eingeführt. Unser modernes Leben und unsere moderne Literatur ist reich und vielseitig und soll deshalb auch durch eine internationale Musiksprache zum Ausdrucke gebracht werden. Singe, wem Gesang, komponiere, wem diese Gabe gegeben. Jüdische Dichtungen in verschiedenen Stilarten vertont in hebräischer Sprache erklingen zu lassen, ist die Parole In Palästina. Bern- Iii Diiieir Nur Ia-Qualitäten nach Maß und fertig lagernd, eventuelle Zahlungserleichterungen bis zu l Jahr werden gewährt GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNMEHL WHN DL» MMOMW NR* 1» PILUUli XVIIL, WAMUMaiRSTRASSS 19 Ttlepbaa Nr. A 17-349 aad A 18*34 AbteilungenfürKoscherfleisch Jtafslaht 4m lar. Samtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen IEIDER-UNION " IVLKaMrneaa.6 TeLB 20*13 Veröffentßdfungen der Union öeutsd}österreid}isd)er Juden. Altjüdiscfie Rlhialkunst. Am 19. d. M. veranstaltete die „U n i o n" im Qoldsaal des Cafe Silier unter dem Vorsitz des. Herrn Dr. Karl Steiner einen gutbesuchten Vortragsabend, bei dem Julius Carlebach, Hamburg, über „Altjüdische Ritualkunst" sprach. Der Referent ging von der Tatsache aus, daß der jüdischen Religion der Vorwurf der Kunstfeindlichkeit gemacht wurde. Diese falsche Auffassung sei durch die falsche Interpretation des Bildnisverbotes entstanden, das von der Untersagung des Götzendienstes untrennbar sei. Aehnlich wie im Islam, lassen sich trotz des Bildnisverbotes auch künstlerische Schöpfungen für jüdische Zwecke aufweisen. Im alten Judentum, das der Religion die zentrale Stellung im geistigen Leben einräumte, mußte sich auch die jüdische Kunst vorwiegend für religiöse Zwecke einstellen. Ein eigener typischer Stil konnte sich nicht entwickeln, da Israel im Druck und Elend des Ghetto keine Gelegenheit findet, sich seinen eigenen Stil zu schaffen. Und so ist auch in der jüdischen Kunst der Einfluß von Boden und Heimat wichtig. Der deutsche Jude schafft mit deutschen Formen, der italienische schult sich an den hohen Vorbildern italienischer Kunst. Aber der Jude gibt fremder Form eigenen Inhalt, übernimmt nur das an Verzierung und Ornament, was Erinnerungen an Jüdisches in sich trägt So bedeuten die Wappenlöwen auf den Kultgeräten ein jüdisches Symbol. Juda erhebt sich wie ein junger Löwe zum Dienste des Schöpfers. Jüdische Kunst verbindet zweckhafte Gestaltung mit symbolhafter Schmückung. Es gab jüdische Künstler und Handwerker, die mit gutem Geschmack diese Werke jüdischer Volkskunst gestalten konnten. Es muß aber untersucht werden, inwieweit Werke nichtjüdischer Künstler, die sich in die ihnen gestellte Aufgabe und in die besondere Mentalität des jüdischen Menschen hineinlebten, jüdische Volkskunst schaffen konnten. Als typische Volkskunst trägt auch die jüdische Kunst alle Merkmale einer solchen. Der jüdische Handwerker konnte ja, da ihm die Mitarbeit in den Zünften nicht gestattet war, erst dann einen neuen Stil aufgreifen, wenn er sich in der allgemeinen Kunst schon lange durchgesetzt hatte. Aber die zweckmäßig und schön empfundenen Gerätformen werden immer wiederholt. Und so bilden sich Typen, die denselben Stil aufweisen und doch verschiedensten Epochen angehören. Und doch wird aus diesem Stilgemisch ein einheitliches' Ganzes geschaffen, das man als jüdischen Kunstjargon bezeichnen kann. Wir sollen den Wert jüdischer Kunst nicht überschätzen, aber wir können die Erzeugnisse jüdischen Kunstfleißes auch nicht nur mit den Augen des Stilkritikers ansehen, Unterbewußtes und Unbewußtes verbindet uns mit ihnen. Und das wichtige Unbekannte. Durch den Gedanken von Hiddur Mizwoh, der schönen Ausführung eines jüdisches Gebotes, bietet die jüdische Religion Anreiz zu künstlerischer Gestaltung. An Hand reicher Lichtbilder ging dann der Referent auf die Entstehung und Bedeutung der verschiedenen jüdischen Kultgeräte ein und erklärte insbesondere den darauf vorkommenden symbolischen Schmuck. Am Schluß seiner mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen wies dann der Referent auf die reichen Schätze im hiesigen jüdischen Museum hin. das leider in weitesten jüdischen Kreisen unbekannt sei, und gab die Anregung, das letzte Stockwerk des geplanten jüdischen Studentenheimes dem Museum zur Verfügung zu stellen. In einer kurzen